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Hämorrhoiden

Ein Gewebepolster aus zahlreichen Blutgefässen und der Schliessmuskel dichten den Enddarm und die Afteröffnung ab. Übermässige Erweiterungen dieser Gefässe nennt man Hämorrhoiden, sie lassen sich mit Krampfadern vergleichen.

Es gibt verschiedene Ausprägungen oder Schweregrade des Hämorrhoidalleidens, die teilweise fliessend ineinander übergehen. Daher unterscheidet man heute differenzierter als nur mit den früher gebrauchten Begriffen „äussere“ und „innere“ Hämorrhoiden (s. beim Abschnitt „Krankheitsbild“).

Der Zustand ist häufig, je nach Untersucher und geographischer Region liegt der Anteil der Betroffenen ab dem 30. Lebensjahr zwischen 50 und 80% der Bevölkerung.

Ursachen und Risikofaktoren

Mehrere Faktoren begünstigen das Entstehen von Hämorrhoiden. Gemeinsam ist allen, dass der Rückfluss von Blut zur grossen Körpervene behindert ist – meist durch erhöhten Druck auf den Beckenboden. In der Folge wird das Blut in den Venen am Darmausgang gestaut. Faktoren sind im Einzelnen:

  • Gewohnheitsmässiges, langes Pressen beim Stuhlgang. Im Zusammenhang mit Prostatavergrösserung auch verstärktes Drücken beim Wasserlösen.
  • Konstitutionelle Bindegewebsschwäche. Hier kommen Hämorrhoiden oft in Kombination mit Krampfadern, Leistenbrüchen oder überstreckbaren Gelenken vor.
  • Chronische Verstopfung und ballaststoffarme Ernährung; umgekehrt auch anhaltende Durchfälle und Abführmittelmissbrauch.
  • Übergewicht, sitzende Tätigkeit und Bewegungsmangel.
  • Tumor (Geschwulst) im Unterbauch, chronische Leberkrankheiten in fortgeschrittenem Stadium.
  • Schwangerschaft, Geburt.

Das Krankheitsbild

Allgemein anerkannt ist für das Hämorrhoidalleiden die Unterteilung in vier Schweregrade. Diese unterscheiden sich im äusseren Aspekt und entsprechend auch in den klinischen Symptomen.

  • 1. Grad: Die Hämorrhoiden bleiben unbemerkt im Innern des Enddarms. Sie sind nur mittels einer Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie) zu sehen und verursachen kaum Beschwerden.
  • 2. Grad: Die Venen treten beim Pressen als weiche oder derbe Gewebepolster nach aussen. Sie ziehen sich nach dem Stuhlgang von selbst ins Innere des Darms zurück.
  • 3. Grad: Die Hämorrhoiden treten beim Pressen aus der Afteröffnung und verschwinden nicht mehr von selbst, sie lassen sich aber mit dem Finger wieder ins Innere des Enddarms zurückschieben.
  • Beim 4. Grad gelingt das Zurückschieben nicht mehr, und die Gewebeknoten bleiben ständig ausserhalb der Afteröffnung tastbar und sichtbar, so dass ein eigentlicher Vorfall der Analschleimhaut besteht.

Oft verursachen Hämorrhoiden kaum Beschwerden, gestalten teils aber das Sauberhalten des Afters schwierig. Hautläppchen, so genannte Marisken, die sich allerdings auch unabhängig von Hämorrhoiden bilden, können die Hygiene zusätzlich erschweren.
Beim 3. und 4. Grad machen sich zunehmend Symptome bemerkbar:

  • Fremdkörpergefühl, Brennen, Juckreiz. Ein Ekzem ist möglich.
  • Schmerzen infolge einer lokalen Entzündung.
  • Manchmal ist hellrotes Blut am Toilettenpapier, oder auf dem Stuhlgang finden sich Blutstreifen.
  • Schleimabgang, Stuhlschmieren.

Komplikationen

  • Schleimhautrisse (Analfissur), Infektionen, selten Abszesse (Analabszess).
  • Akute Hämorrhoidalthrombose: Plötzlich und ohne erkennbaren Anlass findet sich aussen am After ein kirschengrosser, praller, bläulich gefärbter und extrem schmerzhafter Knoten. Er ist mit einem Blutgerinnsel gefüllt und gestattet bisweilen kaum mehr das Sitzen. Im Gegensatz zu einer Thrombose am Bein ist das Ereignis trotz der Schmerzen nicht gefährlich.
  • Massive Blutung: Sie kann bedrohlich sein und unterscheidet sich sehr deutlich von früheren, leichten Blutbeimengungen am Stuhlgang. Reichlich flüssiges Blut und geronnene Blutklumpen finden sich in der WC-Schüssel.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Hämorrhoiden erfordern nur eine Behandlung, wenn Beschwerden bestehen. Im Einzelnen sollte man folgende Punkte beachten:

  • Hygiene im Afterbereich wirkt gegen entzündliche Schwellung und Juckreiz. Nach dem Stuhlgang sind Waschen mit Kamillenzusatz, mit Seife, oder die Anwendung feuchter Hygienetüchlein angebracht.
  • Durch weichen, voluminösen Stuhlgang lässt sich heftiges Pressen auf der Toilette vermeiden. Faserreiche Ernährung wirkt deshalb prophylaktisch.
  • Genügend Flüssigkeitszufuhr, speziell wenn zur Stuhlregulation Quellmittel wie Kleie oder Leinsamen eingenommen werden.
  • Körperliche Aktivität fördert nicht nur die Verdauung, sondern auch die Blutzirkulation und damit den Rückfluss des Venenbluts aus dem Beckenbereich.
  • Training der Beckenbodenmuskulatur.
  • Übergewicht, blähende Speisen, sitzende Tätigkeit und lange „Toilettensitzungen“ vermeiden; sie begünstigen Blutstau und damit das Auftreten von Hämorrhoiden.

Wann braucht es den Arzt

Einige Symptome, die typisch für Hämorrhoiden sind, können auch auf anderweitige Erkrankungen hinweisen, auch auf Darmkrebs. Deshalb ist es richtig, bei erstmals aufgetretenen Blutbeimengungen und Stuhlunregelmässigkeiten einen Arzt zu konsultieren. Dies ist zudem empfehlenswert, wenn Hämorrhoiden und ihre Folgeerscheinungen stören. Wiederholte, kleinere Blutungen bewirken über längere Zeit hinweg eine Blutarmut (Anämie).

Diagnose

Neben dem Abtasten wird eine Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie) durchgeführt, um das Ausmass der Hämorrhoiden beurteilen und andere Krankheiten ausschliessen zu können. Insbesondere um einen bösartigen Tumor „weiter oben“ als Blutungsursache nicht zu übersehen ist es zweckmässig, die Untersuchung mit einer Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie) zu kombinieren.

Therapie

Gegen die lästigen Symptome gibt es Tabletten, Zäpfchen, Salben und Lotionen. Diese wirken entzündungshemmend, abschwellend und können die Hämorrhoiden bei gleichzeitiger Beachtung obiger Kriterien etwas verkleinern (s. Vorbeugen), aber als anatomische Strukturen nicht beseitigen.

Wenn Hämorrhoiden immer wieder Beschwerden verursachen, muss an einen Eingriff gedacht werden. Mehrere Techniken stehen zur Verfügung.

  • Das elastische Abschnüren einzelner Knoten (Gummiligatur) führt zum Absterben der Knoten, die anschliessend von selbst abgestossen werden. Die Injektionstherapie und die Wärmetherapie (durch Infrarot, Radiofrequenz oder Laser) bringen das Hämorrhoidalgewebe zu narbiger Schrumpfung. Die Verfahren lassen sich ambulant durchführen; eine allfällige Antikoagulation (Blutverdünnung) braucht nicht unterbrochen zu werden.
  • Chirurgische Eingriffe unterschiedlicher Radikalität kommen besonders bei Hämorrhoiden 3. und 4. Grades zur Anwendung. Nach dem Entfernen der Venenknoten ist eine saubere Heilung zu erzielen. Die Operation erfordert eine Narkose oder Rückenmarksanästhesie, eventuell einen kurzstationären Spitalaufenthalt (1 bis 2 Tage). Es besteht ein sehr kleines Risiko der postoperativen Stuhlinkontinenz (Stuhlschmieren) oder eines späteren, erneuten Auftretens von Hämorrhoiden.
  • Bei akuter Hämorrhoidalthrombose genügt oft ein kleiner Einschnitt, der es erlaubt, das geronnene Blut zu entfernen und den Spannungsschmerz sofort zu beseitigen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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