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Lungenüberblähung

Fachbegriff: Lungenemphysem

Als Lungenemphysem bezeichnet man eine Überblähung der Lungen. Das chronische Emphysem beruht auf einem irreversiblen Zerstörungsprozess im Bereich der Lungenbläschen oder Alveolen, die zu grösseren oder kleineren Höhlen oder Blasen zusammenschmelzen. Neben Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis und COPD handelt es sich um eine der häufigsten Lungenkrankheiten.

Eine akute Überblähung von Lungengewebe ist rückbildungsfähig, so nach einem Asthmaanfall.

Die Überblähung erfolgt auf unterschiedliche Weise, dementsprechend gibt es verschiedene Emphysemarten:

Generalisiertes Emphysem

Ein grosser Teil der Lungenbläschen (Alveolen) wird überdehnt und zerstört, sie verschmelzen zu Hohlräumen, vergleichbar den Löchern im Emmentaler Käse. Dadurch verkleinert sich die für den Gasaustausch notwendige innere Oberfläche der Lungen. Die Aufnahme des lebenswichtigen Sauerstoffs und die Abgabe der beim Stoffwechsel entstandenen Kohlensäure sind dadurch eingeschränkt. Die Veränderungen finden sich über die ganze Lunge verteilt. Zusätzlich büsst das Gewebe an Elastizität ein. Unter adäquater Behandlung lässt sich das Fortschreiten verlangsamen oder aufhalten, aber nicht rückgängig machen.

Lokalisiertes Emphysem

Es werden unterschiedliche Formen unterschieden. Gemeinsam ist das herdförmige (lokalisierte) Auftreten von Emphysemblasen, die durch Zerstörung oder Ausweitung einiger Alveolen entstanden sind. Die Blasen liegen teils an bindegewebigen Begrenzungen einzelner Lungenteile, teils dicht unter der Lungenoberfläche. Sie kommen vereinzelt (solitär) oder in Mehrzahl vor, können klein bleiben, Pflaumengrösse erreichen oder sich im Extremfall über einen ganzen Lungenlappen ausdehnen. Das übrige Lungengewebe bleibt normal strukturiert und funktioniert beschwerdefrei.
Dicht unter der Lungenoberfläche liegende Emphysemblasen treten meist bei jungen Erwachsenen auf und bleiben unbemerkt, falls sie nicht eines Tages platzen – die Folge ist dann ein spontan entstandener Pneumothorax.

Begriffserklärungen

Alveole:

Lungenbläschen, normalerweise mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 mm. Sie sind die „Endstation“ für die Atemluft. Hier wird einerseits der Sauerstoff in die Blutkapillaren aufgenommen, andererseits Kohlensäure aus dem Blut in die Alveolarluft abgegeben und ausgeatmet.

Blutkapillare:

feinste Blutgefässe.

Bronchien:

Äste der Luftröhre nach deren Aufgabelung, tiefe Atemwege. Durch die Bronchien gelangt die Luft zu den Lungenbläschen (Alveolen). Adjektiv: bronchial.

Emphysem:

Überblähung der Lungen durch zu grosse Luftfülle. Das griechische Verb εμφυσώ (emphyso) bedeutet aufblasen.

Irreversibel:

Nicht rückgängig zu machen, bezogen auf eine Krankheit: nicht heilbar.

Pneumothorax:

Das Wort ist griechischen Ursprungs und bedeutet freie Luft im Brustkorb ausserhalb der Lunge. Spontan tritt er auf, wenn eine dicht unter der Lungenoberfläche liegende Emphysemblase platzt.

Zyanose:

Bläuliche Verfärbung der Haut (besonders der Lippen, Finger, Ohren) und der Schleimhäute wegen Sauerstoffmangel im Blut.

Ursachen

  • Chronische Bronchitis: Viele Betroffene haben seit Jahren eine chronische Bronchitis, begünstigt vor allem durch Rauchen und durch Luftverschmutzung am Arbeitsplatz. Männer erkranken häufiger, bei Frauen ist die Tendenz deutlich zunehmend.
    Durch die chronische Bronchitis sind grössere und kleinere Luftröhrenäste in Mitleidenschaft gezogen, durch das Emphysem zusätzlich die Lungenbläschen.
  • Chronisch forciertes Ausatmen gegen Widerstand: Asthma bronchiale, Spielen von Blasinstrumenten, Glasblasen oder stetige unzweckmässige Atemtechnik beim Sport kann mechanisch bedingte Lungenüberblähung zur Folge haben. Für das Entstehen eines Emphysems sind in diesen Fällen allerdings weitere Auslöser mit entscheidend, insbesondere Luftverunreinigungen.
  • Alter: Durch Abbauvorgänge in den Lungen kommt es zu Elastizitätsverlust, zum Schwinden von Lungengewebe und zur Emphysembildung. Zusätzlich ist wohl das lebenslange Inhalieren von Luftverunreinigungen verantwortlich zu machen.
  • Mangel an enzymatischen Schutzfaktoren: Enzyme (Fermente) schützen die Wände der Lungenbläschen vor aggressiven Substanzen. Ein genetisch bedingter Mangel an Hauptschutzfaktor (Alpha-1-Antitrypsin) schwächt die Abwehr gegen eingeatmete Schadstoffe. In diesem Fall kann das Emphysem schon bei jüngeren Menschen invalidisierende Ausmasse annehmen, in der Regel aber nur, wenn die Betroffenen auch rauchen.
  • Veranlagung: Einzelne Emphysemblasen dicht unter der Lungenoberfläche kommen familiär gehäuft vor, weshalb vermutet wird, dass genetische Faktoren mitbeteiligt sind.
  • Einengung von feinsten Ästen der Bronchien oder Narbenbildung infolge Entzündung oder Infektion führt dazu, dass die Luft schlecht aus den Lungenbläschen entweichen kann.
  • Angeborene Missbildung: Sie kommt vor als einseitiges Emphysem, vornehmlich betroffen ist der obere Lungenlappen, gleichzeitige Missbildung anderer Organe ist häufig.

Das Krankheitsbild

Vereinzelte Emphysemblasen und andere, wenig ausgedehnte lokalisierte Emphyseme bleiben symptomlos. Kommt es zum Spontanpneumothorax (Pneumothorax) wegen Platzens einer Emphysemblase an der Lungenoberfläche, erzeugt dies einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Brustkorb und Atemnot.

Das generalisierte Lungenemphysem entwickelt sich am häufigsten aus einer chronischen Bronchitis, in der Regel nach dem 45. Lebensjahr, bei Rauchern bisweilen schon früher. Bestehen beide Krankheiten gleichzeitig, spricht man von chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD). Zu Beginn fehlen typische Symptome oder ihre Bedeutung wird nicht voll erkannt:

  • Atemnot, anfänglich nur unter körperlicher Belastung, etwa beim Treppensteigen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu einer deutlich eingeschränkten Funktion der Lunge mit Atemnot bereits in Ruhe (Ruhedyspnoe).
  • Chronischer Husten mit oder ohne Auswurf.
  • Leistungsminderung, Müdigkeit oder Kopfschmerzen sind häufig.
  • Verstärkte Infektneigung (Bronchitis, Lungenentzündung), vor allem in den Herbst- und Wintermonaten.
  • Bläuliche Lippen: Mit zunehmender Überblähung der Lungen kann immer weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen werden und die Lippen verfärben sich bläulich (Zyanose).

Komplikationen und Spätfolgen bei generalisiertem Emphysem

  • Wiederholte akute Infekte. Sie lösen eine plötzliche Verschlechterung des Zustands aus.
  • Starrer, fassförmiger Brustkorb mit horizontal gestellten Rippen, der nur minimale Atembewegungen zulässt. Das Ausatmen ist erschwert und verlängert.
  • Versagen der Atemmuskulatur.
  • Eine stark eingeschränkte Lungenfunktion zieht auch das Herz in Mitleidenschaft. Es kommt zu Herzvergrösserung und Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), ein Zustand der die Atemnot noch verstärkt. Insbesondere die rechte Herzkammer ist betroffen, denn das Herz muss mehr arbeiten, um das Blut durch die Lungen zu pumpen.
  • Kräfteverfall mit allgemeiner Muskelschwäche.
  • Bronchuskarzinom.

Was man selbst tun kann

  • Vermeiden einer weiteren Exposition gegenüber Schadstoffen, insbesondere Industrie-Staub und Tabakrauch. Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Selbst bei schon ausgeprägtem Lungenemphysem lässt sich eine subjektive Besserung der Beschwerden erreichen.
  • Regelmässige Atemgymnastik, Inhalationen, Klimakuren und dosierte Belastung mit Muskeltraining nach ärztlicher Empfehlung und unter Anleitung von Fachpersonal tragen dazu bei, die Funktion der Lungen und die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten.

Wann braucht es den Arzt

Husten und Auswurf während mehrerer Wochen, Atemnot und eine deutliche Verschlechterung der körperlichen Belastbarkeit sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Entsprechendes gilt, wenn bei bereits bekanntem Emphysem Atemwegsinfekte auftreten.

Diagnose

Dem Nachweis dienen die allgemeine Untersuchung, Lungenfunktionstests, Labor (Blutgasanalyse, Enzymbestimmungen im Blut), Röntgen und Computertomographie (CT).

Behandlung

  • Infekte erfordern eine konsequente Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten und meist auch mit Antibiotika.
  • Eine asthmatische Komponente ist häufig und bedarf spezifischer Behandlung mit Inhalationen und Medikamenten, welche die Verengung der Atemwege reduzieren.
  • Hustenstillende Arzneimittel werden insbesondere eingesetzt, um einen ruhigen Schlaf zu gewährleisten und bei fortgeschrittener Krankheit, um die Überbelastung des Herzens zu begrenzen.
  • Bei fortgeschrittenem Emphysem: Sauerstoff-Langzeittherapie via Nasensonde oder Maske.
  • Einzelne (solitäre) Emphysemblasen lassen sich operativ entfernen (Bullektomie), wobei zunehmend minimal-invasive Techniken („Knopfloch-Chirurgie“, Thorakoskopie) Anwendung finden.
  • Bei ausgedehnter diffuser Zerstörung beider Lungen können Lungenteile entfernt werden (sog. Volumenreduktionschirurgie). Als letzte Möglichkeit ist eine Lungentransplantation zu erwägen.

Vorbeugen

Die Prophylaxe ist besonders deshalb wichtig, weil ein Emphysem nicht mehr rückgängig gemacht, sondern nur symptomatisch behandelt werden kann.

  • Inhalation von Schadstoffen vermeiden, bei Staubexposition Atemschutzmasken tragen.
  • Nicht Rauchen.
  • Sorgfältige Therapie von Asthma bronchiale und chronischer Bronchitis.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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