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Harnröhrenverengung

Fachbegriff: Urethrastriktur

Narbige Schrumpfungsprozesse sind der häufigste Grund einer Harnröhrenstriktur. Die Erkrankung kommt überwiegend bei Männern vor, weil deren Harnröhre verglichen mit jener von Frauen bedeutend länger und Verletzungen mehr ausgesetzt ist. Eine Striktur hat die Tendenz, sich weiter zu verengen.

Begriffserklärungen

Striktur::

Einschnürung oder Einengung des Innendurchmessers eines Hohlorgans.

Urethra::

Harnröhre, leitet den Urin von der Harnblase nach aussen.

Ureter::

Harnleiter, durch ihn gelangt der Urin von der Niere zur Harnblase.

Atrophie:

Verkleinerung eines Organs oder einer Gewebemasse durch Abnahme der Zellgrösse oder der Zellzahl. Vielfach handelt es sich um eine Inaktivitäts-Atrophie, d.h. Ursache ist der Nichtgebrauch. Beispiel: Ein gelähmter Arm verliert an Muskelmasse. Adjektiv: atrophisch.

Blasenpunktion::

Anstechen der Blase mit einer Kanüle zum Entleeren von Urin.

Ursachen

Die Harnröhrenstriktur entsteht durch narbige Gewebeschrumpfung, der entzündliche oder mechanische Ursachen zugrunde liegen.

  • Narbige Schrumpfung nach Entzündung oder Infektion der Harnröhre: Sexuell übertragbare Bakterien, ferner Viren und Pilze können zur Ursache von chronischer Entzündung und schrumpfenden Narben werden. Die Striktur war früher eine typische Spätfolge nach unvollständig auskuriertem Tripper.
  • Operative Eingriffe: Dazu gehören vor allem Operationen, die durch die Harnröhre („transurethral“) durchgeführt werden, wie z.B. eine Prostataoperation oder die Entfernung eines oberflächlichen Blasenkarzinoms.
  • Blasenkatheter: Mikroverletzungen durch wiederholtes Katheterisieren, aber auch ein infizierter Dauerkatheter reizen das Harnröhrengewebe und können es zum Schrumpfen bringen.
  • Bestrahlung im Beckenbereich wegen bösartiger Tumore.
  • Schwere vordere Beckenfrakturen können bei Männern den oberen Teil der Harnröhre verletzen und eine verengende Narbe zur Folge haben.
  • Hormonmangel (Östrogenmangel): Die seltene Harnröhrenstriktur bei älteren Frauen entsteht durch altersbedingte Atrophie und Rückbildungsvorgänge des äusseren Genitales.
  • Angeboren: seltene Ursache.

Das Krankheitsbild

Die Striktur erschwert den Urinabfluss. Die Symptome sind daher ähnlich wie wenn die Blasenentleerung durch eine vergrösserte Prostata (Prostatahyperplasie) behindert wird.

  • Abgeschwächter Harnstrahl, erschwerte Blasenentleerung: verlängerte Zeit zum Entleeren der Blase. Der Harnstrahl ist dünn, gedreht, gefächert oder gespalten.
  • Nachträufeln von Harn, unwillkürlicher Urinabgang (Harninkontinenz).
  • Resturin in der Harnblase, verbunden mit häufigem Harndrang und Entleeren kleiner Portionen, mehrmaliges nächtliches Urinieren (Nykturie).
  • Blutiger Urin und Schmerz beim Wasserlösen können vorkommen.

Das Symptom der erschwerten Blasenentleerung kann auch andere Ursachen haben als eine Striktur:

  • Beim Mann: Prostatahyperplasie und Prostatakrebs engen die Harnröhre ein, oder Krebswucherungen behindern den Urinabfluss im Innern der Harnröhre.
  • Bei der Frau: Blasen- oder Gebärmuttersenkung.

Folgen und Komplikationen

  • Blasenentzündung durch Infektion bei Resturin; bei wiederholter Infektion auch Nierenbeckenentzündung.
  • Blasenüberdehnung, Blasensteine, Blasendivertikel (Ausstülpungen in der Blasenwand).
  • Prostata- oder Nebenhodenentzündung.
  • Akute Harnverhaltung, wenn die Blasenentleerung vollständig blockiert ist.

Was man selbst tun kann

Eine Striktur eignet sich nicht zur Selbstbehandlung. Hausmittel oder andere Massnahmen schieben die ärztliche Behandlung vielleicht hinaus, sie beseitigen die enge Stelle aber nicht, können also lediglich als vorübergehender Notbehelf dienen.

Wann braucht es den Arzt

Wenn der Harnstrahl immer schwächer wird, ist die Abklärung durch den Arzt angezeigt. Es ist besser, nicht das Fortschreiten der Symptome oder sogar die Harnverhaltung abzuwarten.

Behandlungsmöglichkeiten

  • Katheterisieren, Blasenpunktion: Akute, völlige Harnverhaltung ist ein Notfall. Gelingt wegen der Striktur das Hochschieben eines Katheters zum Entleeren der Blase nicht, erfolgt eine Blasenpunktion durch die Haut oberhalb des Schambeins. Ein weicher Plastikkatheter wird „von oben“ in die Blase eingelegt, durch den der Urin abfliessen kann. Eine unmittelbare Gefährdung ist damit abgewendet, die Striktur aber nicht beseitigt.
  • Bougieren: Das Ausweiten oder Bougieren der Harnröhre mit kontinuierlich dickeren Kathetern ist bisweilen möglich, stellt aber keine endgültige Lösung des Problems dar. Das Bougieren kann in Frage kommen bei fehlender Operationsmöglichkeit. Die Striktur neigt zu Rezidiven, das heisst sie tendiert dazu, erneut aufzutreten und muss immer wieder neu aufbougiert werden.
  • Operation: Das Beheben der Striktur ist ein spezialärztlicher Eingriff. Es stehen chirurgische Verfahren zur Verfügung, die meist endoskopisch (durch die Harnröhre) durchgeführt werden. Tritt eine Striktur nach endoskopischer Operation erneut auf, wird zuweilen offen operiert.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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