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Grippe, Influenza

Die Grippe oder Influenza ist eine oft schwer verlaufende Allgemeinerkrankung. Sie tritt fast nur in den Wintermonaten auf und ist begleitet von Fieber, Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen. Jedes Jahr werden begrenzte Epidemien beobachtet, weltumspannende Pandemien gibt es im Abstand von 10 bis 50 Jahren.

Begriffserklärungen

Influenza:

Synonym für Grippe. Sie unterscheidet sich wesentlich von „banalen“ Erkältungen, einerseits durch den Schweregrad (Symptome, mögliche Komplikationen), aber auch dadurch, dass sie durch andere virale Krankheitserreger verursacht wird.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Pandemie:

länder- bzw. kontinentübergreifende oder weltweite Verbreitung einer Krankheit während einer bestimmten Zeit.

Exposition:

Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.

Einleitung, Epidemiologie

Bei geschwächten und älteren Menschen ist die Sterblichkeit auch heute noch hoch. Dadurch unterscheidet sich die Grippe deutlich von den Erkältungen. Gemäss BAG sterben in der Schweiz jährlich bis 1500 Menschen an den Folgen der Grippe, mehr als 90% der Verstorbenen sind über 60 Jahre alt.

Im Sommer, also zu atypischer Zeit epidemisch auftretende, grippeähnliche Symptome können auf die Legionärskrankheit (Legionellose), andere Infektions- oder sogar auf Tropenkrankheiten zurückzuführen sein.

Grippeviren vom Typ A, Erreger der schweren Erkrankungsform, findet man nicht nur beim Menschen, sondern auch bei manchen Säugetieren (insbesondere dem Schwein) und bei Vögeln, was für das Entstehen von Pandemien bedeutsam ist. Die Möglichkeit der Vereinigung von Erbgut verschiedener Stämme von Influenzaviren spielt – neben der ausgeprägten Tendenz zu Veränderungen im Erbgut (genetische Mutation) – eine grosse Rolle für das Auftreten von weltweiten Epidemien.
Die schwerste der bekannten Pandemien breitete sich über Spanien („Spanische Grippe“) auch in die Schweiz aus. Sie soll von 1918 bis 1920 weltweit etwa 20 Millionen Menschenleben gekostet haben. In der Schweiz gab es bei einer damaligen Bevölkerung von 3,9 Millionen Einwohnern 21’500 Todesfälle und ein Vielfaches an Erkrankungen.
Zwei weitere schwere Pandemien hatten ihren Ursprung in Asien, 1957 und 1968/1969. Dort fanden 1997 und wiederum seit 2004 Notschlachtungen von Millionen Geflügel statt mit dem Ziel, den Ausbruch einer neuen Pandemie zu verhindern. Auch in europäischen Ländern wurde Geflügel notgeschlachtet, und verschiedentlich ordnete man weitere Massnahmen an wie Stallpflicht oder Importverbote.

Am 11. Juni 2009 hat die WHO die so genannte Schweinegrippe als Pandemie eingestuft. Ihren Ausgangspunkt nahm diese Grippewelle in Mexiko.

Influenzaviren mit besonderer Bedeutung, Schweinegrippe, Vogelgrippe

  • Schweinegrippe: Eine neuartige Variante des bekannten Influenzavirus A/H1N1 breitete sich ab Frühjahr 2009 von Mexiko ausgehend auf Amerika, andere Länder und Kontinente aus. In der Schweiz wurden mehr als 13'000 Fälle durch Laboruntersuchungen bestätigt, die Gesamtzahl aller an Grippe Erkrankten reichte jedoch weit darüber hinaus.
    Die als Schweinegrippe, Mexikanische, Amerikanische oder Neue Grippe bezeichnete Krankheit hat zwar Todesopfer gefordert, verlief aber milder als die Vogelgrippe (s. unten) und war mit einer deutlich tieferen Sterblichkeit belastet. Die Bezeichnung Schweinegrippe – quasi als Analogie zu Vogelgrippe – ist allerdings irreführend. Sie kommt vermutlich daher, dass das A(H1N1)-2009-Virus zwar Stücke von Erbgut aufweist, an denen Schweine erkranken können. Entscheidend ist hingegen, dass das neuartige Virus ausserdem Teile enthält, welche für Menschen krankmachend sind und die Verbreitung unter ihnen ermöglicht.
  • Vogelgrippe: Weltweit wurden gemäss WHO bis Ende 2007 über 300 gesicherte Fälle von Vogelgrippe bei Menschen festgestellt, wobei mehr als 200 Personen verstarben. Die Mehrheit der Erkrankungen ereignete sich in Asien, besonders in Indonesien. Auch bis Anfang 2009 wurden immer wieder Infektionen und Todesfälle bei Geflügel und Menschen registriert, dies nicht nur in Asien, sondern ebenso in Europa. Es gab wenige Fälle, in denen der Verdacht einer Übertragung von Mensch zu Mensch bestand, und der Nachweis gelang nur ganz selten – dies im Unterschied zur „Schweinegrippe“. Weil die Influenzaviren ihr Erbgut leicht verändern können, lässt sich nicht ausschliessen, dass auch aus dem Vogelgrippevirus irgendwann ein Pandemiestamm hervorgeht.

Für den Moment gilt in der Schweiz

  • Schweinegrippe: s. Pandemische Grippe A (H1N1) 2009, Schweinegrippe. Die Pandemie durch dieses Virus wurde offiziell im Jahr 2010 für beendet erklärt.
  • Die Vogelgrippe ist in unserem Land bis anhin eine Tierkrankheit geblieben. Die Übertragung des Virus von einem infizierten Tier auf den Menschen ist jedoch möglich. Auch diese Krankheit macht derzeit keine Schlagzeilen mehr. Dennoch ist der Kontakt mit krankem Geflügel oder deren Ausscheidungen zu meiden. Tote Vögel nicht berühren, oder wenn sich dies nicht umgehen lässt, nur mit Plastikhandschuhen.
  • Mit der saisonalen, „landesüblichen“ Grippe ist weiterhin zu rechnen.

Ursachen und Risikofaktoren

Krankheitserreger ist das Influenzavirus, von dem es drei Typen (A, B und C) gibt. Die Ansteckung geschieht als Tröpfcheninfektion durch Husten, Sprechen und Niesen, auch durch Küssen, oder als Schmierinfektion durch direkten Kontakt mit infizierten Gegenständen oder Menschen. Nicht jede Infektion führt zu Grippe; so gibt es Virusüberträger, die nicht selbst erkranken. Doch auch wer bereits infiziert aber (noch) nicht erkrankt ist, kann das Virus auf andere übertragen.
Nach Ausbruch der Krankheit bleiben die Patienten im Allgemeinen bis zu fünf, gelegentlich sogar sieben Tage ansteckend, Kinder oft noch länger.

Bezüglich besonders gefährdeter Personen finden sich Angaben beim Stichwort Impfung (s. unten). Faktoren, welche das Erkrankungsrisiko allgemein erhöhen, sind Schlafmangel, Stress, psychische Probleme, unausgewogene Ernährung, ein Zuviel an Alkohol, Nikotin und ungünstige Umweltbelastungen.

Das Krankheitsbild

Typisch ist ein plötzlich auftretendes, schweres allgemeines Krankheitsgefühl, das einige Stunden bis maximal vier Tage nach der Ansteckung auftritt. Man fühlt sich „gerädert“ und sucht fluchtartig das Bett auf. Infektionen mit A-Virustypen verlaufen gewöhnlich akuter und schwerer als jene mit B- und besonders als jene mit C-Typen.

  • Der Erkrankungsbeginn ist gekennzeichnet durch raschen Fieberanstieg, oft auch Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen.
    In den nächsten Stunden treten hinzu:
  • Schnupfen und Husten, Hals- und Schluckweh, Heiserkeit. Die Viren weisen eine ausgeprägte Tendenz zum Befall der Atmungsorgane auf und schädigen dort Schleimhautzellen. Atembeschwerden können auf eine Komplikation hinweisen.
  • Abgeschlagenheit und Erschöpfung. Selten Schwindel.
  • Bisweilen Fieberbläschen auf den Lippen, selten auch ein Hautausschlag.
  • Gerötete, brennende Augen (Bindehautentzündung), Lichtempfindlichkeit, geschwollene Augenlider.
  • Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall, besonders bei Kindern, je nach Grippetyp auch bei Erwachsenen.

Bei (sonst) gesunden Menschen und Ausbleiben von Komplikationen heilt die saisonale Grippe durch Bettruhe und angemessene körperliche Schonung innerhalb von ein bis zwei Wochen, danach fühlt man sich meist noch eine bis zwei Wochen matt.

Komplikationen

Komplikationen sind die häufigste Todesursache. Das Grippevirus schwächt die Abwehrkraft des Organismus gegenüber Bakterien. Eine zusätzlich auftretende bakterielle Infektion (Sekundärinfektion oder Superinfektion) ist daher möglich und betrifft verschiedene Organe. Bei Kindern und Jugendlichen kann dies zu Mandel-, Mittelohr- und Stirnhöhlenentzündungen führen, bei älteren Menschen zu Lungenentzündung, zu Herzmuskel- oder Hirnhautentzündung.
Besonders gefährdet sind Personen mit geschwächtem Immunsystem oder mit chronischen Erkrankungen der Lungen, des Herz-Kreislaufsystems, der Nieren und des Stoffwechsels (auch Diabetiker), ältere Menschen ganz allgemein sowie Kleinkinder.

Was man selbst tun kann

Die Behandlung ist im Wesentlichen auf das Bekämpfen von Symptomen ausgerichtet.

  • Viel trinken ist zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes durch Fieber und Schnupfen wichtig.
  • Bettruhe.
  • Fiebersenkend wirken Wadenwickel, zum Beispiel mit Essigwasser, oder kalte Kompressen in den Leisten, ausserdem die Einnahme von Tabletten oder Zäpfchen gegen Fieber. (betreffend Kinder s. unten im Rahmen)
  • Hausmittel gegen Husten und Schnupfen: Inhalieren von Kamillen- und Wasserdampf. Bei Halsentzündungen sind Gurgellösungen hilfreich, zum Beispiel 15 Tropfen Kamillenölextrakt in einem Glas Wasser aufgelöst.
  • Schliesslich sollte man den Selbstschutz nicht vergessen, wenn man einen Grippekranken betreut. Hinweise dazu finden sich unten im Abschnitt „Vorbeugen“.

Besonders zu beachten

  • Bei Husten mit Auswurf: keine Medikamente einnehmen, die den Hustenreiz unterdrücken (sog. Antitussiva). Den Schleim nicht auszuhusten behindert die Heilung und begünstigt das Entstehen von Komplikationen.
  • Abschwellende Nasensprays: nur kurzfristig einsetzen, nicht länger als 7 Tage, denn sie trocknen die Schleimhäute aus, insbesondere bei wiederholter, regelmässiger Anwendung. Besser geeignet ist Nasensalbe.

Wann braucht es den Arzt

Gründe für eine Arztkonsultation sind insbesondere:

  • Fieber über 40 Grad, das mehr als 24 Stunden anhält.
  • Lufthunger oder Schmerzen beim Atmen. Ebenso eitriger Auswurf, er weist auf eine bakterielle Infektion der Atemwege hin.
  • Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündungen oder andere Komplikationen.
  • Bewusstseinstrübung und Nackensteife.
  • Wenn vorbestehende chronische Krankheiten bekannt sind, besonders von Lunge oder Herz und Kreislauf.
  • Wenn alte oder abwehrgeschwächte Menschen erkranken.

Heute gibt es Medikamente, die nicht nur die Symptome bekämpfen. Die Therapie mit so genannten Neuramidasehemmern muss indessen früh erfolgen, spätestens 48 Stunden nach Beginn der Symptome. Bei einer Grippe vom Typ C ist sie allerdings wirkungslos. Eine vorbeugende Einnahme verhindert nicht die Ansteckung mit Grippeviren und sollte unbedingt unterlassen werden.

Vorbeugen

  • Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, Bewegung und genügend Entspannung (gesunder Lebensstil) stärkt die Resistenz des Körpers gegen Infektionskrankheiten.
  • Warme Kleidung im Winter und Schutz vor Nässe und Zugluft.
  • Für ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit in Wohn- und Schlafräumen sorgen, zum Beispiel durch regelmässiges, kurz dauerndes Lüften (5 bis 10 Minuten).
  • Impfung: Gegen Grippe gibt es Impfstoffe, die aufgrund des zu erwartenden Virustyps jährlich gemäss den Empfehlungen eines Expertenteams der WHO neu zusammengestellt werden. Dementsprechend muss die Impfung jeden Herbst neu erfolgen, spätestens bis Mitte November. Sie ist für besonders gefährdete Personen ratsam, namentlich für:
    • Ältere Menschen (über 65 Jahre).
    • Erwachsene und Kinder mit chronischen Krankheiten von Lunge oder Herz und Kreislauf sowie für Personen mit Immunschwäche. Zudem Diabetiker (Zuckerkranke) und Menschen mit anderen chronischen Stoffwechselerkrankungen. Je nach Variante des Virustyps können auch Schwangere zur Risikogruppe gehören (z.B. „Schweinegrippe“).
    • Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sowie Menschen, die im gleichen Haushalt leben wie Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko (s. vorangehender Punkt).
    • Das BAG empfiehlt ausserdem, Pflege- und Lehrpersonal zu impfen sowie andere im öffentlichen Dienst Beschäftigte mit häufigem Kontakt zur Bevölkerung.
    • Seit 2005: Personen, die häufig mit Hausgeflügel oder Wildvögeln zu tun haben.
    • Die Impfung vermittelt einen guten, jedoch nicht absoluten Schutz vor Grippe, nicht aber vor „banalen“ Erkältungen.
    • Gelegentlich treten Impfreaktionen auf wie Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, Kopf- und Gliederschmerzen oder Unwohlsein. Normalerweise verschwinden diese jedoch innerhalb von ein bis zwei Tagen.

Expositionsprophylaxe und besondere Hinweise für den Fall einer Epidemie

  • Händehygiene: Eine so genannte Schmierinfektion kommt zustande durch das Berühren von Gegenständen, die von anderen Personen ebenfalls angefasst werden (Türklinken, Haltegriffe, Wasserhahn, Handtücher in WC-Anlagen usw.) und die mit Viren beladen sind. Händewaschen mit Seife reduziert das Risiko einer Infektion. Finger, deren Zwischenräume, Handrücken und -gelenk min. 30 Sek. gründlich aneinander reiben, die Nägel kurz schneiden und regelmässig reinigen. Wenn Seife verfügbar ist, kann auf besondere Desinfektionsmittel verzichtet werden. Das Händewaschen nach jedem Husten oder Niesen bedeutet Schutz der Mitmenschen.
  • Papiertaschentücher: Ansteckungen werden verhindert, wenn das Tuch beim Niesen und Husten Mund und Nase abdeckt und nach Gebrauch sofort sicher entsorgt wird; wenn nicht rechtzeitig eines verfügbar ist, in die Armbeuge niesen.
  • Soziale Kontakte: Während Epidemien sollte man Menschenansammlungen wenn immer möglich meiden und die sozialen Kontakte auf das Notwendige beschränken. Zudem: Abstand vom Gesprächspartner halten (mindestens einen Meter), Verzicht auf Händeschütteln, Begrüssungsküsse und Umarmungen.
    Bei Grippesymptomen zu Hause bleiben, insbesondere den Kontakt zu Risikopersonen meiden. Wenn ein Verlassen des Hauses unumgänglich ist, muss Abstand gehalten werden zu anderen Menschen, evtl. Maske tragen.
  • Essen: Kranke sollen keine Speisen zubereiten. Ungewaschenes Geschirr und Besteck nicht mit ihnen gemeinsam benutzen bzw. nicht weiterreichen.
  • Gesichtsmasken: Sie schützen in einem nicht genau bezifferbaren Ausmass vor einer Tröpfcheninfektion, also wenn man von einer das Virus übertragenden oder erkrankten Person angesprochen oder angehustet wird. Umgekehrt wird ein Grippekranker seltener andere Menschen anstecken, wenn er selbst eine Schutzmaske trägt.
    Von Bedeutung ist das Tragen einer Schutzmaske (besonders in der Öffentlichkeit) durch grosse Teile der Bevölkerung erst bei einer Epidemie oder Pandemie. Das BAG informiert in diesem Fall rechtzeitig.
    Im kleinen Rahmen eines Haushalts kann die individuelle Anwendung der Maske durch eine erkrankte oder eine Hilfsperson Sinn machen, auch wenn keine Epidemie besteht.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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