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Magenbrennen, Sodbrennen und Refluxkrankheit

Magen- oder Sodbrennen ist Folge einer Reizung der Schleimhäute von Magen und/oder Speiseröhre. Hinter dem Brustbein und in der Magengegend treten Schmerzen auf, die oft mit saurem Aufstossen verbunden sind. Durch wiederholten Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre entzündet sich die Schleimhaut dieses Organs.

Einleitung

Viele Erwachsene leiden gelegentlich an Magen- oder Sodbrennen, eine medizinische Behandlung ist bei der Mehrzahl der Fälle nicht oder nur vorübergehend nötig.

Durch wiederholten Rückfluss von Mageninhalt in den Ösophagus kann eine Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut (Ösophagitis) chronisch werden. Wenn diese über Jahre hinweg bestehen bleibt, sind Komplikationen möglich wie Verengung, Geschwüre oder seltener krebsige Entartung.

Gelegentlicher Reflux ist unbedenklich, kommt bei fast allen Menschen vor und verursacht keine anhaltenden Beschwerden. Der Speichel aus der Mundhöhle vermag kleinere Mengen Magensaft zu neutralisieren.

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Begriffserklärungen

Zwerchfell, Diaphragma:

Das Zwerchfell ist eine in der Mitte des Rumpfs in querer Richtung gewölbte Muskel-Sehnen-Platte, die Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Es weist Öffnungen auf für Organe, die aus dem Brustkorb in den Bauch hinunter ziehen. So tritt die Speiseröhre in einer Spalte (Hiatus) durch das Zwerchfell (Abbildung). Einen jeweils eigenen Durchtritt haben die grossen Blutgefässe (Aorta und untere Hohlvene) sowie Nervenstränge.

Ösophagus:

Speiseröhre. Griechisch: οισοφάγος (oisofàgos), die Speiseröhre.

Paraösophagal:

vom altgriechischen παρά (parà), in der Bedeutung von „neben, daran vorbei“, hier: neben der Speiseröhre gelegen.

Hiatus:

Durchtrittsöffnung im Zwerchfell für die Speiseröhre. Lateinisch: hiatus, Spalte, Öffnung.

Reflux:

das Zurückfliessen von saurem Magensaft in die Speiseröhre, die sich dadurch entzündet; es entsteht eine Ösophagitis.

Gastritis:

Entzündung der Magenschleimhaut.

Ursachen

Dem Magen- und Sodbrennen können zu Grunde liegen:

  • Häufigste Ursache für die Refluxkrankheit und Sodbrennen ist eine Insuffizienz (Schwäche) des unteren Ösophagusschliessmuskels. Hierbei erschlafft der untere Schliessmuskel aus ungeklärten Gründen ausserhalb des Schluckacktes und der Verschlussdruck des Muskels ist insgesamt zu tief, sodass Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfliessen kann und dadurch zu Sodbrennen führt.
  • Vermehrte Produktion von Magensäure mit Übersäuerung des Magens. Fliesst dieses aggressive Refluat wieder in die Speiseröhre, führt dies wiederum zu Sodbrennen.
  • Vermehrte oder verminderte Produktion von schützendem Magenschleim, beides mit der Folge einer Entzündung. Auslöser können in diesem Fall ungeeignete Getränke oder Nahrungsmittel (scharf gewürzte Speisen) sein.
  • Erhöhter Druck im Magen (z.B. durch verzögerte Entleerung) oder im ganzen Bauchraum. Folge davon ist Hochsteigen oder Rückfluss (Reflux) von saurem Magensaft in die Speiseröhre. Diese ist äusserst empfindlich, denn sie besitzt im Gegensatz zum Magen keine spezielle Säureresistenz und die Schleimhaut entzündet sich. Gebeugte Körperhaltung und bestimmte Tätigkeiten (s. unten bei „mechanische Faktoren“) begünstigen den Rückfluss von Magensaft und damit saures Aufstossen und Sodbrennen. Nach operativer Behandlung der Achalasie kann es ebenfalls zu Refluxbeschwerden kommen.
  • Unzureichender Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre, zum Beispiel bei einem Zwerchfellbruch. Er hat immer wiederkehrenden Reflux und damit eine Entzündung der Speiseröhre zur Folge.
  • Psychischer Stress kann sich negativ auf den unteren Schliessmuskel auswirken und dadurch bei diesbezüglich empfindlichen Personen das Sodbrennen begünstigen.

Begünstigende Faktoren

Krankheiten

  • Zwölffingerdarm- und Magengeschwür, Gallensteinleiden
  • Magenentzündung durch Bakterien und bakterielle Toxine: Durch das Bakterium Helicobacter pylori werden chronische, gelegentlich auch akute Entzündungen der Schleimhaut verursacht, analog der Entstehung von Magengeschwüren.
  • Rheumatische Krankheiten wie Polyarthritis und Sklerodermie. 
  • Magenübersäuerung: Bestimmte seltene Tumore der Bauchspeicheldrüse lösen auf hormonalem Weg eine vermehrte Produktion von Magensäure aus (Zollinger-Ellison Syndrom).

Nahrungs- und Genussmittel, Medikamente

Beispiele für Reizstoffe, welche Sodbrennen begünstigen:

  • Alkohol, Nikotin
  • Scharfe Gewürze oder Nahrungsmittel, üppige oder sehr fettreiche Mahlzeiten, insbesondere kurz vor dem Schlafengehen
  • Fruchtsäfte, eiskalte, stark saure oder kohlensäurehaltige und sehr süsse Getränke
  • Medikamente, insbesondere einige gegen Bluthochdruck oder Angina pectoris, daneben Aspirin, verschiedene andere Schmerz- sowie gewisse Schlafmittel und viele mehr

Mechanische Faktoren

Sie üben Druck auf den Magen aus und pressen den Mageninhalt nach oben.

  • Flaches Hinlegen oder sportliche Aktivität kurz nach dem Essen
  • Gebückte Körperhaltung und Tätigkeiten mit gebeugtem Rücken, Tragen schwerer Lasten.
  • Langes Sitzen in ungünstiger, nicht aufrechter Position beengt die Organe im Bauchraum, ebenso eine in der Taille einengende Kleidung
  • Übergewicht, Adipositas
  • Schwangerschaft
  • Magenentleerungsstörung: Verengung oder Verlegung des Magenausgangs führt zu Überdehnung und Überfüllung des Magens, dessen Inhalt dann nach oben in die Speiseröhre ausweicht. Solche Zustände sind heute selten; sie kommen bzw. kamen vor bei Magenkrebs und bei entzündlicher Schrumpfung des Magenausgangs infolge Zwölffingerdarm-Geschwür.

Symptome der Refluxkrankheit

  • Brennen und Schmerzen hinter dem Brustbein oder im Oberbauch, besonders nach Mahlzeiten oder im Liegen.
  • Übelkeit, saures Aufstossen, Erbrechen, das auch blutig sein kann.
  • Schluck- und Magenschmerzen von gelegentlich kolikartigem Charakter mit Ausstrahlung hinter das Brustbein und in den Rücken.
  • Heraufwürgen von Speiseresten (Regurgitieren).

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Die nachstehenden Empfehlungen entsprechen denjenigen, die auch bei Zwerchfellbruch und Speiseröhrenentzündung gelten.

  • Fettarme Kost, regelmässige Nahrungsaufnahme, eher kleine Portionen, letzte Mahlzeit 3 bis 4 Stunden vor dem Zubettgehen
  • Gewichtsnormalisierung
  • Stark säureprovozierende Speisen und Getränke meiden, auch süsse Speisen, insbesondere Schokolade, ebenso Kaffee, Alkohol Knoblauch und Tomatensauce.
  • Nicht rauchen. Starkes Rauchen fördert eine chronische Entzündung von Speiseröhre und Magen. Zudem lähmt das Nikotin das untere Drittel der Speiseröhre und begünstigt somit die Schwäche des unteren Speiseröhrenschliessmuskels.Mit erhöhtem Oberkörper und bevorzugt auf der rechten Seite schlafen.
  • Medikamente ersetzen, die die Magensäureproduktion stimulieren. Viele Rheuma- und Schmerzmittel gehören dazu.
    Kann auf ein bestimmtes Medikament nicht verzichtet werden, besteht die Möglichkeit, mit bestimmten Arzneimitteln die Säurebildung im Magen zu hemmen. Solche Medikamente blockieren weitgehend die Bildung überschüssiger Magensäure, so dass eine Übersäuerung gar nicht erst entsteht. Sie sind teils rezeptfrei erhältlich, ihre Nebenwirkungen müssen jedoch beachtet werden.
  • Übersäuerung des Magens neutralisieren: als Hausmittel können kalte Milch, Estragon, Fenchel und Mandeln dienen.

Wann braucht es den Arzt

Eine Arztkonsultation ist angezeigt bei häufigem Magenbrennen und besonders, wenn gleichzeitig Schluck-, Lungen- oder Herzbeschwerden, Blutbeimengung im Speichel oder Sputum (Auswurf, Schleim), Zeichen von Blutarmut oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust bestehen.

Diagnose

Zur exakten Abklärung dient eine Magenspiegelung (Gastroskopie), anlässlich derer sich auch die Speiseröhre beurteilen lässt, eventuell ergänzt durch eine Druckmessung in der Speiseröhre (Manometrie).

Therapie

Zusätzlich zur Änderung nachteiliger Lebensgewohnheiten kann Magenbrennen medikamentös behandelt werden. Bei grossem Zwerchfellbruch oder andauerndem Sodbrennen wird in geeigneten Situationen operiert, wobei hauptsächlich minimal invasive Verfahren („Knopflochchirurgie“) angewendet werden.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med H. Ganguillet
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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