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Hirnmetastasen

Nicht alle Organe sind gleich anfällig für Metastasen. Hauptsächlich befallen werden tumornahe Lymphknoten, Lunge, Leber, seltener das Gehirn und die Knochen. Sozusagen nie wachsen Metastasen im Herzmuskel und in der Skelettmuskulatur. Tumorzellen gelangen zwar auf dem Blutweg in diese Organe, doch finden sie hier offenbar schlechtere Überlebensbedingungen als anderswo.

Begriffserklärungen

Primärtumor:

Die ursprüngliche Geschwulst, von der die Zellen stammen. Von ihr werden spontan, schubweise oder kontinuierlich Geschwulstzellen in den Körper ausgestreut. Dies ist eine der definierenden Eigenschaften bösartiger Tumore (Krebs: Karzinome, Sarkome).

Metastasierung:

Aussaat von Tumorzellen. Das Wort leitet sich ab vom griechischen μετάστασις, Metástasis, was Wegzug, Auswanderung bedeutet, und beschreibt damit den biologischen Vorgang sehr bildlich.

Metastase:

Tochtergeschwulst oder Krebsableger. Durch immunologische Vorgänge werden die meisten im Körper verschleppten Krebszellen zerstört. Wenn die Immunabwehr sie jedoch nicht identifiziert, wächst am Ort der „Niederlassung“ eine Metastase heran.

Palliative Therapie:

Behandlung von Symptomen zur Verbesserung der Lebensqualität bei fortgeschrittener Krankheit und begrenzter Lebenserwartung. Solche Symptome können sein: Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Atemnot, psychische Belastung.

Ursachen

Tumore, die ins Gehirn metastasieren, sind:

  • Bronchuskarzinom: der häufigste Ursprungsort. Die Hälfte aller Hirnmetastasen geht auf Bronchuskarzinome zurück.
  • Brustkrebs ist die zweithäufigste Ursache.
  • Melanom.
  • Nierenkrebs.
  • Seltener sind Schilddrüsen-, Prostatakrebs, Karzinome des Magen-Darmtrakts oder andere Primärtumore Ursache für Hirnmetastasen.

Die Metastasen entstehen in irgendwelchen Hirnabschnitten, sind oft in Mehrzahl vorhanden und können sich auch auf den Hirnhäuten ausbreiten (karzinomatöse Meningitis).

Krankheitsbild, Symptome

Bedeutend mehr als die Hälfte aller Hirntumore sind Metastasen. Die Symptome entsprechen jenen anderer Hirntumore.

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen können als so genannte Hirndruckzeichen auftreten. Sie entstehen, indem durch die wachsende Metastase der Druck im Schädelinnenraum ansteigt. Die genannten Symptome müssen nicht gleichzeitig auftreten.
  • Motorische Lähmungen machen sich als Gangunsicherheit, Ungeschicklichkeit oder Schwäche beim Bewegen bemerkbar. Sensorische Ausfälle manifestieren sich als Gefühlsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln).
  • Psychische Veränderungen, Bewusstseinstrübung.
  • Gelegentlich entstehen schon früh Krampfanfälle; sie können epileptischer Art sein, weshalb eine erstmalig auftretende Epilepsie ein Grund ist, nach Hirnmetastasen zu suchen, insbesondere bei älteren Menschen.
  • Seh- oder Sprachstörungen entstehen manchmal ganz plötzlich und weisen auf die befallenen Areale im Gehirn hin (Seh- oder Sprachzentren).

Hirnmetastasen sind Zeichen eines fortgeschrittenen Krebsleidens, das sich vielleicht trotz früherer Operationen, Chemotherapie oder Bestrahlung weiter entwickelt hat. Die schlechte Prognose ist allerdings nicht allein den Metastasen anzulasten; viele Erkrankte leiden und versterben an anderen Folgen des Primärtumors.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen, frühzeitige und adäquate Behandlung des Primärtumors sind die möglichen Prophylaxemassnahmen. Leider gelingt es auch so nicht immer, eine Metastasierung zu verhindern.

Wann braucht es den Arzt

Der Patient ist wegen des Primärtumors meist schon in ärztlicher Behandlung. Bisweilen machen sich Symptome von Hirnmetastasen aber als erste Krankheitszeichen bemerkbar, und der Primärtumor wird erst nachher gesucht und erkannt. Besonders Bronchuskarzinome und Melanome tendieren zu rascher Metastasierung.

Nachweis

Der Nachweis erfolgt mittels Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder Magnetresonanztomographie (MRT)

Therapie

Die Behandlung von Hirnmetastasen bezweckt in erster Linie, die Lebensqualität zu verbessern; in Einzelfällen lässt sich das Leben selbst verlängern. Es handelt sich somit um eine palliative Therapie.

  • Operation: Einzelne, grössere Metastasen lassen sich operativ entfernen.
  • Radiotherapie (Bestrahlung): Radiotherapie mit dem sog. Gamma-Knife erzielt auch Besserungen beim Vorhandensein von mehreren Hirnmetastasen. Dazu werden eng begrenzte Strahlenbündel aus einer Kobaltquelle auf den Tumor gerichtet. Das Verfahren ist nicht geeignet bei grossen Metastasen (mehr als 3 cm Durchmesser) und bei raschem Fortschreiten der Erkrankung. Eine technische Neuerung ist das Cyberknife mit seinem robotergesteuerten Bestrahlungsfokus.
  • Medikamente, Chemotherapie.
  • Kombination mehrerer Verfahren (Operation, Radiotherapie, Chemotherapie).

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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