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Lungenembolie

Eine Lungenembolie entsteht durch akute Verstopfung einer Lungenarterie. Der Verschluss erfolgt fast immer durch einen Blutpfropf (Embolus), der ursprünglich als Thrombus (s. Thrombose) in einer Vene des Beins oder des Bauchs entstanden war und mit dem Blutstrom in die Lungenarterie geschwemmt wurde.
Der von der Blutzirkulation abgeschnittene Lungenteil ist nicht mehr an der Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe beteiligt (Gasaustausch) und das Gewebe entzündet sich schnell (Lungenentzündung, Pneumonie). Eine grosse Lungenembolie hat ausserdem hämodynamische Bedeutung, weil das Blut nur noch erschwert durch verbleibende gesunde Lungenabschnitte befördert werden kann, und dadurch die rechte Herzhälfte akut überlastet wird.

Durch rasche Behandlung kann die Sterblichkeit erheblich gesenkt werden; dennoch gehört die Lungenembolie zu den häufigen Todesursachen bettlägeriger Menschen. In Deutschland werden die jährlichen Todesfälle auf 20‘000 bis 30‘000 jährlich geschätzt.
Frauen erleiden häufiger Lungenembolien als Männer. Die Rezidivrate (wiederholte Lungenembolie) beträgt etwa 30%.

Seltener sind embolische Verschlüsse in Lungenkapillaren (kleinste Blutgefässe) durch Fetttröpfchen, Luftblasen oder Fremdkörper (abgerissener Venenkatheter), die in den Kreislauf gelangten und in die Lungen transportiert wurden. Je nach Beschaffenheit handelt es sich um eine, Fett-, Luft- oder Katheterembolie. Wenn Tumorzellen mit dem Blutstrom in die Lungen transportiert werden, entsteht keine Embolie, aber es können später Lungenmetastasen heranwachsen.

Begriffserklärungen

Embolie:

Embolie bezeichnet den plötzlichen Verschluss einer Arterie durch ein Partikel, das mit dem Blutstrom herangeschwemmt wurde. Ein solches Partikel besteht meistens aus einem anderswo entstandenen Blutgerinnsel (Thrombus), das sich ganz oder stückweise von seinem Entstehungsort ablöst und im Blutstrom davon schwimmt. Adjektiv: embolisch.

Hämodynamisch:

zusammenhängend mit der Strömungsmechanik des Blutes. Verschiedene Kräfte wirken auf das Blut ein und garantieren dessen Verteilung im Körper.

Rezidiv:

Rückfall, wiederholte Erkrankung: Adjektiv: rezidivierend.

Disposition:

Veranlagung, Anfälligkeit für eine Erkrankung. Partizip, Adjektiv: disponiert.

Antikoagulation:

„Blutverdünnung“, medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache ist also in der Regel das Abreissen eines Thrombusstücks in einer Vene.

Die Risikofaktoren für eine Lungenembolie sind in der Mehrheit identisch mit jenen der Venenthrombose, denn der Embolie ist meist eine Thrombose in der unteren Körperhälfte vorausgegangen.

  • Operationen im Bauchraum oder an den Beinen. Aus diesem Grund werden nach der Operation gewöhnlich gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulantien) verabreicht.
  • Bewegungsmangel (Bettlägerigkeit, langes Sitzen, auch bei Flugreisen), Querschnittslähmung.
  • Krampfadern.
  • Massives Übergewicht.
  • Schwangerschaft und Wochenbett.
  • Einnahme von Östrogenen in Kombination mit Rauchen.
  • Krebserkrankungen; einige Blutkrankheiten. 
  • Höheres Lebensalter, familiäre Belastung, weibliches Geschlecht.

Das Krankheitsbild

Kleine Lungenembolien können unbemerkt ablaufen; eventuell bestehen Husten oder ein kurzdauernder Bewusstseinsverlust. Bisweilen sind sie Vorboten einer massiven Lungenembolie, die das Leben gefährdet.

Die massive Lungenembolie ist ein lebensbedrohendes Ereignis. Die Anfangssymptome sind manchmal nicht von einem Herzinfarkt zu unterscheiden. Akut stellen sich Atemnot ein, Schmerz im Brustkorb, Herzrasen, Schweissausbruch, Beklemmungsgefühl und Todesangst. Lippen und Schleimhäute können sich wegen des Sauerstoffmangels bläulich verfärben. Später kommen Husten, blutiger Auswurf und Fieber dazu.

Komplikationen, Folgen

  • Durch den plötzlichen Unterbruch der Blutzirkulation in einer Lunge pumpt die rechte Herzkammer gegen Widerstand. Ist die Lungenembolie ausgedehnt, wird das Herz überlastet – es drohen Kreislaufstillstand, Herzversagen und Tod. 
  • Brustfell- und Lungenentzündung sind Folge von verminderter Durchblutung und Atmung. 
  • Ein Lungeninfarkt entsteht, wenn das von der Blutversorgung abgeschnittene Lungengewebe abstirbt.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Der Lungenembolie vorbeugen bedeutet begünstigende Faktoren für eine Thrombose auszuschalten.

  • Körperliche Aktivität fördert die Blutzirkulation in den Beinen und beugt Krampfadern sowie Thrombosen vor. Für Menschen, die beruflich lange an Ort stehen (etwa Verkaufspersonal) und zusätzliche Risikofaktoren aufweisen (Übergewicht, Krampfadern), werden leichte Kompressionsstrümpfe empfohlen, und zwar auch im Sommer. Wer lange sitzt (im Büro, bei Reisen im Flugzeug oder Auto), sollte sich regelmässig die Beine vertreten oder Gymnastik machen und die Beine zeitweise hoch lagern. Auch Kneipp-Anwendungen wirken prophylaktisch.
  • Enges und unbewegliches Sitzen auf Langstreckenflügen kann Thrombosen in den Bein- und Beckenvenen und demzufolge Lungenembolien bewirken – auch noch nach dem Ende des Fluges. Das Vorkommnis ist so typisch, dass dafür der Begriff „Economy-class-Syndrom“ geprägt wurde. Bei konkretem Risiko ist mit dem Arzt die prophylaktische Antikoagulation zu besprechen.
  • Nicht rauchen, besonders wenn Ovulationshemmer (die „Pille“) oder andere weibliche Geschlechtshormone eingenommen werden.
  • Antikoagulation: Bei Menschen mit Risikofaktoren (Krampfadern, Herzkrankheiten, frühere Thrombosen, Operationen, evt. Adipositas) sollte eine kurz- oder langfristige Antikoagulation in Erwägung gezogen werden. Dies muss aber unter ärztlicher Kontrolle geschehen.
  • Operation. Bei ausgeprägten Krampfadern ist eine Operation empfehlenswert. Eine entfernte Krampfader kann nicht mehr thrombosieren.

Mit der Entlassung nach einem Spitalaufenthalt – insbesondere nach einer Operation – ist das Risiko einer unbemerkten tiefen Thrombose und damit die Emboliegefahr nicht völlig vorüber. Bei besonderer Gefährdung wird daher die Antikoagulation noch einige Zeit weitergeführt.

Wenn eine Thrombose entstanden ist

  • Verordnete Medikamente vorschriftsgemäss einnehmen.
  • Die Beine einwickeln oder Kompressionsstrümpfe tragen. 
  • Plötzliche Anstrengung, abruptes Aufstehen oder starkes Pressen (Stuhlgang) vermeiden. 
  • Bettruhe, falls der Arzt dies verordnet hat.

Wann braucht es den Arzt

Eine Lungenembolie ist immer gefährlich und bedarf der sofortigen Behandlung. Bei entsprechendem Verdacht muss umgehend ein Arzt alarmiert oder ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Zur Sicherung der Diagnose stehen Laborbestimmungen, verschiedene bildgebende Verfahren (Röntgen, Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Szintigraphie) und Herzuntersuchungen (EKG) zur Verfügung.

Behandlung

Man wird Sauerstoff verabreichen, mit Antikoagulation („Blutverdünnung“) beginnen und abhängig von Zeitfaktor und weiteren Voraussetzungen das Gerinnsel medikamentös auflösen (Thrombolyse).
Ein grosser Embolus kann in spezialisierten Zentren mit Hilfe eines Katheters zerkleinert und entfernt werden.

Weiterführende Informationen und Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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