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Keuchhusten

Fachbegriff: Pertussis

Keuchhusten ist eine akute, sehr ansteckende, bakterielle Infektionskrankheit. Er tritt in jedem Lebensalter auf, mehrheitlich aber bei Kindern unter fünf Jahren. Charakteristisch sind krampfartige Hustenanfälle mit keuchender Einatmung. Bei älteren Menschen verläuft die Krankheit allerdings oft nicht typisch und ähnelt eher einer Bronchitis, was zu Verwechslung Anlass geben kann.

Anfang des letzten Jahrhunderts war Keuchhusten auch in Westeuropa noch weit verbreitet und forderte zahlreiche Todesopfer. Seit Verfügbarkeit der Impfung (Mitte des 20. Jahrhunderts) gibt es jedoch in diesen Regionen nur noch gelegentlich Epidemien.

In der Schweiz ereignete sich eine solche noch 1994/95 mit ca. 46‘000 Erkrankten. Danach nahm die Anzahl registrierter Fälle kontinuierlich ab, und lag gemäss Angaben des BAG zwischen 2006-2010 bei durchschnittlich 4000 Fällen pro Jahr.
Seit 2010 ist wieder eine steigende Tendenz zu verzeichnen. 2012 wurden sogar 7200 Fälle gemeldet, was fast einer Verdoppelung der Anzahl im Vergleich zu 2011 darstellt. Da es sich um eine speziell für Säuglinge potentiell gefährliche Krankheit handelt, haben das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) Anpassungen in diesem Bereich vorgenommen.
Die meisten Komplikationen und Todesfälle treten bei Säuglingen oder Kleinkindern unter einem Jahr auf und gemäss Spitalstatistik erkranken auch derzeit in der Schweiz pro Jahr noch mindestens 50 Kinder so schwer, dass sie wegen Keuchhusten ins Spital eingewiesen werden müssen. In den letzten 15 Jahren wurden 4 keuchhustenbedingte Todesfälle gemeldet.

Begriffserklärungen

Bronchien:

Äste der Luftröhre nach deren Aufgabelung, tiefe Atemwege. Durch die Bronchien gelangt die Luft zu den Lungenbläschen (Alveolen). Adjektiv: bronchial.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Inkubationszeit:

Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.

Sekret:

Flüssigkeit, die von Drüsen abgegeben wird. Beispiele: Schleim in Atemwegen (Nase, Rachen, Bronchien), Bauchspeicheldrüsensekret.

Sputum:

Auswurf, Sekret, das aus den Atemwegen abgehustet wird und verschiedene Substanzen enthält (Zellen, Staubpartikel, Bakterien).

Toxin:

Giftige Substanz, die von Krankheitserregern, Pflanzen oder Tieren gebildet wird. Adjektiv: toxisch.

Tröpfcheninfektion:

Übertragung von Krankheitserregern über den „Luftweg“, also durch Sprechen, Husten oder Niesen.

Ursachen und Risikofaktoren

Krankheitserreger ist das Bakterium Bordetella pertussis, das durch Tröpfcheninfektion von Infizierten übertragen wird. Einziges Erregerreservoir ist der Mensch. Die Bakterien produzieren ein Toxin, das es ihnen ermöglicht, sich an den Schleimhäuten der Atemwege, insbesondere der Bronchien, anzuheften, sich dort zu vermehren und Zellen zu schädigen. Folge der Entzündung und Reizung sind vermehrte Schleimproduktion und Hustenanfälle.

Ab Beginn der ersten Symptome und während längerer Zeit des zweiten Krankheitsstadiums scheiden infizierte Menschen Bakterien aus und können Kontaktpersonen anstecken.

Eine Erkrankung ist möglich, auch wenn im Kindesalter gegen Pertussis geimpft wurde, dann nämlich, wenn die Immunität oder der Impfschutz nachgelassen hat. Säuglinge sind während der ersten Lebenswochen nicht durch mütterliche Antikörper vor Keuchhusten geschützt, dies im Gegensatz zu manchen anderen Infektionskrankheiten

Das Krankheitsbild

Die Inkubationszeit beträgt eine bis zwei (maximal drei) und die durchschnittliche Erkrankungsdauer sechs Wochen (drei Wochen bis drei Monate, gelegentlich sogar noch länger). Der überstandene Keuchhusten hinterlässt eine Immunität gegen Zweiterkrankungen, die jedoch nicht lebenslang anhält.

Die Krankheit verläuft typischerweise in drei Stadien:

  • Katarrhalisches Stadium: Es dauert bis zu 14 Tage und beginnt schleichend mit Schnupfen, Niesen, Abgeschlagenheit, Bindehautentzündung und uncharakteristischem Husten. Fieber ist selten. Von einer banalen Erkältung ist dieses Stadium nicht zu unterscheiden.
  • Stadium der Hustenkrämpfe: Das sog. Stadium convulsivum dauert normalerweise zwei bis sechs Wochen (vereinzelt bis 20 Wochen). Der Husten ist explosiv, stakkatoartig und kommt anfallsweise, häufiger nachts als tagsüber. Typisch ist ein Hinausstrecken der Zunge während der Attacken. Nach mehreren Hustenstössen kommt es oft sekundenlang zu Atemstillstand, unter zunehmender Luftnot wird das Gesicht bläulich und am Hals stauen sich deutlich erkennbar die Venen. Schliesslich erfolgt eine forcierte, pfeifende oder keuchende Einatmung. Die Hustenanfälle wiederholen sich in kurzen Abständen so dass kaum genug Zeit zum Atemholen bleibt. Am Ende einer Attacke wird zäher Schleim ausgespuckt und nachfolgendes Erbrechen ist häufig.
    Der während der Hustenanfälle explosiv gesteigerte Druck in den Venen führt zu aufgedunsenem Gesicht, geschwollenen Lippen und Augenlidern und zu Blutungen unter der Bindehaut der Augen.
    Bei Säuglingen fehlt der typische Husten manchmal, an dessen Stelle treten dann lebensgefährliche Atempausen (Apnoe).
  • Stadium der Genesung: Das sog. Stadium decrementi dauert nochmals einige Wochen (bis zu sechs, gelegentlich länger). Die Symptome lassen allmählich nach. Häufigkeit und Intensität der Hustenanfälle verringern sich, können sich aber sporadisch noch monatelang wiederholen.

Bei älteren Menschen verläuft die Krankheit meist atypisch und ähnelt eher einer chronischen Bronchitis, bei Säuglingen und Kleinkindern ist Keuchhusten immer ernst zu nehmen.

Komplikationen

Folgenschwere Komplikationen verschlechtern die Prognose.

  • Bronchitis, Lungenentzündung, Lungenemphysem (Lungenüberblähung).
  • Mittelohrentzündung.
  • Krampfanfälle, selten Hirnentzündung, bei Säuglingen oder Kleinkindern vereinzelt Hirnblutung. Es bestehen dann starkes Kopfweh, Lähmungen, Nackenstarre, Benommenheit oder Bewusstseinsverlust.
  • Im Zusammenhang mit Keuchhusten auftretende Masern sind bei Kleinkindern eine besonders gefürchtete Kombination.
  • Atemstillstand (Apnoe), der tödlich enden kann.

Was man selbst tun kann

Säuglinge und Kleinkinder, die erst ein- oder zweimal geimpft sind, müssen von Keuchhusten-Patienten auf jeden Fall ferngehalten werden.

 

  • Überwachen der Atemfunktion.
  • Ruhige, abgedunkelte Atmosphäre im Zimmer, Luftbefeuchtung, zum Beispiel mit feuchter Wäsche.
  • Die schweren Hustenanfälle führen zu Atemnot, die grosse Angst auslösen kann. Kinder brauchen in dieser Zeit viel Aufmerksamkeit und eine ruhige Atmosphäre.
  • Spaziergänge an der frischen Luft.
  • Häufige kleine Mahlzeiten, um Reizungen des Rachens möglichst zu reduzieren; viel trinken.
  • Wirkungslos bleiben gewöhnlich hustenstillende oder schleimlösende Medikamente.

Wann braucht es den Arzt

Keuchhusten bedarf bei Kindern unter zwei Jahren immer ärztlicher Behandlung. Verdacht ergibt sich, wenn Husten länger als eine Woche anhält und sich andere Gründe wie Asthma oder Bronchitis ausschliessen lassen. Die Sterblichkeit ist im Säuglingsalter am höchsten und die Einweisung ins Kinderspital unerlässlich.

Die Diagnose wird gestellt aufgrund der Symptome, mittels Blutuntersuchungen oder durch den Bakteriennachweis in Sekretproben (Abstrich von Rachen oder Nase).

Die Therapie besteht in der Gabe von Medikamenten zur Linderung der Symptome sowie Antibiotika. Letztere bezwecken die Verkürzung der Krankheitsdauer, das Vorbeugen von Komplikationen und die Reduktion der Ansteckungsgefahr für Mitmenschen. Auch werden Antibiotika prophylaktisch bei Personen eingesetzt, die mit Erkrankten Kontakt hatten, insbesondere zum Schutz von Säuglingen oder abwehrgeschwächten Patienten (z.B. mit chronischen Herz- oder Lungenkrankheiten).

Vorbeugen

Kinder werden im ersten Lebensjahr dreimal im Alter von 2, 4 und 6 Monaten geimpft, zusammen mit der Diphtherie- und Tetanusimpfung (DTP-Impfung). Eine Auffrischimpfung ist im 2. Lebensjahr nötig, eine weitere mit 4 bis 7 Jahren. Seit dem Jahr 2013 wird eine zusätzliche Auffrischimpfung bei Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren im Rahmen der Diphterie-und Tetanus-Impfung empfohlen, da sie nach den jüngeren Kindern am häufigsten von Keuchhusten betroffen sind.

Zudem wird seit 2012 auch eine Auffrischimpfung für junge Erwachsenen empfohlen, welche zwischen 25 und 29 Jahren alt sind, sowie allen Personen, die regelmässig Kontakt zu Säuglingen unter 6 Monaten haben und deren letzte Impfung mehr als 10 Jahre zurück liegt.

Neu wird auch angeraten Schwangere im 2. und 3. Trimenon, deren letzte Keuchhusten-Impfung mehr als 5 Jahre zurückliegt, zu impfen. Für Säuglinge, die bereits vor dem 5. Lebensmonat eine Betreuungseinrichtung (Krippe, Tagesmutter etc.) besuchen, wird ein beschleunigtes Impfschema mit je einer Impfdosis im Alter von 2,3 und 4 Monaten empfohlen.

Die Impfung verhindert den Keuchhusten nicht mit Sicherheit, aber im Fall einer Erkrankung ist der Verlauf deutlich weniger schwer. Der Impfschutz lässt allmählich nach, deshalb können auch in der Kindheit geimpfte Erwachsene erkranken.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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