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medicine 2.0

Knochenkrebs

Unterform: Osteosarkom und Chondrosarkom

In allen Teilen des Skelettsystems kann sich eine Knochengeschwulst (Tumor) bilden. Unterschieden werden gutartige und bösartige sowie unter Letzteren primäre und sekundäre bösartige Tumore. Primäre bösartige entstehen im Knochen- oder Knorpelgewebe selbst, sekundäre dagegen gehen nicht vom Knochengewebe aus, sie sind Ableger von Krebserkrankungen anderer Organe, Metastasen.

Bösartige primäre Knochentumore machen weniger als 1% aller Krebserkrankungen aus. Sie sind also insgesamt selten und treten vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen auf. Gutartige Knochentumore sind häufiger, aber längst nicht immer ungefährlich. Im Folgenden geht es jedoch um Knochenkrebs.

Ursachen

Die Ursachen der primären Tumore sind unklar, sowohl der gut- als auch der bösartigen. Insbesondere bei Letzteren erhöhen genetische Faktoren, Strahlenexposition, die Behandlung mit Chemotherapeutika und Umweltbedingungen das Erkrankungsrisiko.

Knochenmetastasen sind Tochtergeschwülste einer anderweitigen Krebskrankheit. Sie entstehen, indem Tumorzellen über die Blutbahn ins Skelett verschleppt werden, was auch erklärt, dass Metastasen oft in Vielzahl und an unterschiedlichen Stellen auftreten. Knochenmetastasen kommen mehrheitlich in der Folge von Brust-, Prostata-, Lungen-, Schilddrüsen- und Nierenkrebs vor und sind deshalb überwiegend in der 2. Lebenshälfte zu finden.

Einteilung und Charakteristika

Primäre Knochentumore (Knochenkrebs)

Sie haben ihren Ursprung im Knochengewebe selbst oder im Knochenmark. Der Gruppe zuzuordnen sind auch Tumore, die ursprünglich als gutartig befunden wurden, später aber zu Krebs entarteten. Dies kann nach Jahren oder Jahrzehnten geschehen und die Bildung von Metastasen ist dann möglich.
Das Tumorwachstum erfolgt unter drei Aspekten:

  • Knochenneubildung: Durch überschiessende Vermehrung von Zellen entsteht eine strukturlose Tumormasse, welche minderwertigen, unregelmässig verkalkten Knochen (Osteoid) bildet.
  • Knochenauflösung: Der Tumor ersetzt die normale Knochenstruktur, es kommt zur so genannten Osteolyse (Knochenauflösung).
  • Metastasierung: Primäre Knochentumore sind in der Lage, auf dem Blut- oder Lymphweg Metastasen in andere Organe auszusenden, überwiegend in die Lungen.

Am häufigsten ist das Osteosarkom. Weil die Wachstumszonen der Röhrenknochen und damit die Gegend intensivster Zellteilung in Gelenknähe liegen, treten die Tumore auch bevorzugt in Gelenknähe des wachsenden Skeletts auf. In der Hälfte aller Fälle bildet sich ein Osteosarkom im Kniebereich des Oberschenkel- oder Unterschenkelknochens und es kommt vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen vor, mit dem Häufigkeitsgipfel im 2. Lebensjahrzehnt.
Die Metastasierung erfolgt schon im Frühstadium, so dass anlässlich der Diagnose in vielen Fällen bereits Metastasen bestehen.

Der zweithäufigste Knochenkrebs ist das sog. Ewing-Sarkom, das vom Knochenmark ausgeht und bevorzugt am Schaft langer Röhrenknochen beobachtet wird, aber auch in jedem anderen Knochen vorkommen kann. Meist sind 10 bis 15 Jährige betroffen.

Beim so genannten Chondrosarkom, besteht die Tumormasse hauptsächlich aus Knorpelgewebe. Diese Krebsform tritt überwiegend im Alter um 30 Jahre und nach dem 50. Lebensjahr auf; sie bevorzugt den Becken- und den Oberschenkelknochen sowie die Schulterregion.

Sekundäre Knochentumore

Metastasen im Knochengewebe sind bedeutend häufiger als primärer Knochenkrebs. Da diese Tumorzellen nicht vom Knochengewebe abstammen, handelt es sich nach WHO-Definition jedoch nicht um Knochenkrebs im engeren Sinn.
Einige Krebsarten metastasieren spät in Knochen, andere früh, bisweilen noch bevor der ursprüngliche Krankheitsherd sich bemerkbar macht. Schon kleine Bronchial-, Prostata- oder Mammakarzinome (Brustkrebs) können metastasieren.

Symptome

Die Symptome hängen von der Lokalisation der Geschwulst ab, also davon, welcher Knochen wo befallen ist und von der Grösse des Tumors. Generell machen sie sich erst spät bemerkbar. Ausserdem werden die Krankheitszeichen anfänglich oft verkannt und man macht Wachstumsschmerzen, Rheuma oder Verletzungen dafür verantwortlich. In unterschiedlicher Ausprägung finden sich:

  • Spannungsgefühl und Schmerzen im Bereich der Geschwulst: Als besonders typisch gilt Nachtschmerz. Bei Kindern sind Knieschmerzen immer ernst zu nehmen, besonders wenn kein Unfall stattgefunden hat. Harmlose Wachstumsschmerzen gibt es zwar, doch muss – besonders im 2. Labensjahrzehnt – auch an die Möglichkeit einer Knochengeschwulst oder einer rheumatischen Erkrankung (juvenile Arthritis) gedacht werden.
  • Anschwellen oder Verformung von Knochen oder Gelenken.
  • Funktionsstörung benachbarter Gelenke: Bewegungseinschränkung, wenn ein Tumor in Gelenknähe liegt.
  • Entzündung: Manchmal besteht über dem Tumor eine Entzündungsreaktion mit Rötung und Überwärmung der Haut. Fieber ist dagegen selten und hauptsächlich bei schneller Tumorausbreitung zu erwarten.
  • Knochenbruch: Ein durch das Tumorwachstum geschwächter Knochen kann ohne eigentlichen Unfall brechen, schon durch einen leichten Stoss oder ganz ohne äussere Einwirkung, es handelt sich um so genannte pathologische Frakturen oder Spontanfrakturen.
    Wenn zahlreiche Metastasen vorhanden sind, die das Knochenmark verdrängen, kann es zur Anämie („Blutarmut“) kommen.
    Die tumorbedingte Zerstörung von Wirbeln ist meist eine Folge von Metastasen; es besteht das Risiko von Wirbelbrüchen und Rückenmarkverletzung (Querschnittlähmung).
  • Verschlechterung des Allgemeinbefindens und Gewichtsverlust sind Allgemeinsymptome und treten erst spät auf.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Was primäre Knochentumore betrifft, lässt sich keine Empfehlung geben.
Die Prophylaxe von Metastasen besteht im Reduzieren bekannter Risikofaktoren für bestimmte Krebskrankheiten. Anhaltspunkte finden sich in den entsprechenden Texten insbesondere Brust-, Prostata-, Lungenkrebs. Zur Prophylaxe gehören ganz allgemein regelmässige Krebsvorsorge-Untersuchungen, soweit solche angeboten werden.

Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung an für Patienten und deren Angehörige.

Wann braucht es den Arzt

Bei Skelettschmerzen, die auch nachts auftreten oder bei anderen verdächtigen Symptomen ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Patienten mit Knochenmetastasen sind oft wegen der Grundkrankheit bereits in Behandlung. Das Planen der adäquaten Therapie erfordert die Kenntnis von Art, Lage und Ausdehnung des Tumors.

Diagnose

Der Abklärung und dem Erfassen des Stadiums der Tumorausbreitung (Staging) dienen Röntgenbilder, Ultraschall, Computer- und Magnetresonanz-Tomographie (CT und MRT). Sichern lässt sich die Diagnose mittels mikroskopischer Untersuchung einer Biopsie (Gewebeprobe) von Knochen oder Knochenmark sowie mit Bluttests.
Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Nachweismethode. Sie bietet eine Gesamtübersicht des Skeletts und allenfalls anderer Organe und findet überwiegend Anwendung zum Nachweis mehrfacher Metastasen. Selten wird eine Angiographie (Darstellung von Blutgefässen) gemacht.

Die Suche nach dem Herkunftsort von Knochenmetastasen kann aufwändig sein, wenn der Primärtumor noch unbekannt ist.

Therapie

Zur Verfügung stehen Operation, Chemo- und Strahlentherapie. Wie bei jeder Krebskrankheit hängt der Erfolg der Behandlung vom Tumortyp, von der Grösse der Geschwulst und besonders von der frühzeitigen Diagnose ab. In den letzten Jahren konnten die Heilungschancen insgesamt verbessert werden.

  • Im Zentrum steht die operative Entfernung des tumorbefallenen Knochenabschnitts. Wenn durch den Eingriff ein Stück des tragenden Skeletts oder ein Gelenk verloren geht, können aufwändige Rekonstruktionen erforderlich sein, um die Funktion wieder herzustellen. Stichworte dazu sind: Knochentransplantation, Knochenverkürzung, Gelenkprothesen. In seltenen Extremfällen ist eine Amputation unvermeidbar.
  • Chemotherapie vor und nach dem Eingriff stellt bei dafür sensiblen Tumoren eine Ergänzung des Behandlungsspektrums dar. Meist ist eine Kombination verschiedener Verfahren nötig und die Therapie wird an Zentren durchgeführt, die ein dazu spezialisiertes interdisziplinäres Team zusammengestellt haben.
    Andere Medikamente, sog. Biphosphonate, bezwecken die Knochenstabilisierung.
  • Der Bestrahlung kommt beim Osteosarkom ein geringer Stellenwert zu, weil die Tumorzellen oft nicht darauf ansprechen. Bei Knochenmarkstumoren wird sie häufiger angewendet und bei Skelettmetastasen dient die Radiotherapie verschiedentlich der Beseitigung von Schmerzen.

Auch gutartige Tumore werden manchmal operativ entfernt. Bei langsam wachsenden, die nicht die Gefahr eines Knochenbruchs bergen, kann man unter regelmässiger Kontrolle mit einem chirurgischen Eingriff zuwarten.

Weiterführende Informationen, Adressen

 

 

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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