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Darmvorfall

Fachbegriff: Analprolaps und Rektumprolaps

Analprolaps oder präziser Analschleimhautprolaps bedeutet Hervortreten von Darmschleimhaut aus der Afteröffnung. Schwerwiegender ist der Mastdarmvorfall oder Rektumprolaps; er entspricht einem Ausstülpen des Enddarms mit allen seinen Wandschichten vor die Afteröffnung.
Während ein Analschleimhautprolaps geringen Ausmasses bei jedem Menschen mit Hämorrhoiden vorliegt, ist der eigentliche Darmvorfall überwiegend eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Die Selbstheilung eines einmal entstandenen Vorfalls ist nicht möglich, ausser bei Säuglingen. Frauen sind öfter betroffen als Männer, bedingt durch konstitutionell lockeres Bindegewebe und vorausgegangene Geburten.

Ursachen und Risikofaktoren

Häufigste Ursachen sind langjährige Verstopfung mit verstärktem Pressen beim Stuhlgang, Hämorrhoiden, konstitutionelle Bindegewebsschwäche und neurologische Störungen.

Der Mastdarmvorfall wird begünstigt durch Erschlaffen der Haltestrukturen des Enddarms im Becken und Schädigung des muskulären Verschlussapparates; er kann auf Operationen oder schwere Geburten zurückzuführen sein. Bei Kleinkindern kommt der Darmvorfall als angeborenes Leiden vor.

Das Krankheitsbild

Darmteile können spontan oder durch Pressen beim Stuhlgang, Heben von Lasten, Niesen oder Husten vor dem Darmausgang erscheinen. Im Liegen gleiten die hervorgetretenen Darmteile manchmal spontan zurück. Ist dies nicht der Fall, lassen sie sich oft von Hand wieder hineinschieben. Bei schwerer Ausprägung bleibt die Schleimhaut oder der Enddarm jedoch immer ausserhalb des Afters.

  • Leitsymptome sind je nach Schweregrad:
    • Weiche Schleimhautfalten in der Afteröffnung.
    • Ein zirkulärer Wulst oder „Zapfen“ von Darmgewebe, der zeitweise oder ständig aus der Afteröffnung tritt.
  • Ausserordentlich quälend sind Juckreiz und Ekzem (Analekzem), oft bestehen ein Fremdkörpergefühl und Nässen. Schmerzen sind hingegen nicht typisch.
  • Gleichzeitig vorliegende Hämorrhoiden sind häufig.
  • Durch Reibung, Druck und Austrocknen erleidet die ausgetretene Darmschleimhaut Verletzungen – es entstehen blutende Druckgeschwüre. Die Unterscheidung gegenüber Darmkrebs erfordert eine Gewebsentnahme zur mikroskopischen Untersuchung.
  • Bei jedem Darmvorfall ist Stuhlinkontinenz möglich, die von leichtem Schmieren in der Wäsche (Schmierinkontinenz) bis zu unkontrolliertem Austritt von Stuhl gehen kann. Der Leidensdruck ist oft gross.
  • Verstopfung ist das Hauptsymptom, solange der Mastdarm lediglich innerhalb des Körpers aufgrund einer Schwächung des Halteapparats (Beckenboden) tiefer getreten ist.

Komplikationen

  • Das Einklemmen vorgefallener Schleimhautanteile oder Hämorrhoiden ausserhalb der Afteröffnung ist äusserst schmerzhaft und kann gefährlich werden, wenn die Blutversorgung zum hervorgetretenen Darmteil unterbrochen wird.
  • Lange der „Aussenwelt“ ausgesetzte und mechanisch gereizte Schleimhautanteile können krebsig entarten.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Die Regulierung des Stuhlgangs dient der Prophylaxe und der Besserung von Symptomen. Ausreichende Zufuhr von pflanzlicher Nahrung (Nahrungsfasern, Ballaststoffe) sorgt für weichen, voluminösen Stuhl.
  • Beckenbodengymnastik, Rückbildungsgymnastik nach Geburt.
  • Behandlung von Hämorrhoiden.
  • Abführmittel meiden, es könnte unkontrolliert flüssiger Stuhl abgehen.

Wann braucht es den Arzt

Eine ärztliche Beratung ist in jedem Fall angezeigt, damit neben den konservativen Möglichkeiten auch operative Verfahren in Betracht gezogen werden können.

Untersuchung

Neben der konventionellen Untersuchung werden Rektoskopie (Mastdarmspiegelung) und Defäkographie (Darstellung der Stuhlentleerung) eingesetzt.

Therapie

  • Die Behebung des einfachen Schleimhautvorfalls entspricht einer Hämorrhoidenoperation; der Eingriff erfolgt „von aussen“.
  • Gravierender ist der Mastdarmvorfall, insbesondere weil fast nur ältere Menschen betroffen sind. Mehrere operative Verfahren stehen zur Verfügung. Der Eingriff ist durchführbar mit einer Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie) oder er erfordert einen Bauchschnitt. Oft kann jedoch der Schliessapparat des Enddarms geschädigt bleiben und die Lockerung der Beckenbodenstrukturen nicht völlig behoben werden. Das heisst, ein leichtes Stuhlschmieren besteht dann weiterhin.
  • Das akute Einklemmen eines Analprolapses ist ein Notfall, auch wegen der Schmerzen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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