0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0

Lungenentzündung

Fachbegriff: Pneumonie

Pneumonie bedeutet Entzündung des Lungengewebes. Sie kann von den Bronchien (Atemwege in den Lungen) ausgehen und umgebendes Gewebe befallen, ihren Ursprung in den Lungenbläschen selbst haben und eine oder beide Lungen teilweise oder ganz ergreifen.

Im Herbst und Winter treten Pneumonien bevorzugt auf. Sie kommen in jedem Lebensalter vor, ältere oder abwehrgeschwächte Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet.

Die Lungenentzündung ist die häufigste zum Tod führende Infektionskrankheit. In manchen Entwicklungsländern steht sie sogar an erster Stelle der Todesursachen. Die Pneumokokken-Pneumonie, die häufigste bakterielle Lungenentzündung, hat auch in Industriestaaten noch eine hohe Sterblichkeit, insbesondere bei älteren Patienten. Entsprechendes gilt für eine Grippe-Pneumonie.

Ursachen und Risikofaktoren

Infektionen

Eine Vielzahl von Mikroorganismen (Kleinstlebewesen, Krankheitserreger) kommt als Ursache einer Lungenentzündung in Frage. Die Übertragung der Erreger erfolgt meist über die Luft, seltener über den Blutweg.

  • Bakterien: Am häufigsten Pneumokokken, Chlamydien, Haemophilus influenzae, Mykoplasmen und Legionellen. Haemophilus influenzae (ein Bakterium) ist nicht mit dem Influenza-Virus (Grippe-Virus) zu verwechseln.
  • Viren: Meist handelt es sich um Grippe-, RSV- oder Adenoviren. Andere (z.B. Herpes, Varizellen) sind fast nur bei Immunschwäche und chronischen Krankheiten für Lungenentzündungen verantwortlich.
  • Eine anfänglich virale Pneumonie wird bisweilen durch Bakterien kompliziert, insbesondere bei abwehrgeschwächten Patienten. „Die Viren bereiten den Weg für die Bakterien“ – man spricht in einem solchen Fall von Superinfektion.
  • Seltenere Erreger einer Pneumonie sind Pilze und Parasiten.

Nicht-infektiöse Ursachen

Reizung der Atemwege führt in diesem Fall zur Entzündung der Schleimhaut, mitunter auch des Lungengewebes.

  • Physikalisch, chemisch: Gase, auch Rauch und Heissluft (Inhalationstrauma), Bestrahlung (Therapie bei Krebs), Medikamente.
  • Allergie, überschiessende Reaktion des Immunsystems, z.B. bei Asthma.
  • Aspiration: Darunter versteht man das Eindringen von Flüssigkeiten (Blut, Magensaft, Erbrochenes, verunreinigtes Wasser) in die oberen Luftwege und in die Lungen. Zusätzlich zur Reizung können Mikroorganismen die Krankheit auslösen.

Risikofaktoren

Begünstigende Faktoren für das Entstehen einer Pneumonie sind:

  • Schlechte Abwehrlage infolge Allgemeinerkrankungen wie Grippe, Zucker-, chronische Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenkrankheit, Krebserkrankung, AIDS oder andere Immunschwäche, Alkoholismus; ausserdem während oder nach Chemotherapie sowie bei Unter- und Fehlernährung.
  • Chronische Lungenkrankheiten: Raucherbronchitis, Asthma, auch zystische Fibrose. Lungenkrebs: Bei älteren Menschen sind wiederholte Pneumonien ein Alarmsymptom, ein bisher nicht bekannter Lungenkrebs könnte sich dahinter verbergen. 
  • Ungenügendes Durchatmen bei Bettlägerigkeit nach Operationen oder infolge Mehrfachverletzungen, Verletzung des Brustkorbs, des Bauchs, Frakturen (Brüche) grosser Knochen oder Schockzustand. 
  • Künstliche Beatmung auf der Intensivstation.
  • Spitalaufenthalt: In Krankenhäusern kommt es gelegentlich zu Pneumonien; manche der sog. Spitalkeime sind resistent gegen Antibiotika geworden. Infektionen, die ein hospitalisierter Patient durch spitalintern verbreitete Keime erleidet, nennt man nosokomiale Infektionen (von neugriechisch νοσοκομείο (Nosokomio) Spital).
  • Alter über 65 Jahre.
  • Haustiere: Papageien oder Wellensittiche. Aufgewirbelter Staub oder Kotpartikel enthalten bisweilen Chlamydien, das sind Bakterien, die unter anderem eine Pneumonie verursachen können (sog. Papageienkrankheit).

Das Krankheitsbild

Der Verlauf ist abhängig vom Erregertyp und von begünstigenden Faktoren, vom Umfang des entzündeten Lungengewebes sowie von der Abwehrlage des Erkrankten. Bakterielle Infektionen verlaufen meist schwerer als virale. Bei älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern korreliert jedoch der Schweregrad der Symptome nicht immer mit jenem der Erkrankung.

Unterschieden wird zwischen typischer und atypischer Pneumonie. Häufigste Erreger der typischen Lungenentzündung sind Pneumokokken und Haemophilus influenzae, bei den atypischen sind es vornehmlich Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen und Viren. Zu letzteren gehört auch der Erreger von SARS.

Typische Pneumonie

Charakteristisch sind akuter Beginn, hohes Fieber, Schüttelfrost, beschleunigte Atmung und Husten mit Auswurf, der meist zuerst rostbraun, später gelb-grünlich ist. Zeichen einer schweren Erkrankung sind Schmerzen beim Atmen, Atemnot und bläuliche Verfärbung (Zyanose) von Lippen und Fingernägeln. Die Zyanose ist Ausdruck ungenügender Sauerstoffaufnahme in den entzündeten Lungenbläschen. Bei Kindern sind begleitende Bauchschmerzen häufig.

Atypische Pneumonie

Der Begriff ist uneinheitlich definiert. Die Erkrankung beginnt eher langsam mit grippeähnlichen Symptomen und allmählich steigendem Fieber. Wenn Husten auftritt ist er quälend, aber unproduktiv (ohne Auswurf). Schmerzen beim Atmen sind seltener als bei der typischen Pneumonie, häufiger sind indessen Kopfweh und Gelenkschmerzen. Mitbeteiligung anderer Organe wie Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse kommen bei schwerem Verlauf vor. Atypische Pneumonien sind nicht harmlos, wie das Beispiel SARS zeigte.

Im Spital erworbene (nosokomiale) Lungenentzündungen werden oft durch atypische Erreger (resistente Bakterienstämme, Pilze) verursacht und können tödlich enden.

Der weitere Verlauf

Eine infektiös bedingte Lungenentzündung heilt meist innerhalb von 10 bis 14 Tagen und hinterlässt keine Funktionseinbusse. Auch nach Genesung kann noch einige Wochen bis Monate ein Reizhusten bestehen. Bleibt die Heilung aus oder kommt es nach kurzer Zeit zu einem Rezidiv (Rückfall), muss man an die Möglichkeit einer weiter bestehenden Grundkrankheit denken, zum Beispiel AIDS oder ein Bronchialkarzinom.

Komplikationen

  • Flüssigkeitsansammlung im Brustraum (Pleuraerguss), Lungenfellentzündung (Pleuritis).
  • Eiter im Brustraum (Pleuraempyem), Sepsis.
  • Infektion anderer Organe wie Herz, Gehirn und Hirnhäute, Leber.
  • Ateminsuffizienz (ungenügende Atemfunktion) mit schwerem Sauerstoffmangel.
  • Thrombose und Embolie. 
  • Lungenfibrose bei Chronifizierung einer Entzündung durch Medikamente oder nach wiederholter Bestrahlung.

Was man selbst tun kann

  • Zwar gilt es, sich zu schonen oder Bettruhe einzuhalten, im Rahmen des Möglichen sollte man sich jedoch körperlich bewegen und Atemübungen machen.
  • Viel trinken trägt dazu bei, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und das Sekret gut abzuhusten.
  • Inhalationen, eventuell ein Kamille-Dampfbad.
  • Bei Husten können Hausmittel jederzeit angewendet werden. Eine Reihe von Massnahmen finden sich im Buch „Hausmittel sinnvoll einsetzen“, welches hier erhältlich ist, ISBN 978-3-033-01334-6. Beispiele:
    • Zwiebelsaft oder warmen Holundersirup schluckweise trinken. 
    • Kartoffelwickel lindern den Husten und lösen den Schleim. 
    • Zum Fiebersenken: kühlende Wadenwickel, oder Eis in die Leisten legen.

Bei Husten mit Auswurf sollen keine Medikamente eingenommen werden, die den Hustenreiz unterdrücken (Antitussiva). Ungenügendes Aushusten von Schleim behindert die Heilung und begünstigt das Entstehen von Komplikationen.

Wann braucht es den Arzt

Ein Arztbesuch ist unter folgenden Umständen angezeigt:

  • Fieber und Husten mit oder ohne Auswurf, verbunden mit Atemnot oder stark beschleunigter Atemfrequenz.
  • Husten, der länger als eine Woche andauert, oder wenn er immer wieder auftritt.
  • Vorliegen von Risikofaktoren (s. oben).

Untersuchungen sind – neben dem Abhören des Brustkorbs – das Röntgenbild, eventuell Computer- oder Magnetresonanztomographie, Blutuntersuchungen, Lungenfunktionstests, bei schweren Erkrankungen und wiederholten Pneumonien auch die mikrobiologische Analyse von Auswurfproben auf Erreger und deren Sensibilität auf Antibiotika.

Therapie

Bei viralen Erkrankungen bleibt sie auf das Bekämpfen der Symptome beschränkt. Sind Bakterien die Ursache müssen Antibiotika eingenommen werden.
Der Arzt wird beurteilen, ob die Behandlung zu Hause oder besser im Spital erfolgt. Säuglinge, ältere Menschen und solche mit vorbestehenden chronischen Krankheiten werden meist im Spital behandelt.

Vorbeugen

  • Eine ausgeglichene, gesunde Lebensweise stärkt die Abwehr ganz allgemein, sodass der Körper krankmachende Erreger besser bekämpfen und eliminieren kann.
  • Für ältere, immungeschwächte und chronisch kranke Menschen sind Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe empfehlenswert. Das in der Schweiz empfohlene Impfschema für Kinder enthält neben Mumps und Masern auch eine Impfung gegen Hämophilus influenzae Typ B, den häufigsten Pneumonie- und Meningitis-Erreger bei Kindern. (Meningitis: Hirnhautentzündung)
  • Nach Verletzungen der Rippen und nach Operationen im Brustkorb oder Bauch besteht das Risiko, dass wegen der Schmerzen nicht genug tief durchgeatmet wird, was das Pneumonierisiko bedeutend erhöht. Atemgymnastik – eventuell nach Einnahme von Schmerzmitteln – wirkt vorbeugend, weil die Lungen sich besser entfalten und dadurch besser belüftet werden.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.