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Bruchkrankheit, Leistenbruch, Nabelbruch

Fachbegriffe: Hernie, Inguinalhernie, Umbilikalhernie

Als Hernie oder „Bruch“ bezeichnet man eine Lücke in der Bauchwand, durch die sich Bauchfell und Eingeweideteile (z.B. Dünndarm) nach aussen unter die Haut drängen. Hier wird die Hernie als Vorwölbung sichtbar. Leistenhernien sind am häufigsten, bis zu 25% der Männer sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen, bei Frauen sind es weniger als 3%.

Begriffserklärungen

Bruchgeschwulst:

sichtbare Vorwölbung der Bauchwand bei Hernien (Abb. a). Sie ist typischerweise wechselnd gross, abhängig von der Körperposition, je nach Volumen des Bruchinhalts, oder sie kann vorübergehend ganz verschwinden.

Bruchinhalt:

Der Inhalt der Bruchgeschwulst ist ein Zipfel von Fettgewebe oder eine Dünndarmschlinge. Ausgesprochen selten handelt es sich dabei um einen Eierstock, Teile der Blase oder des Dickdarms.

Bruchpforte:

eine Muskellücke in der Bauchwand, durch die sich Bauchfell und Bruchinhalt hinausdrängen.

Bruchsack:

die Bauchfelltasche, welche den Bruchinhalt unmittelbar umschliesst (s. Abbildungen).

Leistenbruch, Inguinalhernie:

Wegen der anatomisch vorgegebenen Durchtrittsstellen für Blutgefässe und Samenstrang ist die Leistenregion eine Schwachstelle in der Bauchwand und deshalb anfällig für diese häufigste aller Hernien. Aufgrund der geschlechtsspezifischen Anatomie sind Männer etwa neun Mal häufiger betroffen als Frauen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu.

Schenkelbruch, Femoralhernie:

Von aussen sieht die Vorwölbung ähnlich aus wie eine Leistenhernie, liegt aber etwas tiefer und mehr zur Innenseite des Oberschenkels hin (femoral). Vorkommen: überwiegend Frauen im mittleren und höheren Alter.

Nabelbruch (Umbilikalhernie):

Er kann angeboren sein, aber auch später im Leben auftreten, z.B. bei Frauen die geboren haben.

Narbenbruch:

Dieser entsteht nach einer Operation, in erster Linie nach einem Längsschnitt in der Mittellinie des Bauchs. Begünstigend wirken starker Husten oder Infektion im Bereich der Narbe nach dem Eingriff, daneben Übergewicht, Zuckerkrankheit, Kortison- und Chemotherapie.

Innere Hernien:

Innere Hernien sind von aussen nicht zu erkennen. Von Bedeutung ist der Zwerchfellbruch, dem ein separater Text gewidmet ist. Andere Hernien im Körperinnern sind äusserst selten.

Einklemmung, Inkarzeration:

Komplizierender Zustand, bei dem der Bruchinhalt in einer engen Muskellücke (Bruchpforte) abgeschnürt wird (Abb. b). Er gleitet dann nicht mehr in die Bauchhöhle zurück, sondern bleibt unter der Haut fixiert und kann Schaden erleiden durch Druck und durch Unterbruch der Blutzirkulation. Bei Leisten- und Schenkelbrüchen wird meist eine Dünndarmschlinge eingeklemmt, bei Nabelbrüchen ein Zipfel von Fettgewebe.

Hernie

Ursachen und Risikofaktoren

Angeborene Leisten- und Nabelbrüche

Sie sind Folge von anatomisch vorgegebenen Schwachstellen der Bauchwand. Der Nabelbruch bei Neugeborenen entsteht an der offen gebliebenen Durchtrittsstelle der Nabelschnur. In der Regel verschliesst sich diese Durchtrittsstelle im Verlauf der ersten Lebensjahre, doch kann eine Lücke zurück bleiben, die sich zur Hernie ausweitet.

Erworbene Hernien

Hernien der Bauchwand und des Zwerchfells entstehen durch allmähliches Auseinanderweichen der Muskulatur, so dass eine Lücke (Bruchpforte) zustande kommt. Dies geschieht bei einem Missverhältnis zwischen Solidität der Muskelschichten und Innendruck im Bauchraum, der als Realisationsfaktor wirkt.

Disposition, Veranlagung

Die Festigkeit von muskulären Strukturen ist vermindert. Weitere Anzeichen dieser Veranlagung sind Krampfadern, Zellulitis, überstreckbare Gelenke und Plattfüsse.

Realisationsfaktoren

Ihnen gemeinsam ist ein erhöhter Binnendruck in der Bauchhöhle, der die geschwächten Strukturen zusätzlich belastet. Dies ist der Fall bei chronischer Verstopfung, Übergewicht, chronischem Husten, Prostatahyperplasie, körperlicher Schwerarbeit, Schwangerschaft. Auch schnelle, starke Gewichtszunahme, aber ebenso forcierte Abmagerung und altersbedingte Abbauvorgänge begünstigen das Entstehen einer Hernie. Beispiele: Mit jedem Hustenstoss entsteht ein explosionsartiger Druckanstieg im Bauchinnern. Bei Prostatavergrösserung und chronischer Verstopfung kommt der Überdruck durch wiederholtes, massives Pressen beim Wasserlösen oder Stuhlgang zustande.
Eine momentane äussere Gewalteinwirkung oder ein einmaliger Kraftakt führen wohl nur zur Hernie, wenn die Schwäche der Bauchwand schon vorher bestanden hat. Die SUVA ist dementsprechend äusserst zurückhaltend mit dem Anerkennen einer Hernie als Unfallfolge.

Das Krankheitsbild

Eine einmal entstandene Hernie kann durch den ständig weiter wirkenden Schub des Eingeweidepakets von der Bauchseite her nur grösser werden, aber niemals spontan heilen. Innerhalb des Bruchsacks bilden sich durch anhaltende mechanische Irritationen allmählich Verwachsungen. Symptome sind:

  • Ziehende oder stechende Schmerzen an der Durchtrittsstelle (Bruchpforte), also in der Leistengegend, am Nabel usw., bisweilen schon bevor eine Vorwölbung zu sehen ist.
  • Vorwölbung (Bruchgeschwulst): Daran ist die Hernie äusserlich erkennbar. Die Bruchgeschwulst kann ständig vorhanden sein, oder nur im Stehen und bei Belastung hinaustreten. Auch Niesen oder ein Hustenstoss können dazu genügen.
    Gewöhnlich verschwindet die Vorwölbung im Liegen spontan oder durch Druck mit der Hand. Das erneute Hervortreten im Stehen ist beweisend für einen Leistenbruch.
    Bei Männern reicht der Bruch gelegentlich bis in den Hodensack (Skrotum) hinunter; man spricht dann von Skrotalhernie.

Komplikation

Einklemmung (Inkarzeration) ist die wichtigste und gefährlichste Komplikation. Sie tritt plötzlich auf. Die Bruchgeschwulst lässt sich nicht mehr ins Bauchinnere zurückschieben, sie schmerzt extrem, ist prall-elastisch, teigig geschwollen und gerötet. Wenn Darmschlingen in der Bruchgeschwulst gefangen sind und abgeschnürt werden, führt dies zum Darmverschluss (Abb. b), schlimmstenfalls zum Absterben eines Darmstücks und zu Bauchfellentzündung.

Hernie
114_Hernie Inkarzeration, b

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Vorbeugend wirken das Vermeiden von chronischer Verstopfung und Überlastung der Bauchwand durch ungewohnt anstrengende Tätigkeit sowie ein normales Körpergewicht. Forciertes Abnehmen begünstigt demgegenüber das Entstehen eines Leistenbruchs.
  • Bei schmerzhafter Spannung über einer Bruchgeschwulst lässt sich deren „Zurückschlüpfen“ in den Bauch vielleicht in einem warmen Bad erreichen, doch soll dies nicht länger als eine halbe Stunde versucht werden, und nicht wenn Koliken bestehen.
  • Mitunter vermag ein Bruchband bei Leistenbrüchen das Hervortreten der Hernie vorübergehend zu verhindern und die subjektiven Beschwerden zu lindern. Ein Zusammenwachsen der Muskellücke erfolgt jedoch nicht und von einer Heilung kann daher nicht die Rede sein.
  • Das so genannte Nabelpflaster, das früher bei Neugeborenen mit Nabelbruch verwendet wurde, hat sich nicht bewährt und kann sogar schaden. Bei geschwächten Gewebestrukturen fördert das Pflaster durch Aufquellen des Gewebes vermutlich sogar das Entstehen einer Hernie. Es bestehen aber gute Chancen, dass sich die Nabelhernie im Lauf der ersten drei Lebensjahre spontan verschliesst. Zu einem späteren Termin ist allerdings nicht mehr damit zu rechnen, es muss dann vorzugsweise im Vorschulalter operiert werden.

Wann braucht es den Arzt

Eine erworbene Hernie – gleich wo gelegen – ist nur operativ zu beheben, sie heilt nicht von selbst. Solange keine Schmerzen bestehen und die Bruchgeschwulst spontan in die Bauchhöhle zurückgleitet oder sich mühelos zurückschieben lässt, ist die Operation noch nicht dringlich. In hohem Lebensalter sind allerdings die potentiellen Gefahren der Operation abzuwägen gegen diejenigen einer Brucheinklemmung, wobei aber das Risiko einer programmierten und sorgfältig vorbereiteten Hernienoperation in der Regel kleiner ist als das einer Notoperation wegen Einklemmung.

Ärztlich beurteilt werden müssen:

  • Nabelhernie eines Säuglings.
  • Jeder Verdacht auf Leistenbruch bei Kindern.
  • Lokale Schmerzen oder Koliken.
  • Grössenzunahme.
  • Die Bruchgeschwulst lässt sich im Liegen nicht mehr zurückschieben.

Therapie

Vor einem programmierten Eingriff ist zu überlegen, wie sich die Realisationsfaktoren (s. oben) beseitigen lassen, denn wenn diese fortdauern, begünstigen sie nach der Operation das Wiederauftreten der Hernie. In diesem Sinn hat es sich zum Beispiel bei älteren Männern mit Hernie und Prostatabeschwerden bewährt, gleichzeitig mit der Hernie auch die Prostata zu operieren, damit nachher beim Wasserlösen nicht mehr so stark gepresst werden muss. Bei Kindern kann – falls nötig – während der Operation eines Leistenbruchs auch das Fixieren von wandernden Hoden durchgeführt werden.

Eine Notfallsituation ist der Verdacht auf Einklemmung (Inkarzeration): Koliken können vorhanden sein, aber auch fehlen. Wegen der Gefahr, dass eingeklemmtes Gewebe infolge mangelnder Durchblutung abstirbt, muss schnell operiert werden.

Die Hernienoperation

Ziel der Operation ist es, den Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückzuverlagern, die Muskellücke (Bruchpforte) zu verschliessen und allenfalls die Bauchwand zu verstärken.

  • Laparoskopische Methode: Sie beruht auf dem Einbringen eines Kunststoffnetzes hinter die Bruchpforte von der Bauchseite her, was unter Monitorkontrolle von drei kleinen Hautschnitten aus geschieht („minimal invasive Chirurgie“). Das Verfahren ermöglicht einen kurzen Spitalaufenthalt (2 bis 3 Tage) und raschere Aufnahme der üblichen Tätigkeit, wird jedoch erkauft mit der Notwendigkeit einer Vollnarkose und der Implantation eines Fremdkörpers in die Bauchwand.
  • Konventionelles Vorgehen: Der Eingriff erfolgt von aussen durch einen Hautschnitt über der Bruchgeschwulst. Nach deren Zurückdrängen in die Bauchhöhle wird die Muskellücke in Schichten verschlossen. Zur Verstärkung der Bauchwand kann ein Kunststoffnetz über der verschlossenen Bruchpforte eingenäht werden. Der Eingriff lässt sich in Rückenmarksanästhesie durchführen.

Nach einer Hernienoperation

Für die konventionelle Operation („von aussen“) gilt: Mit körperlicher Belastung sollte man vier Wochen warten, dann zunächst mit leichtem sportlichem Training beginnen. Erst nach etwa drei Monaten hat die operierte Bauchwand ihre endgültige Stabilität erreicht. Bis dahin empfiehlt es sich, nicht mehr als zehn Kilogramm Gewicht auf einmal zu tragen.
Wenn die Hernie laparoskopisch („von innen“) operiert wurde, ist Stabilität früher zu erwarten, doch auch das solide Einheilen eines Kunststoffnetzes braucht seine Zeit. Von einer Fitnessdemonstration oder sportlichen Höchstleistung ist demzufolge auch im Anschluss an eine Laparoskopie während mehrerer Wochen abzuraten.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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