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Gedächtnisstörungen, Amnesie und Gedächtnisverlust

Normale Alterungsvorgänge müssen unterschieden werden von Gedächtnisstörungen, die Symptom einer Krankheit sind. Der Begriff Amnesie bezieht sich auf einen zeitlich begrenzten Gedächtnisverlust.

Überblick

Eine der Leistungen unseres Gehirns besteht im fortwährenden Aufnehmen von Informationen. Diese werden evaluiert, sortiert, verworfen oder definitiv gespeichert – je nach Aufmerksamkeit, Emotionalität, Interesse und Wichtigkeit die ihnen beigemessen werden.

Gewisse Hirnfunktionen lassen bereits ab dem 20. Lebensjahr nach, bemerkbar machen sich Defizite aber in der Regel erst im Alter über 40 Jahre. Solche normale Alterungsvorgänge müssen von Gedächtnisstörungen als Symptom verschiedener Krankheiten unterscheiden werden, was allerdings nicht immer einfach ist. Ein Beispiel: Einzelne „Lücken“ oder Ungeschicklichkeiten sind nicht ungewöhnlich, wenn man sich aber z.B. nicht mehr erinnert, dass man am Tag zuvor an einer Feier teilnahm, ist dies ernst zu nehmen.

Der Begriff Amnesie bezieht sich auf einen zeitlich begrenzten Gedächtnisverlust.

Aspekte des Gedächtnisses

Bezüglich der Gedächtnisinhalte lassen sich unterscheiden:

  • Verbalgedächtnis: sprachliches Wissen oder Können.
  • Figuralgedächtnis: Erkennen oder Darstellen von Menschen, Figuren oder Örtlichkeiten.
  • Semantisches Gedächtnis: Erfahrungen, abstraktes Wissen.
  • Episodisches Gedächtnis: individuelle Erinnerungen, Autobiographie.
  • Prozedurales Gedächtnis: Umgang mit Werkzeugen, Geräten, Fahrzeugen usw.

Informationen, die ins Kurzzeitgedächtnis gelangen, bleiben dort einige Sekunden bis wenige Minuten, gehen dann vergessen oder werden im Langzeitgedächtnis gespeichert, wenn man sie bewusst oder unbewusst repetiert oder wenn sie besonders einprägsam sind. Die hier am längsten verfügbaren Inhalte entsprechen dem Altgedächtnis, das die eigene Lebensgeschichte, das Allgemein- und das Berufswissen enthält.

Im Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Gehirns ab. Bezogen auf das Gedächtnis sind aber nicht alle Bereiche gleichermassen beeinträchtigt. Kürzer zurückliegende Inhalte und Erlebnisse sind im Allgemeinen stärker betroffen. So ist denn zunächst hauptsächlich das Abrufen von Informationen aus dem Kurz-, später auch aus dem Langzeitgedächtnis gestört, während Inhalte aus dem Altgedächtnis noch verfügbar sind („damals im Pfadfinderinnenlager …“).

Von Gedächtnisstörungen zu unterscheiden sind:

  • Unachtsamkeit: Das Verlegen von Dingen (Schlüssel, Brille usw.) ist nicht aussergewöhnlich, hingegen sollte das Auffinden von Gegenständen an völlig unpassenden Orten als Alarmsignal verstanden werden. Beispiel: Zucker im Kühl- anstatt im Vorratsschrank.
  • Individuelle Eigenschaften: Manche Menschen haben ein ausgeprägtes Erinnerungsvermögen für Namen, Adressen usw., während andere zwar die Namen schnell vergessen, hingegen Gesichter und Eigenschaften besser behalten.
  • Reduzierte Sinneswahrnehmung: Seh- und Sprachdefizite sowie Schwerhörigkeit können Gedächtnisstörungen vortäuschen.
  • Verdrängung und Verfälschung, Vergesslichkeit: Gedächtnislücken, die sich auf eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Ereignis beschränken, können psychische Ursachen haben: ein bestimmtes Ereignis wird „verdrängt“ oder durch emotionale Inhalte überlagert und verfälscht: „die goldenen zwanziger Jahre …“, die in Wirklichkeit überhaupt nicht golden waren, sondern von Krisen geprägt.
    Manche Menschen überspielen Erinnerungslücken mit Einfällen – die sie manchmal sogar für wahr halten – und können so Vergesslichkeit verbergen.
  • Aktives und passives Wissen: Es geschieht nicht selten, dass ein an sich bekanntes Wort oder Ereignis, ein an sich bekannter Begriff oder Name im Moment „nicht abrufbar“ ist. Oft genügt dann eine Eselsbrücke oder eine andere Hilfestellung, um die Information zu aktivieren („ah ja, genau das war es …“).
  • Einfluss von Störfaktoren oder Emotionen: Zeitweilige Beeinträchtigung von Gedächtnis, Denken oder Erinnerung treten unter speziellen Bedingungen bevorzugt auf. Beispiele: Stresssituationen bei Prüfungsangst oder Zeitdruck, Schlafmangel, Ablenkung durch „Gedankenreisen“ (Denken an die Ferien, Verliebtsein) verschiedene Sinneseindrücke (visuell, Lärm, Geruch) usw.

Formen und Ursachen

Bekannt ist – besonders bei älteren Menschen – dass im Anschluss an eine Narkose gewisse Erinnerungen nicht abrufbar sind, wenn auch meist nur vorübergehend. Beeinträchtigungen des Gedächtnisses können jedoch auch Symptome mancher Krankheiten oder anomaler Zustände sein.

  • Amnesie oder Erinnerungsverlust ist auf den Zeitraum eines Unfallgeschehens, einer Bewusstlosigkeit oder einer psychischen Ausnahmesituation begrenzt. Erinnerungslücken zurücklassen können Schädel-Hirn-Trauma, Hirnschlag, akuter massiver Alkoholmissbrauch, epileptische Anfälle oder ein psychischer Dämmerzustand. Retrograde Amnesie bezieht sich auf die Zeit vor, anterograde Amnesie auf die Zeit nach dem Ereignis.
  • Gedächtnisstörungen leichteren oder mittleren Grades sind möglich bei Arteriosklerose der Hirngefässe, Schizophrenie, Epilepsie, daneben infolge Hirntumoren, Meningoenzephalitis, Depressionen. Ausserdem: Alkoholmissbrauch und Drogenmissbrauch, insbesondere von Kokain und Cannabis, Nebenwirkungen von Medikamenten.
    Wenn Defizite bei alltäglichen Leistungen oder Handlungen dazukommen, z.B. betreffend örtlicher und zeitlicher Orientierung, Handhabung von Gegenständen, besteht vermutlich eine Demenz.
  • Bei der Demenz sind also neben dem Gedächtnis weitere Hirnleistungen wie das Planen von Aktivitäten, das Sprechen, abstraktes Denken usw. beeinträchtigt. Typisch sind zudem auffällige Verhaltensänderungen. Häufige Demenzformen sind Alzheimer- und Parkinson-Krankheit sowie vaskuläre Demenz. Letztere ist meist bedingt durch lange bestehende Arteriosklerose oder wiederholte Hirnschläge.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Passive Gedächtnisstützen in Notizbüchern, im Natel oder in anderen Medien erleichtern das Leben und sind geeignet, eine Behinderung im Alltag so gering wie möglich zu halten. Sie fördern indessen nicht das bewusste Behalten von Daten – im Gegenteil, sie verleiten dazu, sich Telefonnummern usw. nicht mehr zu merken.
  • Regelmässiges Lesen, Wiedererzählen und Üben, das Erlernen einer Fremdsprache usw. trainieren das Gedächtnis in jedem Alter. Gewisse Lerntechniken unterstützen das Behalten und Erinnern von Informationen.
  • Nikotinstopp, das Vermeiden von Risiken für Kreislaufkrankheiten, massvoller Alkoholkonsum, Verzicht auf Drogen sind weitere Vorbeugemassnahmen.

Wann braucht es den Arzt

Gedächtnisstörungen sind nicht immer auf eine Krankheit zurückzuführen. Wenn sie jedoch auffällig sind, und besonders wenn überdies Einschränkungen alltäglicher Fähigkeiten bestehen, die das Leben erschweren, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.

Abklärungen werden teils durch den Facharzt (Neurologe, Psychiater usw.) vorgenommen. Unterschiedliche Tests, bildgebende Methoden (Röntgen, Magnetresonanz- oder, Computer-Tomographie) das Aufzeichnen der Hirnströme (EEG, Elektro-Enzephalogramm) und andere Untersuchungen sind geeignet, Hirnerkrankungen zu erkennen oder andere Ursachen von Gedächtnisstörungen zu ermitteln.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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