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Folsäuremangel

Fachbegriffe: Vitamin B9 Mangel, Pteroylglutaminsäuremangel, Pteroylglutamatmangel

Die Folsäure, eine für unseren Körper lebenswichtige Substanz, wird auch Folat, Vitamin B9 oder B11 (nicht gebräuchlich) genannt. Der Körper braucht die Folsäure für die Zellerneuerung. Die Folsäure wird zur Synthese der DNA (Herstellung der Erbsubstanz) benötigt.
Unser Körper stellt laufend neue Zellen her. Dabei ist die Geschwindigkeit abhängig vom Alter und der Gewebeart. In der Schwangerschaft, in einer Phase, in der besonders viele unterschiedliche Zellen neu gebildet werden, ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure besonders wichtig.

Ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft kann zu unterschiedlichen Fehlbildungen, besonders zu Neuralrohrdefekten führen. Dabei handelt es sich um Fehlbildungen, bei denen sich das Neuralrohr, aus welchem später Gehirn und Rückenmark des Kindes entstehen, unvollständig schliesst. Die häufigsten Neuralrohrdefekte sind die Anencephalie und die Spina bifida aperta.

Folsäure kommt vor allem in Vollkornprodukten, Weizenkeimen, Hülsenfrüchten und in Gemüsen wie Broccoli, Spinat, Tomaten, Karotten, Spargeln aber auch in Milchprodukten, im Eigelb und in der Leber vor. Folsäure tierischen Ursprungs kann vom Körper besser aufgenommen und verwertet werden.

Das Vitamin ist hitze-, licht- und sauerstoffempfindlich, d.h. durch Kochen oder lange Lagerung kann die Folsäure zerstört oder inaktiviert werden. Der Körper kann bis zu 5 mg Folsäure in der Leber speichern, was für eine Versorgung des Körpers unter normalen Bedingungen während 3 bis 4 Monaten reichen würde.

Begriffserklärung

Neurologisch:

Das Nervensystem betreffend.

Resorptionsstörung, Malabsorption::

Das Unvermögen des Dünndarms, eine genügende Menge an Nährstoffen aus dem Darm in die Blutbahn aufzunehmen.

Hämoglobin:

Bezeichnung für den roten Blutfarbstoff der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). An das eisenhaltige Hämoglobin ist Sauerstoff gebunden, der so im Körper transportiert wird.

Anencephalie:

Eine Anencephalie ist eine angeborene Missbildung. Einem Kind mit Anencephalie fehlen Teile des Gehirns und des Schädeldaches. Die betroffenen Neugeborenen sterben meist während der Geburt oder leben nur wenige Stunden. Das Neuralrohr formt sich zwischen dem 20. und 28.Tag nach der Zeugung. Eine Störung dieser Entwicklung führt dazu, dass sich das obere Ende des Neuralrohrs nicht schliesst und sich das Gehirn nicht ausbilden kann; eine Anencephalie entsteht.

Spina bifida aperta:

Hierbei handelt es sich um einen Neuralrohrdefekt, der unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Das Neuralrohr formt sich zwischen dem 20. und 28. Tag nach der Zeugung. Ist die Entwicklung gestört, kann es vorkommen, dass sich das untere Ende nicht verschliesst. Dies äussert sich in einem offenen Rücken

Meningozele:

Dies ist die leichtere Variante des offenen Rückens. Dabei wölben sich die Meningen, die Rückenmarkshäute, durch einen Wirbelbogenspalt unter der Haut hervor. Eine Meningozele kann nach der Geburt gut operiert werden und es bleiben meist keine Schäden zurück, denn das Rückenmark ist intakt.

Meningomyelozele:

Dabei handelt es sich um eine schwerere Form des offenen Rückens. Es liegt eine Spaltbildung in der Wirbelsäule vor und durch diesen Spalt treten Teile des Rückenmarks, der Rückenmarkshäute (Meningen) und der Nerven nach aussen. Das Rückenmark und die Nerven sind so schutzlos und werden chemisch durch das Fruchtwasser und mechanisch durch die Reibung in der Gebärmutter geschädigt.

Myeloschisis:

Die Myeloschisis ist die schwerste Form des offenen Rückens, bei der das Nervengewebe ganz freigelegt ist.

Pränatale intrauterine Operation:

Am Zürcher Kinderspital werden seit 2011 pränatale, intrauterine Operationen erfolgreich durchgeführt. Die Ergebnisse hängen vom Schweregrad des offenen Rückens ab, sind jedoch nachweislich besser als bei Operationen, die erst nach der Geburt erfolgen.

Je nach Schweregrad sind Menschen mit einer Spina bifida aperta kaum oder aber sehr stark körperlich beeinträchtigt. Lähmungen der Beine und verminderte oder fehlende Sensibilität (Querschnittlähmung) können vorhanden sein. Die Kontrolle über Blase und Darm ist oft eingeschränkt oder ganz verunmöglicht. Oft entwickelt sich hinzukommend ein Wasserkopf (Hydrocephalus) Hierbei ist die Zirkulation des Liquor (Hirnwasser) gestört und führt zu erhöhtem Druck im Schädelinneren. Dies kann wiederum die Hirnentwicklung beeinträchtigen.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Folsäuremangel entwickelt sich entweder durch mangelnde Zufuhr, durch eine schlechte Aufnahme der Folsäure im Magendarmtrakt oder durch einen erhöhten Bedarf des Vitamins.

Gründe für eine mangelnde Zufuhr können sein:

  • Mangel- oder Fehlernährung, beispielsweise bei Alkoholikern, jungen Frauen mit Magersucht und älteren Menschen.

Folsäure kann oft vom Körper nicht ausreichend aufgenommen werden. Gründe für eine ungenügende Aufnahme der Folsäure im Magendarmtrakt können sein:

  • Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie, M. Crohn
  • Langjährige Einnahme von Medikamenten wie der Antibabypille oder Antiepileptika zur Behandlung der Epilepsie. Diese Medikamente stören die Aufspaltung der Folsäure im Darm und somit deren Aufnahme.
  • Bestimmte Medikament, die in der Krebstherapie oder bei Autoimmunerkrankungen (beispielsweise rheumatoide Arthritis eingesetzt werden.

Erhöhter Bedarf an Folsäure:

  • Während Schwangerschaft und Stillzeit
  • Bei Kinderwunsch
  • Im Kindes- und Jugendalter aufgrund des Wachstums
  • Bei Rauchern: Aufgrund des durch das Rauchen bedingt, erhöhten Stoffwechsels.
  • Bei einer Schilddrüsenüberfunktion durch den erhöhten Stoffwechsel bedingt.

Das Krankheitsbild

Ein Folsäuremangel macht sich zuerst dort bemerkbar, wo Zellen oft und rasch erneuert werden. Dies ist vor allem bei der Blutbildung der Fall, wo es in einer Mangelsituation zu einer Blutarmut kommen kann. Man spricht dann von einer megaloblastären Anämie. Hierbei sind die Blutzellen abnormal gross und der Gehalt an Hämoglobin ist zu niedrig.

Folgende Symptome können auftreten:

  • Blässe
  • Müdigkeit, Leistungsminderung
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Offene Mundwinkel, Zungenbrennen
  • Durchfall
  • Haarausfall
  • Infektanfälligkeit

Komplikationen

Ein Folsäuremangel während der Schwangerschaft kann zu Neuralrohrdefekten und somit zu schweren und lebenslangen Behinderungen beim ungeborenen Kind führen. Die häufigsten Neuralrohrdefekte sind die Anencephalie und die Spina bifida aperta.
Es wird empfohlen, bereits bei bestehendem Kinderwunsch und Absetzen von empfängnisverhütenden Methoden zusätzlich 0.4 mg Folsäure pro Tag einzunehmen. Diese Prophylaxe sollte bis zur 12. Schwangerschaftswoche fortgeführt werden. Durch diese ausreichende Folsäureversorgung kann das Risiko für Neuralrohrdefekte um 70 % gesenkt werden.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Falls eine Schwangerschaft geplant ist, sollt man frühzeitig mit einer zusätzlichen Folsäureeinnahme von 0.4 mg pro Tag beginnen und bis in die 12. Schwangerschaftswoche weiterführen. In Risikosituationen beispielsweise bei Neuralrohrdefekt in einer früherer Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme mit Einfluss auf die Folsäureaufnahme (z.B. Antiepileptika), sollen 5 mg pro Tag eingenommen werden.
Allgemein ist eine abwechslungsreiche, ausgewogene, gesunde Ernährungsweise mit viel frisch zubereitetem Gemüse, Vollkornprodukten, Fleisch, Milchprodukten und Eier zu empfehlen
Folgende Nahrungsmittel sind gute Folsäurelieferanten:

  • Weizenkeime
  • Blattspinat
  • Chinakohl
  • Fenchel
  • Karotten
  • Tomaten
  • Bohnen
  • Brokkoli
  • Spargel
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Haferflocken, Vollkorngetreide
  • Michprodukte
  • Fleisch, insbesondere Leber und Rindfleisch
  • Eier

Folsäure ist hitze-, licht- und sauerstoffempfindlich. Durch langes, hochtemperiertes Kochen mit viel Wasser und Lagerung an Licht und Sauerstoff wird die Folsäure zerstört.

Wann braucht es den Arzt

Bei Verdacht auf einen Folsäuremangel sollte man einen Arzt aufsuchen. Die Diagnose kann mittels Blutprobe überprüft werden.

Therapie

Der erste Schritt in der Therapie soll eine mögliche Ursache des Folsäuremangels behandeln (z. B, Magen-Darmerkrankungen oder Fehl- und Mangelernährung). Einem erhöhten Bedarf an Folsäure kann mit einer Supplementierung begegnet werden (tägliche Einnahme von Folsäurepräparaten).

Weiterführende Informationen und Adressen

Zentrum für Fetale Diagnostik und Therapie
Frauenklinikstrasse 10
8091 Zürich
Tel: 044 255 51 00
www.swissfetus.ch

Autor:  Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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