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Kongenitaler muskulärer Schiefhals im Säuglingsalter

Fachbegriff: kongenitaler muskulärer Torticollis (KMT)

Beim kongenitalen (angeborenen) muskulären Torticollis (KMT) kommt es durch eine Verkürzung des Musculus sternocleidomastoideus (Kopfnickermuskel) zu einer Kopffehlstellung der betroffenen Kinder.

Beim Neugeborenen kann diese Fehlstellung bereits sichtbar sein; oder sie manifestiert sich innerhalb des ersten Lebensmonats. Der Kopf ist dabei zu einer Seite geneigt und das Kinn zur anderen Seite gedreht.

Unbehandelt kann es zur Skoliose der Halswirbelsäule, zu Gesichtsskoliose (Asymmetrien im Gesicht) oder zu einem Plagiocepahlus führen.

Bei frühzeitiger Diagnosestellung und Behandlung, hat der muskuläre Schiefhals aber eine gute Prognose.

Begriffserklärungen

Kraniosynostose:

Die Kraniosynostose gehört zu den angeborenen Fehlbildungen. Bei der Kraniosynostose handelt es sich um den vorzeitigen, knöchernen Verschluss einer oder mehrerer Schädelnähte. Dadurch wird das Grössenwachstum des Gehirnschädels beeinträchtigt. Die Entwicklung des Kindes kann ebenso beeinträchtigt sein. Zur Therapie gehört eine Operation am Schädel.

Fibrose:

Vom lateinischen Wort fibra, die Faser. Vermehrung von Bindegewebsfasern. Das davon abgeleitete Adjektiv fibrös bedeutet demnach faserreich.

Genetische Prädisposition:

Dabei handelt es sich um eine erblich bedingt erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass sich eine bestimmte Krankheit entwickeln wird.

Ursachen

Die Ursache für den angeborenen muskulären Schiefhals bei Neugeborenen ist noch nicht eindeutig geklärt und Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Teile des besagten „Kopfnickermuskels“ (Musculus sternocleidomastoideus) werden in Bindegewebe umgewandelt (Fibrose), wodurch es zu einer Verkürzung des Muskels kommt.
Kleinstverletzungen während des Geburtsvorgangs können Durchblutungsstörungen zur Folge haben und somit eine fibrotische Umwandlung begünstigen. Auch ungünstige intrauterine Lagen der ungeborenen Kinder scheinen auf dieselbe Art die Entwicklung eines muskulären Schiefhalses zu begünstigen.

Ausserdem tritt der angeborene muskuläre Schiefhals kombiniert mit anderen Fehlbildungen wie Hüftdysplasien oder Fussdeformitäten (insbesondere Klumpfüssen) gehäuft auf. Die rechte Seite ist zudem häufiger betroffen als die linke Seite.

Risikofaktoren für einen muskulären Schiefhals können die folgenden sein:

  • Assistierte Geburten (Zange, Vakuum)
  • Intrauterine Lageanomalien
  • Genetische Faktoren, genetische Prädisposition

Das Krankheitsbild

Die Kopffehlstellung wird bereits bei neugeborenen Kindern oder im Verlauf des ersten Lebensmonats sichtbar.

Der „Kopfnickermuskel“ ist einseitig fibrös verdickt und dadurch verkürzt. Der Kopf wird in der Folge zur Seite geneigt und das Gesicht zur gesunden Seite hin rotiert.

Der verkürzte Muskel ist oft als derber Strang seitlich am Hals tastbar. Häufig ist zudem im Alter von zwei bis drei Wochen eine knotenförmige Schwellung (Durchmesser 1-3 cm) im Muskel zu ertasten. Die Schwellung ist schmerzempfindlich. Innerhalb des ersten Lebensjahres bildet sich dieser Knoten wieder zurück.

Komplikationen

Wird ein muskulärer Schiefhals nicht oder zu spät therapiert, können bleibenden (irreversiblen) Schäden am Skelett entstehen. Folgende Komplikationen sind möglich

  • Verknöcherte Fehlstellung der Hals- und Brustwirbelsäule (Skoliose)
  • Komplizierte Gesichtsasymmetrien (Augen und Ohren stehen auf unterschiedlicher Höhe)
  • Plagiocephalus
  • Frühzeitige schwere Gelenksarthrose der Halswirbel durch Fehlbelastung der Halswirbelsäule
  • Psychologische und soziale Probleme bedingt durch die Asymmetrien

Was man selbst tun kann

Zurzeit gibt es keine Möglichkeiten einem angeborenen muskulären Torticollis gezielt vorzubeugen.

 

Wann braucht es den Arzt

Die Diagnosestellung muss durch den Arzt erfolgen. Bei einem angeboren muskulären Torticollis sollte so früh wie möglich mit einer Therapie begonnen werden.
Bei frühzeitiger Therapie ist die Prognose sehr gut. Die Mehrheit der Kinder erzielt mit physiotherapeutischen Therapiemassnahmen ein gutes Resultat.

Wird mit der konservativen Therapie keine ausreichende Verbesserung erzielt oder konnte die Therapie nicht früh genug eingesetzt werden, muss allenfalls eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Diese erfolgt vorzugsweise zwischen dem 6. Lebensmonat bis spätestens zum 6. Lebensjahr. Dabei wird der Muskelansatz durchtrennt. Danach muss der Kopf des Kindes für mehrere Wochen ruhiggestellt werden.

Therapie

  • Regelmässige Verlaufskontrollen
  • Gegensinnige Lagerung: Die für das Kind interessanten Reize sollten auf der Gegenseite der Fehlbildung sein, damit sich das Kind aktiv auf die entsprechend Seite bewegen muss (Mobile etc. auf der unbeliebten Seite aufhängen).
  • Das Kind sollte in Seiten- oder Rückenlage und nicht in Bauchlage gelagert werden. Die Bauchlage kann die Situation noch verschlimmern.
  • Physiotherapie und Dehnungsübungen nach Anleitung durchführen

Autoren: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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