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Leberzirrhose

Die Leberzirrhose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die das ganze Organ in Mitleidenschaft zieht. Charakteristisch sind die Zerstörung funktionell aktiver Zellen, Knotenbildung, Bindegewebsvermehrung und schrumpfende Narben. Die Leber ist zu Beginn vergrössert („Fettleber“), in späteren Stadien als „zirrhotische Schrumpfleber“ deutlich verkleinert. Die Folgen sind Funktionseinbussen und Stauung des Blutes, vorerst in der Leber, später auch in anderen Organen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Risiko für Leberkrebs ist bei dieser Krankheit erhöht.

Begriffserklärungen

Atrophie:

Verkleinerung eines Organs oder einer Gewebemasse durch Abnahme der Zellgrösse oder der Zellzahl. Vielfach handelt es sich um eine Inaktivitäts-Atrophie, d.h. Ursache ist der Nichtgebrauch. Beispiel: Ein gelähmter Arm verliert an Muskelmasse. Adjektiv: atrophisch.

Autoimmunkrankheit:

Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.

Libido:

sexuelles Interesse.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Resistenz:

Widerstandsfähigkeit eines Krankheitserregers gegenüber Medikamenten, Umwelteinflüssen, chemischen Substanzen oder Flüssigkeiten. Adjektiv: resistent.

Varizen:

Krampfadern, gut bekannt sind jene der Beine. Es können indessen auch an anderen Körperstellen Varizen entstehen, so am After (Hämorrhoiden) oder in der Speiseröhre, wo Ösophagusvarizen entstehen.

Ursachen und Risikofaktoren

Aufgrund verschiedener schädlicher Einflüsse sterben einzelne Leberzellen oder ganze Areale der Leber ab. Sie werden durch Knoten aus neuem Lebergewebe (Regenerate), durch funktionsloses Bindegewebe und Narben ersetzt. Die Regeneratknoten und Narben können die Durchblutung des Organs und den Galleabfluss behindern.
Leberzellen werden geschädigt durch:

  • Alkoholmissbrauch: Er ist für etwa die Hälfte der Fälle verantwortlich.
  • Hepatitis B und C: zu ca. 45% sind viral bedingte Entzündungen der Leber Ursache für eine Leberzirrhose. Sie führen allmählich zur Zirrhose, wenn sie chronisch werden.
  • Seltenere Ursachen sind zu 5% verantwortlich für die Entwicklung einer Leberzirrhose: Stoffwechselstörungen (auch erbliche), chemische Schäden (z.B. Lösungsmittel), Autoimmunerkrankungen, Herzmuskelschwäche und dadurch bedingte chronische Blutstauung in der Leber, Rückstau der Galle bei chronischer Entzündung von Gallengängen (Cholangitis), bei Gallengangssteinen, Krebs der Bauchspeicheldrüse oder des Gallengangs, verschiedene Medikamente, insbesondere in hoher Dosierung und bei längerfristiger Einnahme, wie manche Schmerz-, Beruhigungs- und Parkinsonmittel, einige Antibiotika.

Das Krankheitsbild

Im Anfangsstadium treten während vieler Jahre keine Symptome auf. Zu Beschwerden führt meist erst die fortgeschrittene Zirrhose.

  • Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Leistungsminderung und leichte Temperaturerhöhung.
  • Völlegefühl, Druck im Oberbauch und Übelkeit; in deren Folge Appetitlosigkeit und Gewichtverlust.
  • Hautveränderungen: spinnenförmige Gefässerweiterungen der Haut (so genannte Gefässspinnen) an Nasenflügeln und Handrücken, verstärkte Rötung der Handinnenflächen und der Fusssohlen, Juckreiz.
  • Hormonelle Mangelerscheinungen:
    Bei Männern treten Hodenatrophie und Merkmale der Feminisierung auf wie Verlust der Behaarung an Brust, Bauch und in der Achselhöhle, horizontale Begrenzung der Schambehaarung, Vergrösserung der Brustdrüsen. Potenzstörungen und Verlust der Libido können diese Symptome begleiten.
    Bei der Frau kommt es zu Menstruationsstörungen, meist bleibt die Regelblutung aus.
  • Dupuytren-Kontraktur, gehäuft bei alkoholisch bedingter Zirrhose.

Komplikationen 

  • Ikterus, Gelbfärbung der Haut und – besonders gut erkennbar – des Augenweiss (der Bindehaut) sowie des Blutserums.
  • Venenerweiterungen in der Speiseröhre (so genannte Ösophagusvarizen) und im Magen. Sie entstehen durch die Behinderung der Blutzirkulation in der zirrhotischen Leber und können Massivblutungen mit hoher Sterblichkeit nach sich ziehen. 
  • Störung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes mit vermehrter allgemeiner Blutungsneigung, Magenblutungen, Nasenbluten. 
  • Thrombose in der Pfortader; verstärkte Venenzeichnung um den Bauchnabel (Gefässspinne); uftreten äusserer Hämorrhoiden.
  • Aszites („Bauchwassersucht“): Wasseransammlung im Bauchraum und dadurch zunehmender Bauchumfang, vorgewölbte und gespannte Bauchdecken.
  • Hohe Infektanfälligkeit wegen Abwehrschwäche, z.B. Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte. 
  • Neurologische Symptome: Apathie, Schläfrigkeit, Zittern (Tremor), Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Verwirrung, zusammenhanglose Sprache usw.
  • Gewebsknoten und anhaltende Umbauvorgänge bergen ein erhöhtes Risiko von Leberkrebs
  • Im Endstadium, wenn die Leberfunktion zusammenbricht: zunehmende Schläfrigkeit bis zum Koma (Leberkoma), der Atem riecht nach frischer Leber. Rückgang der Urinausscheidung. Der Tod tritt meist ein unter den Zeichen eines Multiorganversagens.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der zugrundeliegenden Ursache der Leberzirrhose. Bei einer alkoholisch bedingten Leberzirrhose ist eine Besserung einer frühen Zirrhose bei konsequenter Alkoholabstinenz möglich. Ansonsten, insbesondere falls die Zirrhose aufgrund von Komplikationen erst spät entdeckt wurde, ist die Prognose eher schlecht. Die Betroffenen versterben an Leberversagen, an Varizenblutungen oder am Leberzellkarzinom.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Wenn eine chronische Lebererkrankung festgestellt wurde, muss man unabhängig von deren Ursache auf Alkohol völlig verzichten. Die Leber ist ein sehr leistungsfähiges Organ, und bei Wegfall schädigender Faktoren ist eine Erholung möglich, sofern das Stadium der Zirrhose noch nicht erreicht ist. Kalorien- und vitaminreiche Ernährung sind notwendig. So genannte „Leberschutzpräparate“ sind zumeist Vitaminkombinationen. Gesunde Menschen sollten Vitaminpräparate indessen nicht über längere Zeit regelmässig einnehmen, weil ein Überangebot an bestimmten Vitaminen (Hypervitaminose) Schädigungen verursacht.
  • „Vorbeugen heisst Masshalten“. Der alkoholischen Leberzirrhose kann man durch vernünftigen Umgang mit Alkohol oder völligen Verzicht vorbeugen. Gefahrengrenze für Männer: mehr als 30 Gramm Alkohol pro Tag, dies entspricht 0,75Liter Bier, 0,37 Liter Wein oder 0,15 Liter Wodka/Whisky. Für Frauen liegt ein riskanter Alkoholkonsum bereits bei mehr als 20 Gramm pro Tag. Die individuelle Empfindlichkeit ist allerdings sehr verschieden und hängt unter anderem von genetischen Faktoren ab.
  • Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung. Für Menschen mit erhöhtem Risiko (z.B. medizinisches Personal) ist sie unbedingt anzuraten. Heute wird in der Schweiz allgemein auch die Impfung von Jugendlichen empfohlen.
  • Vor sexuell übertragbaren Formen der Hepatitis, namentlich B, C und auch D, schützen Kondome. 
  • Vor einem operativen Wahleingriff kann abgeklärt werden, ob eine Eigenblutspende in Frage kommt. Dadurch lässt sich die Übertragung von fremden Hepatitisviren verhindern. Ein sorgfältiges und frühzeitiges Vorbereiten ist indessen nötig, damit sich der Organismus vom Blutverlust jeweils wieder ausreichend erholen kann. Das Blut wird zu Konserven aufbereitet und dem Patienten während oder nach dem Eingriff zurücktransfundiert.

Wann braucht es den Arzt

Bei jedem Verdacht auf chronische Leberentzündung oder Zirrhose wird der Arzt das Ausmass und die Ursache abklären und die erforderliche Behandlung einleiten.

Diagnose

Nach Befragung (Anamnese) und körperlicher Untersuchung (Status) folgen Blutuntersuchungen und Ultraschall, eventuell Computertomographie der Leber, sodann eine Leberpunktion mit Gewebsentnahme. Bei Verdacht auf Krampfadern in Speiseröhre und Magen und wird ausserdem eine Speiseröhren- und Magenspiegelung vorgenommen.

Therapie

Die Therapie bleibt im Wesentlichen auf das Bekämpfen der Symptome beschränkt und zielt in zwei Richtungen:

  • Das noch vorhandene funktionsfähige Lebergewebe zu erhalten und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern (Sekundärprophylaxe). Dazu gehören vitaminreiche Ernährung in geeigneter Zusammensetzung bezüglich Kohlenhydrate, Fette und Eiweisse sowie das Weglassen oder der Ersatz von Medikamenten, welche die Leber schädigen können. Alkoholverzicht ist unerlässlich. Ein Abflusshindernis der Galle durch Gallensteine kann chirurgisch behoben werden.
  • Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Behandeln von Komplikationen wie Blutungen, Infektionen, Aszites („Bauchwassersucht“), Niereninsuffizienz, Störungen des Mineral­, Eiweiss­ und Fettstoffwechsels.
  • Antivirale Medikamente (gegen Viren gerichtet) bei chronischer Hepatitis C und B sollen das Entstehen einer Leberzirrhose verhindern. Wegen der zahlreichen und oft gravierenden Nebenwirkungen und der häufigen Entwicklung von Resistenzen ist eine gute Planung nötig. Andererseits besteht das Risiko von Leberkrebs infolge chronischer Hepatitis (insbesondere Hepatitis C).
  • Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Lebertransplantation in Frage kommen.
  • Bei bekannter Leberzirrhose sollten regelmässige Kontrolluntersuchungen alle 6 Monate mittels Ultraschall und Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um ein primäres Leberzellkarzinom möglichst frühzeitig zu erkennen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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