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Krampfadern

Fachbegriff: Varizen

Krampfadern oder Varizen sind ausgeweitete Venen, die vor allem an den Beinen Beschwerden verursachen. Weitere Lokalisationen und Erscheinungsbilder sind Hämorrhoiden, selten sind Krampfadern unter der Schleimhaut der Speiseröhre (Ösophagusvarizen).

In Krampfadern der Beine staut sich das Blut und führt zur sichtbaren Überdehnung der Venen, weil die Venenklappen nicht mehr voll funktionsfähig sind. Eine Strömungsverlangsamung oder sogar ein Stillstand der Blutsäule ist eine mögliche Folge. Blut, das nicht fliesst, kann gerinnen und Thromben (Gerinnsel) bilden, die – neben weiterer Strömungsbehinderung – eine lokale Entzündung der Venenwand, eine so genannte Thrombophlebitis auslösen.

Krampfadern lassen sich bei mehr als der Hälfte der erwachsenen Europäer nachweisen. In ihrer Mehrzahl bleiben sie symptomlos oder werden kaum bemerkt. Bei etwa 15 % ist eine Behandlung nötig.

Anatomie

Durch die Venen fliesst das Blut zum Herz zurück. Die vorantreibende Pulswelle fehlt jedoch und der Druck ist bedeutend geringer als in Arterien. Damit das Blut dennoch seinen Weg zurück findet – aus den Beinen sogar gegen die Schwerkraft – kanalisiert im Veneninneren ein Klappensystem den Blutstrom in Einbahnrichtung. Die Sogwirkung des Herzens, die „Massage“ der Venen bei Betätigung der Wadenmuskulatur sowie die Druckveränderungen in Brust- und Bauchraum beim Atmen sind weitere Faktoren, die den Rückfluss des Blutes zum Herzen garantieren. Oberflächliche und tiefe Beinvenen sind durch überbrückende Venen miteinander verbunden.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine angeborene Bindegewebsschwäche (Schwäche der Venenwand oder der Venenklappen) kann zum Auftreten von Krampfadern führen. Ferner wird ihr Entstehen begünstigt durch:

  • Übergewicht oder Adipositas.
  • Lang andauernde stehende oder sitzende Tätigkeit.
  • Hormonal bedingte Auflockerung der Venenwand in der Schwangerschaft.
  • Einschnürende Kleidung (zu enge Jeans).
  • Tumore im Bauchraum.
  • Eine Thrombose, vor allem der tiefen Beinvenen. Sie kann nicht nur Ursache von Varizen sein, sondern auch bereits bestehende Krampfadern weiter ausdehnen.

Das Krankheitsbild

Die Venen sind unter der Haut sichtbar erweitert und geschlängelt; im betroffenen Bein verspürt man Schweregefühl und Müdigkeit. Flüssigkeitsansammlung (Ödem) und damit Schwellung des Beins ist häufig, vor allem gegen Abend. Ödeme entstehen, weil das Blutangebot und damit der Druck in den Venen erhöht sind. In der Folge wird Flüssigkeit durch die Venenwand ins umliegende Gewebe gepresst. Krampfartige Schmerzen treten vor allem nachts auf. In der Regel nehmen die Beschwerden ohne Behandlung im Verlauf von Jahren zu; es handelt sich demnach um ein chronisch fortschreitendes Geschehen.

Besenreiservarizen sind harmlose, geschlängelte, kleine Venenäste an Ober- und Unterschenkel, ausserdem am Fuss. Sie machen in der Regel keine Beschwerden, stören aber kosmetisch.

Komplikationen

  • Thrombosen oberflächlicher oder tiefer Venen, und als deren Folge Venenentzündung, so genannte Thrombophlebitis.
  • Lungenembolie: Die Lungenembolie ist eine gefürchtete Komplikation nach Thrombose besonders der tiefen Beinvenen.
  • Hautveränderungen: bräunliche Verfärbung, Ekzem, Juckreiz, schlecht heilende Wunden, Geschwür (Ulcus cruris).
  • Blutung aus einer geplatzten Krampfader.

Was man selbst tun kann

Beim Vorhandensein von Krampfadern kann man manches selbst beitragen, um die Beschwerden erträglicher zu machen und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern:

  • Genügend und regelmässige Bewegung: Geeignet sind alle Sportarten mit kontinuierlichem Bewegungsablauf wie Wandern, Radfahren und Schwimmen. Ungünstiger sind Tätigkeiten, bei denen der Lauf plötzlich gestoppt wird wie Tennis und Fussball oder bei denen Pressatmung häufig ist wie bei vielen Arten des Krafttrainings.
  • Gezieltes Muskeltraining der Beine, um den venösen Rückstrom zum Herz zu fördern (Entstauung).
  • Kompressionsstrümpfe tragen. Elastische Binden sind weniger geeignet, da der Druck auf die Venen nicht so gleichmässig verteilt wird, und verrutschte Binden einen Stauungseffekt bewirken können.
  • Keine heissen Bäder, keine Wärmetherapie; Wärme zieht Gefässerweiterung nach sich.
  • Die Beine so oft als möglich hochlagern. Liegen ist besser als Sitzen und Stehen.
  • Während der Nacht das Fussende des Bettes höher stellen, um den Rückstrom des Blutes aus den Beinen zu fördern und die Krampfadern zu entlasten. Dazu Holzklötze von 5 bis 8 cm Höhe unter dem Fussende anbringen, so dass das Bettgestell als Ganzes schräg steht; ein Keilkissen unter der Matratze genügt gewöhnlich nicht.
  • Auf Langstreckenflügen besteht ein erhöhtes Thromboserisiko in den Beinvenen, vor allem bei Krampfadern und/oder erheblichem Übergewicht. Es kann sinnvoll sein, schon vor Reiseantritt durch den Arzt das „Blut verdünnen zu lassen“.

Die Wirkung „venenstärkender“ Medikamente ist nicht erwiesen. Einige dieser Mittel lindern eventuell die Symptome, bringen aber die Varizen nicht zum Verschwinden. Die Beschwerden nehmen erfahrungsgemäss nach Abbrechen der Behandlung wieder zu. Entsprechendes gilt für Salben und Cremes.

Wann braucht es den Arzt

Bei ausgedehnten Krampfadern, geschwollenen Beinen und insbesondere bei Unterschenkelgeschwüren sollte eine ärztliche Beurteilung und gegebenenfalls eine Behandlung erfolgen.

Ein Notfall liegt vor, wenn der Unterschenkel oder das Bein in ganzer Länge plötzlich prall anschwillt, Berstungsgefühl und Schmerz verursacht, sich bläulich oder rötlich verfärbt: Es besteht dann der Verdacht auf eine Thrombose im tiefen Venensystem mit dem erheblichen Risiko einer Lungenembolie. Auch gerötete, schmerzhafte Knoten unter der Haut, besonders an den Innenseiten der Beine, sind thromboseverdächtig.

Diagnose

Der Abklärung dienen heute vornehmlich Ultraschallmethoden (Farbduplexsonographie, Dopplersonographie) und die Magnetresonanztomographie (MRT), selten noch das Kontrastmittelröntgen, die so genannte Phlebographie.

Therapie

  • Konservative Behandlung: Weitgehend deckungsgleich mit den unter „Was man selbst tun kann“ angeführten Punkten, eventuell ergänzt durch Antikoagulation („Blutverdünnung“) als Thromboseprophylaxe. Auch nach Veröden oder Operation ist oftmals ein Weiterführen der konservativen Therapie angezeigt, um einem Wiederauftreten von Varizen entgegenzuwirken.
  • Verödung („Sklerosierung“, Sklerotherapie): In die Krampfader wird ein Medikament injiziert, das im Innern der Vene einen lokalen Entzündungsreiz auslöst und dadurch das Verkleben der Gefässwände bewirken soll. Der Eingriff erfolgt ambulant in der Praxis, ein dauerhafter Erfolg ist teils ungewiss. Zudem erschweren wiederholte Verödungen eine später doch noch nötige Operation.
  • „Klassische“ Operation: Sie beruht auf der chirurgischen Entfernung der Varizen. Der Eingriff ist ambulant durchführbar (vor allem wenn nur ein Bein behandelt wird) oder mit kurzem Spitalaufenthalt (bei Behandlung beidseitiger, ausgedehnter Varizen). Langstreckige Varizen werden an einem Stück herausgezogen (Stripping), kleine oberflächlich gelegene mit feinen Häkchen (Häkchenmethode).
  • Minimal-invasive Operationsverfahren: Die ausgeweiteten Venen bleiben wie bei der Sklerosierung an Ort, werden aber von innen her zerstört, so dass unsichtbares Narbengewebe zurückbleibt. Laufend werden neue Techniken vorgestellt, die zum Teil ihre Wirksamkeit noch beweisen müssen.
    • Closure-Verfahren: Mittels einer in die Krampfader eingeführten Sonde wird die Venenwand von innen mit Radiowellenenergie erhitzt und dadurch gewissermassen „verlötet“. Die Schmerzen sind bedeutend geringer als nach einer Operation, es gibt auch weniger Blutergüsse.
    • Lasertherapie: Zerstörung der Venenstämme „von innen“ durch Hitze wie beim Closure Verfahren. Besenreiservarizen lassen sich durch die Haut mit dem Laser beseitigen Mögliche Komplikationen sind Verfärbungen der Haut und Entzündungen.

Vorbeugen

  • Sportliche Betätigung regt den Kreislauf an, kräftigt die Muskulatur und fördert dadurch die Blutzirkulation in den Venen.
  • Übergewicht, langes Stehen oder Sitzen vermeiden und zwischendurch immer wieder ein paar Schritte gehen, Treppen steigen, die Beinmuskulatur anspannen („Venenmassage“)
  • Häufiges Hochlegen der Beine, besonders in der Schwangerschaft.
  • Zu enge Kleidung (Jeans) und abschnürenden Bund an Strümpfen sowie Schuhe mit hohen Absätzen meiden.
  • Wassertreten, kalte Güsse.

Weiterführende Informationen, Adressen

  • Schweizerische Herzstiftung
    Schwarztorstrasse 18
    3000 Bern 14
    Telefon: 031/ 388 80 80
    www.swissheart.ch
    info@swissheart.ch

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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