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Fieberbläschen, Herpesbläschen

Fachbegriffe: Herpes simplex, Herpes labialis und Herpes genitalis

Herpes-simplex-Viren (HSV) sind weit verbreitet und gehören zu den häufigsten Krankheitserregern. Infektionen durch diese Viren spielen sich in der Regel an Haut oder Schleimhaut ab. Meist fehlen Symptome oder es entstehen harmlose Bläschen, die aufbrechen können. Von Bedeutung sind zwei häufig vorkommende Krankheiten:

  • Herpes labialis: Charakteristisch sind Lippenbläschen, die typischen Fieberbläschen, die überwiegend nach einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 entstehen (HSV-1 oder HHV-1, s. unten), bedeutend seltener Typ 2.
  • Herpes genitalis manifestiert sich hauptsächlich an äusseren Geschlechtsorganen. Hier entstehen Bläschen und Geschwüre mehrheitlich durch das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2 oder HHV-2), seltener Typ 1.

Selten, aber lebensbedrohend sind Komplikationen wie Enzephalitis (Hirnentzündung) oder Sepsis.

Fast alle Erwachsenen tragen HSV-1 in sich. Die erste Infektion mit diesem Virus erfolgt meist im Kindesalter durch Kontakt mit Bläscheninhalt oder mit virushaltigem Speichel, jene mit HSV-2 während oder nach der Pubertät durch Sexualkontakt. Die Durchseuchung mit Herpes genitalis ist dementsprechend geringer und liegt je nach Region und untersuchter Bevölkerungsgruppe zwischen 20% und 70%. Der Erreger ist gleichwohl einer der häufigsten Auslöser einer sexuell übertragenen Erkrankung.

Die Viren wandern entlang von Nerven, verändern ihre Struktur und das Abwehrsystem erkennt sie nicht mehr als fremd. Sie bleiben so lebenslang im Körper und können später nach Reaktivierung erneut zu Symptomen führen. Dies gilt für alle acht bis anhin bekannten humanpathogen Herpesviren (humanpathogen: Menschen krank machend). Sie tragen die Bezeichnungen HHV-1 bis HHV-8, wobei HHV für Humanpathogenes Herpes-Virus steht.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt mit Haut oder Schleimhaut (Schmierinfektion), Übertragungswege sind somit Berühren, Küssen und Sexualverkehr (Geschlechtskrankheiten). Die Bläschen sind bei Ersterkrankung länger ansteckend (bis zu drei Wochen) als bei einer Reaktivierung (einige Tage). Es gibt allerdings Virusausscheider, welche keine sichtbaren Bläschen aufweisen, die Erreger jedoch weiterverbreiten; dies gilt besonders für Herpes genitalis. Auch die Übertragung von Herpes während der Geburt von einer infizierten Mutter auf das Neugeborene ist möglich.

Die Viren gelangen via Nerven in Ganglien (Nervenknoten), verändern ihre Struktur und bleiben lebenslang im Körper (sog. latente Infektion). Bei der Reaktivierung wird in Ganglien eine grosse Menge Herpes-simplex-Viren gebildet, die dann entlang der Nerven wieder zum früheren Eintrittsort wandern. Nur ein Teil der Virusträger erkrankt erneut, indem Bläschen und/oder Geschwüre entstehen (Rezidive, Rückfälle). Mögliche Auslöser sind Fieber, Infekte, psychische Belastung, Sonnenbestrahlung, Chemikalien, Medikamente und hormonale Faktoren bei Frauen im Zusammenhang mit der Regelblutung. Menschen mit geschwächter Immunabwehr sind öfter betroffen. Unbekannt ist indessen, warum manche (sonst) gesunde Menschen symptomatische und damit erkennbare Rezidive erleiden und andere nicht.

Herpes labialis

Die Symptome der Ersterkrankung sind oft so leicht, dass sie nicht bemerkt werden oder dass nicht an Herpes gedacht wird – dennoch bleibt man fortan Virusträger. Schwere Verläufe sind möglich bei Vorliegen einer Neurodermitis oder gewissen anderen Ekzemen sowie bei Patienten mit Immunschwäche.

  • Wer anlässlich der Erstinfektion erkrankt, leidet unter Bläschen im Mund (Aphthen) an Mundschleimhaut und Zahnfleisch die typischerweise einen roten Hof aufweisen und aufbrechen. Ihr Inhalt enthält Viren und ist deshalb infektiös und somit auch der Speichel. Seltenere Lokalisationen einer Erstmanifestation sind die Augen (sog. Keratokonjunktivitis herpetica) oder die Finger (nach Fingerlutschen).
  • Schnupfen, Mandel- und Rachenentzündung mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeines Krankheitsgefühl kommen vor, ähnlich wie bei anderen Virusinfekten (z. B. der Grippe).
  • Gelegentlich sind die Lymphknoten an Hals und Nacken geschwollen und erkrankte Kinder mögen nicht essen.
  • Nach zwei bis drei Wochen verschwinden die Symptome.

Rezidive: Sie manifestieren sich überwiegend an den Lippen, gelegentlich auch an anderen Körperstellen, wo die charakteristischen sog. Fieberbläschen entstehen. Jucken, Schmerzen und Spannungsgefühl gehen der Hauterscheinung voraus. Die Bläschen verschorfen und heilen, ohne eine Narbe zu hinterlassen. Allgemeinsymptome fehlen bei Rezidiven gewöhnlich.

Komplikationen können lebensgefährdend sein. Besonders anfällig sind Patienten mit Immunschwäche z.B. nach Transplantation, während hochdosierter Krebstherapie.

  • Hirnentzündung (Enzephalitis), sie verläuft vielfach schwer (Krämpfe, Bewusstseinstrübungen, Lähmungserscheinungen usw.) und endet unbehandelt meist tödlich.
  • Infektion der Lungen (Pneumonie).
  • Herpes am Auge kann zu Narben auf der Hornhaut und zu Beeinträchtigung der Sehfähigkeit bis zu Erblindung führen.

Herpes genitalis

Vor allem die Erstinfektion mit Herpes genitalis verursacht bisweilen deutlich wahrnehmbare Symptome. Die Bläschen treten bei Frauen im Bereich der Schamlippen und der Scheide auf, beim Mann am Penis. Wenn die Bläschen aufplatzen, entstehen feuchte, schmierige Geschwüre, die viele Viren enthalten. Jucken, Schmerzen, manchmal auch beim Wasserlösen, und Ausfluss sind typische Symptome. In den Leisten schwellen die Lymphknoten an. Seltener sind Herpes genitalis-Infektionen der Darmschleimhaut, der Harnröhre, am Gesäss oder an den Oberschenkeln. Die Infektion geht manchmal mit Krankheitsgefühl und Fieber einher.

Rezidive: Rückfälle sind bei dieser Herpesform häufiger. Sie verlaufen zwar oft milder als die vorangehende Erkrankung, doch entstehen aus den Bläschen rasch Geschwüre. Betroffen sind mehrheitlich die Haut im Bereich der Genitalien, die Gesässregion und auch die Finger.

Komplikationen: Selten ist die Hirnhautentzündung (Meningitis) mit schweren Allgemeinsymptomen, sie kommt vornehmlich bei Abwehr- oder Immunschwäche vor. So gibt es z.B. äusserst schwere Verläufe bei Patienten nach Transplantation, während hochdosierter Krebstherapie und bei AIDS-Kranken. Gefürchtet ist die Herpessepsis des Neugeborenen (s. nachfolgend).

Herpesinfektion des Neugeborenen

Sie entsteht, wenn sich die werdende Mutter kurz vor der Geburt mit Herpes-simplex-Viren im Genitalbereich infiziert. Selten ist eine Ansteckung durch Pflegepersonal, Vater, Angehörige usw. mit Herpeserkrankung.

Beim Neugeborenen können die Herpesbläschen lokalisiert bleiben (Haut), wobei die Augen und der Mund oft mit betroffen sind. Schwerwiegender ist der Einbezug des zentralen Nervensystems in das Krankheitsgeschehen (Herpesmeningitis); gefährlich ist die Neugeborenensepsis, die unbehandelt fast immer tödlich ausgeht.

Was man selbst tun kann

  • Die meisten Bläschen heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen spontan. Austrocknende Cremes beschleunigen die Heilung, z.B. zinkhaltige. Es gibt frei käufliche Medikamente in der Apotheke. Die wunden Lippen kann man zudem mit Hausmitteln (Kompresse mit Kamillentee, Melissen- oder Teebaumöl) pflegen. Das Lutschen von Eiswürfeln bekämpft Schmerzen und Juckreiz im Mund bei Aphthen.
  • Wer unter häufigen Herpesschüben leidet, kann sich vom Arzt Mittel verschreiben lassen. Am besten wirken die Medikamente, wenn man sie anwendet, bevor etwas zu sehen ist – nämlich beim ersten Kribbeln oder Stechen.
  • Das Entstehen von Herpesbläschen, welche durch Sonnenstrahlen ausgelöst werden, können spezielle Cremes mit Sonnenschutzmittel verhindern.
  • Zinkmixturen lassen sich auch im Genitalbereich anwenden, doch ist in diesem Fall meist zusätzlich eine systemische („innere“) Therapie nötig, s. unten.

Der direkte Kontakt mit Herpesbläschen – eigenen oder fremden – sollte vermieden werden, denn sonst können Viren an andere Körperstellen verschleppt werden, auch in die Augen. Auf gute Händehygiene ist zu achten.

Wann braucht es den Arzt

  • Schwere Verlaufsformen im Mund bei Kindern und Herpesinfektionen im Genitalbereich erfordern ärztliche Behandlung. Es stehen virushemmende Medikamente zur Verfügung, zur lokalen und/oder systemischen („allgemeinen“) Anwendung.
  • Bei Neugeborenen und bei Schwächung des Immunsystems (Immunsuppression nach Organtransplantation, bei Leukämie und anderen Krebserkrankungen, AIDS usw.) ist die Infektion vielfach so gefährlich, dass sie im Krankenhaus behandelt wird.
    Verdachtsmomente für Herpes des Neugeborenen sind Herpesbläschen (wie bei „Krankheitsbild“ beschrieben), Hornhautentzündung am Auge, Krämpfe oder Apathie und Fieber.

Medikamente gegen Viren in Form von Tabletten oder Spritzen sind bei Infektionen mit Herpes labialis nur selten nötig im Gegensatz zu Herpes genitalis-Erkrankungen. Im akuten Stadium kann man überdies Umschläge anwenden. Bei Enzephalitis ist der frühzeitige Beginn einer Therapie mit antiviralen Mitteln entscheidend. Gefährdete Neugeborene können zudem mit Immunglobulinen (passive Immunisierung) vor einem komplizierten Verlauf geschützt werden.
Antibiotika werden nur bei Superinfektion mit Bakterien verordnet.

Vorbeugen

  • Der Erstinfektion mit HSV-1 kann man nicht aus dem Weg gehen.
  • Bei wiederkehrenden Bläschenschüben im Erwachsenenalter: bekannte Auslöser wie intensive Sonnenbestrahlung und Stress meiden.
  • Hygienemassnahmen, insbesondere im Umgang mit Neugeborenen und Patienten mit Immunschwäche (Krebskrankheiten bzw. Chemotherapie usw.).
  • Kondome verhindern die Ansteckung im Genitalbereich.
  • Für Menschen mit bekanntem Risiko für einen schweren Verlauf gibt es die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe gegen die Herpesrezidive; eine Impfung steht derzeit jedoch nicht zur Verfügung.
  • Bei Herpes im Genitalbereich einer hochschwangeren Frau kann die Schnittentbindung (Kaiserschnitt) verhindern, dass das Neugeborene im Geburtsweg der Mutter infiziert wird.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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