0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0

Hodenkrebs

Fachbegriffe: Seminom, Nicht-Seminom

Bösartige Tumore, die vom Hoden ausgehen, werden als Hodenkrebs bezeichnet. Man unterscheidet nach feingeweblicher Untersuchungen (histologische Untersuchung) zwei Gruppen, die Seminome und die Nicht-Seminome. Die Unterscheidung ist für die spätere Therapie wichtig, die sich je nach Tumorart unterscheidet. Wie gefährlich der Krebs im Einzelfall ist, hängt ab von der Schnelligkeit des Tumorwachstums (Zellteilung) und dem Zeitpunkt der Metastasierung (früh oder spät) ab.

In der Schweiz erkranken jährlich etwa 400 Personen an Hodenkrebs. Dies ist eine insgesamt eher seltene Krebserkrankung. Bei den unter 40 jährigen Personen ist der Hodenkrebs jedoch die häufigste bösartige Tumorerkrankung. Gleichzeitig ist es glücklicherweise auch die Tumorerkrankung mit den besten Heilungschancen.
Am häufigsten tritt der Hodenkrebs zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf.
Gutartige Geschwülste der Hoden kommen nur vereinzelt vor und entstammen dem Bindegewebe. Sie werden auch Stromatumoren genannt.

Begriffserklärungen

Metastasierung:

Aussaat von Tumorzellen. Das Wort leitet sich ab vom griechischen μετάστασις, Metástasis, was Wegzug, Auswanderung bedeutet, und beschreibt damit den biologischen Vorgang sehr bildlich.

Metastase:

Tochtergeschwulst oder Krebsableger. Durch immunologische Vorgänge werden die meisten im Körper verschleppten Krebszellen zerstört. Wenn die Immunabwehr sie jedoch nicht identifiziert, wächst am Ort der „Niederlassung“ eine Metastase heran.

Sterilität, Infertilität:

Unfruchtbarkeit, hier Unvermögen des Mannes, ein Kind zu zeugen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind unbekannt, doch gibt es sichere und vermutete Risikofaktoren.

  • Ein erhöhtes Risiko ist verbunden mit dem Hodenhochstand, wenn einer oder beide Hoden nicht im Hodensack liegen, sondern im Bauchraum oder in der Leistenregion verbleiben. Das Risiko bleibt erhöht, auch wenn eine operative Stabilisierung im Hodensack (Orchidopexie) vorgenommen wurde.
  • Wenn auf einer Seite Hodenkrebs nachgewiesen wurde, besteht auf der anderen Seite ein erhöhtes Krebsrisiko.
  • Da die bösartigen Hodentumore meist in den Jahren der höchsten sexuellen Aktivität auftreten, sind hormonale Einflüsse naheliegend.
  • Es wird zudem vermutet, dass der Kontakt mit verschiedenen chemischen Substanzen, wie Russ und Insektizide die Krebsentstehung fördert.
  • Familiäre Häufung kommt vor.
  • Bei bestehender HIV Erkrankung ist das Hodenkrebsrisiko erhöht.

Das Krankheitsbild

  • Eine gewöhnlich schmerzlose, einseitige Vergrösserung oder ein Knoten ist das häufigste Symptom, kann aber sehr diskret bleiben. Die Erkrankung wird dementsprechend oft zufällig entdeckt.
  • Der Hoden fühlt sich derber an als gewohnt. Das Abtasten kann Schmerzen bereiten.
  • Bisweilen besteht ein Schweregefühl im Bereich des Hodensacks oder ein Ziehen in der Leiste.
  • Bei hormonproduzierenden Formen von Hodenkrebs sind Vergrösserung der Brustdrüsen (Gynäkomastie) und vorzeitige Pubertät möglich.
  • Erst in fortgeschrittenen Stadien machen sich allgemeine Tumorzeichen und Verdachtsmomente auf Metastasen bemerkbar wie Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Schmerzen im Rücken und in Knochen, Druckgefühl oder Schmerzen im Bauchraum.

Hinter akut aufgetretenen Schwellungen und Schmerzen im Bereich der Hoden kann sich eine Entzündung oder eine Hodentorsion (Verdrehung des Hodens) verbergen. Beides erfordert eine sofortige Behandlung, um bleibende Schäden (Sterilität) zu vermeiden.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Männer im Alter zwischen Pubertät und 40 Jahren sollten in regelmässigen Abständen ihren Hoden auf Schwellungen und Verhärtungen untersuchen. Dies gilt besonders, wenn ein Hodenhochstand oder Pendelhoden bestand. Am leichtesten geht dies in entspannter Haltung und bei warmen Temperaturen unter der Dusche oder im Bad.

Wann braucht es den Arzt

Bei jeder Veränderung eines Hodens ist eine Arztkonsultation angezeigt. Eine schmerzlose oder schmerzarme derbe Schwellung ist tumorverdächtig, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Die Heilungschancen von Hodenkrebs sind in nahezu jedem Stadium gut. Je nach Stadium ist die Therapie jedoch mehr oder weniger aggressiv.

Diagnose

Eine erste Übersicht bringt der Ultraschall. Unter dem Mikroskop wird die Diagnose an einer Gewebsprobe bestätigt. Apparative Methoden (Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Röntgen) dienen dem Nachweis von allfälligen Metastasen.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach dem Tumorstadium und besteht aus chirurgischer Intervention, Strahlen und oder Chemotherapie. Wenn zum Zeitpunkt der Behandlung schon Metastasen vorliegen, wird der Eingriff je nach Gewebstyp und Ausbreitung des Tumors erweitert. Zusätzlich müssten dann die Lymphknoten entfernt sowie Strahlen und Chemotherapie Zyklen angeschlossen werden.
Ob die Zeugungsfähigkeit erhalten bleibt, hängt vom Gesamtumfang der erforderlichen Massnahmen ab. Meist muss nur ein Hoden entfernt werden und so bleibt die Zeugungsfähigkeit erhalten, falls der verbleibende Hoden gesund ist. Auch die Potenz, also die Fähigkeit zur Erektion und zum Orgasmus bleibt in den meisten Fällen, auch nach Strahlen-und Chemotherapie erhalten.
Es gibt zudem die Möglichkeit der Kryokonservierung der Spermien, was bereits vor jeglichen Therapiemassnahmen veranlasst werden kann. Hierbei werden die Spermien eingefroren und über Jahre aufbewahrt. Dadurch kann später auch bei allfällig bleibender Zeugungsunfähigkeit durch künstliche Befruchtung ein leibliches Kind gezeugt werden.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweizerische Krebsliga
    Effingerstrasse 40
    Postfach 8219
    3001 Bern
    Tel.: 031 389 91 00
    www.swisscancer.ch
    E-Mail: info@swisscancer.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.