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Leberkrebs, Leberzellkrebs, Leberkarzinom

Fachbegriffe: Hepatozelluläres Karzinom, HCC

Krebs manifestiert sich in der Leber auf zweierlei Arten. Häufig handelt es sich um Metastasen (Ableger) anderer Krebsgeschwülste, seltener entsteht er unmittelbar aus dem Lebergewebe selbst. Gutartige Tumore der Leber (Leberzelladenom, Leberhämangiom) sind selten.

Metastasen: Die Leber ist ein bevorzugtes Organ für Metastasen von Krebserkrankungen. Sie haben die Gestalt von grösseren und kleineren Knoten und liegen oft in Vielzahl vor.

Primärer Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom): Es handelt sich um einen bösartigen Tumor, der seinen Ursprung im Lebergewebe selbst hat. Männer sind öfter betroffen als Frauen. Auch das in der Leber sich ausbreitende Gallengangskarzinom (Cholangiokarzinom) zählt man zu den primären Lebertumoren, obwohl es nicht von Leber-, sondern von Gallengangszellen ausgeht.

Primärer Leberkrebs nimmt in den vergangenen Jahrzehnten weltweit an Häufigkeit zu, ist jedoch in Europa und den USA seltener als in Südostasien und manchen afrikanischen Ländern. Der Erkrankungsgipfel liegt in Afrika und Asien zwischen 30-40 Jahren und in den USA und Europa zwischen 50-60 Jahren. Für die Zunahme verantwortlich gemacht wird die hohe Durchseuchungsrate mit Hepatitis B sowie das vermehrte Vorkommen von Hepatitis C, die für das Entstehen von Leberzirrhose und Leberkarzinom disponieren (anfällig machen).

Ursachen

Lebermetastasen sind Ableger anderer Krebsgeschwülste, meist von Darm-, Magen-, Lungen-, Brust-, Gebärmutterkrebs oder vom Melanom.

Das primäre Leberkarzinom entsteht in der Mehrzahl (90%) auf Grund einer Leberzirrhose, die oft durch Alkohol bedingt ist, aber auch nach lange bestehender Hepatitis (insbesondere B und C) entstehen kann. Ein kleiner Prozentsatz der Leberkarzinome wird durch Kontakt mit krebserzeugenden Substanzen wie Arsen oder Aflatoxin (Gift von Schimmelpilzen, der auf Getreide, Nüssen u.a. Nahrungsmitteln bei feuchtem Klima wächst) verursacht, oder entsteht in einer völlig gesunden Leber. Im Einzelnen sind die Ursachen eines primären Lebertumors mitunter nicht festzustellen.

Das Krankheitsbild

Besonders beim primären Leberkarzinom machen sich Beschwerden oft spät bemerkbar, so dass die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Metastasen werden anlässlich von Nachkontrollen wegen eines anderweitigen Tumors entdeckt, wenn routinemässig eine Ultraschalluntersuchung der Leber vorgenommen wird.

Es besteht Druckgefühl im rechten oder mittleren Oberbauch, manchmal ist eine Lebervergrösserung zu tasten. Unspezifische Allgemeinsymptome sind Übelkeit, Appetitlosigkeit, Fieber und ein Leistungsknick. Der Bauchumfang kann durch Wassereinlagerung in der Bauchhöhle (Aszites) zunehmen, auch wenn die Erkrankten insgesamt meist deutlich abmagern. Gelbe Hautverfärbung (Ikterus) ist meist ein Zeichen des nahenden Endstadiums.

Lebermetastasen beweisen eine fortgeschrittene anderweitige (primäre) Krebskrankheit, und der Betroffene leidet oft mehr unter dieser oder anderen Metastasen (Hirn, Lunge).

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Da der primäre Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) häufig bei Leberzirrhose oder chronischer Hepatitis entsteht, gilt es diesen vorzubeugen.

  • Massvoller Umgang mit Alkohol.
  • Impfung gegen Hepatitis B, insbesondere bei erhöhtem Risiko. Gegen Hepatitis C gibt es indessen (noch) keine Impfung.
  • Patienten mit bekannter Leberzirrhose insbesondere bei einer Hepatitis B- oder C-Infektion sollten alle 6 Monate mittels Ultraschall auf Leberkrebs zur Früherkennung kontrolliert werden.
  • Kein Spritzentausch (Drogenabhängige).
  • Blutkonserven werden sorgfältig getestet, so dass das Übertragungsrisiko für Hepatitis B sehr klein, wenn auch nicht Null ist. Manchmal ist es sinnvoll, vor einem operativen Wahleingriff abzuklären, ob eine Eigenblutspende in Frage kommt. 5 bis 6 Wochen vor der Operation kann mit der Blutentnahme begonnen werden. Insgesamt sind – bei adäquater Reaktion des Körpers während dieser Zeit – vier bis fünf Spenden möglich. Das Blut wird zu Konzentraten aufbereitet und dem Patienten während oder nach dem Eingriff zurücktransfundiert.
  • Ist Leberkrebs nachgewiesen, müssen zusätzliche Belastungen der Leber vermieden werden (wenig Alkohol, Vorsicht mit Medikamenten).

Gegen das Auftreten von Lebermetastasen helfen allein die möglichst frühe Diagnose und Behandlung von Krebs in anderen Organen.

Wann braucht es den Arzt

Anhaltendes Druckgefühl im rechten Oberbauch, tastbare, knotige Veränderungen in dieser Körpergegend, Gelbsucht und Zunahme des Bauchumfangs trotz Appetitverlust sind Anlass für eine Arztkonsultation. Die allgemeine Untersuchung wird ergänzt durch Ultraschall und Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

Operation

Eine operative Behandlung kann sowohl beim primären Leberkarzinom wie bei Metastasen in Frage kommen. Der Eingriff besteht im Entfernen des tumorbefallenen Teils der Leber (Leberteilresektion) oder beim hepatozellulärem Karzinom mit Leberzirrhose in einer Lebertransplantation und wird in der Regel gefolgt von Chemotherapie. In einem frühen Stadium erreicht die mittlere Fünf-Jahres-Überlebenszeit 50 bis 70% – abhängig vom möglichen operativen Verfahren.

Weitere Methoden

Man versteht darunter die lokale Zerstörung von Krebsherden, wenn im Moment keine operative Behandlung geeignet erscheint. Solche Eingriffe sind für die Patienten mit weniger Belastung verbunden als eine offene Operation. Die Tumore werden durch die Haut oder auf laparoskopischem Weg (mittels Bauchhöhlenspiegelung) mehrmals punktiert und „von innen her“ zerstört. Dazu finden Anwendung:

  • Kälte oder Hitze: Durch ins Tumorzentrum gebrachte Sonden wird das Gewebe vereist oder verkocht.
  • Injektion von zellabtötenden Substanzen oder Chemotherapeutika direkt in den Tumor. Unter dem Sammelbegriff „Chemotherapeutikum“ versteht man Substanzen, die in den Stoffwechsel der Tumorzellen eingreifen und dadurch die Zellen zum Absterben bringen.
  • Injektion von Chemotherapeutika in eine den Tumor ernährende Arterie (Chemoembolisation).
  • Cyberknife: Robotergesteuerte sehr exakt lokalisierte Strahlentherapie

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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