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Demenz, Demenzielle Erkrankungen

Leitsymptome von Demenz sind Gedächtnisstörungen unterschiedlicher Ausprägung. Daneben bestehen je nach Form und Stadium weitere Krankheitszeichen wie Sprach-, Orientierungs-, Bewegungs- und Verhaltensstörungen, das Bewusstsein bleibt hingegen erhalten. Charakteristisch sind Beeinträchtigung im Alltagsleben und eine allmähliche, stetige Verschlechterung des Zustands während Jahren; schliesslich bestehen Pflegebedürftigkeit und völlige Invalidität.

Demenz ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die vornehmlich in der zweiten Lebenshälfte beginnen. Im Mittel liegt die Häufigkeit in Mitteleuropa bei 10% der Bevölkerung, wobei sich ab dem 65. Lebensjahr die Anzahl Erkrankter alle 5 Jahre verdoppelt. In der Schweiz erkranken jährlich mehr als 20‘000 Menschen neu. Ursache ist in 70 bis 80% der Fälle eine Alzheimer- oder Parkinson-Krankheit oder eine Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Von Demenz nicht immer einfach abzugrenzen ist das physiologische (normale), altersbedingte Nachlassen von Merkfähigkeit, Auffassungsgabe und geistiger Beweglichkeit im höheren Alter.

Ursachen, Risikofaktoren und Formen

  • Alzheimer-Krankheit: Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form; sie beginnt meist nach dem 60., nur selten bereits nach dem 30. Lebensjahr.
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn, vaskuläre Demenz: Arteriosklerose führt zu chronischer Mangeldurchblutung des sauerstoffbedürftigen Gehirns; allmählich sterben immer mehr Nervenzellen ab. Auch ein Hirnschlag hat den Verlust von Nervengewebe zur Folge. Nach wiederholten, kleinen Hirnschlägen resultieren Substanzschwund (Hirnatrophie) und schliesslich Demenz.
  • Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen: Abhängig von der Dauer der Parkinson-Krankheit und vom Alter des Patienten tritt eine Demenz bei 20 bis 40% auf. Neurodegenerativ bedeutet „Verfall“ bzw. Funktionsverlust von Nervenzellen. Weitere Beispiele hierzu sind die sog. Lewy-Körper-Demenz und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.
  • Hirntumor, Schädel-Hirn-Trauma und Gehirn- oder Gefässentzündungen.
  • Sekundäre Demenzformen werden durch Schädigungen ausgelöst, die ihren Ursprung ganz oder teilweise ausserhalb des Gehirns haben und sind bereits bei jüngeren Menschen möglich. Beispiele: Vergiftungen (z.B. Blei, Quecksilber, Medikamente), wiederholter Alkohol- und Drogenmissbrauch, gewisse Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel, Störungen des Mineralstoffhaushalts, immunologische und verschiedene Infektionskrankheiten.
    Zu sekundärer Demenz können auch Spätstadien von Psychosen (z. B. Schizophrenie), Epilepsie usw. führen.
  • Genetische Faktoren: Für einige Demenzformen sind sie bekannt, für andere werden sie vermutet.

Das Krankheitsbild

Typische Symptome

Allen Demenzformen gemeinsam ist die Beeinträchtigung von kognitiven Leistungen wie Denken, Sprechen, Rechnen, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration, Orientierung, auch Umgang mit Werkzeugen und Apparaten, Problemlösung, Erinnerungs-, Auffassungs- und Urteilsvermögen. Es sind allerdings nicht alle in gleichem Mass betroffen. Charakteristisch ist das stetige Abnehmen der kognitiven Fähigkeiten im Verlauf der Krankheit, während psychische Symptome stabil bleiben oder sich sogar zurückbilden können.
Einschränkungen von kognitiven Leistungen stellen dann eine besondere Herausforderung für Angehörige dar, wenn Betroffene z.B. noch wissen wie man Auto fährt, mit dem entsprechenden Gefahrenpotential aber nicht mehr umgehen können.

  • Denken, Gedächtnis: Störungen in diesem Bereich sind obligat, wenn sie fehlen ist demzufolge die Diagnose Demenz nicht zu stellen. Bei der Alzheimer-Krankheit sind sie ein Frühsymptom. Bereits früh reduziert ist die Merkfähigkeit für neue Sachverhalte (Frischgedächtnis), während die Erinnerung an länger zurückliegende Dinge und die Bewältigung gewohnter Tätigkeiten noch längere Zeit gelingen.
  • Sprache: Die Beeinträchtigung äussert sich in völlig unterschiedlicher Art, von Wortfindungsstörungen bis Mutismus („Schweigen“) oder bis zur völligen Unfähigkeit, Sätze zu bilden. Bisweilen werden gleiche Sätze oder gleiche Worte stets wiederholt, vereinzelt ist deren Bedeutung nicht mehr bekannt. Anfangs fehlt jedoch häufig nur der richtige Begriff beim Erzählen und es werden stattdessen nichtssagende Füllworte gebraucht („ääh, das Dings da“).
  • Umgang mit Geräten: Handlungsabläufe sind gestört (Apraxie), indem z.B. der Gebrauch von Besteck oder die Handhabung von Werkzeugen und Geräten nicht mehr geläufig ist. Solche Einschränkungen treten erst später im Verlauf der Krankheit auf.
  • Bewegungen: Auffällig sind Tremor (Zittern), Steifheit (Rigidität), Akinesie (Bewegungslosigkeit oder -armut) usw., daneben Veränderungen des Gangbildes und Gangunsicherheit mit Sturzgefahr.
  • Orientierung: Sie gelingt zunächst in fremder, später auch in bekannter Umgebung nicht mehr. Der Demente irrt umher und findet den Heimweg, die Küche oder das WC nicht. Die zeitliche Orientierung fehlt gleichfalls zunehmend.
  • Erkennen: Nicht-Erkennen (Agnosie) von Personen, insbesondere von Verwandten, der eigenen Wohnung oder des eigenen Zimmers.
  • Verhalten, Psyche: Psychische Symptome sind Stimmungsschwankungen und Depression, Angst oder Panik und Persönlichkeitsstörungen. Seltener sind Halluzinationen oder Wahnideen, häufiger hingegen wahnähnliche Zustände, z.B. indem nach dem Verlieren oder Verlegen von Sachen Angehörige oder Pflegende für das Verschwinden verantwortlich gemacht werden. Verhaltensstörungen treten im fortgeschrittenen Stadium fast immer auf (ca. 90%). Es sind oft – aber nicht nur – Charakterzüge, die sich zuspitzen oder verändern: Reizbarkeit, Launenhaftigkeit, Geschwätzigkeit, Weinerlichkeit und Schreien, zwanghaftes Sammeln oder Anhäufen von Gegenständen. Aggressivität ist nicht selten auf Über- oder Unterforderung zurückzuführen. Typisch sind zudem Unruhe, besonders gegen Abend, Rufen, Herumirren oder „Wandern“ – mit entsprechenden Gefahren – und ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Unruhe gegen Abend ist so kennzeichnend, dass dafür der Begriff „Sun-Downing“ eingeführt wurde. Möglich sind aber auch verminderter Antrieb, Apathie und sozialer Rückzug.
  • Weitere körperliche Symptome: Probleme beim Schlucken, Schmerzen unterschiedlicher Ursachen, Sensibilitätsstörungen (eingeschränkte Empfindung von Reizen), ferner Abnahme des Hunger- und Durstgefühls, Harninkontinenz usw.

Je nach Demenzform treten die Symptome früher oder erst später im Verlauf der Krankheit auf.

Verlauf

Er ist meist schleichend, über mehrere Jahre hinweg. Die Dauer ist individuell unterschiedlich und hängt ab vom Alter bei Beginn und vom Vorhandensein von Begleiterkrankungen. Ausser bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit tritt der Tod selten rasch ein, sondern nach 3 bis 15 oder mehr Jahren.

  • Anfangs sind die Symptome oft diskret und bei älteren Menschen schwer zu unterscheiden vom physiologischen Alterungsvorgang. Innerhalb einer Demenzform gibt es jedoch eine Regelmässigkeit, die es erlaubt, die exakte Diagnose grösstenteils bereits ohne aufwändige Untersuchungsmethoden zu stellen.
  • Hinsichtlich des Fortschreitens der Krankheit ist für Alzheimer das kontinuierliche Abnehmen von kognitiven Leistungen typisch, während dies bei der vaskulären Demenz stufenweise geschieht.
  • In der Endphase verwischen aber die Grenzen zwischen einzelnen Formen, die Patienten leben dann in Verwirrtheit und ihre seelischen Reaktionen lassen sich nur noch schwer interpretieren. Wegen Verlust der Selbständigkeit ist eine Pflege rund um die Uhr unerlässlich.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Zu Beginn der Krankheit

Gedächtnistraining: etwas lesen und sich dann auswendig Notizen über das soeben Gelesene machen; Denksportaufgaben und Kreuzworträtsel lösen; mit Zahlen (Sudoku) oder Schach spielen. Auch Kontakte zu anderen Menschen, Besuche im Theater oder Kino, das Diskutieren über eine Fernsehsendung, über einen Zeitungsartikel oder ein Buch sind geistig anregend. Wenn das Gedächtnis nachlässt – und viele spüren dies selbst: Wichtiges aufschreiben und eine bestimmte Ordnung einhalten, etwa Schlüssel und Portemonnaie immer am gleichen Ort ablegen.

Die Betreuung von Demenzkranken

Die Betreuung von Demenzkranken ist belastend. Angehörige oder Pflegende sollten frühzeitig Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Einige Anhaltspunkte zur Pflege:

  • Gewohnheiten und Tagesablauf des Kranken möglichst lange beibehalten, keine plötzlichen Veränderungen vornehmen.
  • Über- aber auch Unterforderung und übermässige Kontrolle vermeiden, verbliebene Fähigkeiten fördern und nutzen.
  • In kurzen, einfachen Sätzen reden, Gesten und Berührung unterstützend verwenden; auszuführende Tätigkeiten vormachen und gegebenenfalls zu Beginn unterstützen, nach erledigten Tätigkeiten loben. In Diskussionen und bei Gefühlsausbrüchen des Kranken möglichst Ruhe bewahren.
  • Verhaltensstörungen: Sind Auslöser ermittelt, erlaubt es deren Meiden bisweilen, unpassenden Reaktionen vorzubeugen. Angstzustände zum Beispiel können entstehen durch Verkennen von Gegenständen oder Situationen, manchmal verstärkt durch schlechte Beleuchtung, durch Hör- oder Sehstörungen. So wird vielleicht ein aufgehängtes Kleid als unbekannte, beängstigende Person fehlgedeutet.
  • Umgebungsgestaltung: Beseitigen von Gefahrenquellen (Stolpergefahr, sonstige Unfallrisiken, auch durch Medikamente und giftige Substanzen), ausreichende, am besten bewegungsgesteuerte Beleuchtung, Haltegriffe, Vermeiden von Lärm usw. Wo es sinnvoll ist, optische Hilfen (Piktogramme) anbringen.
  • Schlafhygiene: Es eignen sich die gleichen Empfehlungen wie für andere Menschen, s. Schlafstörungen.
  • Rollator bei Gangunsicherheit.
  • Schluckprobleme: möglichst in aufrechter Oberkörperposition essen, nicht im Bett.
  • Die Zukunft planen hinsichtlich Pflege, finanzieller und rechtlicher Angelegenheiten, medizinischer Versorgung.

Vorbeugen

Einer arteriosklerotisch bedingten Demenz kann man teils vorbeugen durch Reduktion von „Gefässrisiken“, indem man nicht raucht, auf Alkohol im Übermass verzichtet, auf eine gesunde Ernährung und regelmässige Bewegung achtet.
Wichtig sind zudem regelmässige Kontrollen von Blutdruck und -zucker sowie die Therapie von Grundkrankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Epilepsie usw.

Wann braucht es den Arzt

Wenn Gedächtnisstörungen oder andere Veränderungen von kognitiven Fähigkeiten auffallen, insbesondere wenn dadurch das alltägliche Leben merklich erschwert wird, ist ein Arztbesuch angebracht. Da Betroffene dies oft nicht selbst tun, übernehmen Angehörige auch hier eine entscheidende Rolle.

Diagnose

Sie stützt sich ab auf die Befragung des Demenzkranken und der Angehörigen. Es folgt das Testen von kognitiven Fähigkeiten und Alltagsfunktionen. Laboranalysen dienen dem Erkennen von behandelbaren Demenzformen oder von Begleiterkrankungen. Mit bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanz- (MRT) und Computer-Tomographie (CT) lassen sich Strukturveränderungen im Gehirn nachweisen, die es erlauben, die Ursache zu bestimmen, allenfalls die Diagnose zu revidieren und eine geeignete Therapie einzuleiten.

Therapie

Einige seltene Demenzformen lassen sich medikamentös oder operativ behandeln, evtl. sogar heilen (s. auch oben). Ansonsten konzentriert sich die Therapie darauf, kognitive Leistungen so gut als möglich zu verbessern, Verhaltensstörungen zu reduzieren und eine Verschlechterung möglichst lange hinauszuzögern. Dies setzt voraus, dass Massnahmen frühzeitig ergriffen werden. Neben Medikamenten finden unterschiedliche Methoden Anwendung wie:

  • Milieutherapie: Spazieren, Tanz, Musik, Puppenspiel usw.
  • Erinnerungs- und Biographiearbeit (z.B. anhand von Fotoalben), Gedächtnistraining.
  • Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie.
  • Kreativtherapeutische Verfahren.
  • Psychotherapie.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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