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Hirnhautentzündung und Hirnentzündung

Fachbegriff: Meningitis und Enzephalitis

Die Besiedelung der Hirnhäute mit Krankheitserregern verursacht eine Infektion und Entzündung, die mit oder ohne Eiterbildung abläuft. Greift sie auf das Hirngewebe über, kommt es zur Enzephalitis (Hirnentzündung) oder genauer zur Meningoenzephalitis (Entzündung von Hirnhäuten und zugleich Hirngewebe). Genau abgrenzen lassen sich die Krankheitsbilder indessen nicht, denn mehrheitlich ist bei einer Meningitis auch angrenzendes Hirngewebe ins Krankheitsgeschehen einbezogen und umgekehrt.

Kinder und Jugendliche sind besonders häufig von den Krankheiten betroffen, und auch in Rekrutenschulen treten immer wieder vereinzelte Fälle auf. In der Schweiz wurde erstmals 1805 eine Meningitis-Epidemie in Genf beschrieben.

Begriffserklärungen

Meninx:

aus dem Altgriechischen: μήνιγξ (Meninx) die Hirnhaut. Der Begriff wird meist in der Mehrzahl verwendet: die Meningen.

Meningitis:

Entzündung der Hirnhaut bzw. der Hirnhäute. Mehrzahl Meningitiden.

Meningokokken:

Bakterienart, Erreger einer besonders schweren Form von Meningitis.

Enzephalitis:

aus dem Altgriechischen: εγκέφαλος (Enkephalos) das Gehirn. Die Endung „-itis“ steht für Entzündung, entsprechend bedeutet Enzephalitis Hirnentzündung.

Autoimmunkrankheit:

Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Mikroorganismen:

winzige Lebewesen, die von Auge nicht oder kaum erkennbar sind. Dazu gezählt werden Bakterien, Pilze, Protozoen (Einzeller), einige Algen und ebenso die Viren, obwohl Letztere die Bedingungen der biologischen Definition von Lebewesen nicht erfüllen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben. Nicht alle Mikroorganismen sind krankmachend, trotzdem wird der Ausdruck oft synonym für Krankheitserreger verwendet.

Anatomie

Die Hirnhäute (Meningen) sind zwei Gewebsmembranen, die das Gehirn und das Rückenmark umhüllen und gegen die Schädel- und Wirbelknochen abgrenzen. Die äussere, hart anzufühlende Hirnhaut liegt der Innenseite der Knochen dicht an; die innere dünne und weiche Hirnhaut überzieht unmittelbar die Hirnwindungen und das Rückenmark. Beide sind – im Gegensatz zum Gehirn selbst – sehr schmerzempfindlich.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Entzündung oder Reizung der Hirnhäute oder des Gehirns kommt auf verschiedene Weise zustande.

Infektion durch Mikroorganismen, infektiöse Meningitis

Die Mehrzahl der Krankheitserreger, die eine Meningitis oder Enzephalitis auslösen, wird durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) übertragen. Bakterien oder Viren gelangen danach von irgendwo im Körper mit dem strömenden Blut ins Gehirn, seltener „wandern“ sie direkt aus Infektionsherden vom Mittelohr oder vereinzelt von den Nasennebenhöhlen ins Schädelinnere. Eine direkte Eintrittspforte für Bakterien ist eine offene Verletzung des Schädels.
Auftreten und Verlauf insbesondere von bakteriellen Hirnhaut- und Hirnentzündungen sind vom Gesundheitszustand und wahrscheinlich von anderen noch unbekannten Faktoren abhängig. Mehrheitlich sind Säuglinge, Kleinkinder und abwehrgeschwächte Menschen betroffen.

  • Bakterien
    • Meningokokken, Pneumokokken, Hämophilus Influenzae B und Streptokokken verursachen die gefährliche eitrige Meningitis. Meningokokken sind die Erreger der schwersten Form. Ansonsten verursachen diese Mikroorganismen jedoch nur unkomplizierte Infektionen der Luftwege und sie lassen sich sogar bei manchen Gesunden im Mund-Rachenbereich nachweisen. Daraus lässt sich schliessen, dass Meningokokken nicht unbedingt eine schwere Erkrankung auslösen müssen.
    • Andere Bakterien sind in der Lage nicht-eitrige Hirnhaut- oder Hirnentzündungen hervorzurufen, z.B. Tuberkulosebazillen, Borrelien und der Erreger der Syphilis.
  • Viren: relativ häufig sind nicht-eitrige Hirnhautentzündungen durch Viren. Viruskrankheiten können grundsätzlich mit den Zeichen einer Meningitis verlaufen, Beispiele sind Grippe, Mumps, Masern, Röteln, Herpes, oder die durch Zecken übertragene FSME und die Poliomyelitis.
  • Pilze und Protozoen (z. B. Toxoplasmen, Amöben) sind vereinzelt Erreger einer nicht-eitrigen Hirnhautentzündung. Eine Pilzinfektion der Hirnhäute kommt vor als Begleitkrankheit („opportunistische Infektion“) schwerer Leiden, die lang dauernde Chemotherapie oder Immunsuppression erfordern.

Nicht-infektiöse Meningitis

Ein Reizzustand oder eine Entzündung der Hirnhäute kommt nicht ausschliesslich durch Mikroorganismen zustande. Andere Ursachen sind:

  • Physikalische und chemische Einwirkung: Intensive Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf bewirkt eine sterile Reizung und Entzündung der Hirnhäute (Sonnenstich). Besonders Kleinkinder sind gefährdet, und Menschen mit Glatze. Medikamenten-Unverträglichkeit kann desgleichen eine entzündliche Reizung der Hirnhaut verursachen.
  • Autoimmune Vorgänge: Eine Entzündung des Gehirns, allenfalls auch der Hirnhäute oder des Rückenmarks, durch autoimmune Vorgänge führt bei Multipler Sklerose und anderen Erkrankungen zu vielfältigen gesundheitlichen Störungen.
  • Bösartige Tumore: Metastasen bösartiger Geschwülste, zum Beispiel von Lymphomen, Brust- und Lungenkarzinomen, können sich auf den Hirnhäuten ausbreiten, auch in der Hirnsubstanz selbst weiter wachsen und im Gewebe eine entzündliche Reizung auslösen.

Das Krankheitsbild

Die Mehrzahl der Symptome findet sich sowohl bei der Meningitis als auch bei der Enzephalitis. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind sie meist weniger ausgeprägt, was jedoch keinen Rückschluss auf den Schweregrad der Erkrankung zulässt.

Ein typisches Krankheitsbild weist die akute bakterielle Meningitis auf. Sie beginnt plötzlich als grippeähnliche Krankheit mit steilem Fieberanstieg, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Virale Hirnhautentzündungen verlaufen demgegenüber praktisch immer milder. Charakteristika sind:

  • Kopfweh: Ein Reizzustand der Hirnhäute gleich welcher Ursache geht mit intensiven Kopfschmerzen einher. Kopfweh ist eines der Leitsymptome.
  • Fieber, bei bakteriellen Erkrankungen auch Schüttelfrost; gelegentlich Untertemperatur.
  • Nackensteife oder Genickstarre: Sie ist ein typisches und wohl das bekannteste Symptom der Meningitis: Der Kopf kann nicht mehr nach vorn gebeugt werden und bohrt sich nach hinten ins Kissen; oft zieht der Kranke die Beine an.
  • Übelkeit, Erbrechen; Schwindel.
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit; Doppelbilder, Hörstörungen.
  • Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Krampfanfälle und Lähmungen weisen auf eine Hirnbeteiligung (Enzephalitis) hin.
  • Die Haut ist bei bakterieller, eitriger Meningitis am ganzen Körper bei blosser Berührung schmerzhaft. Manchmal bestehen ein masernähnlicher Ausschlag und an den Lippen Herpesbläschen. Zeichen sehr schwerer Erkrankung sind viele kleine rot-bläuliche Flecken auf der Haut (Petechien). Sie entstehen durch Blutungen aus Kapillaren (kleinsten Gefässen).
  • Zusätzliche Symptome einer chronisch verlaufenden, nicht-infektiösen Meningitis können sein: Chronische Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schwäche in Armen oder Beinen, unsicherer Gang, Sehstörungen, Hörverlust, Veränderung der intellektuellen Fähigkeiten und der Persönlichkeit.

Komplikationen

Sie sind möglich bei bakteriellen Hirnhaut- oder Hirnentzündungen nach viralen sind sie heute hingegen dank der Impfungen gegen Kinderkrankheiten selten (Ausnahme: schwer verlaufende Herpes-Enzephalitis).

  • Übergreifen der Entzündung von den Hirnhäuten auf das Gehirn, eventuell auch auf das Rückenmark.
  • Hirnabszess.
  • Hydrozephalus („Wasserkopf“) bei Säuglingen.
  • Sepsis, septischer Schock.
  • Thrombose in Hirnvenen.
  • Bleibende neurologische Schäden wie Lähmungen, Gehörverlust, Sprachstörungen, Veränderung der Psyche (Verhaltensauffälligkeiten), Epilepsie.

Prognose

Sie ist von den Ursachen abhängig, so von der Art des Erregers, vom Alter des Patienten, von vorbestehenden Krankheiten und Abwehrschwäche. Eine Meningokokken-Meningitis verläuft bei Neugeborenen und alten Menschen auch heute noch in bis zu 70% tödlich, bei jüngeren Erwachsenen und zuvor Gesunden in 5 bis 10% der Fälle. Eine Hirnhautreizung durch Sonnenstich heilt folgenlos aus, während bei einer karzinomatösen Meningitis wegen des bösartigen Grundleidens ein tödlicher Ausgang bevorsteht.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Manche bakterielle Meningitiden sind ansteckend; der Kontakt mit Erkrankten ist deshalb zu meiden und bei Verdacht frühzeitig der Arzt zu konsultieren.

Vorbeugen

Gegen einige der möglichen Meningitis-Erreger gibt es Schutzimpfungen.

  • Meningokokken: Die Impfung wird empfohlen für Menschen mit Abwehrschwäche, z. B. wegen Leukämie, einer anderen Krebserkrankung oder nach Entfernung der Milz, ausserdem bei spezieller Exposition in Epidemiegebieten und Kasernen.
  • Hämophilus influenzae Typ B: Das in der Schweiz empfohlene Impfschema für Kinder enthält neben Mumps und Masern auch eine Impfung gegen dieses Bakterium, den häufigsten Meningitis-Erreger bei Kindern. Dieses Bakterium ist nicht mit dem Influenza-Virus, also dem Grippevirus, zu verwechseln.
  • Pneumokokken: Geimpft werden vor allem ältere Menschen und solche mit Krankheiten, welche die Abwehr schwächen (s. oben, erster Punkt) sowie Frühgeborene, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen.
  • Weitere Impfmöglichkeiten bestehen gegen Grippe und FSME. Gegen Gelbfieber kann ebenfalls geimpft werden, doch stehen betreffend Tropenkrankheiten vor allem die Massnahmen zur Expositionsprophylaxe (Schutz vor Stichen) im Vordergrund (s. auch Tropenkrankheiten). Entsprechende Empfehlungen bei Auslandreisen sind zu beachten. Es existieren weitere Impfungen, sie sind aber zum Teil in Europa nicht offiziell zugelassen (z.B. japanische Enzephalitis).

Wann braucht es den Arzt

Meningitis und Hirnentzündung müssen vom Arzt beurteilt werden. Hinweise sind starke Kopfschmerzen mit Fieber, besonders in Kombination mit Nackenstarre. Natürlich handelt es sich nicht bei jedem Kopfweh mit Fieber um eine Meningitis, doch sollen die Symptome besonders bei Kindern ernst genommen werden. Eine bakterielle Hirnhaut- oder Hirnentzündung ist ein Notfall, unbehandelt bedeutet sie Lebensgefahr.

Diagnose

Dazu wird Flüssigkeit (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal entnommen. (Lumbalpunktion) und auf Erreger, Entzündungszeichen, allenfalls auch auf Tumorzellen untersucht. Bei Enzephalitis wird meist ein Computertomogramm (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) gemacht.

Therapie

Die Infektion der Hirnhaut oder des Gehirns mit Meningokokken ist eine meldepflichtige Erkrankung. Bei bestätigtem Verdacht ist die Spitaleinweisung nötig, wo eine gezielte Antibiotikatherapie erfolgt. Vergleichbares gilt für manche andere bakteriellen Hirnhaut- und Hirnentzündungen.
Bei viralen Erkrankungen ist man nach wie vor in erster Linie auf die Symptombekämpfung angewiesen. Zwar sind auch Medikamente gegen Viren auf dem Markt, sie sind aber nicht zur Behandlung jeder viralen Infektion geeignet und wirken bei Hirnhautentzündungen nur in der ersten Phase der Erkrankung.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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