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Eierstockkrebs

Fachbegriff: Ovarialkarzinom

Es handelt sich meist um kompakte Tumore (Geschwülste) von höckeriger oder knotiger Oberfläche. Seltener sind krebsig entartete Ovarialzysten, also Karzinome, die durchsetzt sind von flüssigkeitsgefüllten Partien (bösartige Ovarialzysten). In etwa der Hälfte der Fälle sind beide Eierstöcke betroffen. In den Eierstöcken können sich auch Metastasen („Ableger“) anderer Karzinome ansiedeln.

Der Eierstockkrebs tritt in jedem Lebensalter auf, meist jedoch nach dem 40. Lebensjahr, wobei das durchschnittliche Erkrankungsalter über 60 Jahre liegt. Das Karzinom wächst in die benachbarten Organe des Unterbauchs hinein. Seine Ausbreitung im Körper (Metastasierung) erfolgt auf alle inneren Oberflächen der Bauchhöhle (Peritonealkarzinose), später über den Blut- und Lymphweg in die Lungen (Lungenmetastasen), die Leber (Lebermetastasen), selten in die Knochen (Knochenmetastasen) oder ins Gehirn (Hirnmetastasen).
Bei seiner Entdeckung ist das Karzinom meist schon fortgeschrittenen, was die schlechte Prognose erklärt. Das Ovarialkarzinom gehört zu den häufigsten Ursachen von Krebstod bei Frauen.

Ursachen und Risikofaktoren

Unmittelbare Ursachen sind nicht bekannt, dagegen einige begünstigende oder – umgekehrt – das Risiko vermindernde Faktoren. So sind ältere Frauen und solche ohne Schwangerschaften und Stillzeit mehr gefährdet als solche mit mehreren Kindern. Eierstockkrebs bei Mutter oder Schwester erhöht das Risiko, selbst zu erkranken um 5 bis 10%. Genetische Faktoren können demnach mitverantwortlich sein und es wurden auch bereits Gene auf Chromosomen lokalisiert, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen. Langfristige Einnahme von Ovulationshemmern (Antibabypille) scheint die Gefahr hingegen zu vermindern.

Das Krankheitsbild

Kleinere Eierstockgeschwülste verursachen kaum Beschwerden, wie wir das auch von anderen Tumoren kennen. Deshalb wird das Karzinom manchmal erst entdeckt, wenn es bereits in Nachbarorgane eingewachsen ist – oft liegen dann auch schon Metastasen vor. Rasches Wachstum ist zudem typisch für den Eierstockkrebs. Krankheitszeichen sind:

  • Verdauungsstörungen und Schmerzen: Durch Druck des Karzinoms und Einwachsen in Nachbarorgane (innere Geschlechtsorgane, Magen, Darm, Beckennerven) entstehen anhaltende oder kolikartige Schmerzen, Durchfall, Verstopfung und Übelkeit, im Extremfall ein Darmverschluss.
  • Irreguläre Blutungen aus der Scheide, Blutungen nach den Wechseljahren: Sie treten auf, wenn die Tumorzellen weibliche Hormone produzieren.
  • Thrombosen: Sie können in den Beinvenen im Frühstadium vorkommen; eine Beckenvenenthrombose ist dagegen ein Zeichen fortgeschrittenen Krebsbefalls.
  • Wasseransammlung in der Bauchhöhle (Aszites) weist darauf hin, dass im Bauchfell Metastasen entstanden sind.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Bei bekanntem, gehäuftem Auftreten in der Familie wird verschiedentlich die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke nach der Menopause diskutiert.

Wann braucht es den Arzt

  • Kleinere Eierstockgeschwülste, ob gut- oder bösartig, sind jedoch meist ein Zufallsbefund (Ultraschall).
    Zur Früherkennung wird heute besonders beim Vorliegen von Eierstockzysten oder einem anderen Risiko das Vorhandensein von Tumormarkern geprüft. Das sind im Blut zirkulierende Eiweisse, die bei bösartigen Krankheiten gebildet werden.
  • Unklare Unterbauchprobleme, Schmerzen und Blutungsstörungen, namentlich in der Menopause (Zeitpunkt der letzten Regelblutung), und Gewichtsverlust trotz gleichzeitiger Zunahme des Bauchumfangs erfordern eine Abklärung.
  • Zur Verifizieren eines individuell erhöhten Risikos bei familiär gehäuftem Vorkommens werden teils Gentests eingesetzt.

Jenseits des 50. Lebensjahrs ist grundsätzlich jede Geschwulst eines Eierstocks bis zum Beweis des Gegenteils als krebsverdächtig einzustufen und deshalb sorgfältig abzuklären.

Diagnostische Verfahren

Transvaginaler Ultraschall (Ultraschall von der Vagina aus), Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), Spiegelung der Bauchhöhle (Laparoskopie) und mikroskopische Untersuchung von entferntem Material.

Therapie

An erster Stelle stehen chirurgische Massnahmen, wobei das Entfernen von möglichst viel Tumorgewebe angestrebt wird. Man entfernt in der Regel beide Eierstöcke und die Gebärmutter. Je nach Krebsstadium muss der Eingriff auf weitere Organe ausgedehnt werden. Da die Operation keine Gewähr dafür gibt, dass alles Krebsgewebe entfernt werden konnte, ergänzen Chemo- oder Radiotherapie die Gesamtbehandlung. Sie können dem Eingriff vorausgehen (sog. neoadjuvante Radio- oder Chemotherapie) oder nachfolgen.

Die Prognose hängt wesentlich davon ab, in welchem Stadium der Krebs entdeckt und eine Behandlung begonnen wurde, und ob sich der Tumor makroskopisch (von Auge gesehen) vollständig entfernen liess.

Eine gute Rehabilitation und Nachsorge ist wichtig wegen der oft ausgedehnten Operation und ihrer Folgen – auch psychischen. Wegen des Verlustes an Hormonen nach Entfernung der Ovarien können junge Frauen vorzeitige Wechseljahrbeschwerden bekommen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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