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Eisenmangel und Eisenmangelanämie

Eisenmangel ist die häufigste Ursache von Blutarmut. Weltweit leiden ca. 25% der Menschen an Eisenmangel wobei 80% der betroffenen Patienten Frauen sind. Durch Schwangerschaften, Stillzeiten und Menstruationen haben Frauen einen Mehrbedarf an Eisen.
Eisenmangel kann blutungsbedingt sein, da mit dem Blut auch Eisen verloren geht. Weitere mögliche Gründe sind gestörte oder ungenügende Aufnahme von Eisen erhöhter Bedarf.

Einleitung

Eisenmangel ist die häufigste Ursache einer Anämie (Blutarmut). Er betrifft Frauen häufiger als Männer.
Im menschlichen Körper gibt es 2-4 Gramm Eisen. Ein grosser Teil ist an Hämoglobin, den roten Farbstoff und Sauerstoffträger der roten Blutkörperchen gebunden. Ausserdem ist Eisen ein wichtiger Bestandteil von Enzymen (Fermenten). Eisenvorräte haben Leber, Milz, Knochenmark und Muskeln. Fehlt Eisen, werden zu kleine und unterschiedlich gestaltete rote Blutkörperchen gebildet mit einem verminderten Gehalt an Hämoglobin – man spricht dann von Eisenmangelanämie oder einer hypochromen, mikrozytären Anämie.
Der effektive tägliche Bedarf für den Organismus liegt bei 1 bis 1,2 mg für Männer, bei 2 mg für Frauen. Schwangere brauchen etwa 3 mg täglich.

Eisenmangel kann blutungsbedingt sein, denn zusammen mit dem Blut geht Eisen verloren. Erhöhter Bedarf und gestörte oder ungenügende Aufnahme sind weitere mögliche Gründe. Es handelt sich also um ein Bilanzproblem: Der Verlust oder der Bedarf überwiegt gegenüber der Aufnahme.

Gefährdet hinsichtlich Eisenmangelanämie sind neben Frauen im gebärfähigen Alter, und insbesondere Schwangeren, auch Kinder bis zum 2. Lebensjahr, Jugendliche während der Wachstumsphasen, Ausdauer- oder Leistungssportler und Bluter.

Ursachen

Die Eisenmangelanämie ist keine selbständige Erkrankung, sondern Folge entweder eines Eisenverlustes durch akute oder chronische Blutung oder eines Eisenbedarfs, der mit der Nahrung nicht gedeckt wird.

  • Akute oder chronische Blutungen sind die häufigsten Ursachen. Stetige kleine und von Auge nicht feststellbare Sickerblutungen aus Speiseröhre, Magen, Darm oder Hämorrhoiden, starke und häufige Monatsblutungen haben eine chronische Blutungsanämie zur Folge.
    Unfall, operationsbedingte Blutungen, Geburt sowie Blutspende entsprechen einem akuten Blutverlust. Da sich dieser in der Regel nicht kurzfristig wiederholt und grosse Verluste medikamentös oder mit Transfusionen kompensiert werden, führen sie seltener zu Anämie.
  • Gestörte Eisenaufnahme aus Magen oder Darm kommt vor nach Magen-Darmoperationen, bei länger andauerndem Durchfall oder bei chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten (Morbus Crohn, Sprue).
  • Erhöhter Bedarf: Während Schwangerschaft und Stillperiode, während Wachstumsphasen und bei häufigem Ausdauersport.
  • Ungenügende Eisenzufuhr: einseitige Ernährung (auch laktovegetabile Diät) kann zu Eisenmangel führen. Bei strengen Vegetariern steht indessen oft der Mangel an Vitamin B12 im Vordergrund.
  • Zusammenwirken von genannten Faktoren: bösartige Tumore, Endometriose, Wurmerkrankungen, Alkoholmissbrauch und Leberzirrhose, Fibromyalgie (eine rheumatische Erkrankung).

Das Krankheitsbild

Meist werden die Folgen von Eisenmangel lange nicht bemerkt.

  • Symptome einer Anämie ganz allgemein: Abgeschlagenheit oder anhaltende Müdigkeit, Blässe, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kälteempfindlichkeit, Schwindel, Schlafstörungen. Bei schwerer Blutarmut kommen beschleunigter Puls, Atemnot, und Infektanfälligkeit hinzu.
  • Spezifische Symptome von Eisenmangel: Veränderungen an Haut und Schleimhäuten wie Einrisse der Mundwinkel (Rhagaden), Zungenbrennen, Schluck- und Magen-Darmbeschwerden, spröde Haut und Haare, verstärkter Haarausfall, deformierte Fingernägel (Rillen), zudem depressive Verstimmung.
  • Diese unmittelbar der Anämie anzulastenden Erscheinungen werden oft überlagert oder verstärkt durch Symptome der anämisierenden Grundkrankheit, beispielsweise Sodbrennen bei Zwerchfellbruch (Hiatushernie), Magenschmerzen bei chronischer Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut), Durchfall, verstärkte Regelblutungen und andere.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Eine vollwertige Ernährung ermöglicht das Decken des – im Normalfall – täglichen Bedarfs (1 bis 1,2 mg für Männer, 2 mg für Frauen). Sie gewährleistet die notwendige Zufuhr von 10 bis 15 mg Eisen pro Tag (Schwangere und Stillende 30 bzw. 20 mg). Davon werden 10 bis 20% vom Darm aufgenommen (resorbiert) und im Körper benötigt. Der Körper vermag bei erhöhtem Bedarf die Aufnahme zu steigern, jedoch nur in einem beschränkten Ausmass.

  • Viel Eisen enthalten Innereien(allerdings auch hoher Gehalt an Cholesterin), Fleisch, Haferflocken und Getreidekeime, Hülsenfrüchte, Pilze, Petersilie, grüne Gemüsesorten. Tierisches Eisen (Fleisch, Fisch, Geflügel) wird besser resorbiert als pflanzliches.
  • Früchte und Säfte, die reichlich Vitamin C enthalten, fördern die Eisenaufnahme aus dem Darm. Reich an Vitamin C sind Zitrusfrüchte, Kiwi, Peperoni, Fenchel Brokkoli.
  • Gerbsäure oder Tannin (Schwarzteesorten) und Oxalsäure (Spinat, Rhabarber) behindern die Eisenaufnahme, desgleichen Kalzium (in Milchprodukten), Phosphat und Ballaststoffe.
  • Muttermilch enthält mehr Eisen als Milchersatzprodukte, falls letzteren nicht Eisen zugefügt wurde.

Mit Eisentabletten lässt sich Eisenmangel beheben, doch sollte die Grundkrankheit mitbehandelt werden. Es ist darauf zu achten, dass die Einnahme von Eisenpräparaten eine Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen erfolgt. Eisenpräparate sind oft schlecht verträglich; Nebenwirkungen sind Übelkeit und Magenschmerzen, Verstopfung oder Durchfall und diese Medikamente färben den Stuhl schwarz.

Achtung: Versehentlich durch Kinder verschluckte Eisentabletten können zu lebensbedrohlichen Intoxikationen führen, die tödliche Dosis liegt bei 3 g Eisen-II-Sulfat. Daher Eisentabletten (und alle anderen Medikamente) unbedingt für Kinder unerreichbar aufbewahren!

Eisenpräparate sollte man nicht unkontrolliert verwenden, da Überdosierung schwere Nebenwirkungen mit sich bringen kann.

Wann braucht es den Arzt

Eine vermutete Anämie sollte der Arzt abklären. Dazu dienen besonders Bluttests, allenfalls Urin- und Stuhluntersuchungen, Magen-Darm-Spiegelung und gynäkologische Abklärungen; vereinzelt sind Röntgenverfahren nötig.

Die Therapie der Ursache steht im Vordergrund. Ohne Behandlung der Grundkrankheit wird auch die Einnahme von Eisenpräparaten keine dauerhafte Besserung bringen. Ist eine medikamentöse Zufuhr nötig, muss sie oft über Monate hinweg erfolgen, da es bei ausgeprägtem Mangel 3 Monate oder sogar noch länger dauert, bis die Eisenspeicher wieder angereichert sind.
Bei Unverträglichkeit der verabreichten Tabletten, ungenügender Aufnahme durch den Darm, generell bei erheblichem Mangel mit ausgeprägten Symptomen wird Eisen oft mittels Injektionen (Spritzen) oder Infusionen (in die Vene) zugeführt.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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