0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0

Knochenbruch

Fachbegriff: Fraktur

Wenn ein Knochen mehr belastet wird als es seine Stabilität zulässt, bricht er in zwei oder mehr Stücke oder Fragmente. Am Ort der Fraktur verliert die Knochenstruktur ihren Zusammenhalt. Knochenbrüche lassen sich nach verschiedenen Kriterien beschreiben, die im Folgenden dargestellt werden.

Lokalisation und Schweregrad

Bezogen auf den verletzten Knochen besteht ein Schenkelhals-, Unterarm-, Wirbel-, Zehenbruch usw. Verallgemeinernd spricht man nur vom verletzten Körperteil: Beinbruch, Handbruch.

Unkompliziert nennt man eine einfache geschlossene Fraktur.

Komplizierte Frakturen sind zum einen offene Brüche, bei denen Knochenstücke in einer Haut- und Weichteilwunde frei liegen. Es besteht Infektionsgefahr für den Knochen und die umgebenden Strukturen. Oft sind solche Frakturen kombiniert mit Blutgefäss-, Nerven- oder Gelenksverletzungen. Des Weiteren werden Mehrfragmentfrakturen als kompliziert bezeichnet, bei denen – wie der Name sagt – der Knochen in mehr als zwei Stücke zerborsten ist (Trümmer-, Stückfrakturen).

Frakturform

Aufschluss über die verschiedenen Formen gibt erst das Röntgenbild: Quer-, Schräg-, Längs-, Spiralfraktur, Mehrfragmentfrakturen (dazu gehören auch T- oder Y-Typen), komplette- oder Teilfraktur (blosser Anriss), Kompressionsfraktur, (Abbildungen).

53-untsf
52-untsf
55-untaf
44-wirfr

Fehlstellung, Dislokation

Dislokation heisst Verschiebung der einzelnen Bruchstücke gegeneinander. Dislokation bewirkt eine manchmal von blossem Auge sichtbare Verkürzung, eine Verdrehung oder eine Achsenabweichung am verletzten Körperteil.

Ursachen, Frakturmechanismen

  • Direkte Fraktur: Der Knochen bricht direkt am Ort der Gewalteinwirkung: Ein alter Mensch stürzt seitlich auf die Hüfte und erleidet einen Schenkelhalsbruch; eine Stossstange prallt gegen den Unterschenkel und schlägt diesen entzwei; ein Stein fällt auf den Schädel und verursacht eine Fraktur.
    Durch die unmittelbar einwirkende Gewalt ist über der Bruchstelle die Haut oft gequetscht oder zerrissen (offene Fraktur) und es bestehen weitere Weichteilschäden.
  • Indirekte Fraktur: Kommt es zum ruckartigen Verdrehen eines Fusses, etwa bei einem Skisturz mit blockierter Bindung, überträgt sich das Drehmoment oberhalb des Schuhrandes auf den Unterschenkelknochen. Dieser bricht an einer Stelle, die fern liegt vom Punkt, wo die Kraft angesetzt hat. Ähnliches gilt bei gewaltsamem Verdrehen eines Arms. Die Weichteile über dem Frakturbereich bleiben in der Regel unverletzt.
  • Pathologische Fraktur: Ein durch krankhafte Vorgänge geschwächter Knochen ist ungewöhnlich frakturanfällig. Schon ein geringfügiges Trauma – das ein gesunder Knochen schadlos verkraften würde – zieht dann eine sog. pathologische Fraktur nach sich. Im Extremfall geht der Stabilitätsverlust so weit, dass der Bruch ohne jede Krafteinwirkung anlässlich einer alltäglichen Bewegung auftritt, wie zum Beispiel beim Drehen im Bett. Dieses Ereignis bezeichnet man als Spontanfraktur.
    Ursachen einer pathologischen Fraktur sind Knochenerkrankungen wie Osteoporose, Knochenkrebs oder Knochenmetastasen, also Ableger bösartiger Tumore.
  • Ermüdungsfraktur: Sie entsteht aufgrund stetig wiederholter, gleichförmiger Belastung an gleicher Stelle. Ein bekanntes Beispiel ist die schleichend einsetzende „Marschfraktur“ eines Mittelfussknochens bei untrainierten Rekruten.

Wie erkennt man einen Knochenbruch

  • Schmerz, Schwellung und Bluterguss.
  • Funktionsverlust, Bewegungseinschränkung oder -unfähigkeit des betroffenen Körperteils, Schonhaltung.
  • Fehlstellung oder abnorme Lage des Knochens, wie Verdrehung, Achsenabknickung, Verkürzung.
  • Stabilitätsverlust und unnatürliche Beweglichkeit. Dieses Kriterium ist das einzige sichere Zeichen einer Fraktur. Die übrigen Symptome findet man teils auch bei Verstauchung und Luxation von Gelenken.

Komplikationen

  • Begleitverletzungen von Haut (offene Fraktur) und tieferen Strukturen (Muskeln, Blutgefässe, Nerven) sind bei direkten Frakturen nicht selten. Die Begleitverletzungen stellen für die Therapie bisweilen ein grösseres Problem dar als der Knochenbruch selbst
  • Mitbeteiligung des Gelenks: Es kann eine Knochenstufe innerhalb des Gelenks zurückbleiben. Dieses ist dann nicht mehr voll funktionstüchtig und die Knorpelflächen werden vermehrt und ungleichmässig abgenützt, was zur Arthrose führt. Daneben sind oft weitere Gelenkbestandteile wie Kapsel oder Bänder beschädigt. Frakturen, die in ein Gelenk hinein reichen, werden deshalb in der Regel operiert.
  • Kreislaufschock droht durch massiven Blutverlust bei Frakturen grosser Knochen wie Becken oder Oberschenkel. Ist die Haut nicht verletzt, erfolgt die Blutung ins umliegende Gewebe oder Körperinnere und es entstehen ausgedehnte Blutergüsse.
  • Fettembolie: Eine Embolie durch Fetttropfen verläuft bei Frakturen kleiner Knochen gewöhnlich unbemerkt, kann jedoch bei Verletzung grosser Knochen zu akuter Atemstörung oder Bewusstseinstrübung führen (Fettemboliesyndrom der Lungen und des Gehirns).
  • Infektionen: Bei offenen Frakturen besteht Infektionsgefahr.
  • Beeinträchtigung des Knochenwachstums kommt vor bei Frakturen im Kindesalter, wenn die Wachstumszone eines Knochens durch den Bruch verletzt wird.

Was man selbst tun kann – erste Massnahmen

  • Die Bruchstelle möglichst nicht bewegen. Den verletzten Körperteil stabil lagern und ruhig stellen. Eine vom Patienten automatisch angezogene oder gebeugte Extremität (Arm, Bein) mit Polstermaterial abstützen.
  • Zuverlässige Ruhigstellung erfordert eine Fixation über das darunter und das darüber liegende Gelenk hinaus. Als Schiene dienen im Notfall Holzlatten oder fester Karton, zum Befestigen Verbandstoff oder ein Halstuch (Abbildung). Mögliche Druckstellen unter der Behelfsschiene muss man gut polstern. Der Arm lässt sich ruhig stellen, indem man ihn am Oberkörper fixiert (Abbildung).
Beinschiene_3
Armschling
  • Die Wunde bei offenem Knochenbruch abdecken – steril, sofern möglich.
  • Den Patienten warm halten, zudecken; Bruchstelle kühlen.
  • Bei Schock oder Schockgefahr: Patient flach hinlegen, allenfalls die Beine etwas hochlagern.
  • Bei Verdacht auf Becken- oder Wirbelfraktur: Den Verunfallten nur bewegen, um ihn aus einer unmittelbaren Gefahrenzone zu bringen, oder wenn dies für lebensrettende Sofortmassnahmen nötig ist.
  • Rettungsdienst, Notfallarzt alarmieren.

Frakturen bestimmter Knochen

Zu einzelnen Frakturen finden sich ausführliche Beschreibungen unter den Stichworten:

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.