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Hyperventilation

Fachbegriff: Hyperventilationssyndrom und Hyperventilationstetanie

Hyperventilation bedeutet extrem gesteigerte Atmung. Die Atemzüge folgen schnell aufeinander, sind krampfartig und oft tief. Beim Hyperventilationssyndrom bewirkt das übermässige Ausatmen von Kohlendioxid eine zunehmende Alkalisierung des Blutes. Dadurch wird Serumkalzium vermehrt in Zellen geschleust, und im Blut resultiert ein Mangel an frei zirkulierendem Kalzium. Die Folge dieses relativen Kalziummangels ist eine gesteigerte nervliche und muskuläre Erregbarkeit, die bis zu Muskelkrämpfen (Tetanie) führen kann. Dieses Phänomen ist zwar beängstigend, aber nicht lebensbedrohlich.

Begriffserklärungen

Nachstehend zwei Begriffe, die zum Verwechseln ähnlich klingen. Bei beiden bestehen Muskelkrämpfe, die zugrunde liegenden Krankheiten haben aber nichts mit einander zu tun.

Tetanie:

Übererregbarkeit von Nerven und Muskulatur, hervorgerufen durch Alkalisierung des Blutes, verbunden mit einem Mangel an ionisiertem Kalzium im Serum. (alkalisch entspricht basisch)

Tetanus:

Tetanus, deutsch Starrkrampf oder gelegentlich Wundstarrkrampf, ist eine Infektionskrankheit. Sie wird hervorgerufen durch Bakterien, die über offene Wunden in den menschlichen Körper gelangen. Giftstoffe (Tetanustoxine), die von den Krankheitserregern ausgeschieden werden, fixieren sich an Nervenzellen und lösen von dort die gefürchteten Krämpfe aus.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Emotionale (psychische) Ursachen: Hyperventilation mit Tetaniesymptomen ist fast immer emotionaler Natur und kommt vor bei ängstlichen und sensiblen Menschen (überwiegend Frauen) infolge Erregung, Stress, verschiedenen Angstzuständen, Wut usw.
  • Organische Erkrankungen können zu Hyperventilation führen, die unterbrochen wird von Phasen normaler Atmung oder von Atempausen; eine Tetanie entsteht dann sehr selten. Unmittelbare Ursache ist eine Stimulation des Atemzentrums im Hirnstamm. Diese Form von Hyperventilation wird beobachtet im Rahmen von Hirnerkrankungen (Entzündungen, Tumore), Hirnverletzungen, Herzinsuffizienz, Bronchialasthma, Stoffwechselstörungen (Überfunktion der Schilddrüse, Diabetes mellitus) und Vergiftungen.

Eine dem Bedarf sinnvoll angepasste Beschleunigung der Atemzüge, eine so genannte Tachypnoe, ist keine Hyperventilation im oben erwähnten Sinn. Auslöser von Tachypnoe können sein:

  • Hohes Fieber.
  • Verminderte Aufnahme- oder Transportkapazität für Sauerstoff bei Lungen- und Herzerkrankungen.
  • Sauerstoffmangel in der Atemluft, zum Beispiel in schlecht belüfteten Räumen oder in grosser Höhe.

Das Krankheitsbild

 

Das Hyperventilationssyndrom und besonders die Hyperventilationstetanie sind für Betroffene und ihre Umgebung beängstigend.

  • Quälende Atemnot, Engegefühl und Angst vor dem Ersticken stehen im Vordergrund. Die Atemtätigkeit ist weit über das für den Sauerstoffbedarf nötige Ausmass intensiviert.
  • Hyperventilationstetanie: Nach wenigen Minuten wird ein Kribbeln um den Mund, an Händen und Füssen verspürt. Es folgen Krämpfe, unter anderem der Handmuskulatur mit Beugen von Hand- und Fingergelenken sowie angezogenem Daumen („Pfötchenstellung“), gleichzeitig besteht das Gefühl einer Lähmung. Die Finger sind kalt.
    Durch die Tetanie wird die psychische Erregung noch verstärkt und unterhält – einem Teufelskreis gleich – die Hyperventilation.
    Seltener treten Verkrampfungen der Muskulatur und Zittern am ganzen Körper auf.
  • Begleitsymptome sind Herzklopfen, Schmerz oder Druckgefühl in der Brust, Kopfweh, Sehstörungen und geblähter Bauch infolge Luftschluckens.
  • Manchmal treten Synkopen (Sekunden dauernder Bewusstseinsverlust) und Schwindel auf.

 

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Bei emotional bedingter Hyperventilation – mit oder ohne Tetaniesymptome – besteht die erste Massnahme darin, Betroffene zu beruhigen, ihnen zu erklären, dass keine Gefahr besteht, und dass langsames, tiefes Ein- und Ausatmen helfen werden. Das setzt voraus, dass es der helfenden Person gelingt, ruhig zu bleiben und Ruhe auszustrahlen.
    Ist man selbst betroffen, sollte man versuchen, sich auf die Atmung zu konzentrieren und langsam durch den Mund ein- und durch die Nase wieder auszuatmen.
  • Lässt man Hyperventilierende in eine Plastiktüte atmen, gelangt im Übermass ausgeatmetes Kohlendioxid in die Lungen zurück (Rückatmung) und das Blut gewinnt wieder das physiologische Säure-Basen-Gleichgewicht. Die Krämpfe lassen dann sehr schnell nach.
    Das Verfahren ist jedoch behutsam anzuwenden und Betroffene sind darüber aufzuklären, denn der Plastikbeutel vor dem Gesicht kann die Angst verstärken. Blickkontakt und beruhigendes Zureden sollen die Massnahme auf jeden Fall begleiten.
    Vorsicht
    : Bei vertiefter Atmung infolge schwerer Krankheiten verbietet sich dieses Verfahren, da ein eventueller Sauerstoffmangel dadurch verstärkt wird und Erstickungsgefahr droht.
  • Das Hyperventilationssyndrom tendiert zu wiederholtem Auftreten. Vorbeugend wirken das Erörtern und allenfalls das Behandeln von psychischen Problemen und emotional verstärkten Reaktionsweisen sowie das Erlernen von geeigneten Atemtechniken.

Wann braucht es den Arzt

Wenn eigene Massnahmen fehlschlagen, ist eine Arztkonsultation erforderlich. Bei Hyperventilationstetanie werden beruhigende Medikamente und allenfalls Kalzium verabreicht. Wenn sich organische Krankheiten als Ursache herausstellen, werden diese entsprechend behandelt.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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