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Migräne

Migräne ist ein anfallsartiger, oft einseitiger und wiederholt auftretender Kopfschmerz. Die Kopfwehattacken dauern meist zwischen einigen Stunden bis zu wenigen Tagen, folgen sich in wechselnden Abständen und sind ungleich heftig ausgeprägt. Manchmal ist eine gewisse Regelmässigkeit im Auftreten zu erkennen, zum Beispiel ein Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln, mit Stresssituationen oder mit der Regelblutung. Begleitsymptome sind häufig, insbesondere Übelkeit oder Erbrechen und Lichtempfindlichkeit.
Die Krankheit kommt in jedem Lebensalter vor, beginnt indessen meist zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr und trifft Frauen häufiger als Männer. Man nimmt an, dass etwa 15% der Schweizer Bevölkerung an Migräne leiden.

Ursachen und Auslöser

Sicher geklärt oder organisch nachweisbar sind die Ursachen meist nicht. Es werden pathologische (krankhafte) Vorgänge an den Gefässen der harten Hirnhaut vermutet – eine anfängliche Verengung und nachfolgende Weitstellung sowie eine Entzündung der Arterienwand. Daneben werden störende Impulse, die von den Nervenzellen oder deren Überträgersubstanzen ausgehen, verantwortlich gemacht.
Eine genetisch bedingte Veranlagung ist anzunehmen, da gehäuftes Vorkommen in „Migränefamilien“ bekannt ist.
Manchmal sind typische Auslöser bekannt:

  • Stresssituationen, Trauer oder Freude. Die Migräne setzt mehrheitlich nicht dann ein, wenn die Belastung am grössten ist, sondern eher vor einer erwarteten Stresssituation oder in einer Ruhephase danach.
  • Wettereinflüsse.
  • Bestimmte Nahrungsmittel wie Kaffee, Süssigkeiten, einige Käsesorten, Salami, aber auch Geschmacksverstärker wie Glutamat.
  • Alkoholische Getränke, Nikotin.
  • Grelles oder flackerndes Licht, Lärm.
  • Mangelnder oder sehr tiefer Schlaf.
  • Hormonale Einflüsse, Regelblutung.
  • Medikamente, sogar pflanzliche Präparate.

Das Krankheitsbild

Das Krankheitsbild ist nicht einheitlich. Unterschieden wird ausserdem zwischen Migräne mit und ohne Aura (Vorsymptome). Erscheinungsbild und Ausprägung sind abhängig vom Individuum und von Begleitumständen. Dementsprechend stehen unterschiedliche Symptome im Vordergrund. Charakteristisch sind:

  • Frühphase: Der Migräne geht gelegentlich eine kurze Phase von Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Unruhe, Heisshunger, Müdigkeit oder Übelkeit voraus.
  • Voraussymptome, eine so genannte Aura, von wenigen bis etwa 30 Minuten Dauer sind selten, jedoch manchmal schwerwiegend. Sie können den Anfall ankünden und nach Einsetzen des Kopfschmerzes verschwinden oder auch fortdauern. Erscheinungen der Aura sind:
    • Augensymptome: Augenflimmern, Lichtblitze, verschwommenes Sehen, verzerrte Bilder, Einschränkung des Gesichtsfelds.
    • Sprachstörungen, selten akustische Trugwahrnehmungen (Klingeln, Pfeifen).
    • Flüchtige Lähmungen, Hautkribbeln.
    • Bisweilen verschwindet die Aura wieder ohne nachfolgende Kopfschmerzen.
  • Typisch für den Anfall ist der mässige bis heftige, einseitige, oft pulsierende oder pochende Kopfschmerz. Dieser betrifft nicht immer die gleiche Seite, abwechselnder Befall beider Seiten kommt vor. Die Attacken dauern gewöhnlich zwischen 4 und 72 Stunden und treten mehrmals pro Jahr bis mehrmals pro Monat auf. Körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen, macht sie oft unerträglich.
  • Begleitsymptome sind Übelkeit bis Erbrechen, Überempfindlichkeit gegen Licht, Lärm und Gerüche, halbseitig gerötete oder abgeblasste Kopfhaut.
  • Die momentane Tätigkeit wird unterbrochen, es besteht oft Arbeitsunfähigkeit. 
  • Nach der Attacke sind Betroffene vielfach erschöpft. Während des Schlafens klingen die Schmerzen ab.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Durch gezieltes Beobachten und Notieren (Schmerzkalender) der Ess-, Schlaf- und Lebensgewohnheiten lassen sich Auslöser ermitteln und eventuell künftig meiden.
  • Schmerzmittel (Kopfwehmittel) nach Verordnung des Arztes einnehmen.
  • Beim Auftreten eines Migräneanfalls legt man sich am besten in möglichst ruhiger, abgedunkelter Umgebung hin. Häufig lassen sich die Attacken bei rechtzeitiger Einnahme eines Schmerzmittels abschwächen.
    Hinweis: Schmerzmittel können Kopfschmerzen verstärken oder sogar auslösen, wenn sie regelmässig eingenommen werden (Analgetika-Kopfschmerz).
  • Methoden der Stress- und Schmerzbewältigung; Progressive Muskelrelaxation (Muskel-An- und -Entspannung), Biofeedback. Ärger, Frust und Wut verstärken, Konzentration auf eine angenehme, willkommene Arbeit, Hobbies und Entspannungsübungen mildern den Schmerz. Positiv auswirken können sich: ausgeglichene Lebensweise mit genügend Schlaf und regelmässiger Bewegung oder Ausdauersport.
  • Manchen Betroffenen helfen alternative Methoden wie Akupunktur, Hydrotherapie (Wechselbäder) und Osteopathie.

Hausmittel 

  • Ein Gemisch von gleichen Teilen Tonicwasser und Cola oder heissen schwarzen Kaffee mit dem Saft einer Zitrone trinken. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
  • Kaltes Armbad, kalte Kompresse auf die Augen legen.
  • Massage, Fangoanwendungen.

Zur Selbstmedikation werden Extrakte wie Ginseng oder Ginko angepriesen. Es sei darauf hingewiesen, dass manche Extrakte pflanzlicher Herkunft mit konventionellen Medikamenten interagieren (eine Wechselwirkung oder „Störung“ verursachen). „Pflanzliche Herkunft“ ist nicht gleichbedeutend mit „es kann nicht schaden“.
Gewisse pflanzliche Präparate lösen möglicherweise Migräneattacken aus. Es ist deshalb sinnvoll, mit dem Arzt auch über die Einnahme solcher Medikamente zu sprechen.

Wann braucht es den Arzt

  • Erstmaliges Auftreten eines migräneartigen Kopfschmerzes.
  • Zunehmendes, lange andauerndes Kopfweh oder immer am gleichen Ort.
  • Plötzlicher Beginn, vergleichbar einer „Explosion“.
  • Wenn zusätzlich Fieber, Schüttelfrost, Bewusstseinsstörung und Nackenstarre bestehen.
  • Wenn sie nach Kopfverletzungen neu auftreten oder intensiver werden.
  • Wenn Krampfanfälle, Lähmungen, Schwindel, Hör- und Sehstörungen den Kopfschmerz begleiten.
  • Kopfschmerzen bei Kindern sind ernst zu nehmen. Migräne kommt auch bei kleinen Kindern vor.

Diagnose

Wichtig ist es, die Migräne von Kopfweherkrankungen mit organischen Ursachen abzugrenzen wie Infektionskrankheiten (besonders Hirnhautentzündung, Grippe), Hirntumore, Blutungen oder Gefässmissbildungen im Gehirn. Dazu finden Computer-Tomographie (CT), Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) Anwendung.

Zu berücksichtigen ist, dass auch Unterzuckerung (Hypoglykämie) bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) migräneartige Schmerzen hervorrufen kann.

Therapie

Ein Schmerzkalender, in dem nicht nur der Zeitpunkt und die Umstände, sondern auch die Art der Schmerzen (einseitig, wechselnd, stechend, pochend) notiert sind, erleichtert es dem Arzt, die Therapie optimal abzustimmen. Er kann so auf individuelle Voraussetzungen eingehen.

Helfen nach Beginn der Migräne eingenommene Medikamente nicht, kann eine länger dauernde Behandlung zum Vorbeugen notwendig sein, um die Anfälle zu unterdrücken. Dies insbesondere dann, wenn die Schmerzen zu häufiger Arbeitsunfähigkeit führen oder mit länger andauernden neurologischen Ausfallserscheinungen einhergehen.

Weiterführende Informationen, Adressen

Betreuungsprogramm der CSS Versicherung

Die CSS Versicherung bietet Ihnen in Zusammenarbeit mit den TopPharm Apotheken eine Standortbestimmung und Beratung bei Schmerzen an. Dies soll helfen Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 01.06.2018

 
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