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Gallensteine

Fachbegriff: Cholelithiasis
Folgen: Gallensteinkolik, Gallenblasenentzündung

Die Gallenblase kann teilweise oder ganz gefüllt sein mit kleineren oder grösseren Steinen. Etwa 75% der Betroffenen haben keinerlei Beschwerden. Gallensteine können aber auch die Ursache von chronischen Verdauungsstörungen oder wiederkehrenden akuten Krankheitsschüben sein mit Koliken oder einer Gallenblasenentzündung.

Überblick

Manchmal enthält die Gallenblase einen einzelnen Stein, oft ist es eine Vielzahl von unterschiedlich grossen Steinen (Abb. a). Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 20% der Europäerinnen jenseits des 40. Lebensjahrs betroffen sind; Männer halb so oft. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit markant. Bei weitem nicht alle Betroffenen haben Symptome und eine Therapie ist dann nicht nötig.

Eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) (Abb. b) tritt gewöhnlich nur dann auf, wenn Koliken (Abb. c) vorausgegangen sind. Bei jahrelangem Verbleiben von Steinen in der Gallenblase ist das Krebsrisiko für dieses Organ erhöht, insbesondere bei Steinen, deren Durchmesser mehr als 3 cm beträgt.

Gallensteinleiden
akute Gallenblasenentzündung
Gallensteinkoliken

Begriffserklärungen

Laparoskopie:

Bauchhöhlenspiegelung. Durch einen mehrere Millimeter langen Einschnitt am Bauchnabel wird eine stabförmige Optik mit Beleuchtung in die Bauchhöhle eingeführt. Einige weitere kleine Stiche in der Haut gestatten das Einführen dünner stabförmiger Operationsinstrumente.

Minimal-invasiv:

So werden Verfahren bezeichnet, für die als Operationszugang wenige kleine Hautschnitte genügen, weshalb auch der Ausdruck „Knopflochchirurgie“ geläufig ist. Ein grosser Bauchschnitt wird in diesem Fall nicht mehr benötigt.

Cholezystektomie:

Operative Entfernung der Gallenblase.

Konkrement, Gallenkronkrement:

Fester Materieklumpen („Stein“), der durch Zusammenballung gelöster Gallesalze und -farbstoffe, Cholesterin und oft auch Kalzium entsteht. Analog gibt es Nieren-, Blasensteine und andere.

Ursachen und Risikofaktoren

Entstehung von Gallensteinen

Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber gebildet und fliesst zur Gallenblase (Abbildungen), wo sie bis zum Bedarf gespeichert wird. Bedarf besteht im Anschluss an eine Mahlzeit: die Gallenblase zieht sich zusammen und entleert einen Teil ihres Inhalts durch den Gallengang in den Darm, was die Verdauung ermöglicht, vor allem der Fette.

Die Steine entstehen durch Auskristallisieren von Substanzen, wenn die Galle zu konzentriert und zähflüssig ist, oder wenn die Gallenblase sich ungenügend entleert. Bevorzugt bilden sich Steine, wenn das Verhältnis der einzelnen Gallebestandteile nicht optimal ist, insbesondere wenn zu viel nicht lösliches Cholesterin oder zu wenig lösliche Gallensäuren vorhanden sind. Begünstigt wird die Steinbildung auch durch ein Überangebot an Bilirubin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs, was zur Entwicklung von so genannten Pigmentsteinen führt. Entstehungsort von Steinen ist neben der Gallenblase auch der Gallengang.

Risikofaktoren

Die Bildung von Gallensteinen begünstigen:

  • Störung des Cholesterinstoffwechsels.
  • Übergewicht und generell ungünstige Ernährung (wenig Ballaststoffe, grosse Mengen Kohlehydrate), aber auch wiederholtes Fasten, Gewichtsverlust und anschliessende Zunahme.
  • Alter über 40 Jahre.
  • Weibliches Geschlecht, Schwangerschaften, Einnahme von Östrogenen.
  • Cholesterinsenkende Medikamente, weil vermehrt Cholesterin mit der Galle ausgeschieden wird.
  • Familiäre Veranlagung, genetische und ethnologische Faktoren.
  • Verschiedenen Allgemeinerkrankungen: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Zuckerkrankheit; Hypothyreose, schwere Leberkrankheiten sowie Erkrankungen mit erhöhtem Abbau von roten Blutkörperchen (Hämolyse). Unter diesen Voraussetzungen können Gallensteine sogar bei Kindern zu finden sein.

Ursachen der Cholezystitis

Ursachen sind in erster Linie Gallensteine und toxische („giftige“) Wirkung einzelner Gallebestandteile, seltener schwere Verbrennungen, Traumen (Unfälle, schwere Verletzungen). Daneben Sepsis und Infektionen im Bauchraum, deren unmittelbare Auslöser meist Bakterien sind, bedeutend seltener Parasiten oder anderer Erreger.

Krankheitsbilder

Wiederkehrende Beschwerden, die von Gallensteinen herrühren, treten vornehmlich nach dem Essen auf: Druckgefühl und Schmerz im Oberbauch, Völlegefühl, gelegentlich Übelkeit, Erbrechen, Blähungen und Aufstossen. Damit verbunden ist vielfach eine Unverträglichkeit für gewisse Speisen wie Fette, Schokolade, Kaffee, Wein usw.

Folgen und Komplikationen

Während die oben genannten Symptome relativ unspezifisch sind, lassen sich Komplikationen leichter dem Organ zuordnen.

  • Gallensteinkoliken: Dieses dramatische Ereignis tritt ein, wenn ein Stein aus der Gallenblase in den Gallenblasengang gepresst und in diesem langsam nach unten befördert wird, siehe Abbildung c. Der Gallenblasengang ist recht eng (maximal neun Millimeter weit) und nicht für die Aufnahme und den Transport von Gallensteinen geeignet. Eine Steinwanderung löst daher Koliken aus. Diese stechenden oder ziehenden, an- und abschwellenden Schmerzattacken dauern gewöhnlich zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden und gehören zu den intensivsten Schmerzen überhaupt, sie strahlen von der Gegend unter dem rechten Rippenbogen in den gesamten Bauch, den Rücken und die rechte Schulter aus. Übelkeit und Erbrechen sind nicht selten. Bei länger andauernden Koliken kann sich die Haut vorübergehend gelb verfärben (Gelbsucht), während gleichzeitig der Urin dunkelbraun, der Stuhl auffällig hell ist. Erfahrungsgemäss wiederholen sich Koliken, es bleibt nicht bei einem einmaligen Geschehen.
  • Gallengangverschluss, Steckenbleiben eines Steins im Gallengang: In dieser Situation wird Galle in die Leber zurück gestaut (Abbildung c) was zusätzlich zur Kolik eine Leberentzündung mit Gelbsucht bewirkt, falls der Stein längere Zeit im Gallengang verbleibt. Fieber und Schüttelfrost weisen auf eine bakterielle Infektion hin. Ein steckengebliebener Stein am Übergang des Gallengangs in den Darm kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen. Ein unbehandelter Gallengangsverschluss zieht schwerwiegende Komplikationen nach sich, zum Beispiel Leberabszess oder -zirrhose und Pankreatitis.
  • Gallenblasen- oder Gallengangentzündung: s. Abbildung b. Die akute Cholezystitis und die Cholangitis (Gallengangsentzündung) sind überraschend auftretende Bauchweherkrankungen, deren Schmerzmaximum im rechten Oberbauch liegt. Schmerzen, die länger als fünf Stunden anhalten, sprechen für eine Gallenblasen- oder Bauchspeicheldrüsenentzündung, kürzer dauernde eher für eine Kolik. Der Bauch ist gespannt, Übelkeit, Erbrechen und Fieber, vereinzelt auch Schüttelfrost, sind weitere Krankheitszeichen. Die Unterscheidung gegenüber einer Blinddarmentzündung kann schwierig sein.
    Die Cholezystitis ist mit Komplikationen behaftet wie Sepsis oder Perforation (Durchbruch). Eine akute Gallenblasenentzündung kann zudem chronisch werden. Verkalkt die Wand des Organs, spricht man von „Porzellangallenblase“, ein Zustand, der mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Ausgewogene, ballaststoffreiche, fettarme Ernährung, die Kontrolle des Gewichts und ausreichend Bewegung sind beeinflussbare Faktoren in der Prophylaxe von Gallensteinen. Forcierte Gewichtsreduktion und fettfreie Diäten erhöhen hingegen das Risiko der Konkrementbildung.
  • Generell: unverträgliche Speisen meiden.
  • Gegen Koliken: Wärme und Bewegung, evtl. krampflösende Schmerzmittel.

Weitere Informationen und Hausmittel enthält das Buch „Hausmittel sinnvoll einsetzen“ (ISBN 978-3-033-01334-6), das hier bestellt werden kann. (145 Seiten).

Wann braucht es den Arzt

Gallensteine, die keine Symptome verursachen müssen meist nicht behandelt werden. Ausnahmen bilden Steine, deren Durchmesser grösser als drei cm ist, und das Vorliegen einer Porzellangallenblase, da das Krebsrisiko erhöht ist.

Wiederholte krampfartige Oberbauchschmerzen, welche die Lebensqualität einschränken sind Grund, einen Arzt aufzusuchen. Komplikationen, die von Gallensteinen ausgehen, sind meist ein Notfall.

Diagnose

Die Beschwerden werden oft so typisch dargestellt, dass der Arzt allein schon aus diesen Angaben die Diagnose stellen kann. Ergänzende apparative Untersuchungen sind Ultraschall, Röntgen, die Computertomographie, seltener die Spiegelung des Gallengangs via Magen und Dünndarm (Endoskopie). Mit Hilfe letzterer lassen sich zudem Steine aus dem Gallengang entfernen.

Konservative und medikamentöse Therapie

Bei milden Beschwerden versuchen viele Menschen, zunächst einmal abzuwarten. Der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel ergibt sich aus entsprechender Erfahrung, wenn Druck im Oberbauch, Blähungen, Übelkeit provoziert wurden. Aus ärztlicher Sicht lässt sich diese Haltung unterstützen durch Verordnung von Verdauungsfermenten (Enzymen) und Schmerzmitteln je nach Bedarf.

Die Therapie von Koliken oder akuter Entzündung erfolgt zunächst mit krampflösenden Schmerzmitteln, Infusionen und Nahrungskarenz, bei Infektionen zusätzlich mit Antibiotika. Anschliessend wird rasch die operative, definitive Sanierung des Krankheitsherds angestrebt.

Operation

Der Eingriff besteht im Entfernen der ganzen Gallenblase (Cholezystektomie) samt den darin befindlichen Konkrementen, eventuell zusätzlich im Entfernen von Steinen aus dem Gallengang

  • Standard ist die minimal-invasive Technik („Knopflochchirurgie“, laparoskopische Cholezystektomie), wobei als Zugang in die Bauchhöhle wenige Hautstiche von 0,5 bis 1 cm Länge genügen. Die Weiterentwicklung der laparoskopischen Chirurgie ist in vollem Gang und zielt momentan darauf ab, mit immer kleineren und immer weniger Schnittchen in der Haut auszukommen.
  • Offene Chirurgie: Stellen sich bei der Laparoskopie schwer zu lösende technische Probleme ein, kann ein „Umsteigen“ auf die offene Chirurgie mit grösserem Bauchschnitt nötig werden. Von Anfang an wird ein Bauchschnitt (Laparotomie) vorgesehen in Fällen von Perforation (Durchbruch des Organs), eitriger Entzündung oder Tumor (Geschwulst)
  • Manchmal ist das Spalten des Schliessmuskels am Übergang des Gallengangs zum Darm angezeigt, damit kleinere Steine von selbst abgehen können. Ein solcher Eingriff erfolgt gewöhnlich auf dem Weg einer Magendarmspiegelung (Endoskopie). Eine Entfernung der Gallenblase kann bisweilen umgangen werden, erfolgt unmittelbar anschliessend oder zu einem späteren Zeitpunkt.

Leben ohne Gallenblase: Auch nach der Operation wird in der Leber weiterhin Galleflüssigkeit gebildet. Sie strömt nun direkt in den Darm. Viele Menschen spüren das nicht und leben nach dem Eingriff völlig ohne Verdauungsprobleme. Andere behalten eine etwas „empfindliche Verdauung“ und müssen auf gewisse Speisen verzichten, wie z.B. Schokolade oder Eier.

Nicht-chirurgische Therapien

Sie sind nur in Fällen anwendbar, wo es nicht eilt, wenn Steine nicht über einen cm gross sind, wenn kein Krebsverdacht besteht. Ein therapeutisches Richtmass sind die nachfolgend aufgelisteten Verfahren nicht; ihr Einsatz ist stark limitiert, die Nebenwirkungen sind beträchtlich und ein dauerhafter Erfolg bleibt fraglich.

  • Das Auflösen der Steine mit Medikamenten eignet sich nur für Cholesterinsteine und nicht für akute Situationen, denn das dauert Monate bis Jahre. Die Rezidivrate (Rückfallquote) ist hoch.
  • Die extrakorporelle Stosswellentherapie („von ausserhalb des Körpers“), wie sie erfolgreich zur Zertrümmerung von Nierensteinen verwendet wird, hat bei Gallensteinen nicht zu überzeugenden Ergebnissen geführt. Auf diese Weise können nur kleinere Steine behandelt werden und auch hier sind Rezidive häufig.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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