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Mittelohrentzündung

Fachbegriff: Otitis media

Die akute Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten im Kindesalter. Besonders häufig ist sie bei Säuglingen und Kindern bis zu sechs Jahren und meist entsteht sie im Verlauf oder im Anschluss an eine Grippe oder Erkältung mit Schnupfen. Im Erwachsenenalter ist die Otitis media selten.

Bei Entzündungen schwillt die Schleimhaut der Ohrtrompete an, Schleim und Sekrete bleiben im Mittelohr liegen. Wenn die Gehörknöchelchen dann nicht mehr frei beweglich sind, ist das Hören beeinträchtigt. Da bei Kleinkindern die Ohrtrompete noch kurz ist und fast horizontal verläuft, ist das Abfliessen von Sekreten rascher beeinträchtigt.

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Anatomie und Funktion des Ohrs

Anatomisch werden drei Bereiche unterschieden: äusseres Ohr, Mittel- und Innenohr (Abbildung). Äusseres und Mittelohr sind durch das Trommelfell voneinander getrennt. Drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) im luftgefüllten Mittelohr übertragen die Schwingungen des Trommelfells zum Innenohr (Bogengänge und Schnecke). Dort findet eine Umwandlung von Schallwellen in Nervenimpulse statt, die ans Gehirn weitergeleitet werden.
Das Mittelohr ist durch einen schmalen Gang, die Ohrtrompete oder Eustach’sche Röhre, mit dem Rachenraum verbunden. Solange dieser Gang frei durchgängig ist, können Schleim und Sekrete abfliessen, das Mittelohr bleibt luftgefüllt und die Gehörknöchelchen sind frei beweglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Unterschiedliche Krankheitserreger gelangen über den Nasenrachenraum ins Mittelohr und können dort eine Entzündung hervorrufen. Nur selten dringen sie durch einen Trommelfelldefekt oder auf dem Blutweg ins Ohr ein. Viren allein vermögen bereits eine Otitis media zu verursachen, oft bereiten sie aber den Weg für Bakterien durch Reizung der Schleimhaut. Dabei handelt es sich überwiegend um Pneumokokken und Haemophilus influenzae, Staphylokokken und Streptokokken. Virale Krankheiten, die bisweilen eine Mittelohentzündung nach sich ziehen, sind Grippe und Erkältungen mit Schnupfen. Masern und Scharlach sind seltene Gründe.

Begünstigende Faktoren

Sie spielen vermutlich eine bedeutende Rolle, denn die meisten Krankheitserreger, die eine Otitis media auslösen können, lassen sich auch bei Gesunden nachweisen. 

  • Behinderte Nasenatmung (Nasenpolypen) und vergrösserte Rachenmandeln.
  • Rauch von Tabakwaren.
  • Häufiger Kontakt mit anderen Kindern (Kinderhort usw.).
  • Angeborene oder erworbene Abwehrschwäche
  • Im Kindesalter: schlecht durchgängige Eustach’sche Röhre (z.B. Verlegung durch Rachenmandeln).
  • Allergische Erkrankungen.

Das Krankheitsbild

Besonders die bakterielle Mittelohrentzündung beginnt plötzlich. Typische Symptome sind:

  • Starke oft als pulsierend empfundene Ohrschmerzen und Druckschmerz über dem Ohr, mitunter Ohrgeräusche oder reduziertes Hörvermögen.
  • Fieber, bei Kleinkindern oft hoch.
  • Kinder haben ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, sind quengelig, verlieren die Lust am Spielen, fühlen sich sehr krank. 
  • Begleitsymptome sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, gelegentlich Schwindel, bei Säuglingen auch Trinkschwäche.
  • Nach einer spontanen Perforation (Durchbruch) des Trommelfells entleert sich eitriger (Bakterien), wässrig gelblicher oder blutiger (Viren) Ausfluss aus dem Ohr und Fieber sowie Schmerzen klingen ab. Während des Heilungsprozesses wächst der entstandene Riss im Trommelfell meist problemlos zu.
  • Die Krankheit ist selbstlimitierend, heilt also spontan innerhalb von ein bis zwei Wochen. Allerdings kann auch dann noch während bis zu sechs Wochen ein Erguss in der Paukenhöhle hinter dem Trommelfell bestehen bleiben.

Komplikationen

Übergreifen der Entzündung auf benachbartes Gewebe, selten auch auf den Schädelknochen (Mastoiditis), birgt die Gefahr einer Innenohrschwerhörigkeit. Wenn die Entzündung das Innenohr erfasst (Labyrinthitis), ist neben dem Hörverlust auch Schwindel charakteristisch. Weitere Komplikationen, die teils sehr ernsthaft sind: Fazialisparese, chronische Otitis media, Hirnhautentzündung, Sepsis, Thrombose einer Hirnvene und Hirnabszess.

Chronische Mittelohrentzündung

Es gibt verschiedene Formen und Schweregrade. In leichteren Fällen besteht lediglich ein chronischer Erguss in der Paukenhöhle oder die Schwingfähigkeit des Trommelfells ist etwas eingeschränkt. In anderen Fällen handelt es sich um eine anhaltende, oft eitrige Entzündung, die in der Regel in Schüben verläuft, und meist ist das Trommelfell defekt, evtl. vernarbt. Folge können Verhärtungen durch Bindegewebsvermehrung sein, daneben Verklebungen und Wucherungen von Schleimhaut, allenfalls auch von Knochengewebe; daneben Verwachsungen im Bereich der Gehörknöchelchen, was zu Beeinträchtigung des Hörvermögens führt. Mastoiditis und Labyrinthitis (s. oben) sind auch hier mögliche Komplikationen.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Zwiebelwickel: Zwiebel in Scheiben schneiden, in dünnen Stoff einpacken, etwas zerdrücken, leicht erwärmen und am schmerzenden Ohr mit einer Mütze oder einem wollenen Schal befestigen. Anstelle von Zwiebeln können gekochte, etwas abgekühlte Kartoffeln verwendet werden. Anwendung: mehrmals täglich, jeweils etwa eine halbe Stunde lang.
  • Zum Abschwellen der Nasenschleimhaut mit Salzwasserlösung spülen: 1 Teelöffel Salz in ½ Liter lauwarmem Wasser auflösen; mit einem Röhrchen vorsichtig in jedes Nasenloch ziehen. Bei Kleinkindern mit einer Pipette in die Nase träufeln.
  • Viel trinken; Bettruhe.
  • Zum Fiebersenken Wadenwickel, Essigsocken. Die Temperatur sollte zu Beginn nur wenig niedriger sein als die momentane Körpertemperatur. Bei jedem Wechsel der Wickel oder Socken kann die Temperatur etwas verringert werden.
  • Wenn nötig fiebersenkende Medikamente oder Schmerzmittel.
  • Bei chronischer Mittelohrentzündung sollte darauf geachtet werden, dass kein Wasser ins Ohr gelangt.
  • Kein Schwimmbadbesuch während einer Erkältungskrankheit.
  • Die Impfung gegen Pneumokokken und Hämophilus influenzae-Bakterien schützt auch vor einer Otitis media durch diese Erreger.
  • Ohrentropfen oder Wattekügelchen zum Verschluss des Gehörgangs sollte man während einer akuten Mittelohrentzündung nicht benutzen. Sie begünstigen infolge Störung der Belüftung die Infektion und hemmen den Eiterabfluss.

Wann braucht es den Arzt

Eine Mittelohrentzündung erfordert eine ärztliche Beurteilung. Bei Kleinkindern, welche sich noch nicht konkret zu ihren Beschwerden äussern können, ist an eine Mittelohrentzündung zu denken, wenn Schnupfen, hohes Fieber sowie weinerliche Unruhe bestehen und wiederholt nach dem Ohr gegriffen wird.

Dringend muss der Arztbesuch in folgenden Situationen erfolgen:

  • Anhaltend hohes Fieber (mehr als drei Tage).
  • Ausfluss aus dem Ohr, der länger als drei Tage dauert.
  • Erneutes Auftreten der Beschwerden nach kurzer Besserung oder Andauern der Symptome während mehr als einer Woche.
  • Schmerzen und Schwellung hinter dem Ohr. 
  • Bewusstseinstrübung oder Krämpfe.
  • Lähmungen im Gesichtsbereich, Nackensteife.

Diagnose

Sie kann bei der akuten Entzündung anhand der Krankheitsgeschichte und der Ohrspiegelung gestellt werden. Bei Verdacht auf Komplikationen und bei chronischer Otitis media sind verschiedene, weitere Untersuchungen nötig: Röntgen, Computer- oder Magnetresonanz-Tomographie (CT oder MRT) sowie Hör- und Gleichgewichtsprüfungen, evtl. Bluttests für den Erregernachweis usw.

Therapie

In der Regel heilt die akute Entzündung innerhalb von einigen Tagen bis maximal drei Wochen ohne Folgen, auch wenn sie sehr schmerzhaft ist. Im Zentrum der Behandlung steht daher die Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Schmerzen. Beim Auftreten von Komplikationen sind Antibiotika meist unverzichtbar.

Selten ist das Aufschneiden des Trommelfells (eine so genannte Parazentese) nötig, um dem Eiter im Mittelohr Abfluss zu verschaffen. Die Belüftung des Mittelohrs wird bei Kindern bisweilen durch Einsetzen eines Röhrchens (sog. Paukenröhrchen) verbessert oder die Rachenmandeln werden entfernt.

Komplikationen erfordern mehrheitlich eine Operation. Entsprechendes gilt für schwerere Formen der chronischen Otitis media.

Autoren: Dr. med. Ute Hopp, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler
Abbildungen: Herr Eduard Imhof, PD Dr. med. Jürg Baltensweiler

aktualisiert am: 12.05.2016

 
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