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Herzmuskelschwäche

Fachbegriff: Herzinsuffizienz

Das gesunde Herz pumpt pro Minute 5 bis 6 Liter Blut durch den Körper. Wenn ein Herzmuskel diese Leistung nicht zu erbringen und bei erhöhtem Bedarf noch zu steigern vermag, wird der Körper nicht ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot für die Gewebe, und die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab. Der Herzmuskel passt sich diesen Gegebenheiten zwar so weit als möglich an, doch arbeitet er zunehmend unökonomisch und mit der Zeit erlahmt seine Kraft. Medizinisch spricht man von Herzinsuffizienz, was der Fachausdruck für Herzmuskelschwäche ist. Diese kann akut auftreten oder sich allmählich entwickeln.

Die Herzinsuffizienz ist eine der weltweit häufigsten Krankheiten. In der Schweiz sind gemäss Angaben der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie mehr als 100‘000 Menschen betroffen und jährlich erkranken etwa 20‘000 neu, auch – aber nicht nur – wegen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung. Die Kosten für das Gesundheitswesen sind hoch und werden noch ansteigen – insbesondere, weil Hospitalisierungen wiederholt nötig sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Die meisten Herzerkrankungen führen im Endstadium zu einer Herzinsuffizienz. Bei der Schweizer Bevölkerung wird die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Leben daran zu erkranken auf 20% geschätzt. Die Ursache einer Herzerkrankung kann dabei im Herzmuskel selbst mit seinem Reizleitungssystem, den Klappen und den Koronararterien liegen, oder das Herz kann „von aussen“ geschädigt werden.

Das Krankheitsbild

Einteilung

  • Chronischer oder akuter Verlauf.
    Die chronische Herzinsuffizienz stellt sich schleichend ein.
    Die akute Herzinsuffizienz ist meist Folge eines plötzlichen Ereignisses (schwerer Herzinfarkt, massive Lungenembolie).
  • Insuffizienz überwiegend der linken oder der rechten Herzkammer, s. Abbildung (Linksherz-, Rechtsherzinsuffizienz).
  • Beeinträchtigung der „Pumpleistung“ des Herzmuskels, ungenügende Füllung des Herzinnenraums mit Blut oder zu hoher Druck in der linken Herzkammer.
  • 4 Schweregrade (s. unten).
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Symptome

Sie hängen ab von den hauptsächlich betroffenen Strukturen des Herzens sowie von der Art und dem Schweregrad der Insuffizienz. Im Anfangsstadium merkt man in der Regel nichts von der Krankheit. Allmählich entstehen

  • Allgemeine Abgeschlagenheit und Leistungsabfall, Appetitverlust, Gewichtsabnahme (sog. kardiale Kachexie).
  • Wasseransammlung in den Beinen (Ödem), nächtlicher Harndrang. Anfangs sind die Füsse und Unterschenkel nur gegen Abend geschwollen. Das Gewebswasser wird über Nacht durch die Nieren ausgeschieden. Vormittags ist die Schwellung geringer.
  • Blutrückstau: überfüllte Halsvenen; Druck im rechten Oberbauch durch die angeschwollene Leber, Übelkeit und Völlegefühl.
  • Schwindel; kurzdauernde Attacken von Bewusstseinsverlust (Synkopen).
  • Atemnot und Herzklopfen bei körperlicher Anstrengung oder bereits in Ruhe („Herzasthma“). Nächtliche Anfälle schwerer Atemnot sind begleitet von brodelnden Geräuschen in den flüssigkeitsgefüllten Lungen, Husten und schaumigem, auch rötlich gefärbtem Auswurf (Lungenstauung).
  • Haut: Bläuliche Verfärbung, insbesondere der Lippen. Die ausgetrocknete Haut neigt zu Ekzemen.

Schweregrade

Eine international anerkannte Einteilung des Schweregrads einer Herzinsuffizienz ist die „NYHA-Klassifizierung“ (benannt nach der New York Heart Association).

  • Grad 1
    Objektiv nachweisbare Herzkrankheit (im EKG, Echokardiogramm, Röntgen) ohne subjektiv wahrgenommene Symptome.
  • Grad 2
    Leichte Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit; bei grösserer Anstrengung leichtere bis mittelschwere Beschwerden wie Atemnot, Herzschmerz oder Herzklopfen.
  • Grad 3
    Die Leistungsfähigkeit ist weiter eingeschränkt. In Ruhe bestehen keine Beschwerden, doch bereits bei leichterer Aktivität treten Atemnot, geschwollene Beine oder Angina Pectoris auf.
  • Grad 4
    Massive Behinderung durch zunehmend schwere Herzsymptome (auch in Ruhe) bis zur Invalidität.

Komplikationen, Folgen

  • Herzrhythmusstörungen können sowohl Ursache als auch Folge der Herzinsuffizienz sein.
  • Dekompensation: Ist vom Herz eine permanent erhöhte Arbeit gefordert, kann sich die Muskulatur durch Hypertrophie („Muskelverstärkung“) und Vergrösserung der Herzkammern vorerst anpassen. Diese Mechanismen vermögen jedoch auf lange Sicht nicht die Leistung aufrecht zu erhalten, allmählich erlahmt der Herzmuskel – das Herz „dekompensiert“. Dieser Vorgang entspricht dem Schweregrad NYHA 4.
  • Bei schwerer Herzinsuffizienz ist das Thromboserisiko erhöht.
  • Psychosoziale Folgen wie Depressionen und soziale Isolation können das Leiden zusätzlich verschlimmern.

Was man selbst tun kann

Durch eine Änderung des Lebensstils lassen sich bestehende Symptome mildern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

  • Regelmässige Bewegung ist geeignet, die Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten. Bewährt hat sich das Training in Gruppen, wie das „Herzturnen“. Schwimmen, Spazieren und Radfahren sind besonders günstig. Vor dem Beginn mit Sport sollte allerdings der Arzt zu Rate gezogen werden. Kraftsportarten können sich je nach Stadium der Erkrankung und zusätzlich bestehenden Symptomen nachteilig auswirken, sie sollen nur unter fachkundiger Anleitung erfolgen. Bei schwerer Krankheit und bei neu aufgetretener Herzinsuffizienz ist eine spezielle Instruktion nötig. Aber auch regelmässige Ruhezeiten einhalten, über den Tag hin verteilt.
  • Mediterrane Ernährung: viel Gemüse, Früchte und Fisch, aber wenig Fett. Einfach ungesättigte Fette (Oliven-, Rapsöl) bevorzugen. Üppige Mahlzeiten vermeiden, sie belasten das Herz.
  • Übergewicht reduzieren, wenn dieses beträchtlich ist, insbesondere wenn der BMI über 30 liegt.
    Viele Patienten verlieren allerdings ohnehin an Gewicht – oft beträchtlich. Eine starke Abnahme sollte indessen möglichst vermieden werden, und in diesem Fall ist zur Stärkung der Muskulatur ein gezieltes, aber vorsichtiges körperliches Training besonders wichtig.
  • Nicht rauchen.
  • Bei Bluthochdruck, bei Ödemen und generell bei fortgeschrittener Krankheit: wenig Salz zu sich nehmen, das bedeutet weniger als 6 Gramm täglich. Auf verstecktes Salz achten (in Käse, Wurst, Konserven, Fertigmenüs, auch Suppen) und Speisen nicht nachsalzen.
    Blutdruck regelmässig überprüfen, bei Herzrhythmusstörungen auch den Puls.
  • Über die Trinkmenge sollte mit dem Arzt gesprochen werden.
  • Tägliches Wägen: Wenn das Körpergewicht innerhalb von 2 Tagen mehr als 2 kg vom üblichen Resultat abweicht ist eine Arztkonsultation angezeigt.
  • Alkohol beschränken auf etwa 3 dl Bier oder 1 bis 2 dl Wein pro Tag. Wenn Alkohol als Ursache der Herzinsuffizienz vermutet wird, muss ganz auf ihn verzichtet werden.
  • Das Kopfende des Bettes erhöhen. Dadurch wird das Herz während des Schlafens entlastet Atemnot kann am ehesten durch halbsitzende Körperposition (auch im Bett) gelindert werden.
  • Medikamente zuverlässig einnehmen.
  • Vor Reisen den Arzt konsultieren, damit die Therapie nötigenfalls an veränderte Umweltbedingungen angepasst werden kann. Dies gilt besonders, wenn weiter entfernte Länder anvisiert werden. Flugreisen von 1 bis 3 Stunden sind meist unproblematisch, auf längere Flüge wird besser verzichtet, wenn jemand deutliche Symptome der Herzinsuffizienz verspürt.
  • Soziale Aktivitäten sollten soweit möglich aufrecht erhalten werden, da Isolation die allgemeine Situation und damit auch die Symptome der Krankheit verschlechtert.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Weissdornpräparate Herzbeschwerden mildern. Dies gilt für beginnende Herzinsuffizienz, aber auch für Symptome vonseiten des Herzens, die bei nervlicher oder psychischer Überbelastung auftreten. Man nimmt an, dass Weissdornpräparate auch vorbeugend wirken. Wie viele Heilmittel auf pflanzlicher Basis, entfalten sie ihre Wirkung nur langsam. Diese ist erst nach regelmässiger Einnahme während einiger Monate zu erwarten.

Wann braucht es den Arzt

Jeder Verdacht auf Herzmuskelschwäche bedarf einer ärztlichen Abklärung. Hinsichtlich Diagnostik und Therapie wurden in den letzten Jahren grosse Fortschritte erreicht. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung ist wegen der drohenden Komplikationen und Folgen unerlässlich.

Bei schon bekannter Herzinsuffizienz ist eine Arztkonsultation angezeigt, wenn das Körpergewicht innerhalb von zwei Tagen mehr als zwei Kilo zu- oder abnimmt oder wenn sich das Allgemeinbefinden plötzlich verschlechtert. Ein Notfall liegt vor, wenn Symptome der Herzinsuffizienz, die sich früher erst bei körperlicher Belastung zeigten, neuerdings schon in Ruhe auftreten, und wenn plötzlicher Anstieg oder Absinken des Blutdrucks, unregelmässiger oder sehr schneller Puls bemerkt wird.

Diagnose

Der umfassenden Diagnose dienen EKG (Elektrokardiogramm), Blut-, Röntgen- und Herzkatheteruntersuchungen, gegebenenfalls eine Lungenfunktionsprüfung. Einen besonders hohen Stellenwert haben die Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) und als modernstes Verfahren die kardiale Magnetresonanztomographie. Die Funktion der Herzmuskulatur und der Klappen, die Durchblutung und die Vitalität des Gewebes lassen sich auf nicht-invasivem Weg optisch darstellen, was die Wahl der optimalen Behandlung ermöglicht.

Therapie

Zunächst ist eine gute Information der Patienten und der Angehörigen nötig, auch damit der Behandlungsplan gewissenhaft eingehalten wird.
Hauptziele:

  • Das Fortschreiten der Krankheit verzögern, die Kontraktionskraft der Herzmuskulatur stärken.
  • Die Lebensqualität verbessern.

Die medikamentöse Therapie ist äusserst vielschichtig und auf Ursachen und Symptome (s. oben) ausgerichtet.

  • Es finden verschiedene Wirkstoffgruppen Anwendung: Betablocker und ACE-Hemmer (Blutdruck senken, Rhythmusstörungen beheben und andere Angriffspunkte), Antikoagulantien („Blutverdünnung“ zur Verhinderung von Gefässverschlüssen), Digitalispräparate (Kontraktionskraft der Herzmuskulatur stärken), Diuretika (Ausscheidung von Flüssigkeit fördern).
  • Komplikationen von Infektionskrankheiten verhindern: Impfung gegen Grippe (jährlich) und gegen Lungenentzündung (Pneumokokken; alle sieben Jahre).

Chirurgische Behandlung: Ist eine beginnende Herzinsuffizienz Folge eines Herzklappenfehlers, einer ungenügenden Durchblutung wegen Verengung der Herzkrankgefässe oder einer nicht beherrschbaren Rhythmusstörung, bestehen in bestimmten Fällen chirurgische Möglichkeiten (Klappenersatz, Bypassoperation, Herzschrittmacher, „minimal invasive Operationen“ mit dem Herzkatheter). Am ehesten Erfolg versprechen diese Eingriffe natürlich, wenn der Herzmuskel nicht bereits vorher einen irreparablen Schaden genommen hat. Eine Herztransplantation kann bei nicht anderweitig behandelbarer, schwerer Herzinsuffizienz und insbesondere bei jungen Menschen erwogen werden.

Vorbeugen

Vorbeugen bedeutet in erster Linie, den Grundkrankheiten zuvorzukommen:
Normalgewicht, fettarmes, ausgewogenes Essen, reichlich körperliche Bewegung, nicht rauchen, nicht zu viel Alkohol (Frauen maximal 20 bis 30, Männer maximal 30 bis 40 Gramm täglich), vermeiden von Stress.
Wenn bereits Grundkrankheiten und Risikofaktoren (s. „Ursachen und Risikofaktoren“) bestehen, ist deren Behandlung angezeigt – nicht nur im Hinblick auf das Herz. Das Entstehen einer Herzinsuffizienz lässt sich so vermeiden oder zumindest hinauszögern. Insbesondere ist auf gutes Einstellen des Blutzuckers, des Blutdrucks und der Blutfettwerte zu achten.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweizerische Herzstiftung
    Postfach 176
    3000 Bern 15
    Telefon: 031/ 351 15 22
    www.swissheart.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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