0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
Mo-Fr 8-18 Uhr  
 
Zur Übersicht
medicine 2.0

Darmverschluss

Fachbegriff: Ileus und Subileus

Darmverschluss oder Ileus bedeutet Unterbrechung der Darmpassage durch ein mechanisches Hindernis oder durch Stillstand der normalen Darmtätigkeit. Subileus ist eine behinderte Darmpassage ohne völligen Stopp der Vorwärtsbewegung des Darminhalts.

Überblick

Ein Darmverschluss kommt zustande durch ein mechanisches Hindernis oder durch Erliegen der normalen Darmtätigkeit („Darmlähmung“). Im ersten Fall besteht ein sog. mechanischer Ileus, im anderen ein paralytischer oder funktioneller Ileus (Paralyse: Lähmung). Der Darminhalt steckt oberhalb des Verschlusses fest oder bleibt im gelähmten Segment liegen. Hier unterliegt er einem Fäulnisprozess, durch den sich im Darm Gase bilden und Flüssigkeit ansammelt.

Begriffserklärungen

Ileus:

Darmverschluss irgendeiner Ursache.

Subileus:

inkompletter Darmverschluss.

Ileum:

Der unterste Abschnitt des Dünndarms. Im rechten Unterbauch befindet sich der Übergang zum Dickdarm (Kolon).

Peristaltik:

Wellenförmige, unwillkürlich ablaufende Kontraktionen („Zusammenziehen“) der Muskulatur in der Darmwand. Die Peristaltikwellen befördern den Darminhalt weiter.

Paralyse:

Lähmung der Muskulatur, diese stellt ihre Funktion ein, kann sich also nicht mehr kontrahieren (zusammenziehen). Adjektiv: paralytisch.

Stenose:

enge Stelle in einem Hohlorgan, z.B. im Darm oder in einer Arterie. Vom griechischen Wort στενός (stenós) eng.

Kolik:

heftige, krampfartige Bauchschmerzen aufgrund von verstärkten Kontraktionen der Darmmuskulatur. Sie entstehen, wenn der Darm versucht, seinen Inhalt durch ein Hindernis (Stenose oder Verschluss) zu befördern. Schliesslich ermüdet die Muskulatur, es kommt zur Paralyse.

Peritonitis:

Bauchfellentzündung.

Darmperforation:

„Loch“ in der Darmwand mit der Folge, dass Darmgase und Stuhl in die Bauchhöhle gelangen. Folge ist eine Bauchfellentzündung. Verb: perforieren.

Appendix:

Der am Blinddarm anhaftende Wurmfortsatz. Seine Entzündung ist die häufigste akut-entzündliche Baucherkrankung.

Ursachen und Risikofaktoren

Alle Abschnitte des Darmtraktes können betroffen sein. In den oberen Darmabschnitten (im Dünndarm) überwiegen Verwachsungen, Abklemmung oder Fremdkörper als Ursache, in den unteren Abschnitten dagegen Tumore (Dickdarmkrebs) oder Entzündungen der Darmwand (Divertikulitis).

Dünndarmverschluss
Dickdarmverschluss

 

Mechanischer Ileus

  • Verwachsungen, Verklebungen, Verdrehung, Abklemmung: Sie sind die weitaus häufigste Ursache von Verschlüssen des Dünndarms. Frühere Bauchfellentzündungen, Operationen oder Bestrahlungen führen zu Verwachsungen und Narbensträngen (Abbildung). Sind auch die ernährenden Blutgefässe stranguliert, droht dem Darm über die mechanische Komponente hinaus Gefahr durch mangelnde Blutversorgung.
    Von „eingeklemmtem Bruch“ spricht man, wenn in einer Hernie ein Dünndarmsegment eingeklemmt und gequetscht wird. Immer besteht das Risiko, dass die Darmdurchblutung beeinträchtigt wird und das eingeklemmte Darmstück abstirbt.
  • Tumore: Tumore (Abbildung) – in der Regel Karzinome (Darmkrebs) – sind die Hauptursache von Dickdarmverschlüssen.
  • Entzündliche Darmerkrankung: Divertikulitis und Morbus Crohn.
  • Fremdkörper: Es handelt sich um verschluckte Objekte, unverdauliche Nahrungsmittel, Kotsteine oder in den Darm gelangte Gallensteine. In diesen Situationen kommt es normalerweise nur zum Ileus, wenn bereits eine Stenose besteht.

Paralytischer Ileus, „Darmlähmung“

Die Muskelschichten in der Darmwand befördern mit wellenförmigen Kontraktionen (Peristaltik) die Speisen nach unten. Erlischt die Peristaltik, bleiben Nahrungsreste an Ort und Stelle liegen. Der Darminhalt wird nicht weiter durch Verdauungsenzyme abgebaut, sondern unterliegt der bakteriellen Fäulnis, so dass Giftstoffe entstehen und Gase gebildet werden, die den Darm zunehmend aufblähen. Die Folge ist also dieselbe wie wenn der Darm durch ein mechanisches Hindernis verschlossen wäre.
Ursache einer Darmlähmung ist fast immer eine übergeordnete Erkrankung, am häufigsten eine Bauchfellentzündung.

  • Bauchfellentzündung: Auslöser ist eine Entzündung von Bauchorganen wie Gallenblase, Blinddarm, Darmdivertikel oder ein Wanddurchbruch (Perforation) im Magen-Darmtrakt (Magen, Gallenblase, Dickdarm oder Appendix).
  • Toxische Lähmung: Ursachen sind bakterielle Gifte, pflanzliche Giftstoffe oder in die Bauchhöhle freigesetzte Verdauungsfermente bei Bauchspeicheldrüsenentzündung, ferner Medikamente, insbesondere Opiate (Opium-Abkömmlinge), Neuroleptika bzw. Antidepressiva (Mittel gegen Depressionen).
  • Akute Durchblutungsstörung: Sie ist in der Regel Folge einer Embolie in die Darmschlagader. Die Folge ist ein „Mesenterialinfarkt“. Aber auch eine Thrombose der Darmvenen beeinträchtigt die Durchblutung.
  • Stoffwechselstörungen und Störungen des Elektrolythaushalts: Entgleister Diabetes mellitus, Urämie („Harnvergiftung“), Kalium-, Natriummangel.
  • Reflektorische Darmlähmung: Sie tritt ein, ohne dass am Darm selbst ein organischer Schaden nachzuweisen ist, am häufigsten nach Blutergüssen im Bereich des Beckens und der Wirbelsäule (Wirbelbrüche), nach Hirn- oder Rückenmarksverletzung und -erkrankungen, oder – vorübergehend – nach operativen Eingriffen in der Bauchhöhle.
  • Darmparalyse als Folge eines mechanischen Ileus: Die verstärkten Kontraktionswellen des mechanisch verlegten Darms erlahmen nach einigen Stunden und es kommt zur Paralyse.

Symptome

Mechanischer Ileus

Von einem mechanischen Darmverschluss wird man überrascht, auch wenn sich der zu Grunde liegende pathologische (krankhafte) Prozess rückblickend schon eine Weile angekündigt hatte. Hauptsymptome des Ileus sind:

  • Krampfartige Bauchschmerzen (Koliken).
  • Stuhl- und Windverhaltung.
  • Übelkeit und Erbrechen.

Mit schmerzhaften, krampfartigen Muskelkontraktionen (Koliken) versucht der Darm, das Hindernis zu überwinden und den Inhalt weiter zu befördern. Die einzelnen Schmerzwellen folgen sich in kurzen Abständen.
Merkmale, die von der Zeitdauer des Ileuszustands und von der Lokalisation des Hindernisses abhängen, sind: Übelkeit und Erbrechen, Aufstossen, Schluckauf, schliesslich völliges Ausbleiben von Stuhl und Wind (manchmal anfänglich noch Stuhlgang, oft Durchfall).

Ein Dünndarmverschluss verläuft akut. Rasch setzt Erbrechen ein, während Darminhalt, der sich unterhalb des Verschlusses befindet, noch entleert werden kann.
Je weiter unten im Dickdarm das Passagehindernis liegt, desto allmählicher nehmen die Symptome an Intensität zu. Der Bauch wird während Tagen oder Wochen immer mehr aufgetrieben und die Stuhlgewohnheiten ändern sich – Durchfall wechselt ab mit Verstopfung, begleitet von stärker werdenden Krämpfen. Ist der Darmverschluss schliesslich komplett, besteht Stuhl- und Windverhaltung. Der Bauch ist durch Darmgase aufgebläht.

Der paralytische Ileus (lähmungsbedingter Darmverschluss)

Er kann allmählich, aber auch ganz plötzlich einsetzen.

  • Wenn eine Bauchfellentzündung die Ursache ist, besteht anhaltender Bauchschmerz von dumpfem oder schneidendem Charakter, der sich durch Betasten oder Schütteln des Bauches verstärkt. Häufig ist der Schmerz besonders intensiv am Ort, von dem der Entzündungsprozess seinen Ausgang genommen hatte (z.B. Gallenblasen- oder Appendixgegend).
  • Beim Mesenterialinfarkt sind blutige Durchfälle und akute, intensive Koliken typisch, die mit einsetzender Darmlähmung nach einigen Stunden allmählich nachlassen. In der Folge entsteht eine Bauchfellentzündung, und es stellt sich ein Dauerschmerz ein.
  • Ein rein reflektorisch bedingter Ileus – nach Operation, nach Wirbelfraktur –verursacht zu Beginn gewöhnlich keinen Schmerz, auch wenn der Bauch aufgetrieben ist und Übelkeit sowie Erbrechen bestehen.

Komplikationen und Folgen

  • Verlust an Elektrolyten wie Natrium und Kalium.
  • Austrocknung (Dehydratation) mit Gefahr von akuter Niereninsuffizienz und Kreislaufschock.
  • Freisetzung von Keimen aus dem geschädigten Darm und septischer Schock (Sepsis).
  • Nekrose (Absterben) und eventuell Perforation eines Darmabschnitts.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Ein Darmverschluss ist nicht geeignet zur Selbstbehandlung. Bis zum Eintreffen des Arztes kann man versuchen, die Schmerzen zu mildern: liegen auf der Seite mit angezogenen Beinen, evt. auflegen von warmen Bauchwickeln.
Schmerztabletten sind gewöhnlich unwirksam, da sie kaum mehr durch die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Wenn sie den Schmerz beseitigen, können sie jedoch dem Arzt die Diagnose erschweren.

Grundsätzlich: Bei Verdacht auf Ileus soll nichts mehr gegessen werden, damit der überdehnte Darm nicht noch weiter gefüllt wird.

Vorbeugen

Ist eine Passagebehinderung im Darm bekannt, wie etwa nach wiederholter Divertikulitis oder beim Vorliegen von Verklebungen, sind Speisen zu meiden, die erfahrungsgemäss schwer verdaulich sind oder zum Zusammenklumpen neigen. Es handelt sich um Pilze, Steine von Früchten (Kirschen und andere), Bohnen und – allgemein – um blähende Speisen, ferner um Kleie, zu deren Einnahme nicht reichlich getrunken wird.

Wann braucht es den Arzt

Bei jedem Verdacht auf Darmverschluss, das heisst bei Wind- und Stuhlverhaltung, kombiniert mit Koliken, Erbrechen oder aufgeblähtem Bauch ist ein rascher Arztbesuch angezeigt.

Diagnostik

Der Arzt klärt ab, ob ein konservativer Therapieversuch in Frage kommt. Zur Diagnosestellung werden Röntgen, Ultraschall, Computertomographie und weitere diagnostische Verfahren angewendet.

Therapie

Auch wenn sich eine Operation umgehen lässt, ist meist eine kurzfristige Hospitalisation erforderlich, zur Beobachtung des Patienten, zur Schmerzbehandlung und allenfalls zum Ersatz von Mineralstoffen oder Flüssigkeitsverlusten.
Die für die Behebung eines Ileuszustands erforderlichen operativen Verfahren umfassen das ganze Spektrum der Bauchchirurgie und sind so vielgestaltig, dass in diesem Rahmen auf eine detaillierte Aufzählung verzichtet wird.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.