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Nagelbettentzündung, Nagelumlauf

Fachbegriffe: Panaritium paraunguale, Paronychie

Die Nagelbettentzündung ist eine der häufigsten Entzündung der Finger oder Zehen. Sie wird meist durch Bakterien verursacht, welche durch kleine Verletzungen ins Gewebe eindringen konnten. Sie tritt meist akut auf und wird auch Umlauf oder Paronychie genannt.

Begriffserklärung

Nagelwall:

Hautbereich, der sich seitlich neben dem Fingernagel befindet. Nagelbett: Das Nagelbett befindet sich unter dem Finger- oder Zehennagel und ist sehr empfindlich

V-Phlegmone:

Infektion der Hohlhand oder der Sehnenscheide, die sich ohne Behandlung bis in den Oberarm ausbreiten kann und zu bleibenden Sehnen- und Muskelschäden führen kann.

Staphylokokken:

Dies sind nicht sporenbildende grampositive Bakterien. Sie besiedeln als Bestandteil der normalen Bakterienflora die Haut und die Schleimhaut von Menschen und kommen auch in der Umwelt (Gewässer, Luft, Lebensmittel) vor. Die Staphylokokken gelten als Verursacher von: Abszessen, Furunkeln, Wundinfektionen sowie Entzündungen von Nasennebenhöhlen, Lungen, Mittelohr oder Knochen (Osteomyelitis). Eine generalisierte Ausbreitung im Blut führt zu einer Sepsis. Staphylokokken sind die häufigste Ursache für eine Lebensmittelvergiftung und werden auch für das TSS (toxic shock syndrom) verantwortlich gemacht.

Streptokokken:

Es sind grampositive Bakterien, welche keine Sporen bilden. Streptokokken zählen zur normalen Bakterienflora in verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers, ohne dass es beim gesunden Menschen zu Krankheitssymptomen kommt. Manchmal verursachen sie jedoch verschiedene Krankheitsbilder wie: Nasennebenhöhlenentzündung, Sinusitis, Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Scharlach, Lungenentzündung, Eiterflechte (Impetigo), Phlegmone (eitrige Bindegewebsentzündungen), Herzentzündung (Endokarditis) und Hirnhautentzündung (Meningitis).Weitere Erkrankungen durch Streptokokken können Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Kindbettfieber, das Toxische Schock Syndrom (TSS) sowie eine Blutvergiftung (Sepsis) sein.

Osteomyelitis:

Die Osteomyelitis ist eine chronische oder akute Entzündung von Knochen. Diese kann z.B nach einer Operation auftreten. Es kommt aber auch vor, dass Erreger über das Blut (hämatogen) von einem anderen Infektherd (z.B. von entzündeten Mandeln) zum Knochen gelangen und auch dort eine Infektion verursachen

Wundheilungsstörung:

Unter Wundheilungsstörung versteht man einen verzögerten Verlauf der Wundheilung. Dies kann verschiedene Ursachen haben: Mangelernährung, Immunschwäche durch Tumorerkrankungen, abnehmende Hautdurchblutung im Alter, peripher arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Diabetes mellitus, Anämie oder die Einnahme von Medikamenten wie Immunsuppressiva nach Transplantationen oder bei Autoimmunerkrankungen. Medikamente gegen Krebs (Zytostatika) oder Medikamente zur Blutverdünnung (Antikoagulanzien) können solche Störungen ebenso verursachen.

Toxisches Schocksyndrom (TSS):

Dabei handelt es sich um eine sehr seltene, aber potentiell tödliche Erkrankung. Sie kann durch die Benutzung von sehr saugfähigen Tampons hervorgerufen werden. Falls ein solcher Tampon zu lange in der Scheide belassen wird, können Staphylokokken Toxine bilden, die zu diesem schweren Krankheitsbild mit Hautrötungen, Hautblasen, Erbrechen und im schlimmsten Fall bis zur Sepsis führen. Die Therapie des TSS muss unbedingt im Krankenhaus erfolgen. Als Vorsichtsmassnahme sollte man nicht zu starke Saustärken der Tampons verwenden und diese alle 3-4 Stunden auswechseln.

Ursachen und Risikofaktoren

Am häufigsten wird das Panaritium durch Staphylokokken oder Streptokokken, seltener auch durch andere, vorwiegend gramnegative Erreger ausgelöst. Dies sind Bakterien, die Bestanteile einer normalen Hautflora sind und auch in unserer Umwelt anzutreffen sind (Wasser, Erde, Lebensmittel und Luft). Die körpereigene Abwehr, das Immunsystem, hält diese potentiellen Krankheitserreger in Schach. Bei verminderter Abwehrlage und kleinen Verletzungen können diese Erreger in die Haut eindringen und dort eine Entzündungsreaktion und Erkrankung auslösen.

Risikofaktoren sind:

  • Das Tragen zu enger Schuhe
  • Eingewachsene Nägel
  • Eingerissene Nagelhaut
  • Zu kurz geschnittene Nägel
  • Wundheilungsstörungen (z.B. bei Diabetes mellitus)

Das Krankheitsbild

Die Entzündung macht sich zuerst durch akute und pulsierende Schmerzen im Bereich des Fingers oder der Zehe bemerkbar. Die betroffene Stelle ist gerötet, geschwollen, kann jucken und ist sehr schmerzhaft und druckempfindlich. Mit der Zeit kann man eine Eiterbildung beobachten.
Es werden oberflächliche und tiefe Formen von Nagelbettentzündungen unterschieden.

Oberflächliche Formen

Paronychie: Dabei handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Nagelwalls.
Panaritium per-oder subunguale: Diese Entzündung entsteht aus der Paronychie, wobei das gesamte Nagelbett und der gesamte Nagelwall betroffen ist.
Panaritium cutaneum: Hierbei kann sich die oberste Hautschicht (Epidermis) in Blasen abheben.
Panaritium subcutaneum: Das Unterhautgewebe ist eitrig entzündet

Tiefe Formen

Panaritium ossale: Bei dieser Form ist die Entzündung so weit fortgeschritten, dass sie auf den Knochen übergreift.
Panaritium tendinosum: Man spricht von einem Panaritium tendinosum, wenn sich ein Panaritium subcutaneum auf die Sehnen ausgebreitet hat.
Panaritium articulare: Bei dieser Form ist das Panaritium subcutaneum auf Gelenke übergetreten.

Komplikationen

  • Die Entzündung des Nagelwalls oder –bettes kann sich unbehandelt weiter ausbreiten und auf Sehnen, Knochen und Gelenke übergreifen, zu einer Phlegmone führen. Falls die Entzündung auf ein angrenzendes Gelenk übergreift, können später Bewegungseinschränkungen zurückbleiben.
  • Breitet sich die Entzündung im Körper weiter aus, kann es zu Fieber, Schüttelfrost und geschwollenen Lymphknoten kommen. Eine gefürchtete Komplikation ist die Blutvergiftung (Sepsis).
  • Hält eine Entzündung lange an, kann dies durch die Zerstörung der nagelbildenden Matrix zum Verlust des Nagels führen.
  • Durch die Entzündung und die daraus resultierende Unterversorgung können Nagelwachstumsstörungen resultieren.
  • Die Entzündung kann auf den Konchen des Fingers bzw. der Zehe übergreifen. In diesem Fall spricht man von einer Osteomyelitis

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

  • Bei den ersten Anzeichen einer beginnenden Infektion sind desinfizierende Umschläge (z.B. mit Alkohol oder Desinfektionsmittel) anzuwenden.
  • Ein tägliches Bad der betroffenen Nägel in warmem Wasser kann helfen, dass die Hornschicht und der Eiter besser entfernen werden können. Als Zusätze können Seife, Kamille oder Salz beigegeben werden; diese Zusätze wirken leicht entzündungshemmend. Nach dem Bad sollen die Nägel vorsichtig trockengetupft werden.
  • Desinfizierende Salben wie Povidon-Iod oder Salben mit Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat wirken antibakteriell und lindern den Juckreiz.
  • Stark eiternde Stellen können mit Ammoniumbituminosulfonat, das in der sogenannten Zugsalbe enthalten ist, eingerieben werden. Dies hat ebenfalls einen entzündungshemmenden Effekt und fördert das Abfliessen des Eiters.
  • Jeglicher Kontakt mit Reinigungsmittel und anderen Chemikalien sollte vermieden werden.

Achtung: Niemals selber den Eiterherd eröffnen!

Wann braucht es den Arzt

Tritt bei Selbstbehandlung der Nagelbettentzündung innerhalb von ca. 1-2 Tagen keine Besserung ein oder verschlimmert sich die Entzündung, ist ein Arzt aufzusuchen. Ebenso sollte man sich in ärztliche Behandlung begeben, falls Fieber auftritt, falls sich die Entzündung weiter ausbreitet und die Schmerzen stärker werden. Es besteht die Gefahr einer Blutvergiftung. Ein Patient, der an einer bekannten Wundheilungsstörung leidet oder Diabetiker ist, sollte immer einen Arzt konsultieren.

Therapie

Der Arzt wird die Entzündung mit antiseptischen Salben und Bandagen, gegebenenfalls mit Antibiotika behandeln. Bessert sich die Nagelbettentzündung trotz aller Maßnahmen nicht, wird anhand einer Röntgenaufnahme geprüft, ob und wie weit die Entzündung bereits in die umliegenden Knochen oder das Gewebe übergegangen ist. Unter Umständen muss der Eiter operativ entfernt werden (ambulant). Im Anschluss wird die betroffene Stelle ruhiggestellt und sollte hochgelagert werden.

Autoren: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 11.04.2016

 
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