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Neugeborenengelbsucht, Neugeborenenikterus

Auch: Icterus neonatorum

Die Neugeborenengelbsucht ist häufig. Fast 60% aller gesunden Neugeborenen haben in den ersten Lebenstagen eine Gelbsucht. In den allermeisten Fällen ist diese jedoch vollkommen harmlos.

Bei der Gelbsucht ist die Haut gelb und zwar aufgrund einer Einlagerung des Bilirubins. Dies ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, welcher in den Blutkörperchen enthalten ist und den Sauerstofftransport ermöglicht.

Die Gelbfärbung und somit auch die Bilirubinkonzentration erreichen normalerweise ca. am fünften Lebenstag das Maximum und sinken danach langsam wieder ab.

Da es manchmal vorkommt, dass die Bilirubinkonzentration zu stark ansteigt, werden alle neugeborenen Kinder diesbezüglich überwacht. Zu hohe Bilirubinkonzentrationen können via Blut-Hirn-Schranke in das empfindliche Gehirn gelangen und dieses in seiner Entwicklung nachhaltig schädigen. Man spricht dann von einem Kernikterus.
Kinder deren Bilirubinwert eine gewisse Grenze überschreitet werden deshalb vorsorglich mit einer Lichttherapie(Blaulicht) behandelt.

Begriffserklärung

Kernikterus:

Ab einem gewissen Schweregrad der Neugeborenengelbsucht, kann das Bilirubin die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und die Zellen des Gehirns und des Rückenmarks irreversibel schädigen. Dies führt zu Zerebralschäden, Intelligenzdefekten, Taubheit oder zum Tod.

Lichttherapie/Phototherapie:

Diese Therapieform wird bei Neugeborenen mit einer stärkeren oder länger andauernden Gelbsucht angewendet. Denn ab einer gewissen Konzentration des Bilirubins, kann es zu Schädigungen am Gehirn kommen.
Bei der Lichttherapie wird das möglichst unbekleidete Baby mit einer bestimmten Dosis und Dauer an Blau-oder seltener Rotlicht in seinem Bettchen bestrahlt.
Dieses Licht besitzt eine Wellenlänge von 450-475nm, dadurch wird der Abbau des Bilirubins in der Haut des Kindes beschleunigt und die Leber kann entlastet werden.

Rhesus-Konstellation:

Die Eltern unterscheiden sich bezüglich der Blutgruppe, das Kind hat möglicherweise die väterliche Blutgruppe geerbt. Die Mutter hat noch keine Antikörper gebildet.

Rhesus-Inkompatibilität:

Das Kind hat eine zur Mutter inkompatible Blutgruppe und die Mutter hat bereits Antikörper gebildet.

Hämoglobin:

Bezeichnung für den roten Blutfarbstoff der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). An das eisenhaltige Hämoglobin ist Sauerstoff gebunden, der so im Körper transportiert wird.

Bilirubin:

Eines der Abbauprodukte von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff der Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Bilirubin hat eine gelbe Farbe und ist ein normaler Bestandteil des Blutes.

Entstehung und Ausscheidung von Bilirubin:

Bilirubin entsteht, wenn rote Blutkörperchen nach ihrer Lebensdauer von 120 Tagen, in der Milz abgebaut werden. Der in ihnen enthaltene Sauerstoffträger, das Molekül Hämoglobin wird überflüssig und zerfällt. Eines der Zerfallsprodukte, der gelbe Farbstoff Bilirubin, gelangt ins strömende Blut. Es handelt sich täglich um rund 250 Milligramm. In der Leber wird Bilirubin durch Stoffwechselvorgänge wasserlöslich gemacht und als ein Bestandteil der Galle in den Darm ausgeschieden. Deswegen ist die Galle gelb.
Schematische Darstellung der Vorgänge:

Ikterus:

Er entsteht, wenn der Gehalt an Bilirubin über zwei mg pro Deziliter Blut steigt. Dies geschieht, wenn die Leber nicht mehr genügend auszuscheiden vermag. Das Zuviel an Bilirubin wird im Gewebe sichtbar abgelagert – man wird gelb.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache für diese Neugeborenengelbsucht ist, dass die kleine Leber des Neugeborenen noch nicht vollständig ausgereift ist und deshalb den Abbau der roten Blutkörperchen noch nicht ausreichend bewältigen kann.

Der gelbsuchtauslösende Stoff, das Bilirubin, welches ein Abbauprodukt der roten Blutkörperchen ist, wird nicht ausreichend abgebaut, weil einerseits die roten Blutkörperchen bei Neugeborenen eine verkürzte Lebensdauer haben und andererseits, weil die Glukuronyltransferase, das Enzym, das entscheidend an dem Abbau beteiligt ist, noch eine verminderte Aktivität besitzt.

Frühgeborene Kinder haben deshalb aufgrund ihrer Unreife ein erhöhtes Risiko eine Neugeborenengelbsucht zu entwickeln. Auch Kinder mit Blutgruppenunverträglichkeiten, beispielsweise Rhesusinkompatibilitäten, haben aufgrund des erhöhten Blutkörperchenabbaus ein erhöhtes Risiko.

Das Krankheitsbild

Bei der häufigen und harmlosen Neugeborenengelbsucht sind die Haut und das Augenweiss gelb und zwar aufgrund einer Einlagerung des Bilirubins.

Die Gelbfärbung und somit auch die Bilirubinkonzentration erreichen normalerweise ca. am fünften Lebenstag das Maximum und sinken danach langsam wieder ab. Nach 14 Tagen sollte keine Gelbfärbung mehr sichtbar sein.

Erreicht die Neugeborenengelbsucht Krankheitswert, kommen weitere Symptome wie Trinkschwäche, Apathie, Fieber, heller Stuhlgang und/oder dunkler Urin dazu.

Zu hohe Bilirubinkonzentrationen können via Blut-Hirn-Schranke in das empfindliche Gehirn gelangen und dieses in seiner Entwicklung nachhaltig schädigen. Man spricht dann von einem Kernikterus. Diesen möchte man unbedingt vermeiden.
Kinder deren Bilirubinwert eine gewisse Grenze überschreitet werden deshalb vorsorglich mit einer Lichttherapie, auch Phototherapie (mit Blaulicht) behandelt.

Was man selbst tun kann – Vorbeugen

Bereits vor der Geburt wird in den Schwangerschaftskontrollen darauf geachtet, dass es nicht zu einer Frühgeburt kommt und dass keine Blutgruppenprobleme (Rhesusinkompatibilität) auftreten. Denn diese Kinder haben ein erhöhtes Risiko für schwere Gelbsuchtverläufe.
Nach der Geburt wird die Bilirubinkonzentration im Spital überwacht und auch die betreuende Hebamme im Wochenbett kann diese Messung, falls notwendig vornehmen.

Diese vorsorglichen Kontrollen sind insbesondere deshalb so wichtig, da es falls sich ein Kernikterus entwickeln würde, keine Therapiemöglichkeiten gibt und die Folgen schwerwiegend sein können.

Therapie

Steigt die Bilirubin-Konzentration über einen bestimmten Grenzwert an, muss das Kind mit einer Lichttherapie, auch Phototherapie genannt, behandelt werden.

Tageslicht beschleunigt den Abbau der roten Blutkörperchen, pralle Sonne ist aber unbedingt zu vermeiden.
Speziell blaues Licht bewirkt, dass der gelbe Farbstoff Bilirubin in der Haut in eine wasserlösliche Substanz umgewandelt wird. Dieser Stoff wird anschließend über den Urin ausgeschieden.

Damit während der Beleuchtung die Netzhaut der Augen nicht beschädigt wird, müssen die Kinder eine Schutzbrille tragen.
In seltenen, schwerwiegenden Fällen ist ein Blutaustausch, eine Bluttransfusion notwendig.

Wann braucht es den Arzt

Das Spitalpersonal wird sich während des Aufenthaltes auf der Wöchnerinnenstation um ihr Neugeborenes und seine allfällige Neugeborenengelbsucht kümmern.
Während des Wochenbettes wird die betreuende Hebamme auch die Gelbsucht kontrollieren und im Bedarfsfall die notwendigen Schritte zur Therapie einleiten.
Auch der nachbetreuende Kinderarzt wird sich diesen Problemen annehmen. Stehen Ihnen dies Anlaufstellen nicht zur Verfügung sollten sie sich dringend an einen Arzt oder Spital wenden in folgenden Situationen:

  • Falls auch die untere Extremität von der Gelbfärbung betroffen ist
  • Zusätzliche Symptome zur Gelbfärbung: Trinkschwäche, Fieber, Apathie, heller Stuhl, dunkler Urin.
  • Fieber bei neugeborenen Kindern: Jegliche Temperaturerhöhung im Neugeborenenalter (ab Geburt bis zur 4. Lebenswoche) sollte ärztlich abgeklärt werden.
  • Atemprobleme sichtbar als: Nasenflügeln (die Nasenflügel bewegen sich stark beim Atmen), Stöhnen (das Kind gibt stöhnende Geräusche beim Atmen von sich), Einziehungen am Thorax (beim Atmen wird die Haut zwischen den Rippen eingezogen)
  • Das Kind schwitzt stark nach oder während des Trinkens
  • Blauwerden des Kindes
  • Galliges Erbrechen (grünes Erbrechen)
  • In allen Situationen, in denen Sie sich unsicher fühlen, oder das Gefühl haben, dass etwas mit ihrem Baby nicht stimmt

Weiterführende Informationen und Adressen

Autor: Dr. med. H. Ganguillet

aktualisiert am: 21.12.2016

 
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