0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
Mo-Fr 8-18 Uhr  
 
Zur Übersicht
medicine 2.0

Glaukom

Glaukom ist die Bezeichnung für Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird häufig noch der Begriff „grüner Star“ verwendet, doch führt dies nicht selten zu Verwechslungen mit dem grauen Star (Katarakt). Charakteristisch für das Glaukom ist der Untergang von Sinneszellen am Augenhintergrund, in dessen Folge dunkle Bereiche (Einschränkungen, Defekte) im Gesichtsfeld entstehen. Oft – aber nicht immer – ist der Augeninnendruck erhöht. Dieser Druck im Inneren des menschlichen Auges liegt im Normalfall zwischen 10 und 21 mm Hg. Er unterliegt individuellen und altersbedingten Schwankungen.

Die Erkrankung tritt in jedem Erwachsenenalter auf und auch als angeborene Missbildung, ist indessen meist eine Alterskrankheit. Sie ist weltweit eine der häufigsten Ursachen von Erblindung. In Industrieländern lässt sich bei 2 bis 3% der über 40-Jährigen ein Glaukom nachweisen; bei den über 70-Jährigen sind es etwa doppelt so viele, in manchen Ländern Afrikas noch mehr.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind in Einzelheiten noch unklar, doch gibt es einige gesicherte Anhaltspunkte.
Die vordere Augenkammer, der Raum zwischen Hornhaut und Linse des Auges, ist mit Flüssigkeit gefüllt (Kammerwasser), die ständig erneuert wird und Nährstoffe enthält. Das Glaukom entsteht meist, indem bei anhaltender Produktion von Kammerwasser der Abfluss zu eng oder verlegt ist, so dass der Druck im Inneren des Auges steigt. Ferner wird vermutet, dass eine verminderte Durchblutung des Augenhintergrunds Ursache gewisser Glaukomformen ist.
Ernährung und Lebensstil haben gemäss heutigem Wissensstand keinen Einfluss auf das Entstehen eines Glaukoms.

Ein primäres Glaukom tritt spontan auf – ohne erkennbaren Grund –, das sekundäre Glaukom hat als Ursache eine vorhergehende Augen- oder Allgemeinerkrankung.
Risikofaktoren für das Auftreten sind:

  • Alter über 40 Jahre, erhöhtes Risiko ab dem 65. Lebensjahr.
  • Familiäre Veranlagung.
  • Kurzsichtigkeit.
  • Prellungen oder ähnliche Verletzungen des Auges.
  • Fortgeschrittener oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und andere Allgemeinerkrankungen.
  • Entzündliche Augenerkrankungen oder Infektionen (zum Beispiel Zoster).
  • Medikamente, insbesondere kortisonhaltige, oder Schlafmittel mit dem Wirkstoff Diphenhydramin.

Wegen der Gefahr eines Druckanstiegs im Auge sollen kortisonhaltige Augentropfen nicht ohne vorherige augenärztliche Kontrolle angewendet werden.

Das Krankheitsbild

Drei Merkmale sind typisch für die verschiedenen Glaukomerkrankungen: Schädigung des Sehnervs, Gesichtsfeldausfälle (dunkle Bereiche im Gesichtsfeld), erhöhter Augendruck. Die Symptome beim chronischen Verlauf unterscheiden sich von jenen des akuten Glaukomanfalls.

Chronisches Glaukom: Es entwickelt sich über einen längeren Zeitraum hinweg. Das Sehvermögen nimmt allmählich ab, farbige Ringe oder ein Hof um Lichtquellen können auf die Krankheit hinweisen. Später kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld, doch leider werden diese vom Patienten erst wirklich realisiert, wenn bereits ein grosser Teil von Nervenfasern und Zellen zerstört ist. Diese Tatsache unterstreicht die Wichtigkeit der regelmässigen Vorsorgeuntersuchung. Häufig wird das Glaukom auch beim Anpassen einer Brille entdeckt.

Akuter Glaukomanfall: Es handelt sich um ein seltenes, aber schwerwiegendes Ereignis. Der Sehnerv kann innerhalb weniger Stunden zerstört werden. Der akute Glaukomanfall entsteht, wenn der Abfluss für das Kammerwasser ganz plötzlich blockiert ist und der Augeninnendruck dadurch in kurzer Zeit massiv ansteigt (auf 45 oder mehr mm Hg). Risikofaktoren sind neben dem vorbestehenden, chronischen Glaukom ein kurzer Augapfel (Weitsichtigkeit), höheres Lebensalter und Medikamente, welche die Pupillen erweitern. Bei einer solchen Attacke sind nicht nur heftige Schmerzen im Auge charakteristisch, sondern zusätzlich Kopfschmerzen, die in die Schläfen, in den Hinterkopf oder die Zähne ausstrahlen. Das Auge fühlt sich steinhart an, ist meist rot und es kommt subjektiv zur Wahrnehmung von Nebeln oder Schleiern, die Sehschärfe ist reduziert. Das Schliessen des Augenlids bessert die Beschwerden nicht. Um Lichtquellen herum werden manchmal farbige Ringe gesehen. Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen und Herzrhythmusstörungen sind mögliche vegetative Begleiterscheinungen. Vereinzelt tritt ein Glaukomanfall beidseitig auf.

Angeborenes Glaukom: Charakteristisch sind: tränendes, ungewöhnlich grosses Auge, Lichtscheu, Lidkrampf.

Der akute Glaukomanfall ist ein Notfall, denn die Schädigung des Sehnervs kann in kurzer Zeit irreparabel werden. Jedes Warten verschlechtert die Prognose für das Erhalten des Augenlichts.
Entsprechendes gilt für Schäden, die durch ein chronisches Glaukom entstanden sind.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Die Messung des Augeninnendrucks, die Beurteilung des Augenhintergrunds und des Kammerwinkels (Abfluss des Kammerwassers) ermöglichen ein frühzeitiges Erkennen. Im Gegensatz zur Puls-, Blutdruck- oder Blutzuckermessung sind diese Untersuchungen jedoch nicht selber durchführbar. Regelmässige augenärztliche Kontrollen empfehlen sich deshalb vom 40. Lebensjahr an, zunächst alle zwei Jahre. Häufigere Kontrollen sind nötig beim in Behandlung stehenden Glaukom, beim Vorliegen von Risikofaktoren und in höherem Alter.

Wann braucht es den Arzt

Eine augenärztliche Untersuchung ist mit 40 Jahren angezeigt, ferner beim Anpassen der ersten Brille, beim Auftreten von Sehstörungen, bei irrealen optischen Phänomenen (Blitze, Nebel, Regenbogenerscheinungen), aber auch bei chronisch wiederkehrenden Kopfschmerzen. Ein Glaukom könnte dahinter stecken.
Der akute Glaukomanfall ist ein Notfall, jedes Warten verschlechtert die Prognose. Eine bereits eingetretene Schädigung des Sehnervs ist irreparabel.
Das Messen des Augendrucks ist Teil der Untersuchung. Ebenso wichtig ist die Kontrolle des Augenhintergrunds, insbesondere des Sehnervs. Daneben wird das Gesichtsfeld beurteilt.

Die Hauptziele der Therapie sind:

  • Den Augeninnendruck zu senken.
  • Die Durchblutung zu verbessern.
  • Die Netzhaut und den Sehnerv zu schützen.

Eingesetzt werden Augentropfen und Medikamente. Wenn dies nicht ausreicht, besteht die Möglichkeit der operativen Drucksenkung am Auge, wobei auch Laser Anwendung finden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.