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Depression und Manie

Auch: Affektive Störungen

Affektive Störung ist der Überbegriff für verschiedene Formen von Depressionen und Manie. „Affektiv“ bedeutet, dass das Denken und die Verhaltensweisen durch starke, nicht zu beherrschende Emotionen gesteuert werden und dadurch krankhaften Charakter annehmen können.

Depressionen gehören zu den häufigsten affektiven Störungen und können in jedem Lebensalter beginnen. Man versteht darunter ein länger anhaltendes, schweres Stimmungstief. Charakteristisch sind Hoffnungslosigkeit, Leeregefühl, Antriebsverlust, Angstzustände. Schwer Depressive mögen nicht herzhaft lachen oder Freude empfinden.
Es lassen sich viele Formen von Depression unterscheiden, sowohl bezüglich Ursachen als auch vorherrschenden Symptomen. Nicht selten wiederholen sich depressive Episoden.

Die Manie weist gegenteilige Merkmale auf als die Depression: Antriebssteigerung, ausgeprägte Fröhlichkeit – oft von Aussenstehenden als unpassend empfunden – und enthemmtes Verhalten. Das griechische Wort μανία (Mania) bedeutet „Raserei“. Zusätzlich können Beeinträchtigungen des Denkens bestehen; typisch sind auch Störungen in sozialen Bereichen (privat und beruflich).

Ursachen und Risikofaktoren, Formen

Gehäuftes Vorkommen von affektiven Störungen in bestimmten Familien ist bekannt, so dass eine genetische Veranlagung anzunehmen ist. Daneben spielen soziale Gegebenheiten oder Einflüsse immer eine Rolle. Schliesslich können auch bestimmte Krankheiten, insbesondere Eisenmangelanämie und Hypothyreose Symptome einer Depression verursachen, und organische Schädigungen Ursachen von manischen Symptomen sein.
Die nachfolgende Aufzählung ist nicht abschliessend und Mischformen kommen vor.

  • Reaktive Depression: Sie kann Folge einer chronischen Krankheit oder eines schweren Schicksalsschlags sein. Von Trauer unterscheidet sie sich dadurch, dass der Betroffene nicht mehr selbst aus dem Schock des Verlustes herausfindet, sondern in Trostlosigkeit, sozialem Rückzug und Passivität erstarrt. Als vorübergehendes Ereignis ist eine solche Störung einfühlbar; seltener kommt es zur krankhaften Reaktionsweise im Sinn einer lang andauernden oder bleibenden Depression.
    Chronische Überforderung und Konflikte in Familie, Partnerschaft oder am Arbeitsplatz (Mobbing) lösen nicht selten reaktive oder sogar Erschöpfungsdepressionen aus. Diese nehmen aufgrund der gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen an Häufigkeit zu. Vielfach sind ungeeignete Stress-Bewältigungsstrategien und manchmal vorbestehende psychische Probleme mitverantwortlich.
  • Organische Depressionen: Sie werden verursacht durch strukturelle Gehirnveränderungen (nach einem Hirnschlag oder bei Arteriosklerose), hormonale Abweichungen (nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren), Erkrankungen wie AIDS, Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Parkinson-Krankheit. Ebenfalls zu den organischen Depressionen zählen die durch bestimmte Medikamente wie die Antibabypille, Malaria- oder Blutdruckmittel (Betablocker) ausgelösten Formen.
  • Endogene Depression: Betroffene leiden unter Symptomen einer Depression, ohne dass ein äusserer Anlass erkennbar ist. In der Umgangssprache werden häufig die Bezeichnungen „Melancholie“ und „Schwermut“ verwendet.
  • Dysthymie: Die Symptome einer Depression sind weniger stark ausgeprägt. Sie sind jedoch chronisch vorhanden und beginnen bereits in der Jugendzeit.
  • Bipolare affektive Störung: Wenn sich depressive Stimmungen abwechseln mit plötzlichem unnatürlichem Hochgefühl und Hyperaktivität, spricht man von einer bipolaren Störung (Depression und Hochgefühl werden als zwei gegensätzliche Pole aufgefasst, deshalb bipolar). Eine ältere Bezeichnung ist „manisch-depressive Krankheit“. Während der manischen Episode neigen die Betroffenen zu Selbstüberschätzung, Ideenflucht und Enthemmung (s. auch beim Abschnitt „Manie“). Mitunter bringt sich der Kranke in finanzielle Schwierigkeiten. In der darauf folgenden depressiven Phase stehen Schuldgefühle, Niedergeschlagenheit und Selbstvorwürfe wegen des vorangehenden Verhaltens im Vordergrund.
    Die bipolare Störung kommt auch als leichtere Form vor (Zyklothymie), beginnt dann meist im Jugendalter und verläuft chronisch.
  • Depressionen sind nicht selten kombiniert mit Angst- oder Zwangserkrankungen, Persönlichkeits- oder schizophrenen Störungen (Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, Psychose), mit Drogenabhängigkeit (insbesondere Alkohol, Kokain) oder mit chronischen, körperlichen Krankheiten.
  • Manie: Eine rein manische Erkrankung ist bedeutend seltener als die bipolare Störung. Sie beginnt entweder schleichend mit allmählich zunehmender Stärke der typischen Merkmale oder auch plötzlich und kann über Monate hin andauern.

Das Krankheitsbild

Hauptsymptome einer Depression sind: schweres, länger anhaltendes Stimmungstief, Hoffnungslosigkeit oder sogar Verzweiflung, Leere- und Minderwertigkeitsgefühl, Niedergeschlagenheit mit Verlust der Lebensfreude und der Interessen, Antriebsarmut und schnelle Ermüdbarkeit. Depressive Personen schauen der Zukunft mit Unsicherheit oder Angst entgegen und leben zurückgezogen.

Zusatzsymptome: geringes Selbstwertgefühl, Entscheidungsschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedankenkreisen, Schuldgefühle, Appetitveränderung, Unruhe, Schlafstörungen und Erschöpfung. Oft kommen Kopfschmerzen, Schwindel, Herz-Kreislaufbeschwerden, Beklemmung (Herz, Lunge, Kehle), Verdauungsstörungen und Libidoverlust hinzu, bisweilen Selbstmordgedanken.
In schweren Fällen ist Gefühlsarmut oder Gefühllosigkeit möglich, nicht einmal Angst und Trauer werden dann noch empfunden; es besteht Selbstmordgefahr.
Bisweilen ändert sich der Schweregrad einer Depression mit der Tages- oder der Jahreszeit. Insbesondere im Spätherbst kann der Körper mit einer saisonalen Depression auf Dunkelheit und Nebel reagieren.

Bei psychotischen Formen (Psychose) sind Wahnideen, Halluzinationen oder Sinnestäuschungen möglich.

Für die Manie und in manischen Phasen sind gegenteilige Merkmale typisch, verglichen mit der Depression. Im Vordergrund stehen Hochstimmung – in der Regel von Aussenstehenden als unpassend empfunden – oder Gereiztheit, gesteigerte Aktivität und Intensität der Wahrnehmungen, vermindertes Schlafbedürfnis, zudem Rededrang, Gedankenrasen, gesteigerte Libido, leichtfertiges, verschwenderisches oder riskantes Verhalten, auch Selbstüberschätzung. Zusätzlich bestehen oft Beeinträchtigungen körperlicher Funktionen (hoher Blutdruck und Puls usw.), des Denkens (Ideenflucht, gelegentlich auch Halluzinationen) sowie Störungen im sozialen Bereich (privat und beruflich). Betroffene fühlen sich jedoch nicht krank, sondern sogar meist sehr gut.
Im Anschluss an eine manische Phase droht vielfach Selbstmordgefahr, wenn die Tragweite der vorangegangenen Handlungen realisiert und ein grosses Schamgefühl empfunden wird.

Was man selbst tun kann

Leichte Depressionen lassen sich versuchsweise mit einem Johanniskraut-Präparat behandeln. Dabei ist zu beachten, dass bei Kombination mit anderen Medikamenten Nebenwirkungen entstehen können.
Gute Resultate werden bisweilen mit Bewegungstherapie, ausgedehnten Spaziergängen, Sport und dem Wecken musischer Interessen erreicht.
Oft kommt der Depressive aber nicht selbst aus dem Tief heraus und braucht Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

Das Zusammenleben mit schwer Depressiven ist schwierig. Nahestehende sind meist hin- und hergerissen zwischen Mitgefühl, dem Wunsch zu helfen und Ablehnung, wenn vom Kranken immer wieder Klagen oder sogar Vorwürfe geäussert werden. Angehörige sollten sich nicht scheuen, Unterstützung zu suchen und anzunehmen.

Während einer Manie besteht keine Krankheitseinsicht, weshalb die Annäherung an den Kranken noch schwieriger ist als bei depressiven Menschen. Familienmitglieder sind praktisch immer auf Hilfe von Fachpersonen angewiesen.

Selbstmorddrohungen
müssen in jedem Fall ernst genommen werden.

Wann braucht es den Arzt

Schwere Depressionen und Manie erfordern professionelle Hilfe. Verschiedene Medikamente können eingesetzt werden, um die Symptome zu mildern und Rückfälle der Krankheit zu verhindern. Sie schaffen ausserdem günstigere Voraussetzungen für eine Psychotherapie. Die Behandlung muss vielfach über einen langen Zeitraum hin erfolgen und oft dauert es eine bis zwei Wochen, bis Antidepressiva (Arzneien gegen Depressionen) oder andere Medikamente (stabilisierend wirkende Mittel) eine spürbare Besserung bewirken.
Eine stationäre Therapie im Spital ist manchmal aufgrund der Gefahr von Selbst- oder Fremdgefährdung nötig.
Bei bestimmten Depressionsformen hat sich die Lichttherapie bewährt. Weitere Therapiemöglichkeiten, die allerdings oft alleine nicht genügen, bieten die Homöopathie und die Alternativmedizin an.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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