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Cholera

Cholera ist eine bakterielle Darmerkrankung, die typischerweise akut beginnt, mit wässerigen Durchfällen und Erbrechen. Milde Verläufe sind häufig, doch in schweren Fällen besteht durch enormen Flüssigkeitsverlust die Gefahr, dass der Organismus rasch austrocknet. Früher betrug die Sterblichkeit bis 60%, bei der gegenwärtig vorherrschenden Bakterienart ohne Behandlung noch gegen 30%, mit adäquater Therapie unter 1%.

Einleitung

Für Länder, in denen zumindest die grundlegenden Hygienestandards eingehalten werden, stellt Cholera heute keine Bedrohung mehr dar, hingegen weiterhin für manche Entwicklungsländer.

Geschichte und aktuelle Situation

Im 19. und 20. Jahrhundert ereigneten sich sieben Pandemien, die alle von Asien ausgingen und von denen fünf auch Europa erreichten. Die letzte Pandemie nahm ihren Ursprung 1961 in Indonesien und breitete sich nach Afrika und Amerika aus.

In den vergangenen Jahren kamen Cholera-Epidemien überwiegend in Afrika und Asien vor.

  • Die letzte grosse Epidemie, die von August 2008 bis ins Jahr 2009 dauerte, erfasste hauptsächlich Simbabwe aber auch mehrere andere Länder Afrikas – wie schon in vorangegangenen Jahren (z.B. 2007). Sie kostete mehrere tausend Menschen das Leben.
  • In Asien waren in den letzten Jahren überwiegend Staaten im Süden betroffen, darunter auch Afghanistan, ausserdem der Irak (vor allem 2007/2008; Quelle: WHO).
  • Die letzte grosse Cholera-Epidemie in Südamerika begann 1991 in Peru, breitete sich schnell aus und kostete vermutlich mehr als 10‘000 Menschen das Leben.
  • Früher gab es auch in Europa grosse Cholera-Epidemien, in der Schweiz zuletzt 1867 in der Region Zürich mit gegen 500 Todesopfern.

Seit mehreren Jahrzehnten werden in Europa (wie auch in Nordamerika) nur noch „importierte Fälle“ registriert. Es handelt sich dabei um Reisende, die sich in anderen Kontinenten infiziert haben. Die Anzahl ist jedoch gering, sie bleibt in den meisten Ländern auf max. eine bis drei Personen jährlich beschränkt.

Begriffserklärungen

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Endemie:

fortwährendes oder wiederholtes Vorkommen einer Krankheit in einem geographisch begrenzten Gebiet (Endemiegebiet). Der Krankheitserreger ist in dieser Region dauernd vorhanden. Adjektiv: endemisch.

Pandemie:

länder- bzw. kontinentübergreifende oder weltweite Verbreitung einer Krankheit während einer bestimmten Zeit.

Exposition:

Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Toxin:

Giftige Substanz, die von Krankheitserregern, Pflanzen oder Tieren gebildet wird. Adjektiv: toxisch.

Ursache und Risikofaktoren

Erreger ist das Bakterium Vibrio cholerae, aktuell hauptsächlich ein Subtyp mit dem Namen Vibrio el Tor. Die Cholera-Bakterien werden mit Stuhl oder Erbrochenem ausgeschieden und mit dadurch verseuchtem Wasser oder mit Lebensmitteln übertragen. Von Bedeutung ist, dass auch Infizierte ohne Krankheitszeichen den Keim während 7 bis 14 Tagen oder sogar länger ausscheiden können und so zum Entstehen einer Epidemie beitragen.
Der Erreger vermehrt sich im Dünndarm des Infizierten, verursacht hier nach einigen Stunden bis Tagen eine Entzündung und produziert ein Gift (Choleratoxin), das den Darm zu vermehrter Ausscheidung von Wasser und Salzen zwingt.

Die Salzsäure des Magens und die Abwehrlage des Infizierten stellen insgesamt eine wirksame Barriere dar. Bei sonst Gesunden führt nur eine grosse Bakterienmenge zur Erkrankung und das Risiko für Touristen ist bei vorsichtigem Verhalten klein. Besonders gefährdet sind indessen unterernährte, abwehrgeschwächte und ältere Menschen, insbesondere wenn sie in schlechten hygienischen Verhältnissen leben, sowie Säuglinge.

Infektiöse Durchfallerkrankungen in unseren Breitengraden haben nichts oder äusserst selten („importierte Fälle“, s. oben) etwas mit Cholera zu tun. Hier überwiegen bei weitem Viren, Salmonellen oder andere Bakterien als Ursache einer so genannten Enteritis.

Das Krankheitsbild

Leichte Choleraformen, die sich nicht von anderen, harmloseren Durchfallerkrankungen unterscheiden, existieren neben schweren, tödlichen Verläufen. Man geht davon aus, dass sich bei 80 bis 85% der Infizierten wenige oder gar keine Symptome entwickeln.

Manifeste Cholera

Die Inkubationszeit ist kurz, sie dauert einige Stunden bis fünf Tage. Dann beginnt die Erkrankung plötzlich mit Bauchkrämpfen und Durchfällen, begleitet von Übelkeit und gallig-blutigem Erbrechen. Fieber fehlt hingegen in der Regel. Bei schweren Formen sind es bis zu 30 wässrige Darmentleerungen. Dem dünnflüssigen Stuhl ist oft Schleim beigemengt („reiswasserartiger“ Stuhl). Gefahr besteht wegen des hohen Salz- und Flüssigkeitsverlustes und dem damit verbundenen Austrocknen, was innert weniger Stunden zum Tod führen kann. Folgen des Austrocknens sind:

  • Trockene und kalte Haut, Sinken der Körpertemperatur (Untertemperatur).
  • Exzessiver Durst.
  • Glasige, eingesunkene Augen und eingefallene Wangen.
  • Schneller Puls, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufschwäche, Kollaps.
  • Starke Müdigkeit oder Benommenheit bis zum Koma.
  • Muskelkrämpfe.
  • Ausbleibende Urinproduktion, letztlich Tod durch Kreislauf- und Nierenversagen.

Was man selbst tun kann

Bei Durchfall oder Brechdurchfall unbekannter Ursache sollten ohne ärztliche Kontrolle keine Mittel eingenommen werden, welche die Darmtätigkeit verzögern, da sonst die Bakterien und ihre Toxine nicht ausgeschwemmt werden, was den Verlauf noch verschlimmert.

Medikamente gegen Erbrechen und Durchfall können bei Kindern unangenehme, teils sogar schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Man verzichtet deshalb besser auf die Gabe solcher Arzneimittel.

  • Bei akutem Brechdurchfall ist generell ausreichender Ersatz des Flüssigkeits- und Mineralverlustes durch Einnahme von Bouillon und Getränken unerlässlich. Effektiver und auch bei fortwährendem Erbrechen durchführbar ist die Infusion von Flüssigkeit direkt in eine Vene, was jedoch fachkundige Unterstützung erfordert.
  • In Apotheken sind spezielle „Salzpakete“ (Rehydratationssalze) erhältlich, deren Inhalt nach beiliegender Vorschrift in Flüssigkeit aufgelöst wird. Es gibt spezielle Mischungen für Säuglinge und Kleinkinder.
  • Selbst herstellen lässt sich eine geeignete Trinklösung nach folgender Anweisung, die den Empfehlungen der WHO entspricht: In einem Liter abgekochtem Wasser ¾ Teelöffel Kochsalz (ca. 3,5 Gramm), 4 gestrichene Teelöffel Zucker (ca. 20 Gramm) und eine Messerspitze Natriumbikarbonat (Natron) durch Rühren auflösen, vor dem Trinken eine Tasse Orangensaft oder eine zerdrückte Banane zugeben.

Wann braucht es den Arzt

Der Verdacht auf Cholera erfordert ärztliche Abklärung. Die Diagnose wird aufgrund der bakteriologischen Untersuchung von Stuhl oder Erbrochenem gestellt. Bei adäquater Flüssigkeitszufuhr – falls nötig als Infusion – und allenfalls Antibiotikatherapie ist die Prognose gut.
Cholera ist eine der sog. Quarantänekrankheiten; Kranke müssen isoliert werden (Quarantäne), damit die Krankheit sich nicht weiter verbreitet. Ausserdem besteht in der Schweiz und auch international (WHO) eine Meldepflicht.

Vorbeugen

Es existiert eine Impfung, die vor Reisen in Endemie- oder Epidemiegebiete für besonders exponierte oder gefährdete Personen sinnvoll sein kann (Rucksacktouristen, Angestellte von Hilfsorganisationen, abwehrgeschwächte Personen und solche mit chronischen Magen-Darm-Krankheiten). Sie bietet allerdings keinen anhaltenden Schutz und muss deshalb bei fortgesetztem Risiko aufgefrischt werden. Die WHO empfiehlt die Impfung nicht generell, weist indessen mit Nachdruck auf die im untenstehenden Rahmen genannten Vorsorgemassnahmen (Expositionsprophylaxe) hin. Entscheidend ist das Einhalten persönlicher Hygienemassnahmen, wozu auch der vorsichtige Umgang mit Trinkwasser und Lebensmitteln gehört:

Expositionsprophylaxe

  • Persönliche Hygiene beachten, insbesondere der Hände. Zähneputzen am besten mit Mineralwasser aus der verschlossen gekauften Flasche.
  • Nur geschältes Obst und gut durchgekochte oder gebratene Gerichte essen – auch Gemüse. Zubereitete Speisen möglichst bald konsumieren, denn wenn sie einige Stunden bei Raumtemperatur gestanden sind, können sie bereits wieder eine Infektionsquelle darstellen.
  • Nur abgekochtes oder chemisch behandeltes Wasser benützen. Ist das Trinken von Oberflächenwasser unverzichtbar, müssen die Krankheitserreger durch starkes Erhitzen abgetötet werden. Dies bedeutet: abkochen während mindestens 20 Minuten.
  • Auf Rohkost, Mayonnaise und andere ohne Kochen zubereitete oder während längerer Zeit gelagerte Gerichte verzichten.
  • Vorsicht mit Fisch, insbesondere, wenn dieser nicht fangfrisch zubereitet wurde. Keine Muscheln, Krabben und andere Meeresfrüchte essen.
  • Kein Leitungswasser, offen angebotenes Speiseeis und Eiswürfel in Getränken zu sich nehmen.
  • Baden in öffentliche Schwimmbädern und in Buchten unterlassen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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