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Lymphknotenmetastasen

Normalerweise sind Lymphknoten weich und nicht zu tasten – ausser vereinzelt in der Leistenregion. Lymphknotenschwellungen führen dazu, dass die Lymphknoten tastbar oder sogar sichtbar werden, am besten seitlich am Hals, in der Achsel- und Leistengegend. Lymphknoten im Abflussgebiet einer Krebsgeschwulst filtern unter anderem Krebszellen heraus, die hier hängen bleiben und zu Lymphknotenmetastasen heranwachsen können. Vergrösserte Lymphknoten sind ausserdem ein Symptom vieler Infektionskrankheiten und kommen entsprechend häufig vor (s. Entzündliche Lymphknotenschwellung).

Für die vielfältigen Formen von Lymphknotenvergrösserungen existiert folgende Unterscheidung:

  • Gutartig, bei Infektionen und Entzündungen.
  • Bösartig, infolge einer Krebserkrankung. 
  • Lokalisiert: bei lokaler Infektion (z.B. im Halsbereich) oder infolge Metastasierung.
  • Generalisiert, also an vielen Stellen des Körpers nachweisbar, meist infolge einer generalisierten Infektion oder infolge Lymphom (Krebs des Lymphsystems). Dieser unterscheidet sich insofern von Metastasen, als er direkt im lymphatischen System entsteht. Metastasen sind hingegen Ableger einer anderweitigen Krebsgeschwulst.

Im Folgenden geht es ausschliesslich um Lymphknotenvergrösserungen, die auf Metastasierung zurückzuführen sind. Diese ergreift im Anfangsstadium nur einzelne Lymphknotenstationen, kann bei lange bestehender Krebskrankheit aber auch generalisiert auftreten.

Begriffserklärungen

Lymphgefässe:

Lymphgefässe sind Drainageleitungen für die Lymphflüssigkeit. An bestimmten Körperstellen münden zahlreiche Lymphgefässe in Lymphknoten.

Lymphknoten:

Lymphknoten, umgangssprachlich auch „Lymphdrüsen“ genannt, finden sich an vielen Stellen im Körper. Im Normalzustand weisen sie Linsen- bis Erbsengrösse auf. Sie funktionieren als Filter und Kontrollposten für die Lymphflüssigkeit und sind wichtige Organe der Immunabwehr.

Lymphatisches System:

Das lymphatische System umfasst mehrere Organe wie Lymphknoten, Knochenmark, Thymus, Milz und die Mandeln, aber auch die Gesamtheit der Lymphbahnen. In einigen dieser Organe entstehen bzw. reifen Lymphozyten und andere weisse Blutkörperchen, die Abwehrstoffe (z.B. Antikörper) gegen eingedrungene Mikroorganismen, Giftstoffe und weitere Fremdkörper bilden und deren Elimination unterstützen.
Zwei Typen von Lymphozyten sind zu unterscheiden (Lymphozyt B und T)

Metastasierung:

Aussaat von Tumorzellen. Das Wort leitet sich ab vom griechischen μετάστασις, Metástasis, was Wegzug, Auswanderung bedeutet, und beschreibt damit den biologischen Vorgang sehr bildlich.

Metastase:

Tochtergeschwulst oder Krebsableger. Durch immunologische Vorgänge werden die meisten im Körper verschleppten Krebszellen zerstört. Wenn die Immunabwehr sie jedoch nicht identifiziert, wächst am Ort der „Niederlassung“ eine Metastase heran.

Lymphknotenmetastasen:

Durch Einwandern von Krebszellen in die Lymphknoten entstehen Metastasen, und zwar zunächst in den nahe am Primärtumor gelegenen, den so genannten regionären oder regionalen Lymphknoten.

Primärtumor:

Die ursprüngliche Geschwulst, von der die Zellen stammen. Von ihr werden spontan, schubweise oder kontinuierlich Geschwulstzellen in den Körper ausgestreut. Dies ist eine der definierenden Eigenschaften bösartiger Tumore (Krebs: Karzinome, Sarkome).

Punktion:

Einstich zur Entnahme von Flüssigkeiten oder Gewebe zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken. Verb: punktieren.

Ursachen

Bei jedem Karzinom ist früher oder später mit Lymphknotenmetastasen zu rechnen, da Krebszellen in nahe gelegene (regionäre) Lymphknoten wandern. Von dort, aber auch vom Primärtumor können Krebszellen in den Blutkreislauf gelangen, sich dann in entfernten Organen ansiedeln und weitere Metastasen bilden.

Eine krebsige Volumenvermehrung ist aber nicht in jedem Fall durch Metastasen bedingt. Sie kann auch von Zellen der Lymphknoten selbst ausgehen und wird dann als primärer Lymphknotenkrebs oder malignes Lymphom bezeichnet.

Symptome

Plötzlich neu auftretende Lymphknotenvergrösserung ohne Symptome einer Infektionskrankheit erweckt den Verdacht auf Krebs. Zudem wachsen von Metastasen befallene Lymphknoten ständig weiter, entzündlich vergrösserte bilden sich demgegenüber wieder zurück.

Lymphknotenmetastasen können mehrere Zentimeter Durchmesser erreichen. Am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leistengegend sind sie leicht zu tasten und manchmal von Auge zu sehen. Sie sind derb bis hart und meist nicht schmerzhaft, kaum verschieblich und mit dem umliegenden Gewebe verbacken. Aber auch innere Organe wie Magen, Darm, Eierstöcke und Lunge haben regionäre Lymphknoten, in denen Metastasen heranwachsen können. Diese liegen in der Tiefe des Bauch- oder Brustraums und sind deshalb nicht von aussen sichtbar oder zu tasten.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen, frühzeitige und adäquate Behandlung des Primärtumors sind die möglichen Prophylaxemassnahmen. Leider gelingt es auch so nicht immer, eine Metastasierung zu verhindern.

Wann braucht es den Arzt

Ein Arztbesuch ist in folgenden Situationen nötig:

  • Lymphknotenschwellungen ohne erkennbare Ursache, besonders bei harten, nicht schmerzhaften Lymphknoten, und vor allem wenn diese mit der Umgebung verbacken sind.
  • Schwellungen, die sich nicht innerhalb von zwei Wochen zurückbilden oder sogar zunehmen.

Diagnose

Dem Aufspüren von nicht sichtbaren Metastasen dienen bildgebende Verfahren wie Computer-Tomographie (CT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Magnetresonanz-Tomographie (MRT), Szintigraphie oder Ultraschall.

Zur Sicherung der Diagnose wird eine Gewebsprobe (Biopsie) entnommen. Dabei entfernt oder punktiert man einen Lymphknoten und untersucht ihn feingeweblich unter dem Mikroskop, eventuell auch mittels Immunhistochemie. Diese letztere Untersuchungsmethode ermöglicht den Nachweis von spezifischen Strukturen der Krebszellen und damit deren Klassifizierung. Dazu verwendet werden spezifische Antikörper, deshalb der Wortteil „Immun“.

Therapie

Während der Operation des Primärtumors werden auch die regionalen Lymphknoten entfernt. Bei Verdacht auf weitere Lymphknotenmetastasen und um der Bildung von solchen vorzubeugen, stehen ergänzend zur Verfügung: 

  • Radiotherapie: Bestrahlung der Umgebung der ursprünglichen Krebsgeschwulst.
  • Medikamente: Bei gewissen Primärtumoren erfolgt nach der Operation eine Chemo-, eventuell eine Hormon- oder Immuntherapie, bisweilen in Kombination mit Bestrahlung.

Im Zusammenhang mit diesen Behandlungen sind zwei neuere Begriffe aus der Arztsprache zu nennen: adjuvante und neoadjuvante Therapie. Bei der adjuvanten Behandlung wird Radio- oder Chemotherapie nach einer Operation eingesetzt, bei der neoadjuvanten zur Vorbehandlung, mit dem Ziel den Tumor zu verkleinern und damit leichter operierbar zu machen.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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