0844 277 277 Mo-Fr 8-18 Uhr
CSS Versicherung
Zur Übersicht
medicine 2.0

Malaria

Malaria gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten in manchen tropischen und subtropischen Gebieten. Sie gilt als Beispiel einer Tropenkrankheit schlechthin.
Gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben etwa 40% der Weltbevölkerung in „malariaverseuchten“ Gebieten. Laut Schätzungen sterben jährlich etwa eine Million Menschen an der Malaria. Die meisten werden in Afrika registriert, wo überwiegend die gefährliche Malaria tropica vorkommt.

Malaria hat nach wie vor weltweit eine grosse Bedeutung. Zur effizienteren Bekämpfung wurden deshalb in Zusammenarbeit mit der WHO von verschiedenen Organisationen Massnahmen in die Wege geleitet. Ziele sind: Verbesserung der Prävention, der Diagnostik und des Zugangs zur Therapie, insbesondere in Entwicklungsländern. Eine Reduktion der Neuerkrankungen wurde bereits erreicht, auch in Afrika, wo aber besonders die Kindersterblichkeit noch sehr hoch ist.

Früher kam Malaria auch in den südlichen Ländern Europas endemisch vor, insbesondere in Sumpfgebieten, weshalb man auch den Namen Sumpffieber verwendete.

In der Schweiz treten jährlich zwischen 200-250 Malariaerkrankungen auf, die auf Aufenthalte (Familienbesuche, Reisen, Geschäftsreisen) in betroffene Gebiete zurückzuführen sind. Als häufigster Ort der Infektion wurde der afrikanische Kontinent (90%) identifiziert, gefolgt von Asien und Amerika.

Immer wieder kommt es vor, dass sich jemand im Ausland infiziert, aber erst nach der Rückkehr erkrankt. Untersuchungen des BAG haben gezeigt, dass rund 10% der Erkrankungen sogar später als drei Monate nach Rückkehr aus einem Endemiegebiet auftraten.

Begriffserklärungen

Synonyme für Malaria:

Wechselfieber, Sumpffieber.

Endemie:

fortwährendes oder wiederholtes Vorkommen einer Krankheit in einem geographisch begrenzten Gebiet (Endemiegebiet). Der Krankheitserreger ist in dieser Region dauernd vorhanden. Adjektiv: endemisch.

Epidemie:

Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.

Exposition:

Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.

Multiorganversagen:

Erhebliche Funktionseinschränkung oder Versagen von zwei oder mehr lebenswichtigen Organen; kann zum Tod führen.

Resistenz:

Widerstandsfähigkeit eines Krankheitserregers gegenüber Medikamenten, Umwelteinflüssen, chemischen Substanzen oder Flüssigkeiten. Adjektiv: resistent.

Irreversibel:

Nicht rückgängig zu machen, bezogen auf eine Krankheit: nicht heilbar.

Ursachen und Risikofaktoren

Vier verschiedene Malariaerreger sind bekannt. Alle gehören zu den so genannten Plasmodien (parasitär lebende Einzeller), die Krankheitsbilder unterschiedlicher Schweregrade hervorrufen. 1880 hat der französische Arzt Charles Laveran erstmals Plasmodien im Blut von Malariakranken nachgewiesen.

Die Übertragung der Parasiten auf den Menschen erfolgt durch den Stich einer infizierten Anophelesmücke. In Höhenlagen von über 2000 bis 2500 Metern können die Mücken nicht existieren, daher gibt es dort keine Ansteckung.
Gelangen infizierte Anophelesmücken im Flugzeug nach Europa, sind während ihrer kurzen Überlebenszeit schon vereinzelt Neuansteckungen in Flughafennähe aufgetreten („Airport-Malaria“). Es liegt auf der Hand, dass das Erkennen einer Airport-Malaria schwierig ist, weil im Allgemeinen nicht damit gerechnet werden muss.

Hinsichtlich der Risiken für eine Infektion sind zu berücksichtigen:

  • Reiseziel: Häufigkeit von Mücken, welche Plasmodien übertragen und insbesondere Vorkommen von resistenten Krankheitserregern in der Region. Eine Darstellung der Länder und entsprechende Angaben publiziert das BAG auf seiner Homepage.
  • Reiseart. Besonders gefährdet sind Rucksacktouristen.
  • Jahreszeit (Regenzeit).
  • Aufenthaltsdauer.

Die Krankheitsbilder

Plasmodien durchlaufen einen komplizierten Vermehrungszyklus in der Leber und in den roten Blutkörperchen. Platzen die Blutkörperchen, gelangen Plasmodien ins strömende Blut, was der Körper mit einem charakteristischen Fieberschub und weiteren Krankheitszeichen beantwortet. Die Dauer zwischen Infektion mit dem Erreger und Krankheitsbeginn beträgt je nach Plasmodienart 7 bis 30 Tage, vereinzelt bis zu 6 Monate, selten noch länger.

Die ersten Symptome erinnern an eine Grippe. Plötzlich treten Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen auf, evt. auch Zeichen einer Infektion der oberen Atemwege.

Malaria tertiana und quartana

Die Fieberschübe wiederholen sich jeden 3. Tag (alle 48 Stunden) oder jeden 4. Tag (alle 72 Stunden). Während der Fieberphasen treten die genannten anderen Krankheitssymptome, gelegentlich auch Blutarmut auf. Organbezogene Symptome wie Benommenheit, Gelbsucht, Leber-
und Milzvergrösserung sind bei der Tertiana und Quartana möglich, aber selten. Nach mehreren Fieberschüben klingt die Krankheit meist auch ohne spezifische Behandlung ab. Die Malaria tertiana dauert in der Regel nicht länger als zwei bis drei Wochen, die Malaria quartana kann wesentlich länger anhalten (20 oder mehr Fieberschübe).
In vereinzelten Fällen verbleiben Malariaparasiten bzw. deren Vorstufen Monate bis Jahre im menschlichen Körper ohne Krankheitszeichen auszulösen. Aufgrund unklarer Einflüsse, vermutlich im Zusammenhang mit anderen Infektionen oder einer geschwächten Abwehr, können die Erreger wieder aktiv werden und Rückfälle der Erkrankung verursachen.

Malaria tropica, die gefährlichste Form von Malaria

Die in der Schweiz gemeldeten Malariaerkrankungen betreffen in 75 bis 80% diese gefährlichste Form. Typisch ist ein unregelmässig schwankend hoher Fieberzustand, weil die Erreger nicht in einem bestimmten Zyklus in die Blutbahn freigesetzt werden. Ansonsten entsprechen die Symptome zu Beginn jenen von Malaria tertiana oder quartana, doch ist der Verlauf schwerer und Komplikationen sind häufig. Dazu gehören Anämie (Blutarmut), Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Lähmungen, Leberversagen, Lungenödem, Nieren- und Herzmuskelschädigung. Das gefürchtete Schwarzwasserfieber beruht auf dem Zerfall roter Blutkörperchen mit Ausscheiden des Blutfarbstoffs durch die Nieren, die irreversibel geschädigt werden können. Der Tod an Multiorganversagen kann schon nach wenigen Tagen eintreten.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Vorbeugen bedeutet in erste Linie, den Mückenstichen aus dem Weg zu gehen. Studien haben gezeigt, dass eine konsequente Expositionsprophylaxe das Ansteckungsrisiko massiv reduziert. Sie ist entscheidend angesichts der potentiellen Gefährlichkeit der Krankheit und insbesondere, weil prophylaktisch eingenommene Medikamente keinen absoluten Schutz gewährleisten, unter anderem (aber nicht nur) wegen des Vorkommens von resistenten Erregerarten.

Geeignete Prophylaxemassnahmen sind:

  • Helle Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen (auch die Knöchel bedeckend), evtl. mit Insektensprays behandelt.
  • Die Haut mit Repellents einreiben (insektenabweisende Geruchsstoffe mit dem Wirkstoff DEET oder Icaridin).
  • Moskitonetz um die Schlafstätte und an Fenstern anbringen und sorgfältig auf Löcher absuchen. Das Moskitonetz sollte mit mückenabweisenden Mitteln imprägniert sein, weil bei Hautkontakt mit dem Netz Mückenstiche noch möglich sind. Spezielle Räucherstäbchen können ergänzend eingesetzt werden.
  • Dämmerung und Nacht im Freien meiden und sich – soweit möglich – in Räumen aufhalten, die vor Mücken geschützt sind (Mückengitter, Klimaanlage).
  • Schlaf- und Ruheplätze nicht in der Nähe von stehenden Gewässern einrichten (Safariorganisationen stellen ihre Lodges indessen bevorzugt an Gewässern auf).
  • Regelmässige prophylaktische Einnahme von Medikamenten: Unerlässlich ist konsequentes Einhalten der medikamentösen Prophylaxe (gemäss Verordnung) vor, während und auch nach der Reise. Untersuchungen bei Malariapatienten haben gezeigt, dass 60 bis 85% die Medikamente nicht oder nur unregelmässig eingenommen hatten.
  • Schwangere und Kinder unter 5 Jahren: Von einer Reise in Malaria-Endemiegebiete muss abgeraten werden. Gründe sind die Nebenwirkungen der Medikamente und die besonderen Gefahren, falls es zum Krankheitsausbruch kommt. Eine Risiko-Nutzen-Abwägung ist nötig.
  • Bezüglich der allgemeinen „Tropentauglichkeit“ gibt es weitere Informationen beim Stichwort Tropenkrankheiten.

Es muss dringend vor der Einnahme „schwarz“ importierter Imitate von Malariamitteln gewarnt werden. Nachgeahmte, falsch dosierte, unwirksame oder mit Schadstoffen verunreinigte Produkte werden im Internet und im Ausland angeboten.

Wann braucht es den Arzt

  • Spätestens sechs Wochen vor der Reise in ein Malariagebiet den Arzt aufsuchen, um die aktuelle Malariaprophylaxe und Impfungen gegen andere Tropenkrankheiten zu erfragen und sich verschreiben zu lassen. Der beratende Arzt soll darüber informiert werden, ob bereits andere Medikamente eingenommen werden, da Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Arzneimitteln berücksichtigt werden müssen.
  • Mit der Einnahme vorbeugender Medikamente ist vor der Abreise (in der Regel sieben bis acht Tage) zu beginnen und sie ist nach der Reise gemäss Verordnung weiterzuführen.
  • Für gewisse Destinationen werden den Touristen Medikamente zur Selbstbehandlung mitgegeben für den Fall, dass der Verdacht auf Malariaerkrankung besteht, aber innerhalb 24 Stunden kein Arzt erreichbar ist. Nach einer solchen Selbstbehandlung – auch wenn sie erfolgreich war – ist trotzdem immer eine ärztliche Untersuchung angezeigt.
  • An Malaria denken, wenn nach Rückkehr aus einem Malariagebiet Fieber auftritt. Den Arzt rasch aufsuchen und entsprechend informieren. Schnelle Diagnose und Therapie sind dringend, der Gesundheitszustand kann sich ganz plötzlich verschlechtern.

Es sei daran erinnert, dass die Inkubationszeit 30 Tage – im Extremfall bis zu 6 Monate und sogar mehr – betragen kann, und dass Rückfälle möglich sind. Wegen der potentiellen Gefährlichkeit der Krankheit hält das BAG Folgendes fest (Zitat aus dem BAG-Bulletin vom Jan. 2007): „Jedes Fieber innerhalb von 12 Monaten nach einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet sollte bis zum Ausschluss der Diagnose als Malaria betrachtet werden.“

Der Arzt stellt die Diagnose durch den Nachweis von Plasmodien mittels mikroskopischer Untersuchung einer Blutprobe.

Für die Therapie wurden neue Medikamente mit dem Ziel geringerer Nebenwirkungen entwickelt. Trotzdem spielt Chinin zur Behandlung der Malaria tropica auch heute noch eine Rolle. Problematik der Therapie:

  • Es gibt Malariaerreger, die gegen die üblichen Medikamente resistent sind. 
  • Manche Medikamente können schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen. 
  • Eine kompliziert verlaufende Malaria tropica erfordert intensive medizinische Überwachung.

Weiterführende Informationen, Adressen

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler, Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
Haftungsausschluss/Warnhinweis

Die CSS Versicherung übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Die publizierten Angaben können den fachkundigen Rat von Arzt und Apotheker in keinem Fall ersetzen.