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Listeriose

Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Konsum bakteriell verunreinigter Nahrungsmittel übertragen wird. Daher zählt sie auch zu den „Nahrungsmittelvergiftungen“. Ihren Namen hat sie vom englischen Chirurgen und Bakteriologen Sir Joseph Lister (1827 – 1912). Die Infektion kann folgenlos bleiben, zu den Zeichen einer leichten Grippe führen, aber bei Neugeborenen, älteren und abwehrgeschwächten Personen ein gefährliches Krankheitsbild hervorrufen.

Von Listeriose befallen werden auch Tiere, vor allem Rinder, Schafe, Ziegen, bei denen sie als Hirn- und Hirnhautentzündung auftritt und Fehlgeburten verursacht. Bei weiteren Säugetieren, bei Fischen und Vögeln konnte der Erreger ebenfalls nachgewiesen werden. Eine Krankheit, die bei Mensch und Tier durch die gleichen Erreger hervorgerufen wird und zu gegenseitiger Ansteckung führt, nennt man eine Zoonose (von griech. ζώον (zoon) das Tier und νόσος (nosos) die Krankheit).

Ursache und Risikofaktoren

Erreger ist die Bakterienart Listeria monocytogenes. Diese Bakterien sind in der Natur weit verbreitet und kommen vor in der Erde, auf Pflanzen und im Darmtrakt von Säugetieren, von wo sie in die Nahrungskette der Menschen gelangen können. Eine unangenehme Eigenschaft der Listerien ist, dass sie sich – im Gegensatz zu anderen Bakterien – auch bei Kühlschranktemperatur auf gelagerten Produkten vermehren können. Durch Kochen lassen sie jedoch leicht zerstören.

Mögliche Vehikel für die Infektion sind vor allem Nahrungsmittel tierischer Herkunft, die kalt genossen werden wie gelagerte Fleischprodukte (Räucherfleisch, Salami, Rohschinken), Milch, offen angebotenes Speiseeis, Meeresfrüchte, Sossen.

Die unmittelbare Übertragung von einem kranken Menschen auf einen anderen geschieht jedoch nur bei grober Verletzung aller Hygienemassnahmen. Allerdings sind die Bakterien in der Lage, bei einer kranken Schwangeren durch die Plazenta auf das ungeborene Kind überzugehen und dieses zu infizieren.

Die Krankheit tritt in der Schweiz immer wieder vereinzelt auf, doch gab es auch kleine Epidemien, die von verseuchten Milchprodukten (vor allem Vacherin-Käse) ausgingen.

Das Krankheitsbild

  • Gesunde Erwachsene und Kinder überstehen eine Infektion mit Listerien oft, ohne dass es zum Ausbruch einer Krankheit kommt, oder sie erleben sie unter den Zeichen einer mild verlaufenden Grippe mit Fieber, Glieder- und Muskelschmerzen und bisweilen Symptomen von Seite des Magen-Darmtrakts wie Übelkeit, Bauchweh und Durchfall (Gastroenteritis).
  • Überhaupt dürfte die Krankheit wegen ihrer diffusen Symptome vielfach nicht als Listeriose erkannt werden. Aufgrund der anzunehmenden Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle ist die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Krankheitszeichen (Inkubationszeit) nicht genau bekannt; sie wird auf 3 Wochen bis 2 Monate geschätzt.
  • Schwangere Frauen erleiden eigenartigerweise die Symptome in abgeschwächter Form. Das ungeborene Kind ist jedoch in Gefahr abzusterben und die Schwangerschaft kann mit einem Abort oder einer Frühgeburt enden.

Komplikationen

Ein gefährlicher und gelegentlich tödlicher Verlauf der Listeriose kommt vor bei Menschen mit Abwehrschwäche durch Immunsuppression (Therapie wegen Krebs oder nach Transplantation), AIDS, Diabetes (Zuckerkrankheit), bei vorbestehenden Herz- Kreislaufkrankheiten, fortgeschrittenem Krebs, bei Säuglingen und im fortgeschrittenen Lebensalter. Lungenentzündung, Sepsis und ein Übergreifen auf das zentrale Nervensystem sind dann möglich. Letzteres äussert sich als Hirnhaut- und Hirnentzündung mit Kopfschmerzen, Nackenstarre, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen und Muskelkrämpfen.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Vorbeugend wirken allgemeine Hygienemassnahmen, insbesondere solche gegen Durchfallerkrankungen.
Speziell zu beachten sind:

  • Tierische Produkte (Fleisch, Fisch) vor dem Konsum erhitzen.
  • Frisches Gemüse und Früchte sorgfältig waschen.
  • Immungeschwächte Personen und Schwangere sollten auf den Genuss von Vacherin-Käse vorsichtshalber verzichten. 
  • Rasches Konsumieren von leicht verderblichen Nahrungsmitteln. 
  • Verfalldaten von Produkten beachten.

Zur Erleichterung einzelner Symptome lassen sich die gleichen Massnahmen und Hausmittel empfehlen wie bei Grippe.

Wann braucht es den Arzt

Bei einem schweren Verlauf der Krankheit wird man den Arzt konsultieren. Diesbezüglich besonders aufmerksam sein sollten Menschen mit einer bekanntermassen verminderten Resistenz gegenüber Infektionen. Dies betrifft vor allem ältere Menschen und solche mit einem geschwächten Abwehrsystem.

Eine schlüssige Diagnose ist nur mittels bakteriologischer Blutuntersuchung möglich. Eine Behandlung mit Antibiotika erweist sich gelegentlich als notwendig.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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