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Grauer Star

Fachbegriff: Katarakt

Grauer Star oder Katarakt bedeutet Trübung der Augenlinse. Normalerweise ist die Linse klar und durchsichtig wie das Objektiv eines Fotoapparats. Durch die Trübung verschlechtert sich die optische Leistung.

Die Augenlinse
Dinge in verschiedenen Entfernungen können wir scharf wahrnehmen, indem die Wölbung der Linse (die Konvexität) und damit die Lichtbrechung des optischen Systems verändert wird. Dies geschieht durch Zug oder Lockerlassen der Fasern, an denen die Linse aufgehängt ist (Abbildung).
Der Aufbau der Augenlinse kann mit einer Zwiebel verglichen werden. Die „Schale“, die Linsenrinde, besteht aus Fasern, die im Laufe des Lebens immer wieder neu gebildet werden; das Innere, der Kern, besteht aus klaren, durchsichtigen Eiweisssubstanzen. Bei der Katarakt trübt und verfärbt sich die Linse und ihre Dichte nimmt zu.

Begriffserklärungen

Degenerativ:

Durch Verschleissvorgänge bewirkt.

Systemerkrankung:

Dieser Begriff wird verwendet, wenn sich krankhafte Vorgänge entweder ausschliesslich an einem einzelnen oder aber an mehreren unterschiedlichen Organsystemen abspielen (Haut, Bindegewebe, Immun- oder blutbildendes System usw.). Auf jeden Fall erfassen die Vorgänge einen grossen Teil des Körpers. Entsprechendes Adjektiv: systemisch.

Grauer Star

Ursachen und Risikofaktoren

Am häufigsten ist der Altersstar, der auf degenerativen Veränderungen der Linsenzellen und
-fasern beruht.

Seltenere Gründe einer Linsentrübung sind:

  • Stoffwechsel- bzw. systemische Erkrankungen: Zuckerkrankheit, Unterfunktion der Schilddrüse, Gicht.
  • Langfristige Einwirkung von Ultraviolett-Licht, ferner Röntgen- und ionisierende Strahlen, Elektrizität, Hitzeeinwirkung.
  • Mechanische Verletzung der Augenlinse.
  • Angeborene Linsentrübung: Sie tritt im Rahmen einiger Erbkrankheiten auf oder ist Folge einer embryonalen Missbildung des kindlichen Auges, zum Beispiel wenn die werdende Mutter in der Frühschwangerschaft erstmals an Röteln oder an anderen Infektionskrankheiten wie Mumps, Masern, Toxoplasmose oder Windpocken erkrankte.
  • Medikamente: besonders die langfristige Einnahme von Kortison.

Das Krankheitsbild

Die physikalischen Eigenschaften der Augenlinse beginnen sich etwa ab dem 40. Lebensjahr zu verändern, zunächst indem die Elastizität nachlässt. Dies hat zur Folge, dass viele Menschen eine Lesebrille benötigen, während sie noch gut in die Ferne sehen. Die unbeliebte Bezeichnung dieses Zustands heisst „Alterssichtigkeit“.

Etwas später als dies für die Veränderung der mechanischen Eigenschaften (Elastizität) zutrifft, büsst die Linse allmählich oder auch rasch ihre optische Klarheit ein, es entsteht eine Katarakt, der Graue Star. Symptome verstärken sich innerhalb von Monaten bis Jahren, es gibt also relativ rasche, ebenso wie sehr langsame Krankheitsverläufe.

  • Die Sehschärfe verschlechtert sich, es kommt zunehmend zur Kurzsichtigkeit.
  • Man sieht wie durch einen Schleier, die Farben wirken matt.
  • Typisch ist Blendungsgefühl bei Sonnenschein oder grellem Licht nachts (Autoscheinwerfer), bewirkt durch diffuses Streulicht auf der Netzhaut.
  • Anfänglich ist das Sehvermögen oft besser, wenn der Lichteinfall schwächer ist, etwa in der Dämmerung.

Die Linsentrübung wird allmählich von aussen erkennbar als silbriger, weisslicher bis bräunlicher Schimmer hinter der Pupille. Im Endzustand nimmt der Betroffene nur noch Helligkeitsunterschiede wahr, was annähernd dem Verlust des Sehvermögens entspricht.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Gegen das Blendungsgefühl schützt eine getönte Brille. Dies ist jedoch für Autolenker auf die Dauer nicht empfehlenswert. Wer auf das Auto angewiesen ist, sollte schon relativ früh die Operation erwägen.
  • Bei fehlender Immunität kann die Impfung junger Frauen gegen Röteln, Mumps und Masern eine Ersterkrankung in der Schwangerschaft verhindern und damit neben anderen Missbildungen auch eine angeborene Linsentrübung beim Fetus. Vorbeugemassnahmen, die Infektionskrankheiten betreffen, sind bei den entsprechenden Stichworten zu finden.
  • Röntgenstrahlen, Hitzeeinwirkung und UV-Licht meiden, eine Schutzbrille tragen.
  • Bei Zuckerkrankheit trägt die gute Blutzuckereinstellung dazu bei, einen Grauen Star zu vermeiden.
  • Auf ausreichende Beleuchtung für Arbeiten oder Lesen in der Dämmerung oder Dunkelheit achten.
  • Augentropfen oder andere Medikamente können eine Linsentrübung nicht beheben.

Wann braucht es den Arzt

Die Katarakt wird mit dem Augenspiegel und anderen optischen Geräten erkannt. Da es keine Medikamente gibt, um die Linsentrübung zu beseitigen, besteht die einzige wirksame Therapie im Entfernen der getrübten Augenlinse und in deren Ersatz durch Implantation einer Kunststofflinse. Nicht jede beginnende Katarakt muss gleich operiert werden, den günstigsten Operationszeitpunkt sollte man mit dem Augenarzt besprechen.

Der Eingriff ist unter verschiedenen Bedingungen möglich:

  • Ambulant oder mit einem kurzen Spitalaufenthalt (Tagesstation).
  • Lokalanästhesie, selten Vollnarkose.

Verschiedene Typen von Kunststofflinsen sind verfügbar, wobei je nach Modell später wieder eine Brille getragen werden muss oder (bei Einsatz einer Multifokallinse) auf eine solche eventuell verzichtet werden kann. Die Operation bringt meist eine deutliche Besserung des Sehvermögens, wobei das Endergebnis erst nach drei Monaten zu erwarten ist.

Nach der Operation sind während einigen Wochen Vorsichtsmassnahmen nötig: z.B. keine Seife ins Auge, das Auge nicht reiben, keine schwere körperliche Anstrengung. Ein Auto darf man erst wieder lenken, wenn die Sehkraft den Anforderungen für den Strassenverkehr entspricht. Da sich die Sehleistung des operierten Auges im Verlaufe der ersten Wochen nach dem Eingriff noch etwas verändert, sollte eine allfällige neue Brille frühestens 12 Wochen nach dem Einsetzen der Linse angepasst werden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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