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Legionärskrankheit und Pontiac-Fieber

Fachbegriff: Legionellose

Legionellose ist ein Oberbegriff für bestimmte Infektionskrankheiten. Verursacht werden diese durch Bakterien der Gattung Legionella, die weltweit verbreitet sind. Von besonderer Bedeutung ist jener Erreger, der seit einer Epidemie unter amerikanischen Vietnam-Veteranen (American Legion) bekannt ist, die sich 1976 bei einem Treffen über die Klimaanlage eines Hotels in Philadelphia ansteckten. Daher stammt der Name Legionärskrankheit, mit der Fremdenlegion hat der Begriff demnach nichts zu tun. Diese Krankheit tritt in der Form einer Lungenentzündung auf und hat eine Sterblichkeit von gegen 10%.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über regionale Epidemien berichtet, so in Spanien (2001), in England (2002) und in Frankreich (2004). In der Schweiz bewegt sich die Zahl der Erkrankten seit 2000 jährlich zwischen 100 und 200, unter denen auch Todesfälle vorgekommen sind.

Eine ebenfalls durch eine Art von Legionellen hervorgerufene, leichtere Krankheitsform ist das Pontiac-Fieber, benannt nach der gleichnamigen Stadt, in der schon 1968 eine Epidemie registriert wurde. Die Sterblichkeit des Pontiac-Fiebers wird uneinheitlich angegeben, sie dürfte gering sein.

Begriffserklärungen

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Exposition:

Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.

Aerosol:

Wasser- oder Dampftröpfchen in der Luft. Das Aerosol kann Krankheitskeime enthalten, die beim Einatmen in die Lunge gelangen.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Ursachen und Risikofaktoren

Erreger der Legionellose sind Bakterien der Gattung Legionella, von der es viele verschiedene Arten gibt. Zur Infektion kann es kommen, wenn die Bakterien fein verteilt in Wasser- oder Dampftröpfchen (Aerosol) eingeatmet werden und so in die Lunge gelangen.
In ihrem natürlichen Ökosystem (Seen, Teiche, Flüsse usw.) verursachen Legionellen hingegen gewöhnlich keine Probleme.

Risikofaktoren

  • Als künstliche Brutstätten für Legionellen gelten Wassersysteme, die auf die Zivilisation zurückzuführen sind, und in diesen Bereichen insbesondere feuchte, haftende Beläge (Biofilm) sowie Verkalkungen. Das Bakterium gedeiht ausserordentlich gut in verunreinigtem Wasser, hygienisch nicht einwandfreien Duschen, in Whirlpools, an Wasserhähnen und auf feuchten Böden. Ein Risiko bergen namentlich Warmwasserleitungen, die nur zeitweise in Betrieb sind (z.B. in Hotels oder Ferienwohnungen) sowie Kühltürme und Klimaanlagen. Als Infektionsquelle ebenfalls in Frage kommen Luftbefeuchter, Vernebler, Sauna-Anlagen und Thermalbäder, Zierbrunnen im Gebäudeinnern, aber auch Kühlsysteme von Maschinen, sogar Blumenerde und Kompost.
  • Die optimale Überlebenstemperatur für Legionella-Bakterien liegt zwischen 20 und 45 Grad. Die Bakterien nutzen zu ihrer Vermehrung teils auch Amöben und „verstecken“ sich in deren Zysten, die auf Umwelteinflüsse (auch wärmeres Wasser und pH-Schwankungen), weniger empfindlich reagieren, was das Bekämpfen der Legionellose-Erreger erschwert. Chlor in einer Konzentration, die für Trink- und Schwimmbadwasser zugelassen ist, tötet Legionellen nicht ab. In Schwimmbädern ist jedoch das Risiko einer Infektion mit diesen Bakterien niedrig, Aerosole entstehen dort kaum.
  • Besonders gefährdet sind generell Menschen im Alter über 40 bis 50 Jahre, im Besonderen Raucher, Personen mit geschwächter Abwehr, mit Diabetes mellitus oder anderen chronischen Krankheiten, vor allem der Lungen.
  • Das Trinken von verunreinigtem Wasser führt nach heutigem Wissenstand nicht zur Erkrankung.

Das Krankheitsbild, Legionärskrankheit und Pontiac-Fieber

Eine Infektion mit Legionellen bleibt in den meisten Fällen symptomlos oder Betroffene nehmen nur eine leichte Erkältung wahr. Von Bedeutung sind jedoch die Legionärskrankheit und das Pontiac-Fieber.

Legionärskrankheit

Zwei bis zehn Tage (seltener länger) nach der Infektion treten allgemeine Symptome auf wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh und Husten, eventuell Erbrechen. Eine recht häufige Begleiterscheinung ist wässriger Durchfall. Im Anfangsstadium ähnelt die Legionärskrankheit der Grippe, doch innert kurzer Zeit entwickelt sich eine Lungenentzündung, die unterschiedliche Schweregrade erreicht mit „Hüsteln“ bis zu ausgeprägtem Husten – wobei dem Auswurf oft etwas Blut beigemengt ist – und Brustschmerzen sowie Atemnot.

Komplikationen

Sie treten besonders dann auf, wenn die Abwehr bereits geschwächt ist und grundsätzlich bei älteren Menschen.

  • Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen.
  • Störungen der Leber- Herz-, und Nierenfunktion.
  • Septischer Schock, im schlimmsten Fall Multiorganversagen.

Pontiac-Fieber

Diese leichtere Krankheit beginnt bereits ein bis drei Tage nach der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen, hohem Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Durchfall. Gelegentlich kommt es zu Bewusstseinsstörungen und Schwindel, im Gegensatz zur gefährlicheren Legionärskrankheit aber nicht zur Lungenentzündung.

Was man selbst tun kann

Bei einer hochfieberhaften Erkältung ausserhalb der Grippezeit, und wenn oben genannte Ursachen mögliche Auslöser sind, ist eine Legionellose in Betracht zu ziehen und der Arzt aufzusuchen. Die Gesundheitsdienste werden die Quelle ermitteln und für die Elimination allfälliger Legionellen sorgen.

Wann braucht es den Arzt

Jeder Verdacht auf Legionärskrankheit sollte zum Arzt führen. Im Gegensatz zur Grippe, bei der sich nur die Symptome und allfällige Komplikationen bekämpfen lassen, ist die Legionellose einer Antibiotikatherapie zugänglich, und diese ist wegen der hohen Letalität der Krankheit zweckmässig.
Da eine Übertragung von Mensch zu Mensch als höchst unwahrscheinlich gilt, erübrigt sich aber die Isolation der Erkrankten.

Diagnose

Zum Nachweis dienen Proben von Urin, Auswurf oder Spülwasser nach Lungenuntersuchung, eventuell auch Blutkontrollen.

Das Pontiac-Fieber heilt ohne Antibiotika normalerweise innerhalb einer Woche. Allenfalls können Hausmittel versucht werden um die Beschwerden zu lindern.

Vorbeugen

Eine Abklärung, ob sich Legionellen im Wasser befinden, ist komplex und es müssen Umgebungsbedingungen mitberücksichtigt werden. Zur Elimination der Bakterien gibt es verschiedene Methoden, doch sind Richtlinien (z.B. des BAG betreffend Chemikalien) zu berücksichtigen, so dass das Reinigen oder Desinfizieren spezielle Kenntnisse voraussetzt. Die thermische Desinfektion ist aufwändig und erfordert Temperaturen von mindestens 70 Grad.

  • Chlorieren bremst die Keimvermehrung, doch reicht die Menge Chlor, die in der Schweiz für Trinkwasser erlaubt ist, nicht aus, um alle Legionellen abzutöten.
  • Das BAG empfiehlt, die Temperatur in Warmwasserbehältern (Boilern) mindestens einmal täglich auf 60 Grad zu bringen und vor Mischbatterien auf mindestens 50 Grad zu halten, um die Keimvermehrung zu verhindern. Im Kaltwassersystem sollte die Temperatur unter 20 Grad liegen.
  • Wassersysteme, die nicht regelmässig oder längere Zeit gar nicht benutzt werden (z.B. in Ferienwohnungen, Hotels, Altersheimen), bergen ein erhöhtes Risiko.
    Empfehlung für Ferienwohnungen oder für die Rückkehr nach längerer Abwesenheit: Vor dem ersten Benutzen der Dusche das Heiss- und Kaltwasser durchlaufen lassen, ohne dass ein Aerosol entsteht. Dies wird erreicht, indem man vorerst Wasser in die Wanne einlässt, den Kopf der Brause untertaucht und für einige Zeit in Betrieb setzt. In der Duschkabine lässt man das Wasser kurze Zeit direkt in den Ablauf fliessen. Wenn vorhanden, den Ventilator einschalten, das Badezimmer verlassen.
  • Für Inhalations-Apparate immer steriles Wasser verwenden.

Weiterführende Informationen und Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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