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Degenerativer Rheumatismus

Formen: Arthrose, Spondylarthrose

Arthrose ist die chronische, irreversible Abnutzung eines Gelenks. Sie tritt auf, sobald Abbauprozesse gegenüber den Reparaturmöglichkeiten des Körpers überhand nehmen und ist daher hauptsächlich ein Leiden der zweiten Lebenshälfte. Untersuchungen in der Schweiz ergaben, dass praktisch jeder 70-Jährige im Röntgenbild irgendwelche Arthrosezeichen aufweist.

Bewegung und Belastung führen zu Abschliff an Gelenkflächen bis zum völligen Knorpelverlust und zu trockenem Reiben „Knochen auf Knochen“. Zunächst verliert der Knorpel seine Elastizität und Knorpelzellen sterben ab. Mit der Zeit wird der Knorpelüberzug der Gelenkflächen dünner, er reisst ein und der Gelenkspalt wird zunehmend enger. Als Reaktion verhärtet sich der Knochen, an den Rändern entstehen Knochenwülste und Deformierungen (Arthrosis deformans), gelegentlich auch Hohlräume (Zysten). Bei Befall der Wirbelsäule handelt es sich um eine Spondylarthrose oder um eine Spondylose.

Oft sind auch beim degenerativen Rheumatismus entzündliche Vorgänge mit beteiligt, welche die Arthrose in schmerzhaften Schüben aktivieren und die Gelenkzerstörung vorantreiben.

Begriffserklärungen

Antirheumatikum:

Schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Medikament, das besonders bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt (Mehrzahl Antirheumatika). NSAR bedeutet „nicht steroidales Antirheumatikum“, also ohne Kortison.

Arthritis:

Entzündung eines Gelenks, bisweilen hervorgerufen durch eine Autoimmunreaktion, manchmal in Zusammenhang mit einer viralen oder bakteriellen Infektion. Der Übergang zu Arthrose kann fliessend sein.

Arthrose:

schmerzhafter, destruktiver (zerstörender) Vorgang an einem Gelenk durch Abnützung, als Folgezustand einer anlagemässigen Deformation, nach unfallbedingtem Gelenkschaden oder nach Arthritis.

Autoimmunkrankheit:

Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.

Bindegewebe:

Es kann als „Gerüst“ des Körpers bezeichnet werden, da es in allen Organen vorkommt. Bindegewebe besteht aus Zellen und einer Grundsubstanz, die aus Eiweissen, Kohlenhydratverbindungen und unterschiedlichen Fasertypen aufgebaut ist – je nach Bindegewebstyp.

Degenerativ:

Durch Verschleissvorgänge bewirkt.

Extremitäten:

Die Arme und Beine; im Gegensatz dazu werden Kopf und Rumpf nicht als Extremitäten bezeichnet.

Kollagenose:

Generalisierte Erkrankung des Bindegewebesystems hauptsächlich verursacht durch immunologische oder autoimmune Vorgänge.

Kortison oder Cortison:

Dies ist ein natürliches Hormon der menschlichen Nebennierenrinde. In verschiedenen chemischen Abwandlungen als Medikament eingesetzt hat es stark entzündungshemmende und auch Schmerz lindernde Eigenschaften. Nachteile nach längerer und höheren dosierten Anwendung sind: Verminderung der Infektabwehr, Osteoporose, Hautveränderungen, Gewichtszunahme, Vollmondgesicht, Blutdruck- und Blutzuckeranstieg.

Polyarthritis:

Erkrankung vieler Gelenke. Die der Arthritis beigefügte griechische Vorsilbe πολύ- (poly) heisst „viel“ oder sinngemäss „vielfach“.

Rheuma:

Das griechische Wort ρεύμα  (Rheuma) bedeutet Strömung, Fliessen.

Spondylarthrose:

Degenerative Veränderungen an den Rückenwirbeln, insbesondere an den kleinen Wirbelgelenken.

Spondylitis:

Entzündung eines Rückenwirbels, vom griechischen σπόνδυλος (Spondylos), der Wirbel, abgeleitet. Die Nachsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.

Syndrom:

Kombination von Symptomen, die für eine Krankheit typisch sind.

Vaskulitis:

Entzündungsvorgänge in der Wand von kleinen und/oder grossen Blutgefässen. Damit verbunden sind oft auch Muskelschmerzen, Kopfweh und andere Beschwerden. Mehrzahl: Vaskulitiden. Abgeleitet vom lateinischen vasculum, das (Blut-)Gefäss. Die Endsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.

Weichteilrheumatismus:

Entzündliche Vorgänge und/oder Abnützungserscheinungen, die an praktisch allen Bindegewebsstrukturen vorkommen können, an Haut, Knorpel, Nerven, Blutgefässen, Herzklappen, Narben, Sehnen sowie an Muskeln.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Arthrose kommt nicht aus heiterem Himmel. Ein übermässiger Verschleiss von Gelenksanteilen, besonders des Knorpels, und das Entstehen von Knochenwülsten entstehen allmählich und machen sich erst nach langer Zeit bemerkbar. Ursachen und begünstigende Faktoren sind:

  • Überlastung der Knorpelflächen über Jahre hinweg:
    • Schwerarbeit, Übergewicht.
    • Erbliche Faktoren, angeborene Entwicklungsstörungen und mangelhafte Ausformung von grossen Gelenken, z.B. an der Hüfte (Hüftdysplasie), X- oder O-Beine, Fussfehlstellungen.
    • Gelenk- oder Wirbelsäulenverformung durch Wachstumsstörungen oder Lähmungen.
    • Unfälle mit bleibenden Gelenkschäden (Instabilität z.B. nach Meniskusriss oder Kreuzbandriss; Inkongruenz der Gelenkflächen) oder Knochenbruch mit Heilung in Fehlstellung (Achsenknick, Verdrehung).
  • Gelenkerkrankung bei Kindern und Jugendlichen.
  • Schubweise verlaufende entzündliche Gelenkerkrankungen (Arthritis) vermögen die Knorpelflächen im Gelenkinnern mit der Zeit anzugreifen und aufzulockern. Die „ausgebrannte Arthritis“ endet in einer Arthrose.
  • Höheres Alter: Über 90% aller siebzigjährigen Menschen haben irgendwelche arthrotischen Veränderungen, wenn auch nur die Hälfte davon an Beschwerden leidet.
  • Stoffwechsel- und andere Erkrankungen, zum Beispiel Bluter- und Eisenspeicherkrankheit.

Symptome

Symptome und Krankheitsverlauf hängen ab vom betroffenen Gelenk. Durch Überlastung hervorgerufene Arthrosen treten besonders an den grossen Gelenken (Hüfte, Knie, Schulter) und an der Wirbelsäule in Erscheinung. Als Folge von Unfall oder rheumatischen Erkrankungen kann sich eine Arthrose indessen an jedem Gelenk entwickeln. Die Grenzen zwischen Arthritis und Arthrose sind nicht immer scharf zu ziehen, insbesondere bei chronischer Arthritis.

  • Schmerz: Er ist das Leitsymptom. Anlaufschmerzen, die einige Zeit nach dem Aufnehmen der Bewegungen nachlassen, sind im Frühstadium typisch. Später bestehen Belastungs- und Dauerschmerzen. Kälte und feuchte Witterung wirken verstärkend. Schabende und reibende Gelenkgeräusche können hörbar werden.
  • Schwellung, Hautrötung, Überwärmung und Gelenkerguss (Flüssigkeitsansammlung im Gelenkinneren) sowie intensivierte Schmerzen sind typische Zeichen von akuten Entzündungsschüben. Es handelt sich dann um eine aktivierte Arthrose.
  • Bewegungseinschränkung: Allmählich kommt es zu morgendlicher Gelenksteife oder Steifheit nach längerem Sitzen, später zu dauernder Versteifung.
  • Stabilitätsverlust und Muskelatrophie (Muskelschwund) entstehen durch Schonen des schmerzhaften Körperteils.
  • Deformierung durch zerstörende Vorgänge an Gelenken, Fehlstellung und Entstehen von Knochenwülsten, Verkrümmung der Wirbelsäule.

Was man selbst tun kann

  • Bewegen: Vorsichtige Bewegungsübungen bis an die Schmerzgrenze, Vermeiden von harten Schlägen, Stössen und Überbelastung.
    Günstig wirken sich im Allgemeinen runde und gleitende Bewegungsabläufe aus, zum Beispiel bei Schwimmen, Radfahren oder Joggen. Muskelatrophie (Muskelschwund), Versteifung und Stabilitätsverlust lassen sich dadurch aufhalten oder verhindern. Krankengymnastik sollte nicht nur in Gegenwart des Therapeuten, sondern auch zu Hause täglich auf dem Programm stehen. Durch das Bewegen wird Synovialflüssigkeit („Gelenkschmiere“) gebildet, die neben dem Knorpel als Puffer dient und die Knorpelzellen ernährt. Zudem wird die Durchblutung der umliegenden Strukturen verbessert.
  • Physikalische Massnahmen, die man selbst anwenden kann, sind kalte oder warme Wickel oder ein „Rheumabad“. Bei akuter Verschlechterung und Überwärmung empfiehlt sich eher Kälteapplikation, beim Dauerzustand eher Wärme, doch ermittelt man das geeignete Verfahren am besten selbst. Eine physikalische Massnahme muss als wohltuend empfunden werden, sonst ist sie nicht zu empfehlen.
  • Hilfsmittel wie Einlagen, Gehstöcke, Stützen und Bandagen lindern die Beschwerden beim Gehen und sind in der Lage, das Fortschreiten der Krankheit hinauszuzögern.
  • Eine den Knorpel regenerierende Wirkung von Diäten und bestimmten Nahrungsmitteln liess sich bis anhin nicht belegen. Dasselbe gilt für manche „Knorpelaufbaupräparate“ (zum Beispiel Gelatine).
  • Bestimmte Fettsäuren aus tierischen Produkten sollen die Aktivierung einer Arthrose anregen, weshalb erprobt werden kann, ob sich der Verzicht auf Fleisch positiv auswirkt.
  • Vitamin E wird ein günstiger Effekt zugeschrieben. Möglicherweise lässt sich dadurch die Schmerzmitteldosis reduzieren.
  • Alternative Heilmethoden: Homöopathie, Akupunktur, TCM und andere.

Wann braucht es den Arzt

Eine aktivierte Arthrose kann wegen intensivster Schmerzen zum Notfall werden. Im Übrigen hängt es vom subjektiven Empfinden ab, wann ein Arzt konsultiert wird.

Zur Diagnose werden nach der klinischen Untersuchung bildgebende Verfahren eingesetzt: Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Ultraschall, Szintigraphie oder Arthroskopie (Gelenkspiegelung).

Die Behandlung beruht auf den drei Pfeilern physikalische Therapie, Medikamente und allenfalls Operation.

Medikamente

  • Entzündungshemmende Medikamente: Kortison und die so genannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) sind hauptsächlich bei einer aktivierten Arthrose angezeigt und sollen die Symptome bekämpfen.
  • Knorpel schützende Medikamente: Ihre Wirkung stellt sich erst nach mehrmonatigem, regelmässigem Einsatz ein.
  • Gegen einen akuten Entzündungsschub kommt die Injektion von Kortisonpräparaten in Frage, in chronischen Stadien Hyaluronsäure (eine Art Ersatz für die Gelenkschmiere).

Physikalische Therapie

  • Wärme- oder Kälteanwendung: Sie erfolgt mit Packungen, Salbenverbänden oder in Form verschiedener Elektrotherapien.
  • Massagen.
  • Badetherapie: Die günstige Wirkung von Thermalbädern hat sich seit Jahrhunderten bestätigt. Auch der „Tapetenwechsel“ in eine dem Alltag entrückte Atmosphäre trägt zur Besserung bei.
  • Orthopädische Behelfe: Orthopädisches Schuhwerk vermag Längendifferenzen der Beine auszugleichen und die Überbelastung von Gelenkteilen zu reduzieren.

Operation

Mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) lassen sich Knorpelunebenheiten glätten. Bei den grossen Gelenken hat der Einsatz von Gelenkprothesen einen festen Stellenwert in der Behandlung älterer Menschen. Heute werden auch Knorpel-Knochen-Transplantationen durchgeführt, die sich überwiegend für kleinere Knorpelschäden eignen.

Vorbeugen

  • Vorzeitigem Gelenkverschleiss lässt sich in erster Linie durch adäquate, regelmässige Bewegung und ein normales Körpergewicht vorbeugen. Bei Krankheiten wie Gicht und Bluterkrankheit vermindert rechtzeitige Therapie eine Schädigung der Gelenke.
  • Kräftige Muskeln stabilisieren die Gelenke.
  • Richtige Haltung beim Heben und Tragen von Lasten (s. Abbildung im Text Rückenschmerzen), geeignetes Schuhwerk (keine hohen Absätze) und Therapie bei Fehlstellungen an Beinen oder Hüften beugen erhöhtem Verschleiss vor.
  • Neugeborene sollten grundsätzlich auf Fehlbildung des Hüftgelenks (Hüftgelenkdysplasie) untersucht werden. Dies geschieht mit einer Ultraschallsonographie. Durch frühzeitiges Behandeln wird eine Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) vermieden oder zumindest hinausgezögert.
  • Knochenbrüche, welche zum Zerbersten von Gelenkflächen geführt haben, werden soweit möglich operativ rekonstruiert. Die möglichst exakte Wiederherstellung eines Gelenks ist nicht allein für die Funktion wichtig, sondern dient der Prophylaxe einer unfallbedingten Arthrose.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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