0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
Mo-Fr 8-18 Uhr  
 
Zur Übersicht
medicine 2.0

Divertikulose und Divertikulitis

Vereinzelte Divertikel des Dickdarms sind sehr häufig; eine grössere Zahl, also eine Divertikulose (Abbildung, a), lässt sich bei 20 bis 50% der älteren Menschen nachweisen. Die Zahlenangaben unterliegen je nach Untersuchungsteam starken Schwankungen.

Eine Divertikulose der Darmwand ist per se keine Krankheit. Sie bleibt oft unbemerkt, kann jedoch zu Entzündung oder Blutung führen.
Auch wegen der dichten bakteriellen Besiedlung des Dickdarms ist die Entzündung von Divertikeln, die Divertikulitis, kein seltenes Ereignis. 10 bis 20% der Menschen mit Divertikulose erleiden ein- oder mehrmals in ihrem Leben eine solche Krankheit. Da nach Verschwinden akuter Symptome die auslösenden Umstände, die Divertikel und die Bakterien, weiterhin vorhanden bleiben, ist ein erneuter Entzündungsschub jederzeit möglich. Betroffen sind hauptsächlich ältere und übergewichtige Menschen.

Die akute Divertikulitis geht einher mit Abszessen in der Darmwand und kann zu Darmverschluss oder zu Perforation mit Austritt von Stuhl in die Bauchhöhle führen. Eine mehrmals wiederkehrende (rezidivierende) Divertikulitis erzeugt schwartige und tumorähnliche Wandverdickungen (Abbildung, b). Das Darmrohr wird starr, das Lumen (der innere Durchmesser) eingeengt, zu den Nachbarorganen bilden sich Verklebungen und Vernarbungen.

Divertikulose

Begriffserklärungen

Divertikel:

sackförmige Ausstülpung der Wand von Hohlorganen. Im Bereich des Magendarmtrakts kommen Divertikel überall vor. Wegen ihrer Häufigkeit und ihres potentiellen Krankheitswerts haben Divertikel des Dickdarms eine besondere Bedeutung. Am häufigsten betroffen ist das Sigma, der im linken Unterbauch liegende Abschnitt des Dickdarms.

Divertikulose:

Das Vorkommen einer grossen Zahl von Divertikeln (Abbildung).

Divertikulitis:

Entzündung von Divertikeln (Abbildung).

Darmperforation:

„Loch“ in der Darmwand mit der Folge, dass Darmgase und Stuhl in die Bauchhöhle gelangen. Folge ist eine Bauchfellentzündung. Verb: perforieren.

Fistel:

Pathologischer (krankhafter) Verbindungsgang zwischen inneren Organen oder von einem inneren Organ (Darm, Blase, Niere) zur Körperoberfläche. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen „fistula“, was Röhre oder Pfeife bedeutet.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Ursachen und Risikofaktoren

Weshalb Divertikel entstehen, ist unklar; begünstigend sind chronische Verstopfung, ballaststoffarme Ernährung, eine Schwäche der Darmwand – insbesondere im Alter –, erhöhter Muskeltonus (Muskelspannung), Strukturveränderungen der Muskulatur und Bewegungsarmut. Durch erhöhten Druck im Darm wird Schleimhaut durch Lücken in der Darmmuskulatur nach aussen gedrängt.
In Divertikel eingetretene Stuhlpartikel werden nicht mehr aktiv hinausbefördert; sie können zu Kotsteinen eindicken, als Auslöser von Entzündungen und somit von Divertikulitis wirken.

Das Krankheitsbild

Solange keine Entzündung besteht, ist den meisten Menschen unbekannt, ob ihr Darm eines oder mehrere Divertikel aufweist. Selten gibt eine bisher noch nicht bekannte Divertikulose zu überraschender Darmblutung Anlass. Leichtere, andauernde Sickerblutungen können indessen zu Anämie (Blutarmut) führen.
Eigentlich krank macht erst die Entzündung von Divertikeln und ihrer Umgebung, die Divertikulitis. In leichteren Fällen verursacht sie eher unspezifische Beschwerden: Durchfall abwechselnd mit Verstopfung, Blähungen, Druckgefühl im Unterbauch, Reizblase, Müdigkeit, Leistungsminderung.

Die Divertikulitis kann sich andererseits innerhalb von Stunden zu einer dramatischen, akuten Bauchweherkrankung entwickeln, die mit Fieber und reduziertem Allgemeinbefinden verbunden ist.

  • Der Schmerz ist meist im linken Unterbauch lokalisiert und damit vis à vis zum Ort einer Blinddarmentzündung; man spricht gelegentlich von „Linksappendizitis“.
  • Reflektorisch stellen sich Verstopfung, Völlegefühl und Übelkeit ein.
  • Stärkere Blutungen aus dem Darm kommen vor.
  • Gelegentlich lässt sich in der Tiefe des linken Unterbauchs eine druckschmerzhafte Verhärtung tasten.
  • Vermehrter Harndrang entsteht bei Übergreifen der Entzündung auf die Blase.

Komplikationen

Komplikationen eines schweren Verlaufs sind Darmverschluss oder Perforation (Durchbruch durch die Darmwand).

  • Darmverschluss: Es bestehen Wind- und Stuhlverhaltung, evt. ein prall aufgetriebener, gespannter Bauch, Übelkeit, Schluckauf, Erbrechen.
  • Perforation in die Bauchhöhle: Die Wand eines entzündeten Divertikels kann perforieren, so dass infektiöser Darminhalt und Darmgase in die Bauchhöhle austreten. Folge ist eine eitrige Entzündung von Bauchfell (Peritonitis) und Bauchorganen. Der Eiter bleibt meistens um die Perforationsstelle durch Verklebungen abgekapselt (Abszess). Wenn er sich jedoch im ganzen Bauch ausbreitet, entsteht eine diffuse, kotige Bauchfellentzündung. Wird dann nicht rasch operiert, kann dies zum septischen Schock, zum Multiorganversagen und zum Tod führen.
  • Fistelbildung: Bricht der Abszess in ein anderes Organ ein, bildet sich eine innere Fistel, bei Männern hauptsächlich zur Blase, bei Frauen zur Scheide (Vagina). Wenn durch die Fistel Stuhl und Darmgas in die Blase gelangen, entsteht eine chronische Blasenentzündung (Zystitis). Beim Wasserlösen wird dann der Harnstrahl immer wieder durch Austritt von Gasblasen unterbrochen und es riecht nach Stuhl. Eine Fistel zur Vagina führt zu unkontrollierbarem Stuhlabgang aus der Scheide.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Eine ausgewogene Ernährung mit faserreicher Kost, viel Obst, Salaten und Gemüse, wirkt vorbeugend.
Ungünstig sind dagegen Speisen, die Verstopfung fördern und im Dickdarm unverdauliche Klumpen bilden. Diese können in Divertikeln liegen bleiben und eine Entzündung hervorrufen. Ursache können sein: Fruchtkerne, Kleie, die mit zu wenig Flüssigkeit eingenommen wird und verklumpt, schlecht zerkaute Pilze oder tierische Eiweisse ohne gleichzeitige Zufuhr von ausreichend Ballaststoffen.

Wann braucht es den Arzt

Diagnose und Behandlung der Divertikulitis müssen durch einen Arzt erfolgen. Apparative Spezialuntersuchungen in der Akutphase der Entzündung sind Ultraschall und Computertomographie (CT). Krebsgeschwülste des Dickdarms sind oft nicht auf Anhieb vom entzündlichen „Gewebsklumpen“ einer lokal begrenzten, wiederholt stattgefundenen Divertikulitis zu unterscheiden. Im Hinblick auf eine geplante Operation informiert dann eine Darmspiegelung darüber, ob sich hinter der Gewebemasse allenfalls ein Karzinom versteckt.

Therapie

  • Ist eine Divertikulitis bestätigt, wird beurteilt, ob allein mit Medikamenten (Antibiotika und Schmerzmittel) und Infusionen behandelt werden kann, was bei einem erstmaligen Entzündungsschub die Regel ist.
  • Bauchfellentzündung und Abszess (s. oben) erfordern einen operativen Eingriff. In Notfallsituationen ist es mitunter nötig, einen künstlichen Darmausgang anzulegen, der nach einigen Monaten wieder beseitigt werden kann.
  • Eine Divertikelblutung versucht man mittels Darmspiegelung zu lokalisieren und durch Unterspritzen mit einem blutstillenden Medikament oder anderen Massnahmen zum Stillstand zu bringen.
  • Nach wiederholten Divertikulitisschüben, beim Vorliegen narbiger Verengungen und zum Beseitigen von Fisteln wird der erkrankte Darmabschnitt in einem entzündungsfreien Intervall entfernt. Ein solcher Eingriff lässt sich heute meist mit minimal-invasiver Technik durchführen (Knopflochchirurgie, laparoskopische Operation).

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.