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Gelbsucht

Fachbegriff: Ikterus

Ikterus bedeutet Gelbfärbung der Haut und der Augen. Die Farbe ist bedingt durch den vermehrten Gehalt von gelbem Bilirubin im Blut.

Gelbsucht ist keine Krankheit, jedoch ein augenscheinliches Symptom, dem verschiedene Ursachen zugrunde liegen können. In der Umgangssprache wird der Begriff oft gleichbedeutend verwendet mit Leberentzündung. Das Symptom weist indessen nicht ausschliesslich auf eine Schädigung der Leberzellen durch Viren oder toxische Substanzen hin; andere Ursachen sind ein mechanisches Hindernis des Galleflusses oder eine zu rasche Erzeugung von Bilirubin, welche über der Ausscheidungskapazität der Leber liegt.

Das auffällige Krankheitszeichen wird oft begleitet von Juckreiz und weiteren typischen Merkmalen. Dazu gehören dunkler, schäumender Urin, so genannter Bierurin, der bedingt ist durch Ausscheidung von Bilirubin mit dem Harn, und im Gegensatz dazu eine helle Farbe des Stuhls. Je nach Ursache kommen weitere Symptome hinzu wie Fieber, Übelkeit, Bauchschmerzen oder Müdigkeit.

Dem Ikterus können viele – auch lebensbedrohende – Krankheiten zugrunde liegen. Er bedingt immer eine Arztkonsultation.

Begriffserklärungen

Hämoglobin:

Bezeichnung für den roten Blutfarbstoff der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). An das eisenhaltige Hämoglobin ist Sauerstoff gebunden, der so im Körper transportiert wird.

Bilirubin:

Eines der Abbauprodukte von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Bilirubin hat eine gelbe Farbe und ist ein normaler Bestandteil des Blutes.

Entstehung und Ausscheidung von Bilirubin:

Bilirubin entsteht, wenn rote Blutkörperchen nach ihrer Lebensdauer von 120 Tagen, in der Milz abgebaut werden. Der in ihnen enthaltene Sauerstoffträger, das Molekül Hämoglobin wird überflüssig und zerfällt. Eines der Zerfallsprodukte, der gelbe Farbstoff Bilirubin, gelangt ins strömende Blut. Es handelt sich täglich um rund 250 Milligramm. In der Leber wird Bilirubin durch Stoffwechselvorgänge wasserlöslich gemacht und als ein Bestandteil der Galle in den Darm ausgeschieden. Deswegen ist die Galle gelb.
Schematische Darstellung der Vorgänge:

Gelbsucht_Grafik

Ikterus:

Er entsteht, wenn der Gehalt an Bilirubin über zwei mg pro Deziliter Blut steigt. Dies geschieht, wenn die Leber nicht mehr genügend auszuscheiden vermag. Das Zuviel an Bilirubin wird im Gewebe sichtbar abgelagert – man wird gelb.

Vorkommen, Ursachen

Das Bilirubin steigt an, entweder wenn durch Abbau von roten Blutkörperchen zu viel freigesetzt wird, oder wenn die Ausscheidung durch die Leber aus mechanischen Gründen blockiert oder infolge Entzündungen verzögert ist.

  • Schädigung der Leberzellen: Eine entzündliche Veränderung der Leberzellen, welche den Übertritt von Gallenfarbstoff ins Blut zur Folge hat, wird als Hepatitis bezeichnet. Ursachen sind:
    • Mikroorganismen, besonders Viren, seltener Bakterien, Parasiten, Pilze.
    • Leberzirrhose.
    • Medikamente und Gifte, Drogen.
    • Gewisse Stoffwechselstörungen.
    • Selten Schwangerschaft.
  • Behinderung des Galleabflusses: Wenn die Galle wegen eines mechanischen Hindernisses nicht in den Darm fliessen kann, wird sie in die Leber zurückgestaut und Bilirubin gelangt vermehrt ins Blut. Den Galleabfluss behindern:
    • Gallensteine.
    • Verengung von Gallewegen.
    • Leberzirrhose.
    • Lebertumore.
    • Gallengangs- und Pankreaskopfkarzinom (Krebs der Bauchspeicheldrüse).
    • Bestimmte Medikamente und Autoimmunkrankheiten sind in der Lage, die im Lebergewebe liegenden Sammelkanälchen der Galle zu zerstören, so dass es innerhalb der Leber zum Rückstau kommt (toxische Cholestase).
  • Vermehrtes Freiwerden von Bilirubin: Aus zerstörten roten Blutkörperchen (Erythrozyten) wird Bilirubin frei. Ein gesteigerter Abbau von Erythrozyten kommt vor bei gewissen Anämieformen (hämolytische Anämie), bei manchen Autoimmunkrankheiten und Infekten wie Malaria.
  • Unvollständige Reife der Leber, hohe Menge an Bilirubin im Blut: Die Gelbsucht der Neugeborenen zeigt den gesteigerten Abbau fetaler, roter Blutkörperchen an, während die Leber noch nicht in der Lage ist, einen Überschuss an Bilirubin auszuscheiden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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