0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
Mo-Fr 8-18 Uhr  
 
Zur Übersicht
medicine 2.0

Impotenz, Potenzstörung

Der Begriff Impotenz umfasst unterschiedliche Störungen in den sexuellen Funktionen.

Häufig überschneiden sich mehrere dieser Probleme. Besonders auffällig ist eine nicht ausreichende Erektion, was man oft ausschliesslich unter dem Begriff der Impotenz versteht. Da in einer sexuellen Beziehung die Erektion vielfach als „Qualitätsmerkmal“ betrachtet wird, kommt dieser Störung ein hoher psychologischer Stellenwert zu.
Dass der Geschlechtsverkehr hin und wieder „nicht klappt“ oder unbefriedigend verläuft (unabhängig vom Alter), ist normal und betrifft beide Geschlechter.

Begriffserklärungen

Erektionsstörung:

(erektile Dysfunktion): ausbleibende, zu schwache oder verzögerte Versteifung des Glieds.

Zeugungsunfähigkeit, Infertilität::

Die Samenzellen sind nicht in genügender Zahl vorhanden und/oder können die Eizelle aus unterschiedlichen Gründen nicht befruchten.

Libido:

sexuelles Interesse.

Impotenz bei der Frau::

Dieser selten gebrauchte Ausdruck bezieht sich auf fehlende Libido und die Unmöglichkeit, einen Orgasmus zu erleben (Anorgasmie).

Ursachen und Risikofaktoren

Die einzelnen Formen der Impotenz haben unterschiedliche psychische oder organische Ursachen, und nicht selten liegen mehrere Gründe gleichzeitig vor. Lange ging man davon aus, dass fast ausschliesslich psychische Einflüsse Ursache einer Impotenz seien. Heute hat man erkannt, dass organische Störungen nahezu ebenso häufig sind. Oft überlagern sich organische und psychische Komponenten.

Psychische Ursachen und Risikofaktoren

Plötzliches oder vereinzeltes Auftreten einer inkompletten, nur kurz dauernden Erektion oder momentane Lustlosigkeit sprechen für eine psychische Ursache:

  • Leistungsdruck, Stress und Müdigkeit. Alkohol im Übermass. „Alkohol stimuliert das Wollen, aber tötet das Können“.
  • Störende Umgebung, Zeitmangel, Ablenkung.
  • Probleme in der Partnerschaft.
  • Depression, Selbstzweifel.
  • Wenn das Selbstverständnis des Mannes die Männlichkeit mit Potenz gleichsetzt („ein richtiger Mann kann immer“), ergibt sich oft ein Teufelskreis. Angst vor ungenügender Erektion kann bewirken, dass gerade dieses befürchtete Ereignis tatsächlich eintritt.

Organische Ursachen und Risikofaktoren

Wenn die Erektion allmählich schwächer wird oder wiederholt gänzlich ausbleibt, ist eine organische Ursache zu vermuten.

  • PADAM oder „partielles Androgendefizit des alternden Mannes“: Die verminderte Produktion von männlichem Geschlechtshormon in den Hoden äussert sich einerseits als nachlassendes sexuelles Interesse (ein psychische Faktor), andererseits bestehen organische Rückbildungsvorgänge, die zu schwächerer oder ausbleibender Erektion führen. Für diesen Prozess hat sich auch der Begriff des männlichen Klimakteriums (Klimakterium virile) eingebürgert.
  • Andere hormonale Störungen: Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Nebennierenerkrankung (Cushing-Syndrom).
  • Arteriosklerose, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislaufkrankheiten.
  • Beeinträchtigung oder Ausfall von Nervenimpulsen, welche die Erektion steuern:
    • Nach Operationen im Beckenbodenbereich (Prostata, Mastdarm, Blase).
    • Bandscheiben- und Rückenmarkserkrankungen oder Verletzungen.
    • Multiple Sklerose.
  • Zuckerkrankheit.
  • Leber- oder Nierenkrankheiten, andere chronische Krankheiten.
  • Medikamente: Beruhigungs- und blutdrucksenkende Mittel wie Tranquilizer und Beta-Blocker, Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva), einige Appetitzügler und viele andere.
  • Nikotin-, Drogen- und Alkoholmissbrauch, chronische Vergiftungen.
  • Missbildung des Penis; angeborene oder erworbene Störung der Blutzirkulation in den Venen der Schwellkörper.

 

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Alkohol, Nikotin und Schlafmangel sind vermeidbare Störfaktoren. Schwieriger ist es mit dem Vermeiden von Stress, Leistungsdruck und Versagensängsten.
  • Häufige und massive Selbstbefriedigung kann sich bei beiden Geschlechtern ungünstig auswirken, wenn in der Folge beim normalen Geschlechtsverkehr die mechanische Stimulierung als ungenügend empfunden wird.
  • Mit dem Hausarzt, Urologen, mit der Partnerin oder mit Freunden über das Problem sprechen.

Wann braucht es den Arzt

Die Behandlung organischer Grundkrankheiten liegt in der Hand des Arztes. In vielen urologischen Abteilungen gibt es Sprechstunden für Männer mit Potenzstörungen. Die Partnerin sollte bei Entscheidungen zu einer Therapie mit einbezogen werden, ist doch die Impotenz ein Problem, das beide Partner anbelangt.

  • Der Arzt klärt ab, ob stimulierende Medikamente in Tablettenform geeignet sind. Solche Substanzen können beim Vorliegen bestimmter Krankheiten gefährliche Nebenwirkungen haben. Vorsicht ist generell bei älteren Männern geboten und insbesondere bei Herz-Kreislauferkrankungen oder Beeinträchtigung der Leber- und Nierenfunktion. Fälle von tödlichem Blutdruckabfall und von Herzrhythmusstörungen sind bekannt geworden, so dass vor Einnahme dieser Medikamente eine ärztliche Kontrolle unerlässlich ist.
  • Erektionsfördernde Medikamente gibt es ausserdem in Form von Injektionen.
  • Mechanische Hilfsmittel sind ebenfalls erhältlich.
  • Sexualmedizinische, psychologische oder psychiatrische Betreuung.
  • Operative Methoden: Sie sollten wegen des unsicheren Erfolgs und der Gefahr von Komplikationen nur in Betracht gezogen werden, wenn andere Mittel versagt haben.

 

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.