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Kropf, Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion

Fachbegriffe: Struma, Hypothyreose und Hyperthyreose

Kropf oder Struma bedeutet Vergrösserung der Schilddrüse.

  • Auf die Funktion als Hormondrüse bezogen sind zwei unterschiedliche Störungen bekannt: bei Überfunktion produziert die Drüse zu viel Hormon; arbeitet sie zu träge (Unterfunktion), resultiert ein Mangel an Schilddrüsenhormon.
  • Vergrösserung: Sowohl Über- als auch Unterfunktion können mit einem Kropf verbunden sein. Schliesslich gibt es Vergrösserungen einer normal funktionierenden Schilddrüse, früher eine häufig vorkommende Reaktion auf Jodmangel in der Nahrung.

Der feingewebliche Aufbau einer Struma entspricht in der Regel einer gutartigen Gewebsvermehrung. Schilddrüsenkrebs kommt vor, ist aber selten.

Früher war der „Jodmangelkropf“ im schweizerischen Voralpenraum weit verbreitet, besonders im Napfgebiet und im Appenzell. Jodmangel im Wasser und in der Nahrung hatte Hormonmangel zur Folge, und der Organismus versuchte, diesen mit einer Drüsenvergrösserung wettzumachen.

Seit 1925 wird in der Schweiz das Speisesalz mit einem Jodzusatz versehen. Seither ist die Kropfhäufigkeit massiv zurückgegangen. In Deutschland gibt es jedoch in einigen Regionen noch eine erhebliche Anzahl Fälle und die WHO schätzt, dass weltweit noch mehrere Millionen Menschen eine Jodmangelstruma haben.

Anatomie und Funktion

Die Schilddrüse liegt am Hals unterhalb des Kehlkopfs und produziert die Hormone Thyroxin (T4) und in geringerer Menge andere Hormone (T3, Trijodthyronin, und Calcitonin). Diese werden in die Blutbahn abgegeben und spielen eine wichtige Rolle für Stoffwechselvorgänge.

T4 und T3 enthalten Jod, zur Herstellung benötigt die Drüse demzufolge dieses chemische Element in ausreichender Menge. Gesteuert werden die T4- und die T3-Produktion durch ein Hormon der Hypophyse, das TSH.

Ursachen und Risikofaktoren

Schilddrüsenvergrösserung, Kropf, Struma

Die Ursache der bei uns noch sporadisch auftretenden Strumen und der wenigen Fälle von Schilddrüsenkrebs ist weitgehend ungeklärt. Teils unabhängig von einer Vergrösserung der Drüse sind die nachfolgend beschriebenen Funktionsstörungen.

Schilddrüsenunterfunktion

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion wird heute dank der Untersuchung aller Neugeborenen rechtzeitig erkannt und behandelt. Unbehandelt würde so genannter Kretinismus entstehen, ein Rückstand der körperlichen und geistigen Entwicklung.

Erworbene Unterfunktion ist Folge von Operation oder chronischer Entzündung der Schilddrüse, von medikamentöser Therapie, Radiojodbehandlung oder einer Autoimmunkrankheit. Bei letzterer bildet der Organismus Autoantikörper („Abwehrstoffe“) gegen eigenes Gewebe, in diesem Fall gegen Zellbestandteile der Schilddrüse. Bisweilen spielen auch genetisch bedingte Faktoren eine Rolle, manchmal bleibt die Ursache unklar.

Schilddrüsenüberfunktion

Verschiedene Ursachen können zu einer Überfunktion führen, also zu einem Überschuss an Schilddrüsenhormon. Am häufigsten sind die Basedow-Krankheit und die so genannte funktionelle Autonomie sowie eine Entzündung des Schilddrüsengewebes.

  • Die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow), eine spezielle Form der Schilddrüsenüberfunktion, wird durch autoimmune Vorgänge (s. oben bei Schilddrüsenunterfunktion) ausgelöst. Ein Kropf ist typischerweise vorhanden, selten fehlt er.
  • Bei der funktionellen Autonomie bildet die Schilddrüse als Ganzes oder produzieren einzelne ihrer Anteile (autonome Knoten) selbständig ein Übermass an Hormonen. Es wird angenommen, dass auch erbliche und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Sowohl Jodmangel als auch ein zu hohes Angebot an Jod (in Medikamenten, seltener Nahrung) können die Krankheit mit verursachen.

Das Krankheitsbild

Sichtbare Vergrösserung der Schilddrüse: Kropf, Struma

Das Organ kann symmetrisch, aber auch asymmetrisch vergrössert sein, mit oder ohne tastbaren oder sogar sichtbaren Knoten. Bei ausgeprägter Vergrösserung drückt die Gewebsmasse auf Speise- und Luftröhre, was zu einem verschleimten Hals oder zur Behinderung beim Schlucken fester Nahrung führen kann – der Brocken bleibt im Hals stecken. Im Fall eines hormonell normal funktionierenden („euthyreoten“) Kropfs bleibt es in der Regel bei solchen Symptomen.

  • Bei extremer Grösse und bei Hinunterwandern des Kropfs in den Brustkorb (was heute kaum mehr beobachtet wird) kommt es gelegentlich zur Einengung der Luftröhre mit Atemnot; die Halsvenen stauen sich und erscheinen als prall blutgefüllte bläuliche Stränge. Oft besteht dann auch Herzklopfen („Kropfherz“).
  • Sehr schnelles Wachstum deutet auf eine Schilddrüsenentzündung oder auf eine Krebserkrankung (Schilddrüsenkrebs) hin. Bei Letzterer treten allmählich auch Warnsymptome auf wie in den Hals oder hinter die Ohren ausstrahlender Schmerz, in fortgeschrittenen Fällen Heiserkeit. Eine rasche Vergrösserung der Struma kommt indessen auch bei akuter Blutung in den Kropf vor.

Funktionelle (hormonale) Störungen

Die hormonale Aktivität der Schilddrüse ist unabhängig von einem sichtbaren Kropf. Möglich sind Unter- aber auch Überfunktion, in Kombination mit unauffällig grosser oder auch vergrösserter Schilddrüse. Die Palette der Symptome ist gross, alle können hier nicht aufgeführt werden.

  • Unterfunktion (Hypothyreose): Betroffene fühlen sich matt, und antriebslos. Gelegentlich wird die Krankheit daher fälschlich als Depression fehlgedeutet. Haut und Haare sind trocken und spröde, der Patient nimmt trotz reduziertem Appetit an Gewicht zu, friert leicht und leidet unter Verstopfung. Pulsschlag und Blutdruck sind niedrig. Bei Frauen bestehen Zyklusstörungen, bei Männern ist die Erektion abgeschwächt. Unterfunktion im Kindesalter hat Kleinwuchs zur Folge.
  • Überfunktion (Hyperthyreose): Sie bewirkt weitgehend das Gegenteil der Unterfunktion, nämlich Gewichtsabnahme trotz Heisshunger, vermehrtes Schwitzen, Durchfall, Unruhe und Händezittern, Haarausfall, schnelle Erschöpfung, schlechten Schlaf. Der Blutdruck ist erhöht, der Puls schnell. Zusätzliche Symptome bei der Basedow-Krankheit sind unnatürliches Hervortreten, Brennen und Glänzen der Augen, Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit sowie ungenügender Lidschlag.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Die Möglichkeiten eigener Massnahmen sind beschränkt.
Von einer Selbstbehandlung mit Jodtabletten muss abgeraten werden, sie bringt einen Kropf nicht zum Verschwinden und kann bei gewissen Schilddrüsenerkrankungen sogar gefährlich sein.

Vorbeugen

Bei Kindern und bei Schwangeren ist auf ausreichende Jodaufnahme zu achten. Sie benötigen eine funktionsfähige Schilddrüse für Wachstum und Entwicklung. Das Verwenden von jodiertem Salz, ist heute in manchen Ländern üblich, weshalb die früher häufige Jodmangelstruma heute seltener ist. In der Schweiz ist das Speisesalz seit 1925 mit einem Jodzusatz versehen.

Wann braucht es den Arzt

Jede Vergrösserung der Schilddrüse mit oder ohne Symptome bedarf der ärztlichen Abklärung, denn eine Struma kann durch unkontrollierte Hormonproduktion oder durch Entartung gefährliche Folgen haben. Eine möglichst frühe Diagnose ist oft entscheidend für die Heilungschancen.

Diagnose

Der Arzt misst die Funktion des Organs, indem er den Gehalt an Thyroxin und weiteren Hormonen im Blut bestimmt, und er verwendet Ultraschall, um Grösse und Beschaffenheit darzustellen. Die Untersuchung mit radioaktiven Isotopen in kleinster Dosierung (Szintigraphie) zeigt, ob Teile der Schilddrüse viel, wenig oder gar kein Hormon bilden. Das Vorhandensein von Knoten und die Aktivität des Drüsengewebes sagen jedoch zunächst nichts darüber aus, ob es sich um gut- oder bösartige Veränderungen handelt. Bei Verdacht auf Krebs und bei Schilddrüsenentzündungen ist eine Feinnadelpunktion zur Untersuchung des Gewebes nötig.

Therapie

  • Medikamentös: Im Fall einer Überfunktion lässt sich die Hormonproduktion medikamentös bremsen, bei Unterfunktion ist die Einnahme von Schilddrüsenhormon und Jod möglich. Bei klinischer Beschwerdefreiheit und hormonalem Gleichgewicht braucht es oft keine Therapie.
  • Operation: Bei störender Grösse und bei Verdacht auf Krebs ist die Operation angezeigt. Der Eingriff hat spezifische Risiken: vorübergehende oder – selten – bleibende Heiserkeit, Schilddrüsenunterfunktion, sichtbare Narbe vorn am Hals, Verletzung der Nebenschilddrüsen, die den Kalzium-Phosphat-Stoffwechsel regulieren.
  • Radiojodtherapie (Radiojodresektion): Die Injektion von radioaktivem Jod (J131) kann eine Alternative zur Operation darstellen. J131 wird in die Schilddrüse aufgenommen und zerstrahlt die speichernden Zellen, so dass die Drüse sich verkleinert. Nach einer Radiojodresektion darf während mindestens 6 Monaten keine Schwangerschaft eintreten, da während einiger Monate eine radioaktive Reststrahlung nachweisbar bleibt.
    Radiojodtherapie ist ausserdem nach Operation von Schilddrüsenkrebs ein ergänzendes Verfahren zur Vernichtung allfällig zurückgebliebener Krebsreste oder Metastasen. Bestimmte Krebsarten erfordern eine Nachbestrahlung von aussen.

Sowohl die Operation wie die Radiojodtherapie erfolgen stationär in der Klinik. Im Anschluss an beide Verfahren muss vielfach Schilddrüsenhormon verabreicht werden, weil sich nicht genau vorhersagen lässt, ob das verbleibende Schilddrüsengewebe noch ausreichend Hormone produziert, oder um eine erneute Vergrösserung des Organs zu verhindern.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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