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Läuse

Läuse sind ein bis vier Millimeter lange Insekten. Sie siedeln sich auf Haaren von Menschen oder in der Wäsche an und ernähren sich durch ihren Stich mehrmals täglich von Blut. Um die Einstiche herum entstehen Juckreiz und eine lokale Entzündung.

Läuse springen nicht von Mensch zu Mensch und sie können auch nicht fliegen. Sie werden durch direkten Körperkontakt weitergegeben. Rasch klettern sie von Haar zu Haar, beispielsweise wenn die Kinder beim Spielen die Köpfe zusammenstecken. Ihre Eier kleben sie als Nissen in klebrigen Hüllen an Haare. Aus den Nissen schlüpfen Larven, die innerhalb von sieben Tagen zu jungen Läusen heranreifen. Die Lebensdauer der Parasiten auf dem Menschen liegt bei einem Monat, ohne Körperkontakt und Blutmahlzeit überleben sie nur wenige Tage.

Drei Läuse-Arten beschränken sich auf den Mensch als Wirt und Biotop und kommen nicht auf Tieren vor: Kopfläuse, Kleiderläuse und Filzläuse. Tierspezifische Arten setzen sich dagegen nicht auf dem Menschen fest.

Ursachen

  • Kopfläuse: Sie werden durch direkten Haarkontakt verbreitet – häufig in Schulen, Kindergärten, Kinderkrippen, Horteinrichtungen und Wohngemeinschaften. Kopfläuse siedeln sich auch auf sauberem Haar an, sobald die Berührung mit einem „Lausträger“ gegeben ist. Das Vorkommen von Kopfläusen ist daher kein Hinweis auf schlechte Hygiene. Tägliches Duschen und Haarewaschen verhindern die Ansteckung nicht.
    Diverse Studien zeigen, dass eine Übertragung durch Kleidungsstücke, Mützen oder Velohelme sehr unwahrscheinlich ist. Auch Tiere übertragen keine Kopfläuse.
  • Kleiderläuse: Hier spielen mangelnde Körperhygiene und enge Wohnverhältnisse eine Rolle. Verbreitet werden Kleiderläuse durch direkten Kontakt, Bettwäsche oder verlauste Kleidungsstücke bei fehlender Möglichkeit der Bekleidungshygiene. Die Läuse begeben sich nur zum Blutsaugen auf den Menschen. Die Nissen kleben überwiegend in Kleidung und Bettwäsche, entlang der Nähte oder in Falten.
  • Filzläuse: Die Ansteckung geschieht meist beim Geschlechtsverkehr, da Filzläuse vornehmlich in der Schambehaarung leben, ansonsten durch sehr engen Körperkontakt, selten durch Berührung mit Kleidung oder Bettwäsche.

Das Krankheitsbild

Der Nachweis einer einzigen Laus oder Nisse beweist eine Infektion mit den Parasiten. Die grau-weissen Nissen können von blossem Auge oder mit einer Lupe gesehen werden. Manchmal ähneln sie Schuppen, im Gegensatz zu diesen haften sie jedoch fest an den Haaren. Seltener sieht man die Läuse selbst, denn sie flüchten in der Regel schnell aus dem Blickfeld. Sie sind hellgrau oder bräunlich, wenn sie sich mit Blut vollgesogen haben.
Abhängig von der Art des Läusebefalls sind die Stiche und Nissen an unterschiedlichen Körperstellen zu finden.

  • Kopflaus: Stiche am Kopf, besonders hinter den Ohren, an den Schläfen, am Hinterkopf in der Nackengegend und am Hals. Nissen an Kopfhaaren (nahe am Haaransatz), aber auch an Wimpern, Augenbrauen, Bart- und Achselhaaren.
  • Kleiderlaus: Stiche an Kopf und Rumpf (Schultern, Bauch, Gesäss). Nissen in Textilien (Kleider, Falten der Bettwäsche usw.). In der Unterwäsche können winzige dunkelbraune Tüpfelchen von Läusekot zu sehen sein.
  • Filzlaus: Stiche im Genitalbereich. Nissen an der Schambehaarung dicht über der Haut, in der Achselhöhle und an Brust- und Barthaaren, bei Kindern auch an Augenbrauen und Wimpern. Auch die Filzläuse können dunkelbraune Tüpfelchen von Läusekot in der Unterwäsche hinterlassen.

Der Lausbefall (Pedikulose) führt zu Juckreiz. Durch den Stich entstehen kleine, rote oder bläuliche Pünktchen, darum herum Rötung und Entzündung der Haut sowie Hautabschürfungen durch das Kratzen. Als Komplikation kann eine bakterielle oder eitrige Infektion der Kratzspuren auftreten. Bei Kindern kommen auch ausgedehntere Hautreaktionen vor und ekzemartige Veränderungen an anderen Körperstellen. Häufig sind dann die Halslymphknoten vergrössert.

Komplikationen durch den Stich von Läusen

Der Stich von „gesunden“ Läusen ist unmittelbar eher lästig als gefährlich, doch sind infizierte Kleiderläuse in der Lage, Krankheitserreger zu übertragen. Infektionskrankheiten, die dadurch verbreitet wurden, sind das Europäische Rückfallfieber, das Wolhynische Fieber (Schützengrabenfieber, trench fever) und das epidemische Fleckfieber. Letzteres verursachte bis ins 19. Jahrhundert in Europa verheerende Epidemien mit Tausenden von Toten. (Epidemie: gehäuftes Vorkommen einer Krankheit, geographisch und zeitlich limitiert.) Das weniger gefährliche Wolhynische Fieber wurde 1915 unter Soldaten der östlichen Kriegsschauplätze beschrieben. Unter modernen hygienischen Verhältnissen treten diese Krankheiten höchstens sporadisch auf, doch ist in Kriegs- und Krisenzeiten immer noch mit ihnen zu rechnen.

Was man selbst tun kann

Das Entfernen der Kopfläuse und insbesondere der fest an den Haaren klebenden Nissen ist recht aufwendig. Wenn man dem Problem zum ersten Mal gegenüber steht, ist Beratung durch eine Fachperson notwendig.

Falls sich in Ihrer Familie ein Lausbefall bestätigt hat, sollten Schule, Kindergarten, Hort oder Kinderkrippe umgehend informiert werden, um einer weiteren Ausbreitung möglichst vorzubeugen. Zusammen mit dem schulärztlichen Dienst kann das konkrete Vorgehen im Einzelfall besprochen werden. Häufig existiert eine Lausberatungsstunde des schulärtzlichen Dienstes im jeweiligen Kanton.

  • Durch Waschen der Haare lassen sich Läuse zum Teil entfernen, nicht hingegen die fest haftenden Nissen, die den Krankheitsprozess aufrechterhalten.
  • Aufgrund zunehmender Resistenzen gegenüber den chemischen, insektizid haltigen Antilausmitteln, gelten physikalisch wirksame Behandlungsmethoden als Mittel der ersten Wahl.
    Diese sind teilweise auch für Kleinkinder geeignet. Physikalisch wirkende Pedikulozide (Antilausmittel) wirken über eine Blockade der Atemöffnungen der Laus. Bei den Eiern verschliessen sie die Atemöffnungen im Deckel (Nisse) die das Ei mit Sauerstoff versorgen. Die Wirkung auf die Eier ist beschränkt. Ein zweiter Behandlungszyklus wird nach 7-9 Tagen angeschlossen, um neu geschlüpfte Larven abzutöten Es sind verschiedene Silikonprodukte, Kokosnuss-, Mineral-, und Neemölprodukte als physikalisch wirksame Pedikulozide in Apotheken und Drogerien erhältlich.
  • Insektizidhaltige Shampoos, Lotionen oder Cremes (chemisch wirksame Behandlungsmethoden), die in der Apotheke erhältlich sind, kommen bei Versagen der Mittel der ersten Wahl ebenso zur Anwendung.
    Entlausungsmittel dürfen nicht mit Augen und Schleimhäuten in Kontakt kommen. Bei Kleinkindern sind die Medikamente wegen ihrer Aggressivität besonders vorsichtig anzuwenden und nur nach Beratung durch den Arzt.
  • Die abgestorbenen Läuse und Nissen werden wiederholt mit einem Nissenkamm mit speziell eng stehenden Zinken entfernt. Anfeuchten der Haare mit Essigwasser erleichtert ihr Ablösen. Anwendung 2mal wöchentlich.
  • Desinfektion von Gegenständen: Kämme und Bürsten während 15 Minuten in Seifenwasser auskochen. Das Waschen von Bettwäsche und Kleidung sowie Kopfbedeckungen ist nicht notwendig. Auch Böden oder Betten müssen nicht speziell abgesaugt werden, da die Kopfläuse ausschliesslich durch direkten Haarkontakt übertragen werden. Rasur der Kopf-, Scham- und Achselbehaarung entzieht den Kopf- und Filzläusen ihr Territorium, muss jedoch komplett erfolgen und ist meistens nicht notwendig.
  • Nicht kratzen. Es besteht Infektionsgefahr, wenn der Läusekot in die Wunden gerieben wird.

Ursachen von Misserfolgen bei der Behandlung 

  • Unzweckmässige Anwendung des Shampoos, z.B. zu starke Verdünnung, zu kurze Einwirkzeit, ungleichmässiges Verteilen.
  • Resistenz der Läuse und/oder der Nissen gegenüber dem Insektizid. Nicht alle Produkte wirken bei allen Läusen.
  • Erneute (unbemerkte) Ansteckung.

In solchen Fällen beginnt der Behandlungsprozess von vorne, eventuell mit einem anderen Mittel.

Wann braucht es den Arzt

Bei Verdacht auf Lausbefall und insbesondere bei entzündeten Hautstellen empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, um die Diagnose bestätigen zu lassen und die erforderliche Behandlung einzuleiten.

Vorbeugen

  • Bei Lausbefall umgehend Schule, Kindergarten, Hort und/oder Kinderkrippe informieren
  • Haare zusammenbinden
  • Familienmitglieder von Betroffenen regemässig (1mal wöchentlich) mit dem Lauskamm kontrollieren bis 2 Wochen nach der letzten positiven Kontrolle
  • Es existieren verschiedene vorbeugende Produkte, welche eine Repellent Wirkung auf Läuse haben sollen. (z.B. Lavendelduft)

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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