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Virales Hämorrhagisches Fieber

Virales Hämorrhagisches Fieber ist der Sammelbegriff für verschiedene Infektionskrankheiten, deren typische Merkmale Gerinnungsstörungen und Blutungen (Hämorrhagie) sind. Die Mehrheit dieser Infektionskrankheiten hat in unseren Breitengraden lediglich aufgrund des Tourismus einen Stellenwert. In den Tropen und Subtropen, werden jedoch immer wieder Epidemien registriert, die teils grosse Ausmasse annehmen.

Begriffserklärungen

Hämorrhagie:

Spontane Blutung in die Haut, in innere Organe und aus Körperöffnungen, aufgrund einer Gerinnungsstörung und Schädigung von Blutgefässen. Adjektiv: hämorrhagisch.

Hämorrhagisches Fieber:

Der Oberbegriff „Virales Hämorrhagische Fieber“ umfasst eine Gruppe von fieberhaften, hauptsächlich tropischen Infektionskrankheiten, die mit einer Hämorrhagie einhergehen. Sie werden hervorgerufen durch Viren unterschiedlicher Art.

Endemie:

fortwährendes oder wiederholtes Vorkommen einer Krankheit in einem geographisch begrenzten Gebiet (Endemiegebiet). Der Krankheitserreger ist in dieser Region dauernd vorhanden. Adjektiv: endemisch.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Kontamination:

Verunreinigung, Verseuchung. Adjektiv: kontaminiert.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Überblick

Für Europa relevant sind insbesondere:

Gutartigere Verlaufsformen mit geringfügigen Symptomen und ohne Hämorrhagie kommen bei allen oben angeführten Krankheiten vor. Ob dann trotzdem die Bezeichnung „hämorrhagisches Fieber“ verwendet werden soll, wird uneinheitlich gehandhabt.

Übertragung

Je nach Virus sind verschiedene Übertragungswege bekannt, sie sind also nicht für jede Krankheit gleich.

  • Von Tieren auf Menschen, direkt oder indirekt: Die direkte Übertragung erfolgt durch Kontakt mit erkrankten Tieren oder deren Ausscheidungen, oder durch Essen von Teilen solcher Tiere. Die indirekte Übertragung geschieht meist via Mücken.
  • Von Mensch zu Mensch, direkt oder indirekt: Die indirekte Übertragung erfolgt via Mücken, die direkte durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) oder durch Kontakt mit Infizierten bzw. deren Ausscheidungen (Blut, Speichel, Wundsekret, Urin, Stuhl usw.).

Als Reservoir für die Viren dienen – je nach Krankheit – Affen, Fledermäuse, Nagetiere, daneben aber auch Haustiere (zum Beispiel Schafe).

Das Krankheitsbild

  • Das typische virale hämorrhagische Fieber beginnt einige Tage (meist eine bis drei Wochen) nach der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, meist hohem Fieber, Husten, Kopf-, Hals-, Glieder- und Muskelschmerzen, gelegentlich Konjunktivitis.
  • Von Seite des Verdauungstrakts können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten.
  • Im weiteren Verlauf kommt es zur Hämorrhagie, dem Leitsymptom der Krankheit. Es äussert sich in unterschiedlich starken äusseren und inneren Blutungen, erkennbar zum Beispiel an blutigem Urin oder Blut im Stuhl.
  • Herzerkrankungen, Leber- und Nierenschädigung sind möglich, bei Beteiligung des zentralen Nervensystems auch Krämpfe, Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, evt. Koma.
  • Todesursache ist meist ein Multiorganversagen oder ein Kreislaufschock.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • In der Schweiz ist derzeit nur gegen Gelbfieber ein Impfstoff verfügbar.
  • Für den Umgang mit Infizierten sind strenge Hygienemassnahmen erforderlich, um sich selbst zu schützen: Händedesinfektion nach jedem Körperkontakt, keine gemeinsam verwendeten Gegenstände usw.
  • Mückengitter, Moskitonetz anbringen, evtl. imprägniert mit Repellentien (s. unten).
  • Möglichst gut bedeckende Kleidung tragen. Dies gilt auch für Kinder.
  • Einreiben mit Repellentien (mückenabweisende Mittel).
  • Kontakt mit Tieren vermeiden.
  • Vor jeder Tropenreise ist eine Beratung durch Fachpersonen oder das Tropeninstitut nötig.

Die besondere Gefahr liegt in der beträchtlichen Blutungsbereitschaft bei schwerem Krankheitsverlauf, verbunden mit Gefässschädigungen. Deshalb sollen bei Verdacht auf hämorrhagisches Fieber vorsichtshalber keine Acetylsalicylsäure-Präparate eingenommen werden. Diese Medikamente erhöhen ihrerseits die Blutungsneigung.

Wann braucht es den Arzt

Bei einer fieberhaften Erkrankung in tropischen und subtropischen Gebieten oder bis etwa drei Wochen nach Rückkehr ist grundsätzlich an eine Tropenkrankheit zu denken. Der Arztbesuch muss besonders dann rasch erfolgen, wenn ein hämorrhagisches Fieber im Bereich des Möglichen liegt (Reiseroute in einem Endemie- oder Epidemiegebiet).

Zur Diagnosestellung sind Untersuchungen von Blut, eventuell von Gewebe, Speichel, Urin oder Stuhl nötig. Labors, die entsprechende Analysen durchführen müssen strenge Sicherheitsauflagen erfüllen (Hochsicherheitslabors).

Therapie

Wenn sich der Verdacht auf hämorrhagisches Fieber bestätigt, werden die Patienten auf einer Isolierstation behandelt, Kontaktpersonen untersucht und gegebenenfalls auch isoliert. Da es sich um eine virale Erkrankung handelt können nur die Symptome therapiert werden, in erster Linie also Fieber, Schmerzen, Flüssigkeits-, Mineralien- und Blutverlust oder Gerinnungsstörungen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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