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Magenkrebs

Fachbegriff: Magenkarzinom

Magenkrebs ist ein bösartiger Tumor (Geschwulst), der von der Magenschleimhaut ausgeht. Er durchsetzt allmählich die Magenwand, bricht in Lymph- und Blutgefässe ein und ist Ausgangspunkt von Metastasen in vielen Organen. Die Zahl der Neuerkrankungen geht in Europa und in den USA seit mehreren Jahren zurück. In China, Japan, Finnland, Chile, Kolumbien und Venezuela ist er jedoch noch weit verbreitet. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei Personen, welche über 50 Jahre alt sind.

Die Gefährlichkeit des Magenkarzinoms beruht darauf, dass es oft lange unbemerkt bleibt und daher erst in einem vorgerückten Stadium entdeckt wird. So werden über 50% der Fälle leider erst in einem fortgeschrittenen Stadium mit ungünstiger Prognose entdeckt. Frühsymptome sind unspezifisch oder fehlen, und deshalb bestehen zum Zeitpunkt der Diagnose oft schon Metastasen, besonders in den regionären (nahe liegenden) Lymphknoten und in der Leber.

Begriffserklärungen

Intrinsic Factor:

Der Intrinsic Factor wird im Magen von den sogenannten Belegzellen (auch Parietalzellen genannt) gebildet und ist notwendig, damit das Vitamin B12 überhaupt über den Darm aufgenommen werden kann. Eine Autoimmungastritis kann die Bildung des Intrinsic Factors hemmen oder verhindern. Dabei werden Autoantikörper gegen die Belegzellen gebildet, was die Intrinsic Factor-Produktion hemmt. Der in der Folge entstehende Vitamin B12-Mangel führt zu einer Anämie, welche „perniziöse Anämie“ genannt wird.

Ursachen und Risikofaktoren

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung von Magenkrebs sind:

  • Eine lange bestehende Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Über 90% aller Patienten mit einem Magenfrühkarzinom haben eine Helicobacter pylori-Gastritis (Magenschleimhautentzündung).
  • Chronisch autoimmune Gastritis (Magenschleimhautentzündung). Es werden Autoantikörper gegen Zellen der Magenschleimhaut und gegen den Intrinsic Factor gebildet. Diese Form der Gastritis führt zu einer mangelhaften Säurebildung (Anazidität) und auch zu einem Vitamin B12-Mangel.
  • Ess- und Trinkgewohnheiten:. Man findet Magenkrebs gehäuft im Zusammenhang mit einer Ernährung, die reich ist an geräucherten oder an stark gegrillten, gesalzenen oder gepökelten Speisen. Weitere chronisch einwirkende Entzündungsreize sind hochprozentiger Alkohol und Rauchen (Schlucken von teer- und nikotinhaltigem Speichel).
  • Genetische Faktoren, familiär gehäuftes Vorkommen von Magenkrebs durch Genmutationen.
  • Mit erhöhtem Krebsrisiko gehen auch das Magengeschwür, Magenpolypen, Unterernährung und ein Zustand nach einer Magenteilresektion (in der Vergangenheit wurde ein Stück des Magens entfernt) einher.

Die Ursachen sind im Einzelnen unklar. Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und bestimmte Vorerkrankungen spielen eine Rolle, sicher auch die chronische Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis), die unter anderem durch unzweckmässige Ess- und Trinkgewohnheiten ausgelöst wird. So findet man Magenkrebs gehäuft im Zusammenhang mit einer Ernährung, die reich ist an geräucherten oder an stark gegrillten und gesalzenen oder gepökelten Speisen. Weitere chronisch einwirkende Entzündungsreize sind hochprozentiger Alkohol und Rauchen (Schlucken von teer- und nikotinhaltigem Speichel).

Mit erhöhtem Krebsrisiko gehen auch das Magengeschwür, Magenpolypen, Unterernährung und bestimmte Anämieformen einher.

Das Krankheitsbild

Leider gibt es keine Frühzeichen, so dass die Erkrankung oft schon fortgeschritten ist, wenn sich erste Symptome bemerkbar machen. Die Beschwerden sind zudem anfänglich meist unspezifisch.

  • Unmittelbar auf den Magen weisen hin: Appetitmangel, unerklärbar rascher Gewichtsverlust, Übelkeit, Mundgeruch, Aufstossen, das bisweilen faulig riecht, Druckgefühl im Oberbauch. Als charakteristisch gilt auch (wenn vorhanden) die Unverträglichkeit bestimmter Speisen – besonders ein Widerwille gegen Fleisch und Wurstwaren. Allgemeine Folgen sind Müdigkeit und Leistungsminderung.
  • Das Magenkarzinom blutet häufig. Bei geringer, aber fortgesetzter Sickerblutung entsteht eine chronische Blutarmut. Im Stuhl lassen sich dann Blutspuren nachweisen, seltener ist er durch verdautes Blut schwarz gefärbt (Teerstuhl).
    Akut einsetzende Massivblutungen führen zu Bluterbrechen und Kreislaufschock.
  • Ableger des Magenkarzinoms in anderen Organen können schon früh auftreten, besonders in der Leber (Lebermetastasen). Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites, „Bauchwassersucht“) zeigt gleichfalls an, dass der Krebs über den Magen hinaus andere Bauchorgane und das Bauchfell erfasst hat.

Besonderheiten verschiedener Lokalisationen: 

  • Bei Karzinomen am Mageneingang treten gelegentlich Schluckstörungen auf. Ein hinuntergeschluckter Bissen rutscht dann nicht mehr in den Magen, sondern wird wieder hochgewürgt und ausgespuckt.
  • Anders ist es bei Karzinomen am Magenausgang, also am unteren Ende des Magens. Entsteht hier durch das Tumorwachstum eine enge Stelle (Stenose), bleibt die aufgenommene Nahrung lange im Magen liegen und wird nur verzögert in den Darm weiter befördert (Entleerungsverzögerung). Es resultieren Sodbrennen, Druckgefühl im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen. Das Erbrochene enthält unverdaute Speisen, die vor mehreren Tagen eingenommen wurden.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Vorbeugen

Mögliche Massnahmen sind teilweise hypothetisch und basieren auf der Verminderung von Risikofaktoren. Einige Punkte lassen sich festhalten:

  • Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und reich an Vitamin C hat vermutlich eine schützende Wirkung.
  • Entzündliche Erkrankungen wie die Infektion des Magens mit Helicobacter pylori sollten konsequent behandelt werden. Deshalb sollte jeder Reizmagen nach 3 Wochen erfolgloser Therapie endoskopisch und mittels Biopsien (feingewebliche Untersuchung) abgeklärt werden.
  • Chronische Entzündungen der Schleimhaut sind ein Risikofaktor für Magenkrebs. Konzentrierter Alkohol (Schnäpse), Alkoholmissbrauch und starkes Rauchen sind daher zu meiden, ebenso geräucherte oder gepökelte und stark gegrillte Lebensmittel. Letztere enthalten krebsauslösende Nitrosamine.

Früherkennung

Zur Früherkennung bei familiärem Auftreten von Magenkrebs oder beim Vorliegen anderer begünstigender Faktoren wie chronische Entzündung empfehlen sich ab dem 45. Lebensjahr in regelmässigen Abständen Magenspiegelungen (Gastroskopie), und sofort, wenn „Magensymptome“ auftreten.

Nach einer teilweisen oder totalen Magenentfernung

  • Günstig ist es ist in der Regel, häufig kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Geeignet sind eiweissreiche Lebensmittel und komplexe Kohlehydrate (Brot, Vollkornprodukte).
  • Verzichten muss man vielfach auf raffinierten oder „freien Zucker“ (Süssigkeiten), Milch und scharfe, sehr süsse und blähende Speisen. Unangenehme Reaktionen seitens des Herz-Kreislaufsystems oder Unterzuckerung lassen sich damit wenigstens teilweise vermeiden (so genanntes Dumping-Syndrom). Solche Reaktionen äussern sich in Herzrasen, Blutdruckabfall, Schwindel und Schweissausbrüchen sowie Zittern und Unruhe. Sie können auftreten, wenn lösliche Stoffe in der Nahrung Flüssigkeit aus der Blutbahn in den Darm ziehen, oder wenn der Blutzucker zu stark und zu schnell abfällt.

Wann braucht es den Arzt

Treten jenseits des 40. Lebensjahrs chronische Beschwerden auf, die sich dem Magen zuordnen lassen, ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Je früher ein bösartiger Tumor entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten.

Das Kernstück der Diagnostik ist die Magenspiegelung (Gastroskopie). Dabei wird ein flexibles Fiberglaskabel mit vorne eingebauter Beleuchtung und Optik vom Mund her in den Magen hinunter geschoben. Das Mageninnere lässt sich so vollständig absuchen, und der Arzt entnimmt aus verdächtigen Stellen mehrere kleine Gewebsproben zur mikroskopischen Untersuchung. Ultraschall (Sonographie), Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und Computer-Tomographie (CT) können Hinweise geben auf Metastasen in Lymphknoten und anderen Bauchorganen sowie auf das Einwachsen des Tumors in Nachbarorgane. Die Verfahren dienen der Standortbestimmung hinsichtlich Operationsfähigkeit und Prognose.

Die Behandlung ist prinzipiell operativ.

  • Wenn technisch machbar, wird der Magen teilweise oder ganz entfernt. Mit Chemotherapie und Bestrahlung vor dem Eingriff versucht man bisweilen, grosse Tumore zu verkleinern, damit sie besser zu operieren sind.
  • Wenn der Magen ganz entfernt werden musste, ist mit Mangelerscheinungen zu rechnen; ein bleibender Gewichtsverlust (bis 20% im Vergleich zu früher) ist nicht ungewöhnlich. Regelmässig werden Vitamin B12 und auch andere Vitamine gespritzt. Es gibt jedoch Menschen, die nach einer totalen Entfernung des Magens kaum eine Leistungseinbusse erfahren.
  • Lässt sich das Karzinom nicht vollständig entfernen, können durch den Tumor verengte Stellen mit einer Art Bypass umgangen werden. Derartige Eingriffe heilen aber die Krankheit nicht.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 18.05.2017

 
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