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Substanzmissbrauch und Drogenabhängigkeit

Abhängigkeit von Drogen oder vergleichbaren Substanzen ist ein ungelöstes gesellschaftliches und medizinisches Problem. Die Begriffe Drogen, Rauschgift und Betäubungsmittel werden oft gleichbedeutend verwendet. Gemeinsam ist diesen Stoffen, dass sie im Gehirn charakteristische Reaktionen auslösen.
Im weiteren Sinn kann man wegen des Risikos der Abhängigkeit – insbesondere bei Missbrauch – auch dazu zählen: Medikamente wie Schlaf- und Beruhigungsmittel, Aufputsch- und gewisse Schmerzmittel, Alkohol und Nikotin.

Für das Einteilen oder „Klassifizieren“ der in Frage kommenden Substanzen gibt es verschiedene Kriterien. Gebräuchlich sind:

  • Art der Darreichung: Tabletten, Pulver, Getränke, Injektion, Inhalation (Rauchen, Schnüffeln).
  • Psychische Wirkung: Hochstimmung, Glücks- und Machtgefühl, Schmerzfreiheit, Halluzinationen, Sinnestäuschungen wie das Gefühl, fliegen zu können oder unverwundbar zu sein.
  • „Harte“ und „weiche“ Drogen. Diese Unterscheidung bezieht sich auf die Gefahren der Sofortwirkung, die Schnelligkeit des Abhängig-Werdens und auf das Risiko bleibender psychischer oder körperlicher Schäden.
  • Körperliche Schädigungen: unmittelbar, mittelbar.
  • Chemische Wirkstoffgruppe: Cannabis (Haschisch oder Hanf), Marihuana, Kokain, LSD, Heroin und andere Morphinderivate, Amphetamine, Benzodiazepine (zum Beispiel Valium®) usw.
  • Modeströmung: Das, was momentan „in“ ist. Früher waren dies Opium und Morphium, seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist es der Missbrauch von Benzodiazepinen, Cannabis (Haschisch), Morphinderivaten (Heroin), Amphetaminen (Ecstasy, Ice, MDMA, Crystalmeth), LSD, Kokain, Crack. Weniger einem Modetrend unterworfen waren Alkohol und Nikotin, die indessen nicht den Drogen im engeren Sinn zugerechnet werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer Abhängigkeit sind vielschichtig und häufig auf psychische Faktoren, Probleme oder Störungen zurückzuführen. Verschiedene Bedürfnisse können eine Rolle spielen: Frustration oder Langeweile abzubauen, rauschhafte Gefühle von Freiheit oder Machtgewinn zu erleben, der Wunsch nach Bewusstseinserweiterung, das Verlangen in eine Scheinwelt zu entfliehen und Alltagsprobleme zu vergessen.
Das Nachahmen von Bekannten, die Drogen konsumieren – auch Alkohol und Zigaretten – oder die Gruppendynamik steht besonders bei labilen, noch in Entwicklung stehenden Personen am Anfang der Abhängigkeit.
Körperlich begründete Ursachen können Schmerzen und Schlafstörungen, Angst oder Müdigkeit und der Wunsch nach Leistungssteigerung sein.

Folgen von Drogenkonsum oder Substanzmissbrauch

Im Folgenden geht es um jene Substanzen, die im allgemeinen Sprachgebrauch als „Drogen“ bezeichnet werden. Einzelne der beschriebenen Merkmale findet man indessen auch bei Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin, Schmerz-, Aufputschmitteln oder anderen Medikamenten.

Drogenrausch

  • Das angestrebte Hochgefühl beruht auf Sinnestäuschungen und dauert oft kurz. Wahnerlebnisse und Halluzinationen sind möglich.
  • Je nach konsumierter Substanz und Menge treten auf: Schwindel und Erbrechen, erhöhte Körpertemperatur, Mundtrockenheit, Bewegungsstörungen und Zittern, enge oder weite Pupillen, mangelndes Wahrnehmen von Erschöpfung, Kälte, Hunger, Durst, Störungen von Sinnesorganen.
  • Manche dieser Symptome leiten über zu den Merkmalen einer chronischen Vergiftung und zwingen zu erneutem Konsum (Entzugssymptome).
  • Gefährlich ist ein „Horrortrip“ mit Angst, Delirium, schmerzhaften Muskelkrämpfen, Herzrhythmus- und Atemstörungen. Deshalb sollte ein Drogenrausch nicht im „Alleingang“ (ohne Beisein von anderen Personen) gesucht werden

Abhängigkeit

Sie kann schon nach kurzer Zeit entstehen – je nach Droge und individuellen Gegebenheiten – und bedeutet unwiderstehliches Verlangen, die Wirkung der Substanz erneut zu verspüren. Crack und Heroin zum Beispiel sind bekannt für schnell eintretende Abhängigkeit.

Entzugserscheinungen

Mit dem Absetzen der Droge stellen sich Entzugserscheinungen ein, die mit vegetativen Symptomen einhergehen, bisweilen auch mit „Kater“, Muskelkrämpfen oder Horrorphantasien. Die Folge ist ein Teufelskreis, denn Entzugserscheinungen lassen sich am einfachsten mit erneutem Griff zum Rauschgift beseitigen.

Toleranzentwicklung

Je nach verwendeter Substanz tritt langsamer oder rascher eine Gewöhnung (Toleranz) ein, so dass die Menge erhöht werden muss, damit sich der gewünschte Effekt noch erzielen lässt.

Körperliche und psychische Folgen

  • Persönlichkeit: Depressionen, Interesselosigkeit, Motivationsverlust, Angststörungen.
  • Körperlich: Organische Schädigungen an Hirn, Leber und Nieren, Anämie (Blutarmut), sowie Verwahrlosung und schlechter Ernährungszustand bis zum Verfall sind abhängig von der verwendeten Substanz, allfälligen Verunreinigungen und der sozialen Einbindung. Zusätzlich bestehen oft Müdigkeit, Tremor (Zittern) und weitere physische Symptome.
    Der Gebrauch kontaminierter (verunreinigter) Injektionsnadeln birgt das Risiko einer Infektion mit HIV- und Hepatitis B-Viren (Leberentzündung), zudem von Abszessen der Haut. Andere Infektionskrankheiten sind teils auf schlechten Allgemeinzustand zurückzuführen.
  • Sozial: Verlust zwischenmenschlicher Kontakte, Arbeitsplatzverlust und gesellschaftlicher Abstieg. Sie sind oft Folge von Arbeitsunfähigkeit und Krankheit. Das Beschaffungsproblem gewinnt einen immer höheren Stellenwert, schliesslich wird es zum bestimmenden Lebensinhalt. Kriminalität und Prostitution dienen dem Erwerb illegaler Produkte.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Heute gibt es fast überall in Europa Beratungsstellen für Abhängige und ihre Angehörigen. Erfahrene Personen, die das Problem kennen stehen Ratsuchenden zur Seite.

Natürlich ist es am sinnvollsten, den Einstieg gar nicht erst zu probieren, auch nicht aus Neugier. Fast die Hälfte aller Abhängigen hat vor dem 18. Lebensjahr mit dem Drogenkonsum begonnen. Sie haben mit Konflikten und Krisen zu kämpfen und brauchen in dieser Lebensphase Hilfe und Unterstützung. Vorbeugend sind ein intaktes soziales Umfeld, gesundes Selbstwertgefühl, die Erziehung zur Selbständigkeit und Konfliktlösung. Eltern gelten auch im Umgang mit Nikotin, Alkohol und Medikamenten als Vorbilder. Grosse Bedeutung kommt zudem der Information über Drogen, ihre Risiken, Gefahren und Folgen zu.

Wann braucht es den Arzt

Ein abhängiger Mensch braucht meist ärztliche Hilfe, insbesondere wenn Entzugserscheinungen bestehen. Die Folgen eines Entzugs können vielfältig sein und verlangen manchmal Interventionen über lange Zeiträume. Mitunter müssen Begleitkrankheiten behandelt werden.

Beachtung erfordern zudem die Motive, die zur Abhängigkeit geführt haben. Drogenabhängige müssen in ihrem persönlichen Integrationsprogramm meist schrittweise darauf vorbereitet werden, den Alltag ohne chemische „Nachhilfe“ zu bewältigen. Selbstwertgefühl, Eigenwahrnehmung und Sinne werden wieder geschult. Der Besuch von Selbsthilfegruppen ergänzt die Massnahmen zur Genesung.

Bei akuten schweren Vergiftungen ist der Notarzt zu alarmieren. Hinweise auf Vergiftung sind: starkes Zittern, Schweissausbrüche, wiederholtes Erbrechen, schwacher oder langsamer Puls, auffällig weite oder enge Pupillen. Bewusstseinsverlust ist in diesem Zusammenhang unmittelbar lebensbedrohlich. Bewusstlose müssen in stabile Seitenlage gebracht werden (Abb. siehe Bewusstseinsverlust).

Weiter führende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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